Symbolbild von Abfall (volle Tonnen, umgeben von Müll)

Inns­bru­cker Abfall- und Res­sour­cen­tag 2026: Von Abfall und Verant­wor­tung

Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich in Kreislaufstoffströmen? Wie sind möglichst hohe Recyclingquoten mit Schadstoffen in Abfällen vereinbar? Welche Verantwortung tragen wir als Gesellschaft im Umgang mit unserem Abfall? Diese Fragen wurden im Rahmen des Seminars des „Österreichischer Wasser- und Abfallwirtschaftsverband“ am 4. Februar am Campus Technik der Universität Innsbruck diskutiert.

Abfall – einerseits wissenschaftlich hochkomplex, andererseits unausweichliches Alltagsthema im 21. Jahrhundert. Wir alle kennen die Bilder von Plastikmüllinseln im Meer und dennoch bleibt das moderne „Narrativ der Einweglogik“ bestehen, anstatt nachhaltig im großen Stil Bestandteile von Produkten im Produktionskreislauf zu halten. Dieser Frage der Verantwortung im Umgang mit Abfall widmete sich Ethikerin Claudia Paganini (Universität Innsbruck) zum Auftakt des Seminars.

Zu Beginn der modernen Gesellschaft, wie auch heute gilt laut der Ethikerin: „Das Problem Abfall wird ausgelagert, soweit man sich das eben leisten kann“Dabei intensiviere sich die Herausforderung durch immer chemisch stabileren und dadurch langlebigeren Abfall. Paganini stellt fest: „Die räumlichen und zeitliche Folgen von der Abfallentstehung sind mehr und mehr weit weg von der Produktion.“ Damit treten sie in den Hintergrund des Bewusstseins, wirken diffus, sind nicht mehr klar zu zuordnen. Spezifisch im Umgang mit Abfall seien die zeitliche, räumliche, kausale und institutionelle Entkoppelung Grund für die Verdrängung des Problems. Ein Lösungsvorschlag: eine Antwort auf alle Dimensionen der Entkoppelungen durch Risikovermeidung für künftige Generationen, ein Nein zur globalen Auslagerung von Schäden und der klaren Definition von Zuständigkeiten.

„Wir müssen Systeme schaffen, wo es dem Einzelnen einfach gemacht wird, moralisch gute Entscheidungen zu treffen - wo alle unmittelbar die eigene Wirksamkeit spüren können oder eben auch die negative Nichtwirksamkeit bei gleichgültigem Verhalten.“

Dieser philosophischen Einordnung folgten fachliche Inputs zu Recyclingquoten, dem Umgang mit Schadstoffen wie PFAS oder Mikroplastik, Besonderheiten im Recycling von Textilien und Klärschlammbehandlung.

So betonte Helmut Rechberger (Technische Universität Wien), dass Recyclingquoten generell ein gutes Mittel zur Umsetzung des Ziels der Kreislaufwirtschaft sein können – aber nur, solange diese evidenz- und datenbasiert festgelegt werden.

Uwe Lahl (BZL GmbH) setze sich mit dem Problem des Recycelns von Kunststoffen und deren beigesetzten Additive auseinander. Dabei plädiert er bei verbrauchernahen Produkten (Kinderspielzeug, Food Contact Materials, Materialien in Innenräumen) zu einem Verzicht auf den Einsatz von Kunststoffrezyklaten, da hierdurch „legacy chemicals“ (also mittlerweile meist verbotene Hochrisiko-Stoffe) zurück in den Kunststoff-Kreislauf finden.

„Wir wissen gar nicht, was wir nicht wissen“ – so Lívia Hökl (Universität Innsbruck) über unseren Kenntnisstand zu PFAS, sogenannten „Ewigkeitschemikalien“. Sie finden ihre Anwendung beispielsweise in Lebensmittelverpackungen, wasserabweisender Kleidung, Pflanzenschutzmitteln und in Körperpflege Produkten. Aufgrund ihrer sehr persistenten und akkumulativen Charakteristika, ist der Abbau umso schwieriger und nur durch Verbrennung bei Temperaturen über 850 Grad Celsius wirksam. Sie reichern sich in Kompost und Gärresten an, gelangen über die Düngung in Böden, Wasser und Nahrungsketten. Ebenso beeinflusst Mikroplastik langfristig unsere Bodeneigenschaften und hat hierdurch einen negativen Einfluss auf das Pflanzenwachstum und Bodenorganismen, wird zunehmend in die Nahrungskette übertragen und gefährdet sukzessive die menschliche Gesundheit.

Uwe Lahl betont: „Die Situation ist ernst, weil wir nicht wissen wo der Wert ist, der das Fass zum Überlaufen bringt. Daher müssen wir jetzt auf die Bremse treten und Stoffe verbieten – wo immer möglich.“

Auch die Gastgeberin, Anke Bockreis (Universität Innsbruck), warf in ihrer Eingangsrede die Frage auf, welche Anforderungen wir wirklich an uns und unsere Produkte haben. Sind die Auswirkungen des PFAS-Einsatzes wirklich die wasserabweisende Outdoor-Jacke wert? Wichtig sei, die Hersteller der Produkte für deren ganzen Lebensweg – also insbesondere auch das Recyceln – in die Verantwortung zu nehmen. Sie fordert daher eine mutige Politik, die konkret Konsequenzen kommuniziert und Gegenmaßnahmen umsetzt.

Es gilt, die positiven Wirksamkeiten zu kommunizieren und die gemeinsame Verantwortung hervorzuheben. Wie Anke Bockreis treffend betont: „Zusammen schaffen wir es, aber es ist Zeit zu handeln.“

Nach oben scrollen