Studium: Diplomstudium Geographie, Doktoratsstudium der Naturwissenschaften
Was hat Sie damals an die Universität Innsbruck gezogen? Am Beginn tatsächlich die räumliche Nähe, ich bin im Unterland aufgewachsen. Schon bald habe ich aber gemerkt, dass die LFU für mich viel mehr ist als nur die bequeme Lage – ein neues, interessantes Umfeld, in dem ich mich schnell wohl gefühlt habe. Das ging auch mit der Tatsache einher, dass einige meiner besten Freunde zeitgleich in Innsbruck studierten.
Denke ich an Innsbruck, denke ich sofort an... die wunderschöne Lage der Stadt! Auch wenn ich jetzt zu Besuch komme, fängt mich diese ein.
Was war zu Studienzeiten Ihr Lieblingsort in Innsbruck/an der Universität? In den warmen Monaten vor allem die Promenade am Inn hinter den Uni-Gebäuden (Geiwi-Turm, alte Uni). Dort habe ich mit Freunden und Freundinnen oft „gechillt“, um zwischen und nach Lehrveranstaltungen zu entspannen.
Was war für Sie ein unvergessliches Erlebnis oder eine besonders prägende Person während der Studienzeit? Schöne Erlebnisse gab es zu viele. Besonders prägend war aber sicher mein Doktorvater Georg Kaser, der in Innsbruck ja bekannt ist. Er hatte damals den Ruf, dass es bei ihm besonders schwierig ist, eine Diplomarbeit zu machen, und eine Doktorarbeit schier unmöglich. Wir waren aber von Beginn an persönlich und fachlich auf einer Welle, daher war ich dann auch der erste, der bei ihm promoviert hat.
Waren Sie im Ausland? War das für Sie aus heutiger Sicht wichtig? Ja, war ich, und dies war auf dem Weg zur Professur sicher essenziell. Meine Postdoc-Phase in Innsbruck habe ich 2007 unterbrochen, um an der University of California in Berkeley zu forschen. Nach Innsbruck ging es dann 2011 an die TU Berlin, und von dort habe ich mich auf meine jetzige Professur in Erlangen-Nürnberg beworben. Die Erfahrungen an vier verschiedenen Unis und Städten waren nicht nur persönlich inspirierend, sie geben mir auch für den Alltag oft ein gutes Gespür bei Entscheidungen.
Würden Sie sich aus heutiger Sicht für ein anderes Studium entscheiden? Ich denke nicht. Ich finde es zu faszinierend, wie unser Erdsystem funktioniert und dass man viele wissenschaftliche Aspekte von Wetter und Klima im echten Leben andauernd beobachten kann.
Was verbindet Sie heute noch mit der Universität? Einige meiner früheren Kollegen und Kolleginnen arbeiten noch immer dort, vor allem am Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften (damals hieß es Meteorologie und Geophysik). Mit ihnen habe ich auch in den jüngsten Jahren in Studien und Projekten zusammengearbeitet; der Kontakt besteht also weiterhin. Außerdem arbeitet einer meiner allerbesten Freunde als Biologe and der Uni Innsbruck. Mit ihm diskutiere ich oft über die Welt der Wissenschaft.
Wie hat sich Ihr Weg vom Studium bis heute entwickelt? Im Nachhinein gesehen, ziemlich rasant auf der akademischen Rennbahn (das nimmt man aber nicht immer wahr, wenn man mitten drin steckt). Nach der Promotion und einer ersten Postdoc-Phase in Innsbruck folgten weitere Postdoc-Forschungen in Berkeley (bei San Francisco) und dann in Berlin. Meine erste ernsthafte Bewerbung auf eine Professur führte gleich zum Erfolg, und ich wurde 2013/14 nach Erlangen-Nürnberg berufen. Die Professur war von Beginn an unbefristet, 2017 war ich bereits Institutsleiter.
Was war bis jetzt Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer beruflichen Laufbahn? Unvergesslich bleibt sicher mein erstes großes Feldexperiment mit den meteorologischen Messungen am Gipfel des Kilimandscharo, das ich mit Georg Kaser und Kollegen aus den USA und Neuseeland ab 2005 initiierte. Zudem durfte ich mich bereits früh in meiner Karriere über drei internationale Preise für meine wissenschaftlichen Arbeiten freuen; das waren sehr spezielle Momente. Für den mit 30.000 Euro dotierten „Early Career Award“ der Deutschen Akademie der Wissenschaften (2012) hat mich übrigens der ehemalige Innsbrucker Rektor Tilman Märk nominiert, wofür ich ihm sehr dankbar bin.
Was möchten Sie gerne noch erreichen? Es gibt nicht die eine Sache, der ich nachjage. Der größte Gewinn ist, wenn ich das Gefühl bewahren kann, dass ein großes Hobby (die Natur) glücklicherweise auch mein Beruf ist. Das ist ein immenses Privileg.
Wo liegen aus Ihrer Sicht heutzutage die größten Herausforderungen für Wissenschaft und Gesellschaft – und welche Chancen ergeben sich daraus? Aktuell scheint eine Herausforderung, dass sich beide wieder stärker annähern und die Gesellschaft der Wissenschaft vertraut. Man sollte nie vergessen, dass die Lebensqualität in Ländern wie Österreich oder Westeuropas, die wir heute genießen, vor allem eine Errungenschaft der Wissenschaft ist. Neue Chancen liegen ganz sicher nicht dort, wo Ideologie die objektive Grundhaltung der Wissenschaft verdecken will. Ich hoffe, dass wieder größere Teile der Gesellschaft auf der ganzen Welt diese Blendung merken.
Ich wollte immer schon einmal... Nicht immer, aber seit einigen Jahren überlege ich, für eine gewisse Zeit (z.B. ein Semester) komplett auszusteigen. Ich habe neben Wissenschaft noch andere große Interessen, vor allem Musik, aber auch Literatur, Philosophie, Sport oder diverse Projekte mit Freunden.
Mein Buch- oder Film-Tipp… Aus den Büchern, die ich in den letzten Monaten gelesen habe, wäre das „der Trafikant“ von Robert Seethaler; aus meinen Allzeit-Favoriten ist der Tipp wohl „Sommerhaus, später“ von Judith Hermann.
Welchen Rat oder welche Lebensweisheit möchten Sie heutigen Studierenden bzw. Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben? Zu akzeptieren, dass sich das Leben nicht immer an die eigenen Pläne hält. Viele der heutigen Studierenden tun sich damit schwer und erleben daher schon ganz jung viel Druck. Natürlich ist eine generelle Ahnung eines Wegs, einer Leidenschaft toll, aber in manchen Phasen muss man sich treiben lassen und dem Bauchgefühl folgen.
Stand: September 2026
