Gerhard Tomedi
Projekte und Forschung
Projektnummer: 03/01
Beginn: 1999
Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Tomedi/Nicolussi Castellan/Lachberger/Mair/Töchterle
Finanzierung:
Verein ArchaeoTirol, div. Sponsoren aus der Privatwirtschaft, Gem. Ampass
Die Siedlungskammer Ampass-Aldrans nach archäologischen Befunden und Funden
Ampass darf sich zu Recht rühmen, jene Gemeinde Tirols mit der höchsten Dichte an archäologisch bedeutungsvollen Fundstätten im Verhältnis zu seiner Flächenausdehnung zu sein. An diese Siedlungskammer schließen sich noch weitere Fundstellen im östlichen Gemeindegebiet von Aldrans an. Die günstige verkehrsgeografische Lage wird dabei sicher ein bestimmender Faktor gewesen sein.

Die ersten archäologischen Untersuchungen fanden bereits im 19. Jh. statt. Unter Leonhard Franz, Osmund Menghin, Liselotte Zemmer-Plank, Werner Kneussl und Reimo Lunz folgten weitere Feldforschungen in den 60er-Jahren des 20. Jhs. Eine Zusammenschau der einzelnen – zumeist leider unpublizierten – Grabungsergebnisse und der zahlreichen Einzelfunde stand jedoch aus, obwohl gerade hier mit kleinregionalen Verschiebungen – abgesehen von jungsteinzeitlichen Streufunden – mit großer Wahrscheinlichkeit eine Siedlungskontinuität ab der Bronzezeit zu erkennen war. Der Name Ampass leitet sich von keltisch Ambanes (zwischen zwei Bächen) ab. Der Name wurde dann auch von der romanisierten und christlichen Gemeinschaft weiter tradiert, die auf dem Palmbühel eine erste Kirche errichtete, aus der nach zahlreichen Umbauphasen die spätgotische Johanniskirche entstand.
Abgesehen von einer Bestandaufnahme der Altfunde sollten durch Feldforschungen neue Ergebnisse erbracht werden. Dies führte in der Folge zu mehreren Teilprojekten, wobei zahlreiche Information Hobbyarchäologen und Privatgelehrten zu verdanken sind. Seit 1999 führt der großteils von Privatsponsoren finanzierte Verein ArchaeoTirol in Ampass Grabungen durch. Im Rahmen eines Teilprojektes wurden sämtliche Fundstellen katalogmäßig erfasst. Erstaunliche Ergebnisse lieferten auch zwei größere Flächen, die von Wolfgang Neubauer und seinem Team vom Vienna Institute for Archaeological Science (VIAS®) geophysikalisch untersucht wurden. In ihren Diplomarbeiten werden nunmehr von Dorothea Mair (Institut für Klassische Archäologie) die Befunde und Funde der Römischen Kaiserzeit, von Ulrike Töchterle die vorgeschichtlichen Einzelfunde aus der gesamten Siedlungskammer Ampass bearbeitet.
Publikationen:
- A. Lang, Das Gräberfeld von Kundl im Tiroler Inntal. Studien zur vorrömischen Eisenzeit in den zentralen Alpen. Frühgeschichtliche und provinzialrömische Archäologie. Materialien und Forschungen 2 (Rahden/Westfahlen 1998).
- G. Tomedi/H. Appler, Die Siedlungskammer Ampass nach ihren archäologischen Quellen. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass. ArchaeoTirol Kleine Schriften 1 (Wattens 1999) 60-88.
- W. Neubauer/G. Tomedi, Erste Ergebnisse der archäologisch-geophysikalischen Prospektion in Ampass. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass/Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 39-45.
