Stelzer C.-P., Groffman D. (online first). Wellcounter: Automated high-throughput phenotyping for aquatic microinvertebrates. Methods in Ecology and Evolution, 00, 1–14. https://doi.org/10.1111/2041-210X.70012
Wissenschafter:innen der Universität Innsbruck haben ein innovatives System vorgestellt, das die ökologische Forschung mit Kleinstlebewesen revolutionieren könnte. Das sogenannte „Wellcounter“-System erlaubt die automatisierte Erfassung von Verhalten und Wachstum hunderter Mikroorganismenpopulationen gleichzeitig – ein Meilenstein für die Hochdurchsatz-Phänotypisierung. Bisher war das Zählen und Beobachten mikroskopisch kleiner Tiere wie Räder- (Rotatoria) oder Wimpertierchen (Ciliaten) extrem zeitaufwendig. Mit dem Wellcounter können die Messungen in einem Bruchteil der Zeit und mit deutlich größerer Präzision erfolgen. Claus-Peter Stelzer vom Forschungsinstitut für Limnologie in Mondsee hat das Gerät entwickelt und mit seiner Mitarbeiterin die Laborexperimente durchgeführt. Das System nutzt handelsübliche Multiwell-Platten, ein hochauflösendes Kamerasystem samt Telezentrikobjektiv und eigens entwickelte Python-Software. Damit können pro Tag mehrere hundert Populationen automatisiert gefilmt, analysiert und hinsichtlich Verhaltensmerkmalen wie Schwimmgeschwindigkeit oder Wachstumsraten ausgewertet werden.
Erste Testreihen mit Rädertierchen zeigten, dass der Wellcounter äußerst zuverlässig Individuen zählt und Bewegungsmuster analysiert – bei gleichzeitiger Minimierung von Fehlmessungen. Damit können nicht nur Versuchsgrößen massiv gesteigernt, sondern auch neue Einsichten in ökologische Prozesse und toxikologische Wirkungen gewonnen werden. Die Konstruktion samt Software, Bauanleitung und Datensätzen wird frei zur Verfügung gestellt, um anderen Laboren den Nachbau und die Weiterentwicklung zu erleichtern.
Die Publikation ist als Open Access Version frei verfügbar, die gesamte Studie wurde vom FWF (P 35916) finanziert.