Ein Studiomikrofon an einem Schwenkarm vor einem schwarzen Hintergrund mit Streifen aus Zeitungsausschnitten.

Blog: Sprache im poli­ti­schen Podcast

Wie jeder Bereich des öffent­li­chen Lebens durch­läuft auch die poli­ti­sche Medien­land­schaft einen stän­digen Wandel. Neben etablierten Kanälen wie dem Radio oder dem Fern­sehen hat sich zuletzt der Podcast als alter­na­tive Platt­form poli­ti­scher Kommu­ni­ka­tion etabliert. Ein neues Medium stellt neue Anfor­de­rungen an jene, die damit inter­agie­ren. Dieser Blog­bei­trag unter­sucht die Sprache von poli­ti­schen Akteuren in Podcast-Inter­views und geht der Frage nach, ob eine sprach­liche Anpas­sung an den Inter­viewer statt­findet und wie diese gemessen werden kann.  

Student Paper Series #4/2026

This article is part of the Student Paper Series.

Johannes Carl Rainer

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit

Bei näherer Betrachtung fällt auf, dass insbesondere das extreme politische Spektrum an diesem neuen Medium Gefallen gefunden hat. Gründe dafür sind unter anderem das Fehlen einer institutionellen Regulierung, ein intimer Gesprächscharakter und eine junge Zuhörerschaft. Der Erfolg gibt ihnen recht: Egal ob in den USA oder Europa gelang es politisch extremen Akteuren, nicht zuletzt durch die geschickte Nutzung neuer medialer Optionen wie dem Podcast, an politischen Einfluss zu gewinnen. Zu diesen zählt auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Maximilian Krah. Zu einem Podcast eingeladen, steht auch er steht vor Herausforderungen: Wie kann man extreme politische Standpunkte einer jungen und/oder tendenziell unbefangenen Wählerschaft näherbringen, ohne einerseits abschreckend zu wirken, andererseits aber die eigene politische Linie aufzugeben? Eine geschickte kommunikative Gratwanderung, zugeschnitten auf das Publikum, scheint eine Option.

Die Frage nach dem Wie: Die Sprache

Ich habe untersucht, ob und wie sich Maximilian Krahs politische Sprache in sieben Podcasts verändert hat. Neben sprachlichen Merkmalen habe ich auch inhaltliche Muster analysiert. Dafür wurden die sieben Podcast-Gespräche in einem ersten Schritt transkribiert. Dann habe ich die durchschnittliche Satzlänge und Wortlänge sowie den Anteil längerer Wörter ermittelt. Zusätzlich wurde die Verwendung persönlicher und unpersönlicher Pronomen („ich“, „wir“, „man“), Modalverben, argumentative Verknüpfungen, informelle Diskursmarker, ideologisch geprägte Begri:e, emotionale Sprache sowie der Grad der sprachlichen Formalität gemessen. Diese Daten dienten dazu, sowohl Krah als auch den jeweiligen Podcast-Host stilistisch zu bewerten und auf einem zweidimensionalen Graphen zu positionieren. Das erlaubt uns auch Formen der sprachlichen Anpassung an den Gesprächspartner zu erkennen (siehe Abbildung 1). Zugleich erlaubt die Untersuchung, die Podcasts miteinander zu vergleichen.

Die Frage nach dem Was: Inhaltliche Unterschiede

Um inhaltliche Muster zu erkennen haben ich die Podcast-Interviews auf die acht Kernthemen der AfD untersucht. Dazu zählen die soziale Marktwirtschaft, Asyl- und Migrationspolitik, innere Sicherheit, Frieden in Europa, Meinungsfreiheit, Energie, Familie und die Europäische Union. So kann man erkennen, welche Themen entweder vom Podcast-Host oder von Krah häufig aufgebracht wurden.

Welche sprachlichen Tendenzen sind zu erkennen?

Die Ergebnisse zeigen keine eindeutige Tendenz einer sprachlichen Anpassung an den Interviewpartner. In fünf Podcasts distanziert sich Krah sprachlich vom jeweiligen Host, der stellvertretend für das Zielpublikum des jeweiligen Podcast steht. In zwei Fällen kommt es zu einer sprachlichen Anpassung. Die Stärke dieser Anpassung unterscheidet sich deutlich von Podcast zu Podcast. Auch wenn sich also eine leichte Tendenz zur Distanzierung/Divergenz erkennen ist, lässt sich Krahs sprachlicher Stil am besten als variabel beschreiben. In Abbildung 1 kann man erkennen, dass kein einheitliches Muster sprachlicher Anpassung vorliegt. In fünf Podcasts distanziert sich Krah sprachlich vom jeweiligen Host. Die Intensität der Distanzierung variiert allerdings stark. In zwei Podcasts kommt es zu einer sprachlichen Anpassung. Insgesamt lässt sich eine leichte Tendenz zur Distanzierung/Divergenz erkennen. Maximilian Krahs Sprachstil variierte situativ und passte sich der Gesprächssituation an.

 

Zweidimensionale PCA-Stilraumanalyse zur Darstellung der stilistischen Anpassung und Divergenz zwischen den Untersuchungsobjekten Host und Krah

Abbildung 1

Abbildung 1: Zweidimensionale PCA-Stilraumanalyse zur Darstellung der stilistischen Anpassung und Divergenz zwischen den Untersuchungsobjekten Host und Krah

Gibt es inhaltliche Schwerpunkte?

Hier ließ sich ein stabiles Muster erkennen. Krah und Host bewegen sich meist innerhalb eines gemeinsamen thematischen Rahmens, auch wenn sich Unterschiede in der Gewichtung einzelner Themen zeigen. Abbildung 2 zeigt, welche der acht AfD- Schwerpunkte relativ am häufigsten aufgebracht werden.

Sieben Netzdiagramme stellen die thematischen Schwerpunktsetzung im Vergleich zwischen Host (Blau) und Krah (Rot) über verschiedene Podcast-Folgen dar.

Abbildung 2

Abbildung 2: Sieben Netzdiagramme stellen die thematischen Schwerpunktsetzung im Vergleich zwischen Host (Blau) und Krah (Rot) über verschiedene Podcast-Folgen dar.

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass der Sprachstil Maximilian Krahs keinem festen Muster folgt. Es kommt sowohl bei Sprache als auch in der Priorisierung unterschiedlicher Themen zu einer situativen Anpassung. Auch wenn diese Untersuchung nur sieben Podcasts umfasste, demonstrierte sie, wie sich politische Kommunikation in neuen Medien analysieren lässt und dass damit interessante Einblicke in sprachliche und thematische Anpassungsstrategien gewonnen werden.

Über den Autor

Johannes Carl Rainer

Zitieren

Rainer, Johannes Carl. (2026). „Blog: Sprache im poli­ti­schen Podcast". Powi Blog, Universität Innsbruck. 


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