Compliance und Verantwortung
Regeln des guten Umgangs (Code of Conduct)
An der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck kommt einem guten Zusammenleben und -arbeiten zentrale Bedeutung zu. Die Fakultät versteht sich als ein Ort für alle an ihr arbeitenden und studierenden Personen: der administrativen und wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen einschließlich der Führungskräfte, der Studierenden sowie aller Personen, die mit ihr in beruflichem Kontakt stehen. Sie ist geprägt von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Lebenssituationen, Weltanschauungen und religiöser Prägungen. Diese Vielfalt wird als Bereicherung und als wesentliche Grundlage akademischen Lebens verstanden.
Grundlage des Miteinanders ist eine Kultur der Wertschätzung, des Respekts und des Vertrauens. Wertschätzung zeigt sich in einem höflichen und freundlichen Umgangston, in gegenseitiger Rücksichtnahme sowie in einer sorgfältigen und zeitnahen Bearbeitung von Anliegen. Respekt bedeutet die uneingeschränkte Achtung der Würde jedes einzelnen Menschen. Diskriminierendes oder beleidigendes Verhalten sowie sachlich nicht gerechtfertigte Bevorzugungen sind mit dem Selbstverständnis der Fakultät nicht vereinbar. Diskriminierung aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter oder Behinderung ist unzulässig.
Ein respektvoller Umgang setzt ein angemessenes Verhältnis von Nähe und Distanz voraus. Insbesondere in beruflichen Abhängigkeitsverhältnissen – etwa zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen oder zwischen Lehrenden und Studierenden – sind professionelle Grenzen zu wahren. Private partnerschaftliche Beziehungen bei bestehendem Abhängigkeitsverhältnis erfordern besondere Sensibilität und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Interessenskonflikten.
Die Fakultät legt großen Wert auf eine sachliche und respektvolle Gesprächskultur. Unterschiedliche Positionen sollen angemessen Gehör finden; persönliche Herabsetzungen und vorschnelle Urteile sind zu vermeiden. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe und Kommunikationsstile werden berücksichtigt. Die Privatsphäre aller Personen ist zu achten. Bei der Veröffentlichung von Texten und Bildern sind Persönlichkeitsrechte zu wahren; dies gilt auch für die Nutzung digitaler Kommunikationsmittel.
Als lernende Organisation pflegt die Fakultät einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Wo strukturelle oder organisatorische Schwächen erkennbar werden, ist sachliches Feedback erwünscht. Persönliche Konflikte sind in einer vielfältigen akademischen Gemeinschaft nicht immer vermeidbar; sollten sie auftreten wird dazu ermutigt, das direkte Gespräch zu suchen und auf eine faire und lösungsorientierte Klärung hinzuwirken. Alle Angehörigen der Fakultät tragen Verantwortung dafür, Konflikte sachlich und in einem Klima gegenseitigen Respekts zu bearbeiten. Die an der Universität vorgesehenen Instrumente zur Beratung und Deeskalation sind frühzeitig zu nutzen. Führungskräfte tragen eine besondere Verantwortung für die Umsetzung und Beachtung dieser Leitlinien in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich.
Sexuelle Belästigung, Mobbing sowie physische, psychische, sexualisierte oder spirituelle Gewalt widersprechen in grundlegender Weise dem Selbstverständnis der Fakultät und werden nicht toleriert. Der Missbrauch von Macht- oder Vertrauensverhältnissen ist unzulässig und kann straf- und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Personen, die Wahrnehmungen von übergriffigem Verhalten machen oder selbst betroffen sind, werden ermutigt, sich an die zuständigen Führungskräfte, die Fakultätsleitung, den Betriebsrat, das Rektorat oder andere vorgesehene Anlaufstellen zu wenden. Beschwerden werden vertraulich behandelt. Niemandem dürfen aus einer in gutem Glauben erstatteten Meldung Nachteile erwachsen. Für Konflikte unter Studierenden stehen insbesondere die Angebote der Studierendenvertretung zur Verfügung.
