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Das journalistische Gesamtwerk Claus Gatterers

 

Claus Gatterer beim Telefonieren. Quelle: Nachlass Claus Gatterer, Sexten

Quelle: Nachlass Claus Gatterer, Sexten 

 

Der Journalist, Historiker und Dokumentarfilmer Claus Gatterer, geb. 1924 in Sexten (Südtirol), gest. 1984 in Wien, prägte im Verlauf einer langjährigen Journalistenkarriere die Fundamente der demokratischen Medienlandschaft Österreichs maßgeblich mit. Nach Jahrzehnten als Redakteur bei bedeutenden nationalen Tageszeitungen (u. a. Salzburger Nachrichten, Die Presse) setzte Gatterer in seinen letzten Schaffensjahren als Verantwortlicher des ORF-Fernsehmagazins teleobjektiv (1974–1984) neue Maßstäbe in der Berichterstattung über die spezifischen Lebenswelten sozialer Randgruppen. 

Gatterers Interesse für ausgegrenzte Minderheiten leitete auch seine Forschungsarbeit als Historiker. Auf Basis autobiographischer Erlebnisse der Zwischenkriegszeit und des Zweiten Weltkriegs, die er 1969 im Roman „Schöne Welt – böse Leut“ literarisch verarbeitete, betrieb er umfangreiche Studien hinsichtlich einer Überwindung der von ihm benannten „Erbfeindschaft Italien-Österreich“ (1972). Sein Hauptwerk „Im Kampf gegen Rom“ (1968) zur Geschichte der peripheren Grenzregionen Italiens und ihren Auseinandersetzungen mit dem italienischen Zentralstaat schuf diesbezüglich in Südtirol, im Trentino und über Folgestudien auch unter der slowenischen Gemeinschaft Südkärntens erste Grundlagen für eine emanzipatorische, transnationale Regionalgeschichtsschreibung. 

Die posthume Rezeption des vor drei Jahrzehnten verstorbenen Gatterer konzentriert sich gegenwärtig auf den persönlichen Karriereverlauf des Journalisten, der vor allem in den letzten Lebensjahren von schweren beruflichen Konflikten überschattet war. Gatterers couragierte Haltung, die er in Auseinandersetzung mit ihm überlegenen Institutionen einnahm, bildet das charismatische Element im Rollenmodell des interdisziplinären, fachlich wie ästhetisch ausgereiften Publizisten. 

Die Zielsetzung des Projekts „Das journalistische Gesamtwerk Claus Gatterers“ knüpft an den aktuellen Forschungsstand an, indem es den wissenschaftlichen Fokus von der persönlichen Biographie Gatterers nunmehr auf das weit gestreute Werk verschiebt, das vor allem im Bereich der frühen Pressepublikationen nahezu gänzlich unbekannt ist. Hierzu werden zwei Arbeitsschritte gesetzt: 

1) Bibliographie des Gesamtwerks: Neben Gatterers bekannten Buchpublikationen werden seine zahlreichen, weitgehend unerfassten Veröffentlichungen in Presse und Sammelbänden sowie seine Radio- und Fernsehbeiträge systematisch aus Bibliotheks- und Archivbeständen sowie aus dem Nachlass in der Bibliothek „Claus Gatterer“ Sexten recherchiert, bibliographiert, beschlagwortet und in Kopie als Werkbestand am Forschungsinstitut Brenner-Archiv gesichert. Die erarbeitete Werkbibliographie wird über das Online-Portal des Forschungsinstituts frei zugänglich gemacht und bildet die Grundlage für eine vertiefende Werkerschließung, die in Folgeprojekten erfolgen soll. 

2) Kommentierte Textedition: Auf Basis des recherchierten Werkbestands wird eine gedruckte Leseausgabe ausgewählter Zeitungstexte Gatterers der Jahre 1945–1984 (inkl. eines Vorworts von Peter Huemer und begleitendem Unterrichtsmaterial für Schulen) einen bisher noch nicht aufbereiteten Teil des publizistischen Gesamtwerks Claus Gatterers erstmals kompakt zugänglich machen. In Folgeprojekten sollen mittelfristig weitere Teilbereiche aufbereitet werden und langfristig in eine vollständige Werkausgabe münden. 

Die Notwendigkeit, das Gesamtwerk Claus Gatterers detailliert zu erforschen und künftigen Generationen dauerhaft zugänglich zu machen, ergibt sich aus der herausragenden intellektuellen Leistung Gatterers, die in die Herausbildung einer demokratischen Medienlandschaft Österreichs nach 1945 eingeflossen ist. Gerade im überdurchschnittlich umfangreichen Werk des historisch analysierenden Journalisten Gatterer können strukturbildende Konfliktfelder im Nachkriegsösterreich wie bspw. die verspätete Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Auswirkungen des Kalten Kriegs auf die Ausbildung einer österreichischen (und gesondert einer spezifisch Südtiroler) Identität nach 1945 exemplarisch erkennbar und in prägnanter Form begreifbar gemacht werden.


Das Projekt ist eine Kooperation von: 

Forschungsinstituts Brenner-Archiv an der Universität Innsbruck
Institut für Zeitgeschichte an der Universität Innsbruck
Geschichte und Region/Storia e regione

Logo - Universität Innsbruck

Logo - Geschichte und Region/Storia e regione

 

 

Das Projekt wird gefördert von:

Zukunftsfonds der Republik Österreich
 
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Autonome Provinz Bozen/Südtirol
 
Logo - Autonome Provinz Bozen/Südtirol

 

Stiftung Südtiroler Sparkasse

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