Keynotes

Folgende Keynote-Speaker:innen sind auf der Tagung vertreten: 

Prof. Dr. Gert Biesta

Professor of Public Education, Maynooth University, Ireland

 

Prof. Dr. Richard Münch

Seniorprofessor für Gesellschaftstheorie und komparative Makrosoziologie, Zeppelin Universität, Deutschland

Alle Macht der OECD? Die datengestützte Governance der Bildung auf dem Prüfstand  

Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, wie und mit welchen Erfolgen sich die Governance der Bildung im Kontext ihrer Glokalisierung zwischen der OECD und nationalen Bildungssystemen verändert hat. Schulreformen zur Verbesserung der Bildungsleistungen (Qualität), zum Abbau von Leistungsunterschieden und zur Verringerung der Auswirkungen des familiären Hintergrunds auf die Leistungen (Gerechtigkeit) stehen seit drei Jahrzehnten weltweit auf der Tagesordnung. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Daten zu nationalen Bildungssystemen, im PISA-Datensatz der OECD kulminierend, scheint zwangsläufig der datenbasierte Vergleich der nationalen Bildungssysteme der Schlüssel zur Entdeckung der bestmöglichen Steuerung von Bildung, Schule und Unterricht zu sein. In der Mitte dieser Bewegung der datengestützten Entwicklung von Steuerungsinstrumenten steht die OECD. Sie liefert die Vergleichsdaten, anhand derer sich anscheinend die sogenannten „Best Practices“ herausfinden lassen. Die Bildungsvergleichsdaten entwerten jede in Traditionen verhaftete praktische Erfahrung, das Wissen der alten Bildungseliten. Mit ihrer materiellen Entmachtung im Sinne der Verdrängung aus dem Entscheidungszentrum der Bildungssteuerung geht deshalb auch ihre symbolische Entmachtung in der Definition von gutem Unterricht einher. Diese Definitionsmacht liegt jetzt bei der OECD und den Akteuren, die in ihrem Umfeld an der Generierung des neuen, jetzt wissenschaftlich basierten Wissens mitwirken. Im Kontext der Glokalisierung der Bildungs-Governance entsteht eine Art datengestütztes Kontrollregime von Bildung, Schule und Unterricht. Nehmen wir die erste PISA-Studie von 2000 als Startpunkt dieses Wandels der Bildungs-Governance, dann stellt sich die Frage, welche Erfolge das datengestützte Kontrollregime nach 25 Jahren der weltweiten Verbreitung vorweisen kann. Der Vortrag widmet sich dieser Frage anhand eines Vergleichs von Schulreformen und ihren Effekten in ausgewählten Ländern.

Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski

Professorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Universität Regensburg, Deutschland

Bildung für nachhaltige Entwicklung und Glokalisierung – eine traditionsreiche doch spannungsgeladene Beziehung

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist programmatisch stark verbunden mit der internationalen Nachhaltigkeitsagenda inklusive ihres traditionsreichen Anspruchs des „Global denken – lokal handeln“ und hat damit enge Bezüge zu Phänomenen der Glokalisierung. Die Governance des Bildungskonzeptes wird von internationalen Organisationen, wie den Vereinten Nationen oder der UNESCO geprägt, muss aber durch konkrete Impulse und Aktivitäten lokal rekontextualisiert werden. Dies hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einer zunehmenden Bekanntheit und Verankerung von BNE in der Bildungspraxis geführt. Gleichzeitig tragen globale Phänomene, wie der zunehmende Autoritarismus, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – in Verbindung mit den eskalierenden Krisen der Nicht-Nachhaltigkeit – zu erheblichen Herausforderungen in der Realisierung von BNE für alle Altersgruppen bei. Dies macht die Relation von BNE zum Phänomen der Glokalisierung zu einer traditionsreichen doch spannungsgeladenen Beziehung.

Im Vortrag werden zunächst aus bildungstheoretischer Perspektiven die Ziele und Grenzen von Bildungsbemühungen im Horizont gesellschaftlicher Transformationsprozesse diskutiert. Anschließend wird ein Überblick über die historische Genese und den aktuellen Forschungsstand zu BNE in den deutschsprachigen Ländern gegeben.  Abschließend werden zwei Aspekte erörtert, die in der Umsetzung von BNE in Zeiten der Glokalisierung eine besondere Rolle spielen: 1) das konstruktive Führen kontroverser Debatten, das auch durch eine zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche geprägt wird, sowie 2) der Umgang mit nachhaltigkeitsbezogenen Emotionen, der zu einem Schlüssel für die Beförderung eines Engagements im Kontext globaler sozial-ökologischer Transformationsprozesse geworden ist.

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