Keynotes
Folgende Keynote-Speaker:innen sind auf der Tagung vertreten:
Keynote 1
Prof. Dr. Gert Biesta
Emeritus Professor of Public Education, Maynooth University, Ireland
What kind of society does the school need? A defence of the school as institution
Schools, colleges and universities operate in highly-demanding environments. It is not just parents who want the best for their children and students who want the best for their money. Society also has many expectations about what education ought to ‘deliver,’ and is increasingly watching and monitoring education systems in order to make sure that they perform and achieve. This all too often results in unhelpful and counterproductive pressure. In my presentation I will explore the relationship between ‘school’ and ‘society’ by not just asking what kind of school society may need, but also what kind of society the school may need. By exploring the ‘double history’ of the modern school, I will be able to argue that the school stands in a double relationship with society: not just as a function but also as an institution. Whereas a function the school has a duty to perform, as institution it has a duty to protect and therefore also a ‘duty to resist,’ as Philippe Meirieu has celled it. Along these lines it may become possible to recalibrate the relationship between school and society and push back in meaningful and legitimate ways against the performative pressures modern education systems are under.
Gert Biesta is Professor of Education in the Faculty of Education of the University of Melbourne, Australia, Adjunct Professor of Education at Western Norway University of Applied Sciences, Norway, and Emeritus Professor of Public Education at Maynooth University, Ireland. He has published widely on the theory of education and on education policy, with a particular interest in teaching, teacher education, arts education, citizenship education and religious education. So far his work has appeared in 24 different languages. He is currently an appointed member of the Education Council of the Netherlands, the advisory body of the Dutch government and parliament, and an expert advisor for the Council of Europe’s European Space for Citizenship Education.
Keynote 2
Prof. Dr. Mandy Singer-Brodowski
Professorin für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Universität Regensburg, Deutschland
Bildung für nachhaltige Entwicklung und Glokalisierung – eine traditionsreiche doch spannungsgeladene Beziehung
Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ist programmatisch stark verbunden mit der internationalen Nachhaltigkeitsagenda inklusive ihres traditionsreichen Anspruchs des „Global denken – lokal handeln“ und hat damit enge Bezüge zu Phänomenen der Glokalisierung. Die Governance des Bildungskonzeptes wird von internationalen Organisationen, wie den Vereinten Nationen oder der UNESCO geprägt, muss aber durch konkrete Impulse und Aktivitäten lokal rekontextualisiert werden. Dies hat in den vergangenen Jahrzehnten zu einer zunehmenden Bekanntheit und Verankerung von BNE in der Bildungspraxis geführt. Gleichzeitig tragen globale Phänomene, wie der zunehmende Autoritarismus, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz – in Verbindung mit den eskalierenden Krisen der Nicht-Nachhaltigkeit – zu erheblichen Herausforderungen in der Realisierung von BNE für alle Altersgruppen bei. Dies macht die Relation von BNE zum Phänomen der Glokalisierung zu einer traditionsreichen doch spannungsgeladenen Beziehung.
Im Vortrag werden zunächst aus bildungstheoretischer Perspektiven die Ziele und Grenzen von Bildungsbemühungen im Horizont gesellschaftlicher Transformationsprozesse diskutiert. Anschließend wird ein Überblick über die historische Genese und den aktuellen Forschungsstand zu BNE in den deutschsprachigen Ländern gegeben. Abschließend werden zwei Aspekte erörtert, die in der Umsetzung von BNE in Zeiten der Glokalisierung eine besondere Rolle spielen: 1) das konstruktive Führen kontroverser Debatten, das auch durch eine zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche geprägt wird, sowie 2) der Umgang mit nachhaltigkeitsbezogenen Emotionen, der zu einem Schlüssel für die Beförderung eines Engagements im Kontext globaler sozial-ökologischer Transformationsprozesse geworden ist.
Keynote 3
Prof. Dr. Richard Münch
Seniorprofessor für Gesellschaftstheorie und komparative Makrosoziologie, Zeppelin Universität, Deutschland
Alle Macht der OECD? Die datengestützte Governance der Bildung auf dem Prüfstand
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, wie und mit welchen Erfolgen sich die Governance der Bildung im Kontext ihrer Glokalisierung zwischen der OECD und nationalen Bildungssystemen verändert hat. Schulreformen zur Verbesserung der Bildungsleistungen (Qualität), zum Abbau von Leistungsunterschieden und zur Verringerung der Auswirkungen des familiären Hintergrunds auf die Leistungen (Gerechtigkeit) stehen seit drei Jahrzehnten weltweit auf der Tagesordnung. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Daten zu nationalen Bildungssystemen, im PISA-Datensatz der OECD kulminierend, scheint zwangsläufig der datenbasierte Vergleich der nationalen Bildungssysteme der Schlüssel zur Entdeckung der bestmöglichen Steuerung von Bildung, Schule und Unterricht zu sein. In der Mitte dieser Bewegung der datengestützten Entwicklung von Steuerungsinstrumenten steht die OECD. Sie liefert die Vergleichsdaten, anhand derer sich anscheinend die sogenannten „Best Practices“ herausfinden lassen. Die Bildungsvergleichsdaten entwerten jede in Traditionen verhaftete praktische Erfahrung, das Wissen der alten Bildungseliten. Mit ihrer materiellen Entmachtung im Sinne der Verdrängung aus dem Entscheidungszentrum der Bildungssteuerung geht deshalb auch ihre symbolische Entmachtung in der Definition von gutem Unterricht einher. Diese Definitionsmacht liegt jetzt bei der OECD und den Akteuren, die in ihrem Umfeld an der Generierung des neuen, jetzt wissenschaftlich basierten Wissens mitwirken. Im Kontext der Glokalisierung der Bildungs-Governance entsteht eine Art datengestütztes Kontrollregime von Bildung, Schule und Unterricht. Nehmen wir die erste PISA-Studie von 2000 als Startpunkt dieses Wandels der Bildungs-Governance, dann stellt sich die Frage, welche Erfolge das datengestützte Kontrollregime nach 25 Jahren der weltweiten Verbreitung vorweisen kann. Der Vortrag widmet sich dieser Frage anhand eines Vergleichs von Schulreformen und ihren Effekten in ausgewählten Ländern.