Germanistische Reihe Band 003 SB

Renate Welsh:
Geschichten hinter den Geschichten.
Innsbrucker Poetik-Vorlesung.
1995. 67 Seiten. EUR 11,40
ISBN 978-3-901064-14-2
Eine Poetik-Vorlesung, die sich vor allem der Kinder- und Jugendliteratur widmet; ein großangelegtes Plädoyer für eine Kinder- und Jugendliteratur, die nichts anderes als Literatur ist: Gestaltung einer fiktiven Welt, getragen von der Hoffnung, die reale Welt mit- oder sogar umgestalten zu können.
Renate Welsh geht von der Überzeugung aus, "daß jeder Gedanke einmal ein Gefühl war, aus einem Gefühl – vielleicht genauer: aus einer im Gefühl verwurzelten Ahnung – erwachsen ist." Daraus ergibt sich für sie die zentrale Aufgabe der Literatur: Raum für Gefühle zu schaffen, "Raum, in dem vielleicht auch tiefes Durchatmen möglich ist." Denn: "Verhungerte, nicht ernstgenommene Gefühle verkümmern zu Kitsch und Gefühlsduselei, die einen so trächtigen wie gefährlichen Nährboden abgeben, nicht nur in weltanschaulicher Hinsicht, aber dort ganz besonders. Nur wer eigene Gefühle ernst nimmt, wird auch die Gefühle anderer wirklich ernst nehmen, kann selbstverständlich ich und ebenso selbstverständlich auch du sagen und zum aufrechten Gang fähig werden."
Diese Poetik-Vorlesung, gehalten im Sommersemester 1994 am Institut für Germanistik der Universität Innsbruck, handelt also in erster Linie von den Schwierigkeiten, über und für Jugendliche zu schreiben; sie berichtet dabei über Anstöße und Anlässe zum Schreiben, über reale Geschichten und ihre Umsetzung in fiktive Geschichten, über deren Baupläne und deren Eigenleben, immer wieder aber auch über das Zusammenspiel zwischen dem Akt des Schreibens und dem Akt des Lesens, über Begegnungen der Autorin mit Leserinnen und Lesern. – Schließlich erzählt Renate Welsh darüber hinaus von jenen Büchern, die sie für Erwachsene geschrieben hat, wie "Das Lufthaus": >Geschichten über Geschichten<, die nicht weniger hintergründig oder hinterlistig und jedenfalls spannend zu lesen sind wie die Geschichten selbst.
Besprechungen
- Modern Austrian Literature 30/1 (1997), 167-169, Beth Bjorklund
- INN 13/36 (1996), 39, Irene Prugger
- Die Presse, 15.12.2017, Vladimir Vertlib