Universität Innsbruck

Überblick

Silke Meyer
Der Blick aufs Eigene


„Wartet auf mich!“ Dieser Satz aus ihrer Kindheit ist Silke Meyer besonders in Erinnerung geblieben. Sie rief ihn immer ihren Cousins und Cousinen hinterher, als sie im deutschen Flachland auf einem Bauernhof eine Kindheit fast wie im Bilderbuch erlebte. Silke war die jüngste von allen. In ihrer Erinnerung hatten alle anderen immer so viele Fähigkeiten und wussten so viele Dinge. Sie hingegen eilte hinterher und musste lernen zu beobachten. Dass sie heute Professorin für Europäische Ethnologie ist, hat aber, so sagt sie, damit nichts zu tun. Gerne würde sie diese Geschichte erzählen. Gerne würde sie sagen, dass es immer schon so war, dass sie beobachtete, wie Menschen sich in sozialen Gruppen und in ihrer Umgebung organisieren, dass sie vor allem die Alltäglichkeiten hinterfragt hat und sich selbst aus fremder Perspektive betrachtete. So war das aber nicht. Der Weg zum Heute war eigentlich mehr ein Zufall.

Durch reinen Zufall

Nachdem sie das Abitur gemacht hatte, inskribierte sie nämlich an der Uni Tübingen Kunstgeschichte, Romanistik und Englisch. Als sie sich eines morgens in ihrem ersten Semester zur Kunstgeschichte-Vorlesung begab, war sie fasziniert von dem, was sie hörte. Ein älterer Herr sprach über das Lachen, über Humor, dann über Jägerzäune und dann auch noch über die Deutschen allgemein. Was das alles mit Kunstgeschichte zu tun haben sollte, verstand die Studentin zwar nicht, schob es aber auf ihre Unerfahrenheit. Erst nach ein paar Wochen wurde ihr dann klar, dass es tatsächlich nichts damit zu tun hatte. Sie saß nämlich im falschen Hörsaal. Es war eine Vorlesung der Empirischen Kulturwissenschaft. Gehalten hatte sie der renommierte Professor Hermann Bausinger. Fortan besuchte Silke Meyer jede seiner Vorlesungen, inskribierte schließlich das Studium und wurde darin auch promoviert. In ihrer Dissertation beschäftigte sie sich mit der Ikonografie der Nation und der Konstruktion von Identität.

Das Fremde und das Eigene

Silke Meyer zog 2010 nach Tirol. Dem flachen Land fühlt sie sich aber nach wie vor verbunden. „Es hat etwas Unaufgeregtes, bietet viel Sicherheit“, meint die Professorin. Und eines habe sie über sich selbst gelernt, erzählt sie lachend: „Ich brauche eigentlich diese Sicherheit, ich bin ein wenig ein Kontrollfreak.“ Das bergige Land biete für Menschen mit dieser Eigenschaft nicht die besten Voraussetzungen. Vor allem, wenn der eigene Sohn ein Energiebündel ist, der sich auf dem Fußballplatz und beim Skifahren kaum aufhalten lässt. Doch auch dafür hat Silke Meyer eine Lösung parat: Auf seinen Ski-Helm hat sie ihre Telefonnummer geschrieben: „Im Fall, dass Sie ihn finden, rufen Sie mich bitte an!“ steht drunter. Mittlerweile fühlt sie sich also durch diese und ähnliche Maßnahmen heimisch in Tirol. Manchmal erwischt sie sich sogar dabei, wie sie auf der Piste ihrem Sohn hinterherfährt und ruft: „Warte auf mich!“

(Autor: Haris Kovacevic)

Steckbrief

Silke MeyerFotos: Axel Springer

Name

Univ.-Prof. Dr. Silke Meyer

Funktion

Professorin für Europäische Ethnologie

An der Uni seit

2010

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Reutlingen

 


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