Universität Innsbruck

Florian Posselt

Kurzbiographie

  • Jahrgang 1994
  • 2013–2015 Bachelorstudium Technische Mathematik in Innsbruck (ausgesetzt)
  • 2015–2018 Bachelorstudium Classica et Orientalia in Innsbruck
  • 2018–2021 Masterstudium Alte Geschichte und Altorientalistik in Innsbruck mit der Abschlussarbeit "Über die Anzahl der Erdteile in der Archaik" (Betreuer Univ.-Prof. Mag. Dr. Robert Rollinger)
  • 2021 Beginn des Doktoratsstudiums mit der Arbeit "Die Entstehung der Kontinente" (Hauptbetreuer Univ.-Prof. Mag. Dr. Robert Rollinger, Zweitbetreuer Prof. Johannes Haubold, Princeton)

Lehrtätigkeit

  • Seminar „Herodot: der Vater der Geschichtsschreibung?“ im WS 2021/22 in Kassel (DE)

Stipendien

  • Leistungsstipendium der Universität Innsbruck für das Studienjahr 2020/21

Vorträge und Chairs

  • 4.12.2019: Chair bei der internationalen Tagung "The World of Alexander in Perspective: Contextualizing Arrian"
  • 20.9.2021: Vortrag "The Number of Continents in Archaic Greece" bei der Summerschool/Internationalem Workshop "The Ancient Maritime World IV. International Workshop / Summer School 2021. The Peloponnese and the Sea, from/to Alimos Marina, Athens, Sept 11th – Oct 2nd"
  • 30.10.2021: Vortrag "Über die Anzahl der Erdteile in der ionischen Archaik" beim 18. Österreichischen Althistorikerinnen- und Alsthistorikertag (Graz)
  • 13.11.2021: Vortrag "Die Entstehung der Kontinente" bei der AKMe-Tagung 2021 (Innsbruck)
  • 2.12.2021: Chair bei der internationalen online-Tagung „Empires through the Ages: Short-term Empires – Rule or Exception?”
  • 21.06.2022: Chair im Rahmen der Internationalen Tagung “Contextualizing Imperial Borderlands (9th c. BC – 9th c. AD, and Beyond) im Vorarlberg museum in Bregenz vom 20.–24.06.2022 zum Vortrag „Elam as a Borderland of the Neo-Assyrian and Neo-Babylonian Empires” von Matthew Waters (Wisconsin-Eau Claire) als Teil des Panel 2 “Ancient Near East”

Forschungsinteressen

  • Mental mapping und Raumwahrnehmung im Alten Orient und der gr.-röm. Antike
  • Kulturkontakte im Mittelmeerraum
  • Griechische Historiographie (Hekataios, Herodot)
  • Altorientalische Königsinschriften
  • Wissenschaftsgeschichte der Alten Geographie

Sonstiges

  • 2017–2021: Studienvertretung der Fächer Classica et Orientalia/Alte Geschichte und Altorientalistik
  • 2018–2021: mehrfache Anstellungen als studentischer Mitarbeiter in Forschung und Verwaltung sowie in der Lehre am Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik sowie am Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien (vormals auch Gräzistik)
  • 2020: Organisation der internationalen online-Tagung "Ancient Worlds in Perspective: Contextualizing Herodotus. Internationale Tagung zum zwanzigsten Publikationsjahr von Reinhold Bichlers 'Herodots Welt'" (Innsbruck, 2.–3. Dezember)
  • 2021: Fortbildung zum E-Tutor im Bereich "Einsatz von BigBlueButton in der Lehre"
  • 2021: Organisatorische Mitgestaltung der Exkursion "Israel und die jüdische Geschichte im Altertum"
  • 2021: Organisation und Betreuung der internationalen online-Tagung "Empires through the Ages: Short-term Empires – Rule or Exception?" (30. November – 2. Dezember)

 

Dissertationsprojekt

Im Rahmen meiner Dissertation beschäftige ich mich mit der humangeographischen Entstehung der Kontinente, also der gedanklichen Erfassung der gesamten Welt sowie ihrer Aufteilung in mehrere Großteile, was sich im Quellenbefund erstmals bei Pindar fassen lässt (etw. 470 v. Chr.). Bislang wird in der Forschung immer noch die Meinung Ernst Hugo Bergers (Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der Griechen, 1887–1893) vertreten, die Welt wäre von ionischen Forschern der milesischen Schule als Ganzes erfasst und aufgrund naturwissenschaftlicher Faktoren (Hitze-Kälte-Gegensatz, astronomische Beobachtungen der Sonnenauf- und -untergänge, geometrische und kartographische Erfassung verschiedener Erdteile) in eine nördliche Hälfte Europa und eine südliche Hälfte Asien eingeteilt worden. Im Gegensatz dazu versuche ich die Aufteilung der Welt in drei Großteile als Reaktion von Völkerschaften (Griechen, Phönizier?) zu deuten, die am westlichen Rande der altorientalischen Imperien (Assyrer, Babylonier, Perser) auf deren territorialen Herrschaftsanspruch reagieren und im Anbetracht um das Wissen der Küsten und Hinterländer des Mittelmeeres dem universalistischen Weltherrschaftsanspruch ein Gegenmodell der Welt in drei Großteile entgegenhalten können. Diese These versuche ich entlang verschiedener Argumentationen plausibel zu machen. Zuerst setze ich mich mit der Forschungsgeschichte dieses Themas seit dem späten 17. Jahrhundert auseinander, um transparent darzustellen, unter welchen Umständen und über welche Argumentationen sich die momentane opinio communis herausgebildet hat. Darauf aufbauend lässt sich dieser Forschungsstand sauber dekonstruieren. In einem weiteren Schritt widme ich mich der Begriffsgeschichte zentraler Termini sowie Konzepte, die mit der Genese des Konzepts der Erdteile zu tun haben ("Europa", "Asien", "Libyen", ἤπειρος, Okeanos/marratu, Phasis, Nil, Säulen des Herakles, Mittel- und Schwarzes Meer als Binnenmeere, ...). In einem dritten Schritte untersuche ich die altorientalischen geographischen Texte und Königsinschriften auf Prozesse und Entwicklungen der Raumordnung und des mental mappings der altorientalischen Imperien, bis sich diese aus griechischer Perspektive als perfekt strukturierter Kontinent "Asien" herausentwickeln. In einem letzten Schritt beleuchte ich die Motivgeschichte von Grenzen und Grenzüberschreitung in altorientalischen und griechischen Texten des 9.–4. Jahrhunderts v. Chr., um die Interpretation der Erdteilgrenzen als geopolitische Antwort auf Expansionen und Herrschaftsansprüche der altorientalischen Reiche plausibel zu machen.