Rebekka Lucia Müller, MA
Zur Person

seit 2026 | Kollegiatin des Doktoratskollegs „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformationen“ an der Universität Innsbruck
2020–2025 | Masterstudium der Alten Geschichte und Klassischen Archäologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Deutschland. Titel der Masterarbeit: „Handlungsspielräume unverheirateter Frauen in der römischen Kaiserzeit“
2022–2025 | Studentische Hilfskraft der Antikensammlung der Universität Heidelberg
2021–2022 | Erasmus-Aufenthalt an der National and Kapodistrian University of Athens, Griechenland
2016–2020 | Bachelorstudium der Geschichte und Ethnologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Deutschland
Promotionsprojekt
Tracing the Invisible: Soziale Netzwerke und Liebe zwischen Frauen in der römischen Epigraphik
Die römische Antike hat bereits seit einigen Jahrzehnten das Interesse (populär-)wissenschaftlicher Diskussionen rund um Geschlecht und Sexualität gewonnen, denn sie bietet ausführliche Einblicke in eine Gesellschaft, deren Normen in diesem Bereich nicht auf den heute verbreiteten binären Vorstellungen von „Homosexualität“ und „Heterosexualität“ beruhten. So konnten, abhängig vom Sozialstatus der Beteiligten, sexuelle Kontakte zwischen Männern sozial akzeptiert und sogar Teil konventioneller Normen sein. Für Frauen allerdings war dies nicht der Fall: Die wenigen literarischen Quellen, die über Liebe und Sexualität zwischen Frauen* berichten, stellen diese ausnahmslos als widernatürlich, monströs und inakzeptabel dar. Auch sind diese Quellen aus der Perspektive einer männlichen Elite verfasst, deren Angaben zum Leben und Verhalten frauenliebender Frauen kaum glaubwürdig sind. Obwohl sich also die Sicht dieser Elite auf frauenliebende Frauen gut rekonstruieren lässt, ist nur sehr wenig über die tatsächlichen Lebensrealitäten dieser Frauen bekannt.
Dieses Projekt untersucht diese Lebensrealitäten durch die Eruierung ihrer soziokulturellen Rahmenbedingungen. Soziale Netzwerke zwischen Frauen, ebenso wie soziale Normen und Erwartungen rund um die öffentliche Sichtbarkeit von Frauenfreundschaften und anderen außerfamiliären Beziehungen, können die Umrisse der Möglichkeiten zeichnen, in denen Liebe zwischen Frauen gelebt werden konnte. Dafür konzentriert sich das Projekt hauptsächlich auf epigraphische Quellen, da Inschriften ein breites Spektrum an Stimmen inner- und außerhalb der Eliten wiedergeben und hier auch Frauen zu Wort kommen. So weisen Quellen wie CIL X 4110, der Grabstein einer Frau und ihrer „liebevollsten“ (amantissima) Grabgenossin, darauf hin, dass Frauen nicht nur intime Beziehungen mit anderen Frauen führen konnten, sondern diese auch öffentlich auf Stein zur Schau stellen konnten. Unabhängig davon, ob diese und andere Frauenpaare eine sexuelle oder romantische Beziehung führten, geben solche Darstellungen Aufschluss über die teils überraschenden Grenzen und Spielräume der sozialen Akzeptanz von Intimität zwischen Frauen.
Das Ziel ist, die Lebenswelten einer der unsichtbarsten Gruppen der römischen Gesellschaft über die Sphäre gesellschaftlicher Stereotypen hinaus zu beleuchten.
Forschungsinteressen
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Frauen*-, Gender- und Sexualitätsgeschichte
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Lesbian* Studies
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Lateinische Epigraphik
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Trans- und interkulturelle Dynamiken in der antiken Welt
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Antikenrezeption in der modernen Populärkultur
Publikationen
R. L. Müller, All the Single Ladies. Unmarried Women in the Roman Empire, in: P. Hoffmann – A. Stoeger (Hrsg.), Topiaria Academica 2. Forschung – Vermittlung – Methoden (Heidelberg, in Vorbereitung).
R. L. Müller, Pinkus und Rena Olstein, in: K. Baumann – J. Kuhn (Hrsg.), Gerettet, aber nicht befreit. Überlebende der Shoah in Schleswig-Holstein (Schleswig 2020), 100–105.
Vorträge
19.11.2026 | „Melius nil caelibe vita? Unverheiratete Männer der römischen Antike in den Spielräumen gesellschaftlicher Ideale.“ jungcherre, Junggeselle, Hagestolz – Der unverheiratete Mann in epochenübergreifender Betrachtung, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
06.11.2026 | „‚Alte Jungfern‘ und lustvolle Witwen. Darstellungen unverheirateter Frauen in der römischen Literatur.“ Ἀμαζόνες ἀντιάνειραι – 1. Tagung des Frauen*Netzwerks in der Alten Geschichte, Universität Potsdam
06.05.2026 | „How to Find the Invisible. A New Approach to the Study of Love Between Women in Roman Antiquity.” Queer Colloquium Summer Term 2026, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
10.04.2026 | „Changing Receptions of Antiquity in Rosemary Sutcliff’s The Eagle of the Ninth and Its Adaptations.“ Current Contexts and Transformations of Antiquity Conference for Young Researchers, Universität zu Köln
11.10.2025 | „All the Single Ladies. Handlungsspielräume unverheirateter Frauen in der römischen Kaiserzeit.“ Topiaria Academica 2: Forschung – Vermittlung – Methoden, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Lehre
10.2023–03.2024 | „Beschreibungsübung“, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Institut für Klassische Archäologie und Byzantinische Archäologie