Veranstaltungsreihe
VERGANGENHEIT VERHANDELN IN LITERATUR & FILM
Eine Veranstaltungsreihe der Universität Innsbruck, Studienjahr 2026/27
Unter der geordneten Oberfläche des „Lebens in Lüge“
schlummert also die verborgene Sphäre der wirklichen
Intentionen des Lebens, seiner „verborgenen
Aufgeschlossenheit“ der Wahrheit gegenüber.
Václav Havel 1989
Versuch, in Wahrheit zu leben, Hamburg, S. 29
Immer wieder versuchten Einzelne wie der tschechoslowakische Dissident, Dramatiker und spätere Präsident der Tschechischen Republik Václav Havel (1936-2011) oder ganze Gruppen der Gesellschaft dem „Leben in der Lüge“ etwas entgegenzustellen. Selbst wenn die eigene Gegenwart trist erschien, so war es oftmals allein die Aussicht auf ein anderes Leben in Wahrheit, die sie in ihrem Streben leiteten, gegen absolute Deutungshoheit und nicht selten rohe Gewalt einer omnipräsenten Staatsmacht anzuarbeiten, auf ihre Weise und mit ihren Möglichkeiten Widerstand zu leisten.
Die Veranstaltungsreihe will zur Frage der unterschiedlichen Diskurse über Geschichte und den damit verbundenen Handlungsräumen, zur Frage traumatischer Erfahrungen und künstlerischer Bewältigungsstrategien aus einer interdisziplinären Sicht Stellung beziehen. Dabei stehen neben einer kontextualisierenden historisch-wissenschaftlichen Perspektive insbesondere Artikulationsversuche in Literatur und Film aus süd-osteuropäischen Ländern im Fokus.
23. Februar
Film-Screening I
in Kooperation mit dem Leokino
Zwei Staatsanwälte (F/D/NL/LVA/LTU/RO 2025)
Regie: Sergei Loznitsa, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Georgij Demidov (2025 in der deutschen Übersetzung von Thomas Martin und Irina Rastorgueva), mit Aleksandr Kuznetsov in der Hauptrolle
Trailer: www.epd-film.de/filmkritiken/zwei-staatsanwaelte

Zum Inhalt: Die negative persönliche Erfahrung des Romanautors, der Jahre seines Lebens im sowjetischen GuLag verbrachte, bildet den Hintergrund zur aktuellen Verfilmung. Es geht um die geradezu erschreckend zeitlose Absurdität eines autoritären Systems, das einerseits seine Stabilität aus einer bewusst diffus gehaltenen Angst bezieht; einer Angst, der ausnahmslos alle – selbst Josef Stalin – unterliegen. Zugleich ist es die Angst, jederzeit plötzlich und völlig unerwartet zum Opfer des Systems werden zu können und in die Mühlen des ebenso diffizil wie unermüdlich arbeitenden Repressionsapparates zu geraten. Andererseits muss dabei auf dialektische Weise der äußere Schein vermeintlich rechtstaatlicher Abläufe gewahrt bleiben. Die Menschen werden gleichwohl von der Angst getrieben, den Glauben an dieses System zu verlieren, mit dem doch eine neue, gerechtere Welt geschaffen werden sollte.
Einführung & Filmgespräch: Eva Binder & Kurt Scharr
7. Mai
Im Gespräch mit … Jaroslaw Hrytsak (Salon Pauli, Cafè Katzung)
in Kooperation mit dem Forschungsschwerpunkt kulturelle Begegnungen kulturelle Konflikte
Im kleinen Kreis diskutiert der ukrainische Historiker Jaroslaw Hrytsak mit Studierenden und Interessierten über ausgewählte Texte aus seinem Buch zu Fragen von Geschichtsschreibung, Nation und Identität.
Anmeldung bis 5. Mai erforderlich: fsp-kultur@uibk.ac.at
9. Mai
Podiumsdiskussion (Treibhaus Innsbruck)
in Kooperation mit dem Journalismusfest Innsbruck
Jaroslaw Hrytsak – Biographie einer bedrängten Nation (2024)

Im Rahmen des Journalismus-Festes Innsbruck diskutiert der Autor (Professor an der Ukrainisch-Katholischen Universität L’viv/Lemberg, sowie Direktor des Instituts für historische Forschungen an der Nationalen Iwan-Franko-Universität L’viv) mit Kurt Scharr über sein Buch zur Geschichte und Gegenwart der Ukraine in Europa.
12. Mai
Film-Screening II – EurAsia Movie Night
in Kooperation mit dem Exzellenz-Cluster der Universität Innsbruck EurAsia
Ort: Audimax im Ágnes-Heller-Haus (1. UG), Innrain 52a
Beginn: 17:15 Uhr
Il generale dell'armata morta (I/F 1983)
Regie: Luciano Tovoli nach dem gleichnamigen Roman von Ismail Kadare (1963), mit Marcello Mastroianni (General Ariosto) und Michel Piccoli (Benetandi) in den Hauptrollen.
Trailer: www.youtube.com/watch?v=y6mPkPHVMD8
Details: www.uibk.ac.at/de/alte-geschichte-orient/veranstaltungen/2026/eurasia-movie-night-4

Zum Inhalt: Zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhält ein italienischer General den Befehl, die Überreste der im gegenwärtigen stalinistischen Albanien während des Krieges gefallenen italienischen Soldaten zu suchen und sie ehrenhaft in die Heimat zu überführen. Ein sprach- wie ortskundiger Priester, ebenfalls Offizier der italienischen Armee, begleitet ihn dabei. Der Kontakt mit dem ehemaligen Gegner und die zermürbende Zeit in einem scheinbar fremden Umfeld lassen zunehmend Zweifel an der anfänglichen patriotischen Aufgabe aufkommen und geraten immer mehr zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Geschehenen und dem vormals als feindlich empfundenen Gegenüber.
Einführung: Kurt Scharr
Wintersemester 2026/27
Wir setzen diese Reihe im Wintersemester 2026/27 mit Lesungen, Gesprächen und Filmen fort und freuen uns auf Ihre rege Teilnahme!
Eine gemeinsame Veranstaltung des Doktoratskollegs Austrian Studies und des Instituts für Slavistik in Kooperation mit dem
Forschungsschwerpunkt Kulturelle Begegnungen- Kulturelle Konflikte
Barrierefreiheit & Datenschutz
Wir bemühen uns, unsere Veranstaltung so barrierefrei wie möglich zu gestalten. Sollten Sie Unterstützung benötigen, informieren Sie uns bitte im Vorfeld.
Im Rahmen dieser Veranstaltung können Fotografien und/oder Filme erstellt werden. Mit der Teilnahme zur Veranstaltung nehmen Sie zur Kenntnis, dass Fotografien und Videomaterialien, auf denen Sie abgebildet sind, zur Presse-Berichterstattung verwendet und in verschiedensten (Sozialen) Medien, Publikationen und auf Webseiten der Universität Innsbruck veröffentlicht werden. Weitere Informationen zum Datenschutz entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung unter: www.uibk.ac.at/datenschutz
Wir bitten um eine umweltfreundliche Anreise! Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Fahrradabstellplätze stehen ausreichend zur Verfügung. Informationen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln finden Sie unter:
www.ivb.at