Alle Angehörigen der Fakultät sind zur Einhaltung dieser Grundsätze verpflichtet und tragen Mitverantwortung für ein respektvolles, sicheres und professionelles Umfeld in Studium, Lehre, Forschung und Verwaltung.
Universitäten haben die Aufgabe, Erkenntnisse über unsere Welt zu erlangen, kritisches Denken zu fördern und die nächsten Generationen gesellschaftlicher Akteure und Akteurinnen auszubilden. Dafür ist wissenschaftliche Integrität – oder gute wissenschaftliche Praxis (GWP) – von entscheidender Bedeutung. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck nimmt ihre Rolle in diesem Kontext sehr ernst und setzt sich dezidiert für die Einhaltung von GWP in der an ihr geleisteten Forschung und Lehre ein. Sie orientiert sich dabei an den Vorgaben der Universität Innsbruck. Diese ist Mitglied der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität (ÖAWi) und hält sich an deren Richtlinien zur Guten Wissenschaftlichen Praxis sowie an eigene universitätsinterne Richtlinien.
Das Ethos guter wissenschaftlicher Praxis umfasst transparente und ehrliche Kommunikation, die Bereitschaft, die eigene Forschung hinterfragen und kritisieren zu lassen, Unvoreingenommenheit und Respekt im Umgang mit und bei der Kritik an der Forschung anderer sowie die Unterstützung und Wertschätzung der nächsten Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Verstöße gegen die sich hieraus ergebenden Standards schaden dem Vertrauen zwischen Forschenden, der Qualität wissenschaftlicher Ergebnisse und dem Ansehen wissenschaftlicher Einrichtungen. Im Folgenden sind einige Beispiele für Standards guter wissenschaftlicher Praxis und von Verstößen gegen sie aufgeführt. Die Beispiele stammen, wo keine andere Quelle angegeben ist, aus den ÖAWi-Richtlinien zur Guten Wissenschaftlichen Praxis oder den interne Richtlinien der Universität Innsbruck.
Beispiele für gute wissenschaftliche Praxis und Verstöße dagegen:
Don't: Plagiat (einschließlich der nicht deklarierten Verwendung von generativer KI bei der Erstellung von Texten, vgl. ALLEA All European Academies, 2023, Section 3.1
Do: Alle Quellen von Ideen und Texten klar angeben und korrekt zitieren
Don't: Der Versuch, die Forschung anderer zu behindern oder den wissenschaftlichen Ruf anderer Forscher:innen ohne berechtigten Grund zu schädigen
Do: Die Forschung anderer ungehindert zulassen und nicht versuchen, ihren wissenschaftlichen Ruf zu schädigen, ohne dass es dafür einen berechtigten Grund gibt
Don't: Fehlende Offenlegung von Interessenkonflikten (z. B. in Bezug auf Finanzierung, Auswahlverfahren, Peer Review usw.)
Do: Offenlegung aller Interessenkonflikte (z. B. im Zusammenhang mit der Finanzierung, bei Auswahlverfahren, bei Peer Reviews usw.)