Projektnummer: 03/01
Teilprojekt 1
Beginn 1999; Ende 2001
Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Tomedi/Nicolussi Castellan/Lachberger/Mair/Töchterle
Finanzierung:
Verein ArchaeoTirol, div. Sponsoren aus der Privatwirtschaft, Gem. Ampass
Ampass-Widenfeld
Siedlungsschicht der Eisenzeit und der römischen Kaiserzeit sowie ein eisenzeitliches Hügelgrab und unbestimmte mittelbronzezeitliche Schicht
Zumal nach dem Pflügen immer wieder am Widenfeld erstaunlich hochwertige Kleinfunde aufgelesen werden konnten, wurde 1999 eine Sondierungsgrabung zur Klärung des Befundes durchgeführt. Mit der Finanzierung durch den Verein ArchaeoTirol – Initiative zur Förderung archäologischer Projekte – und mit dessen kompletter Infrastruktur (Grabungsgerät, Zelt, Fotobühne, elektr. Rüttelsieb) konnten bislang drei Grabungskampagnen unternommen werden. Neben eisenzeitlichen Siedlungsschichten am Hangfuß konnte am Acker in etwa 50 cm Tiefe eine Steinrollierung mit Funden der späten römischen Kaiserzeit (glasierte Reibschalen, ein Schlangenarmreif aus Bronze) freigelegt werden. Als besondere Überraschung muss aber die Entdeckung zweier hallstattzeitlicher Grabhügel gelten, die bereits während der Latènezeit mit Sediment abgedeckt wurden und somit in der römischen Kaiserzeit obertägig nicht mehr zu erkennen waren.

Es war vermutlich ein Angehöriger einer gehobenen sozialen Schicht, dem das kleinere, zur Hälfte ausgegrabene Hügelgrab errichtet wurde. Das formelle Ausdrucksmittel eines Hügelgrabes stammt ohne Zweifel aus Südbayern. Man bediente sich also bewusst der dort üblichen Darstellung, die freilich auch der restlichen Bevölkerung als Zeichen bekannt gewesen sein muss. Die folgenden Nachbestattungen zeigen einerseits die soziale Bindung an diese Persönlichkeit wie auch das Weiterbestehen dieser Gemeinschaft.
Unter den hallstattzeitlichen Hügeln konnte in einem kleinen Sondierungsschnitt in ca. 4,5 m Tiefe noch eine stark holzkohleführende Schicht der mittleren Bronzezeit dokumentiert werden, die aber wegen der Gefährdung durch die Tiefe des Schnittes nicht mehr weiter verfolgt werden konnte. Auch dieser Befund passt hervorragend zu den ersten bei geophysikalischen Prospektionen von VIAS unter Mag. Dr. Wolfgang Neubauer georteten Strukturen.
Die Grabungen wurden nach der Kampagne 2001 vorläufig eingestellt. In ihren Diplomarbeiten werden von Dorothea Mair (Institut für Klassische Archäologie) die Befunde und Funde der Römischen Kaiserzeit, von Ulrike Töchterle die vorgeschichtlichen Einzelfunde aus der gesamten Siedlungskammer Ampass bearbeitet.
Publikationen:
- G. Tomedi/H. Müller, Von der Grabung zur Präsentation. Zum Verlauf der Grabungen im Jahr 1999 in Ampass. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass. ArchaeoTirol Kleine Schriften 1 (Wattens 1999) 20-28.
- G. Tomedi/S. Nicolussi Castellan, Ein hallstattzeitliches Hügelgrab im Widenfeld? In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass. ArchaeoTirol Kleine Schriften 1 (Wattens 1999) 54-59.
- G. Tomedi/H. Appler, Die Siedlungskammer Ampass nach ihren archäologischen Quellen. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass. ArchaeoTirol Kleine Schriften 1 (Wattens 1999) 60-88.
- G. Tomedi/H. Appler/S. Nicolussi Castellan, Vorbericht zu den Grabungen von ArchaeoTirol am Ampasser Widenfeld im Jahr 2000. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen in Ampass/Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 46-68.
- S. Nicolussi Castellan/D. Mair/G. Tomedi, Vorläufiger Abschlussbericht zu den Ausgrabungen in Ampass am Widenfeld 2001. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen und Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 3 (Wattens 2001) 91-98.
- U. Töchterle/D. Mair/H. Appler, Die Siedlungskammer Ampass vom Neolithikum bis ins frühe MIttelalter. Arch. Österreichs 13/2, 2002, 43-55.
