Erster Alma-Holgersen-Preis geht an Josefine Baars
Gemeinsam mit der Universität Innsbruck hat der Museumsverein Kitzbühel den Alma-Holgersen-Preis und das Alma-Holgersen-Arbeitsstipendium ins Leben gerufen. Die ersten Gewinnerinnen sind Josefine Baars und Katharina Fuchs. 2027 gibt es an der Uni die erste Lehrveranstaltung zur Tiroler Kinderbuchautorin, 2028 den nächsten Preis.
Am 21. April 2026 wurde im Museum Kitzbühel ein kleines Stück Literaturgeschichte geschrieben: An diesem Abend wurde erstmals der Alma-Holgersen-Preis verliehen. Initiiert wurde er vom Museumsverein Kitzbühel gemeinsam mit der Universität Innsbruck. Der mit 1000 Euro dotierte Preis richtet sich an hervorragende Masterarbeiten im Bereich der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur.
Über die erste Auszeichnung durfte sich Josefine Baars freuen. Sie überzeugte die dreiköpfige Jury mit ihrer Arbeit „Zwischen Konstruktion und Widerstand. Die Darstellung von Geschlechterrollen in dystopischer Kinderliteratur“. Untersucht wurden die Kinderromane Lui in der Draußenwelt (2016), Die Welt, von der ich träume (2021) und Boy from Mars (2023).
In ihrer Rede zeigte sich Josefine Baars, die aus Dessau in Sachsen-Anhalt stammt und in Innsbruck nicht nur studierte, sondern auch arbeitet, sichtlich glücklich: „Vielen Dank für die Auszeichnung! Es ist eine große Ehre, den ersten Alma-Holgersen-Preis für meine Masterarbeit entgegennehmen zu dürfen.“ Der Preis zeige, wie wichtig es sei, wissenschaftliche Auseinandersetzung – insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur – zu fördern und sichtbar zu machen. Gerade diese Literatur werde oft unterschätzt, obwohl sie einen enormen Einfluss habe, konstatierte Josefine Baars: „Wertevermittlung und Wertebildung beginnen bereits in der Kindheit, und Literatur spielt dabei eine zentrale Rolle. Geschichten begleiten uns früh darin, die Welt zu verstehen, Geschlechter einzuordnen und über Zukunft und Verantwortung nachzudenken. Umso wichtiger ist es, sich an die Werke der Tiroler Autorin Alma Holgersen zu erinnern und sie im Bewusstsein zu bewahren. Ihre Texte eröffnen Denk- und Möglichkeitsräume, regen zum Nachdenken an und zeigen, dass die Welt gestaltbar ist. Solche Räume brauchen wir – vielleicht heute mehr denn je“, sagte Josefine Baars im Veranstaltungssaal des Museums Kitzbühel.
In den von ihr untersuchten dystopischen Büchern geht es um Kinder, die Verantwortung für Probleme übernehmen müssen, die von Erwachsenen verursacht wurden. An dieser Stelle wurde die Preisträgerin deutlich: „Da sollten wir innehalten, denn die Verantwortung für unsere Welt dürfen wir nicht an die nächste Generation abgeben! Diese Verantwortung liegt bei uns selbst!“
Der Alma-Holgersen-Preis wurde vom Museumsverein Kitzbühel sowie vom Institut für Germanistik und dem Institut für Fachdidaktik (Bereich Deutsch) der Universität Innsbruck ins Leben gerufen, um die Tiroler Schriftstellerin Alma Holgersen wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Geboren wurde sie 1896 in Innsbruck, wo sie 1976 – vor 50 Jahren – auch verstarb. Viele Jahre ihres Lebens verbrachte sie in Kitzbühel, wo sich im Stadtarchiv auch ihr umfassender Nachlass befindet.
„Kinder- und Jugendbuchliteratur ist an Österreichs Universitäten verhältnismäßig wenig repräsentiert. So gibt es etwa keine dezidierte Professur“, sagte Dirk Rose, Leiter des Instituts für Germanistik an der Universität Innsbruck. „Umso schöner ist es, dass sich der Museumsverein Kitzbühel sowie Museum und Stadtarchiv Kitzbühel Alma Holgersen verschrieben haben, um die Kinder- und Jugendbuchliteratur stärker in den Fokus zu rücken.“
Für alle Beteiligten ist dies erst ein Anfang. Künftig wird der Preis alle zwei Jahre verliehen (und unter anderem auch Bachelorarbeiten umfassen), zudem wird es im Sommersemester 2027 an der Universität Innsbruck erstmals einen Kurs zu Alma Holgersen geben – inklusive Exkursion nach Kitzbühel. „Welche Kreise unsere gemeinsame Initiative bereits gezogen hat, ist absolut erfreulich“, sagte Barbara Planer, Präsidentin des Museumsvereins.
Dem schloss sich auch Kitzbühels Bürgermeister Klaus Winkler an, der ebenfalls an der Gala im Museum teilnahm. Er bedankte sich für das Engagement aller Beteiligten: „Sowohl der Alma-Holgersen-Preis als auch das Arbeitsstipendium sind sehr wertschätzende Initiativen und passen hervorragend zu Kitzbühel.“
Neben Dirk Rose und Christoph Steiner (Germanist und Schriftführer des Museumsvereins) gehörte auch Barbara Hoiß vom Institut für Fachdidaktik der Jury an. In ihrer Laudatio hieß es unter anderem: „Wir brauchen ganz dringend Menschen, die sich mit Kinder- und Jugendbuchliteratur beschäftigen!“ Eine davon wird auch Katharina Fuchs sein, die sich das erste Alma-Holgersen-Arbeitsstipendium sichern konnte. Es ist mit zweimal 500 Euro dotiert und wird an Studierende vergeben, die sich wissenschaftlich mit dem literarischen und persönlichen Nachlass von Alma Holgersen im Stadtarchiv Kitzbühel auseinandersetzen.
Die Innsbruckerin wird dies im Rahmen ihrer Bachelorarbeit tun und hat sich dem umfangreichen Archiv bereits im März angenähert. Sie analysiert Alma Holgersens Manuskript zu Wir könnten gerettet werden, einer hybriden Form aus Text und Musik, die 1949 als musikalische Konzeption gemeinsam mit der Komponistin Maria Hofer am Landestheater Innsbruck uraufgeführt wurde.
Alma Holgersen verdankte ihre Erfolge zwar ihren Kinder- und Jugendbüchern, hinterlassen hat sie jedoch ein regelrechtes „Medien-Ensemble“, wie es Dirk Rose nennt. Dazu zählen neben Texten und Textfragmenten unter anderem auch Drehbücher, Fotografien und Zeitungsausschnitte. Das Alma-Holgersen-Arbeitsstipendium richtet sich daher auch an Studierende, deren Interesse weit über klassische Texte hinausgeht.