Don't: Unzureichende oder unangemessene Betreuung von Dissertationen
Do: Angemessene Zeit und Mühe investieren, um eine qualitativ hochwertige Ausbildung der Promovierenden zu gewährleisten. Das bedeutet u. a., ein Gleichgewicht zwischen enger Betreuung und der Förderung unabhängiger Forschung zu finden
Don't: Unangemessener Umgang mit Daten, z. B.:
- Fälschung oder Manipulation von Daten
- Nicht-Offenlegung von Datenanpassungen
- Ungenaue Aufzeichnung der Datenerhebung
- Verweigerung des Zugangs zu Originaldaten ohne berechtigten Grund
Do: Angemessener Umgang mit Daten, z. B.:
- genaue Erfassung und Veröffentlichung von Daten
- ausdrückliche Klarstellung von Datenanpassungen
- Sicherstellung, dass Datenerfassungsprozesse bei Bedarf rekonstruiert werden können
- transparenter Zugang zu Originaldaten, sofern keine berechtigten Gründe dagegensprechen
Don't: Unangemessene Praktiken im Zusammenhang mit der Mitautorschaft:
- Ausschluss legitimer Mitwirkender von der Anerkennung als Autor:innen von Forschungsergebnissen
- Aufnahme von Personen als Autor:innen, die keinen wesentlichen Beitrag zu den Forschungsergebnissen geleistet haben („Ehrenautorschaft“)
Do: Angemessene Praktiken im Zusammenhang mit der Mitautorschaft:
- Alle Mitwirkenden an einem Forschungsprojekt, die eine Anerkennung als solche verdienen und wünschen, als Autor:innen zu nennen
- Nur diejenigen als Autor:innen aufzuführen, die einen wesentlichen Beitrag zum Forschungsergebnis geleistet haben
Don't: Behinderung von Whistleblowern, insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen, die auf Verstöße gegen gute wissenschaftliche Praxis aufmerksam machen
Do: Whistleblowern, insbesondere Nachwuchswissenschaftler:innen, die Möglichkeit geben, ohne persönliche oder berufliche Nachteile auf Verstöße gegen gute wissenschaftliche Praxis aufmerksam zu machen
Verpflichtung zur Orientierung an ökologischer Nachhaltigkeit
Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck bekennt sich im Sinne der Schöpfungsverantwortung in besonderer Weise zur Berücksichtigung der Ziele ökologischer Nachhaltigkeit in folgenden Bereichen:
Lehre
In Lehrveranstaltungen der Fakultät werden Wert und Würde der Schöpfung, von nicht-menschlichem Leben und von Ökosystemen thematisiert. Wir erachten es als Teil unseres Bildungsauftrages, dass Absolventinnen und Absolventen der Fakultät ein Bewusstsein für die Verknüpfung von ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit entwickeln und im Sinne der Enzyklika Laudato si von Papst Franziskus bereit sind, Verantwortung für unser gemeinsames planetares Haus und die misshandelte Erde zu übernehmen.
Forschung
Theologische und philosophische Forschung stellt sich den kulturellen und technischen Herausforderungen der Welt, in der wir gegenwärtig leben. Sie berücksichtigt auch die Aspekte der ökologischen Krise unseres Planeten und jene Impulse aus dem christlichen Menschen-, Welt- und Gottesbild, die zu ihrer Bewältigung beitragen können.
Betrieb
Universitäten sollten nicht nur Orte des Vordenkens in unserer Gesellschaft sein, sondern als Institutionen mit erheblicher Infrastruktur auch Vorreiterinnen einer nachhaltigen Praxis. Als Katholisch-Theologische Fakultät bemühen wir uns innerhalb der uns gegebenen strukturellen Freiräume um einen möglichst umweltschonenden Betrieb. Der Umgang mit Energie und Ressourcen, das Beschaffungswesen, die Ausrichtung von Veranstaltungen und die Praxis unserer Mobilität orientieren sich an der Nachhaltigkeitsstrategie der Universität Innsbruck und gehen, wo immer möglich, über diese hinaus.
„Wenn wir den Wert und die Zerbrechlichkeit der Natur erkennen und zugleich die Fähigkeiten, die der Schöpfer uns verliehen hat, gestattet uns das, heute mit dem modernen Mythos vom unbegrenzten materiellen Fortschritt Schluss zu machen. Eine zerbrechliche Welt mit einem Menschen, dem Gott sie zur Obhut anvertraut, appelliert an unsere Vernunft, um zu erkennen, wie wir unsere Macht orientieren, ausüben und beschränken müssten.“ (Laudato si, Nr. 78)