Compliance und Verantwortung
Universitäten haben die Aufgabe, Erkenntnisse über unsere Welt zu erlangen, kritisches Denken zu fördern und die nächsten Generationen gesellschaftlicher Akteure und Akteurinnen auszubilden. Dafür ist wissenschaftliche Integrität – oder gute wissenschaftliche Praxis (GWP) – von entscheidender Bedeutung. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck nimmt ihre Rolle in diesem Kontext sehr ernst und setzt sich dezidiert für die Einhaltung von GWP in der an ihr geleisteten Forschung und Lehre ein. Sie orientiert sich dabei an den Vorgaben der Universität Innsbruck. Diese ist Mitglied der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWi) und hält sich an deren Richtlinien zur Guten Wissenschaftlichen Praxis sowie an eigene universitätsinterne Richtlinien.
Das Ethos guter wissenschaftlicher Praxis umfasst transparente und ehrliche Kommunikation, die Bereitschaft, die eigene Forschung hinterfragen und kritisieren zu lassen, Unvoreingenommenheit und Respekt im Umgang mit und bei der Kritik an der Forschung anderer sowie die Unterstützung und Wertschätzung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Verstöße gegen die sich hieraus ergebenden Standards schaden dem Vertrauen zwischen Forschenden, der Qualität wissenschaftlicher Ergebnisse und dem Ansehen wissenschaftlicher Einrichtungen. Im Folgenden sind einige Beispiele für Standards guter wissenschaftlicher Praxis und von Verstößen gegen sie aufgeführt. Die Beispiele stammen, wo keine andere Quelle angegeben ist, aus den ÖAWi-Richtlinien zur Guten Wissenschaftlichen Praxis oder den interne Richtlinien der Universität Innsbruck.
Beispiele für gute wissenschaftliche Praxis und Verstöße dagegen:
Don't: Plagiat (einschließlich der nicht deklarierten Verwendung von generativer KI bei der Erstellung von Texten, vgl. ALLEA All European Academies, 2023, Section 3.1
Do: Alle Quellen von Ideen und Texten klar angeben und korrekt zitieren
Don't: Der Versuch, die Forschung anderer zu behindern oder den wissenschaftlichen Ruf anderer Forscher:innen ohne berechtigten Grund zu schädigen
Do: Die Forschung anderer ungehindert zulassen und nicht versuchen, ihren wissenschaftlichen Ruf zu schädigen, ohne dass es dafür einen berechtigten Grund gibt
Don't: Fehlende Offenlegung von Interessenkonflikten (z. B. in Bezug auf Finanzierung, Auswahlverfahren, Peer Review usw.)
Do: Offenlegung aller Interessenkonflikte (z. B. im Zusammenhang mit der Finanzierung, bei Auswahlverfahren, bei Peer Reviews usw.)
Don't: Unzureichende oder unangemessene Betreuung von Dissertationen
Do: Angemessene Zeit und Mühe investieren, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Promovierenden zu gewährleisten. Das bedeutet u. a., ein Gleichgewicht zwischen enger Betreuung und der Förderung unabhängiger Forschung zu finden
Don't: Unangemessener Umgang mit Daten, z. B.:
- Fälschung oder Manipulation von Daten
- Nicht-Offenlegung von Datenanpassungen
- Ungenaue Aufzeichnung der Datenerhebung
- Verweigerung des Zugangs zu Originaldaten ohne berechtigten Grund
Do: Angemessener Umgang mit Daten, z. B.:
- genaue Erfassung und Veröffentlichung von Daten
- ausdrückliche Klarstellung von Datenanpassungen
- Sicherstellung, dass Datenerfassungsprozesse bei Bedarf rekonstruiert werden können
- transparenter Zugang zu Originaldaten, sofern keine berechtigten Gründe dagegensprechen
Don't: Unangemessene Praktiken im Zusammenhang mit der Mitautorschaft:
- Ausschluss legitimer Mitwirkender von der Anerkennung als Autor:innen von Forschungsergebnissen
- Aufnahme von Personen als Autor:innen, die keinen wesentlichen Beitrag zu den Forschungsergebnissen geleistet haben („Ehrenautorschaft“)
Do: Angemessene Praktiken im Zusammenhang mit der Mitautorschaft:
- Alle Mitwirkenden an einem Forschungsprojekt, die eine Anerkennung als solche verdienen und wünschen, als Autor:innen zu nennen
- Nur diejenigen als Autor:innen aufzuführen, die einen wesentlichen Beitrag zum Forschungsergebnis geleistet haben
Don't: Behinderung von Whistleblowern, insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen, die auf Verstöße gegen gute wissenschaftliche Praxis aufmerksam machen
Do: Whistleblowern, insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen, die Möglichkeit geben, ohne persönliche oder berufliche Nachteile auf Verstöße gegen gute wissenschaftliche Praxis aufmerksam zu machen
Verpflichtung zur Orientierung an ökologischer Nachhaltigkeit
Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck bekennt sich im Sinne der Schöpfungsverantwortung in besonderer Weise zur Berücksichtigung der Ziele ökologischer Nachhaltigkeit in folgenden Bereichen:
Lehre
In Lehrveranstaltungen der Fakultät werden Wert und Würde der Schöpfung, von nicht-menschlichem Leben und von Ökosystemen thematisiert. Wir erachten es als Teil unseres Bildungsauftrages, dass Absolventinnen und Absolventen der Fakultät ein Bewusstsein für die Verknüpfung von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit entwickeln und im Sinne der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus bereit sind, Verantwortung für unser gemeinsames planetares Haus und die misshandelte Erde zu übernehmen.
Forschung
Theologische und philosophische Forschung stellt sich den kulturellen und technischen Herausforderungen der Welt, in der wir gegenwärtig leben. Sie berücksichtigt auch die Aspekte der ökologischen Krise unseres Planeten und jene Impulse aus dem christlichen Menschen-, Welt- und Gottesbild, die zu ihrer Bewältigung beitragen können.
Betrieb
Universitäten sollten nicht nur Orte des Vordenkens in unserer Gesellschaft sein, sondern als Institutionen mit erheblicher Infrastruktur auch Vorreiterinnen einer nachhaltigen Praxis. Als Katholisch-Theologische Fakultät bemühen wir uns innerhalb der uns gegebenen strukturellen Freiräume um einen möglichst umweltschonenden Betrieb. Der Umgang mit Energie und Ressourcen, das Beschaffungswesen, die Ausrichtung von Veranstaltungen und die Praxis unserer Mobilität orientieren sich an der Nachhaltigkeitsstrategie der Universität Innsbruck und gehen, wo immer möglich, über diese hinaus.
„Wenn wir den Wert und die Zerbrechlichkeit der Natur erkennen und zugleich die Fähigkeiten, die der Schöpfer uns verliehen hat, gestattet uns das, heute mit dem modernen Mythos vom unbegrenzten materiellen Fortschritt Schluss zu machen. Eine zerbrechliche Welt mit einem Menschen, dem Gott sie zur Obhut anvertraut, appelliert an unsere Vernunft, um zu erkennen, wie wir unsere Macht orientieren, ausüben und beschränken müssten.“ (Laudato si, Nr. 78)