Student Paper Series #2/2026
This article is part of the Student Paper Series.
David Gendrisch
Können wir aus der Vergangenheit lernen?
Die politische Landschaft Europas befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel; das demokratische Miteinander verändert sich auf allen Ebenen. In den Medien wie auch in der Forschung fällt immer wieder der Begriff einer Krise der Demokratie. Die rapiden Entwicklungen der letzten Jahre werfen Fragen zur Zukunftsfähigkeit westlicher demokratischer Systeme auf. In einer Zeit der Veränderung gilt es, etablierte Konzepte zu hinterfragen und nach Alternativen zu suchen.
Schon seit Jahrhunderten existiert jedoch bereits eine Regierungsform, die sich selbst als besonders stabil und kontinuierlich darstellt und eine Vorherrschaft in Europa hat: die Monarchie. Allerdings gilt diese für viele Menschen spätestens seit der Französischen Revolution oder der Aufklärung als eine Staatsform aus den Geschichtsbüchern. Auch viele politische Theoretiker, allen voran Samuel Huntington (1968) mit seiner Formulierung des „King's Dilemmas“, erklärten die Monarchie in der Vergangenheit für ein gescheitertes System mit historischem Ablaufdatum, bedingt durch die Modernisierung.
Die Befunde der Gegenwart bezeugen aber das Gegenteil: Monarchien sind sehr wohl noch hochaktuell und global vertreten. Allein auf dem europäischen Kontinent gibt es zwölf von ihnen. Auch scheinen diese nicht in naher Zukunft zu verschwinden. Eine Reihe von Forschenden bezeichnet diese inzwischen sogar als besonders stabil und durchhaltefähig.
Forschungslücke
Trotz dieser Befunde fehlen Untersuchungen in der Forschung, welche den Beitrag von Monarchien zur Stabilität von Demokratien messen. Insbesondere quantitative Ansätze mit objektiven Daten fehlen. Ziel dieser Studie ist es explorativ zu analysieren, ob in der Realität ein messbarer Unterschied zwischen der Stabilität der Demokratiequalität zwischen Monarchien und nichtmonarchischen Systemen vorzufinden ist.
Vorgehensweise
Um der Frage nachzugehen, wurden fünf nordeuropäische Staaten verglichen, die sich sozioökonomisch sehr ähnlich sind, sich aber in ihrer Regierungsform unterscheiden: Die Monarchien Dänemark, Norwegen und Schweden sowie die Republiken Finnland und Island (ein klassisches most similar systems design). Für die Messung der Stabilität wurde der Liberal Democracy Index des V-Dem-Datensatzes verwendet, welcher basierend auf 71 Indikatoren die elektorale und die liberale Dimension eines Staates misst. Die Stabilität wurde dann noch abschließend durch eine abgewandelte Form des Pedersen-Indexes – einem Index, der normalerweise Wählerwanderungen misst – operationalisiert, um die Nettovolatilität (Schwankung ohne Richtung) der Demokratiequalität zu messen.
Wer schneidet besser ab?
Aus den Berechnungen gehen klare Trends hervor: Die Monarchien sind in der Fallauswahl diejenigen mit dem höheren Niveau der Demokratiequalität sowie dem stabileren System. Vor allem in den letzten zehn Jahren, die als Phase der eingangs erwähnten Krise der Demokratie betrachtet werden können, erleben die Republiken deutlich stärkere Schwankungen als die Monarchien.

Abbildung 1: Volatilität der Demokratiequalität nach System von 2000-2024
In absoluten Zahlen lässt sich auch ein Wert benennen, welcher den Durchschnitt der Volatilität (Schwankung) abbildet.
∅𝑉𝑀 = 0.002722
∅𝑉𝑀̅ = 0.005437
Wobei ∅𝑉𝑀 hier die durchschnittliche Schwankung der Demokratiequalität der Monarchien darstellt und ∅𝑉𝑀̅ die der Republiken. Der Wert liegt hier bei den Republiken doppelt so hoch wie bei den Monarchien - sie schwanken also nahezu doppelt so stark.
Woran kann das liegen?
Wie bei vielen sozialwissenschaftlichen Phänomenen gibt es viele verschiedene Ansätze, weshalb X zu Y führt. In der Literatur lassen sich jedoch primär zwei mögliche Erklärungsansätze für die Förderung demokratischer Stabilität durch die Monarchie in den ausgewählten Staaten finden. Die Monarchen scheinen in den analysierten Monarchien als ein relevanter und vor allem einender Faktor wahrgenommen zu werden. Dieser steht dabei über der Tagespolitik und dem Parteienwettbewerb und findet so bei der gesamten Bevölkerung Anklang. Dies geht auch aus historischen Referenden sowie aktuellen Umfragen hervor. Darüber hinaus lässt sich in den ausgewählten Staaten eine Form der Krisenabsicherung durch die Monarchen beobachten. Besonders deutlich wurde dies während der COVID-19-Pandemie.
Fazit
Die Ergebnisse legen Nahe, dass die konstitutionelle Monarchie im 21. Jahrhundert weit mehr als ein bloßes historisches Relikt ist. Entgegen der Annahme, dass Modernisierungsprozesse die Monarchie zwangsläufig ablösen würden, zeigen die Daten des V-Dem-Datensatzes eine bemerkenswerte Resilienz und Stabilität dieses Systems, im Vergleich zu Republiken.
Limitationen
Diese Studie ist im Rahmen einer Vertiefung erschienen und ist daher um etwa ein Zehntel gekürzt und hat auch einige Limitationen und ist daher als rein explorative Studie zu verstehen. Bei Interesse an der vollständigen Arbeit oder wenn Sie Ihre Gedanken dazu teilen möchten, freue ich mich, Ihnen die Arbeit zukommen zu lassen und Feedback entgegenzunehmen. Kontakt: david.gendrisch@student.uibk.ac.at
Über den Autor
David Gendrisch ist Student der Politikwissenschaften an der Uni Innsbruck im Bachelor. Sein primäres Forschungsinteresse gilt der Konfliktforschung. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Analyse und Entwicklung resilienter Strukturen, die sowohl der präventiven Konflikthemmung als auch der Deeskalation laufender politischer Konflikte dienen.
Zitieren
Gendrisch, David (2026): Demokratien der Königsklasse – Unterscheidet sich die Stabilität der Demokratiequalität zwischen konstitutionellen Monarchien und anderen Systemen, Powi Blog, Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck, https://www.uibk.ac.at/de/politikwissenschaft/kommunikation/powi-blog/demokratie_der_konigsklasse/.
This article gives the views of the author(s), and not necessarily the position of the Department of Political Science.
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