Projektnummer: 03/01
Teilprojekt 2
Beginn 2000; Fertigstellung voraussichtlich 2003
Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Tomedi/Nicolussi Castellan/Altenburger/Lachberger/Mair/Töchterle
Finanzierung:
Verein ArchaeoTirol, div. Sponsoren aus der Privatwirtschaft, Gem. Ampass
Ampass-Widenfeld
Die archäologische Fundtopografie der Siedlungskammer Ampass-Aldrans
Der fast schon legendäre Fundreichtum von Ampass machte eine Bestandaufnahme der Altfunde im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, in der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien sowie in diversen Privatsammlungen notwendig, um in der Forschung diesem hervorragenden Schlüsselplatz gerecht zu werden. Auch anhand der Einzelfunde aus Ampass und Umgebung können wichtige Aufschlüsse zu den verschiedenen Epochen gewonnen werden. Unter Einbeziehung von Privatgelehrten, Hobbyarchäologen und weiteren Informanten wurden sämtliche Fundstellen katalogmäßig erfasst. In ihren Diplomarbeiten werden nunmehr von Dorothea Mair (Institut für Klassische Archäologie) die Befunde und Funde der Römischen Kaiserzeit, von Ulrike Töchterle die vorgeschichtlichen Einzelfunde aus der gesamten Siedlungskammer Ampass bearbeitet und für die Publikation in der Schriftenreihe ArchaeoTirol Monografien vorbereitet.
Publikationen:
- G. Tomedi/H. Appler, Die Siedlungskammer Ampass nach ihren archäologischen Quellen. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 1 (Wattens 1999) 60-88.
- S. Nicolussi Castellan/ G. Tomedi/P. Huber, Ampass in alten Ansichten. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 32-38.
- W. Neubauer/G. Tomedi, Erste Ergebnisse der archäologisch-geophysikalischen Prospektion in Ampass. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 39-45.
- G. Tomedi/H. Appler/S. Nicolussi Castellan, Vorbericht zu den GRabungen von ArchaeoTirol am Ampasser Widenfeld im Jahr 2000. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 64-68.
- A. Lang, Eine Fibel vom Übergang der späträtischen Kultur zur frühen römischen Kaiserzeit und ihre historische Aussage. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 69-74.
- D. Mair, Eine Kammmacherwerkstatt der späten römischen Kaiserzeit in Ampass. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 75-86.
- P. W. Haider, Zu den römischen Fundmünzen aus Ampass: Erste Einblicke in Geschichte und Wirtschaft. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 84-94.
- W. Rakob, Eine 20-karätige Goldmünze des oströmischen Kaisers Junstinian vom Ampasser Palmbühel. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 2 (Wattens 2000) 95-96.
- M. Egg, Ein ungewöhnlicher Helmknauf der jüngeren Eisenzeit aus Aldrans im Bezirk Innsbruck-Land in Tirol. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 3 (Wattens 2001) 99-107.
- H. Appler, Latènezeitliche Scheibenhalsringe aus Aldrans und Ampass. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 3 (Wattens 2001) 108-112.
- G. Tomedi/Hans Appler, Neuentdeckungen zur Situlenkunst in Tirol. In: J. Zeisler/G. Tomedi (Hrsg.), Archäologische Forschungen und Grabungsberichte aus Tirol. ArchaeoTirol Kleine Schriften 3 (Wattens 2001) 113-122.
- U. Töchterle/D. Mair/H. Appler, Die Siedlungskammer Ampass vom Neolithikum bis ins frühe MIttelalter. Arch. Österreichs 13/2, 2002, 43-55.
Projektnummer: 03/01
Teilprojekt 3
Beginn 2002
Projektleiter/MitarbeiterInnen:
Tomedi/Nicolussi Castellan/Gruber/Lang/Marchhart/Marzatico/Neuner/Putzer/Schönfelder
Finanzierung: Verein ArchaeoTirol
Ampass-Widenfeld
Ein späthallstatt- bis spätlatènezeitliches Deposit am Demlfeld in Ampass
Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden sämtliche Fundstellen im Bereich Ampass und Umgebung katalogmäßig erfasst. Neben Surveys und geophysikalischen Prospektionen erfolgten stets sorgfältige Beobachtungen des Geländes. Nach längerem Brachliegen wurde heuer im April ein Acker gepflügt, der schon länger als „verdächtiger Platz“ geführt wurde. Reinhold Lachberger entdeckte im frisch gepflügten Erdreich Konzentrationen von verbrannten Knochen – ein deutlicher Hinweis für einen prähistorischen Bestattungs- oder Opferplatz.
Die darauf eingeleitete erste Untersuchung gemeinsam mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck erbrachte erstaunliche und zugleich hervorragend erhaltene Funde aus Bronze: Fibeln, darunter auch ein versilbertes Exemplar, Halsreife, reich verzierte Gürtel und den Beschlag der Nabe eines großen, vermutlich vierrädrigen Wagens. Das alles fand sich nur wenige Zentimeter unterhalb der Pflugtiefe. Daher war höchste Eile geboten, um die noch zu erwartenden prächtigen Fundobjekte vor der völligen Zerstörung zu bewahren.
Dank des besonderen Entgegenkommens des Grundeigentümers, des Demlbauern Herrn Manfred Peer, der trotz Ernteeinbußen auf eine Pacht verzichtete und die Grabungen tatkräftig und finanziell unterstützte, konnten dann folgend im Auftrag des Bundesdenkmalamtes großflächige Grabungen eingeleitet werden. Studenten und Forscher des Urgeschichte-Institutes sowie Vereinsmitglieder begannen ihre spannende Arbeit, die ArchaeoTirol aufgrund großzügiger Unterstützung von Förderern und Sponsoren finanzieren konnte. Die Infrastruktur stellte wie immer ArchaeoTirol aus seinem Fundus: Einen Baucontainer ausgestattet mit einem leistungsfähigen PC für die Bilddokumentation, einem Bauwagen, dem maßgeschneiderten Grabungszelt sowie einem elektrischen Rüttelsieb – dem legendären Archaeomat.
Die meisten Funde (Blechgürtel, stilisiertes Frauenfigürchen [sog. potnia theron], tordierte Bronzehalsreif, Mandolinenfibeln, Sanzenofibel, Nabenbeschlag, Fibel Typ Almgren 65; Bronze- und Eisenblechgefäß) gehören in die Kategorie Prestigegüter, die ausschließlich aus dem Besitz einer sozial bedeutungsvollen Bevölkerungsschicht stammten. Soweit die Stücke geschlechtsspezifisch bestimmbar sind, gehören sie in das weibliche Ambiente. Sie fanden sich innerhalb einer etwa bogenförmigen Steinsetzung aus mehreren säuberlich gesetzten Substruktionen. Zwei Gefäße aus Bronzeblech wurden im Gipskorsett geborgen, um sie unversehrt dem Erdreich zu entnehmen. Besonders erwähnenswert ist zudem ein Anhänger aus Bronzeblech in Form einer stilisierten Frau, deren Arme in Pferdeköpfen enden. Derartige Stücke waren bislang nur südlich des Alpenhauptkammes und ausschließlich von Opferplätzen bekannt. Ein weiteres Indiz für den Charakter als Weihegaben ist die relativ lange Zeitspanne, aus der die Objekte stammen: Sie erstreckt sich vom 5. Jahrhundert vor Christi Geburt bis etwa an die Zeitenwende. Der feine Dekor der meisten Stücke sowie die technisch ausgefeilte Machart belegen eindrucksvoll das handwerkliche Geschick und damit das hohe kulturelle Niveau der urzeitlichen Bevölkerung Tirols – der Raeter.
Publikationen:
- S. Gruber, R. Lachberger, A. Lang, H. Marchart, F. Marzatico, M. Neuner, S. Nicolussi Castellan, A. Putzer, M. Schönfelder, G. Tomedi, Ein eisenzeitliches Deposit am Demlfeld in Ampass. In: ArchaeoTirol Kleine Schriften 4 (Wattens 2002) 139-183

