Universität Innsbruck

Überblick

Konstanze Zwintz
Sternenmusik


Eigentlich war der berufliche Werdegang von Konstanze Zwintz früh zumindest skizziert: In ihrem sehr musikalischen Elternhaus erhielt sie schon mit fünf Jahren Klavierunterricht. Dabei bewies sie vielversprechendes Talent – genug, um in den kommenden Jahren eine Karriere als Konzertpianistin als realistische Option ins Auge zu fassen. Doch die Musik war nur ein Teil der Konstellation, unter der die gebürtige Wienerin aufwuchs. Dank ihrer Mutter, einer Pharmazeutin, und ihrem Vater, einem Chirurgen, lagen ihr auch die Naturwissenschaften immer nahe.

Nachthimmel

So wurde ihre Begeisterung auch dafür früh geweckt. „Meine Mutter war die treibende Kraft, mir alles zu zeigen und zu erklären – die Pflanzen, die Tiere und den Himmel“, erzählt sie. An eine Szene aus ihrer Kindheit erinnert sie sich heute noch genau: Im Winter, zu Besuch bei ihren Großeltern in Amstetten, dunkelte ihre Mutter das Wohnzimmer ab und öffnete das Fenster. „Sie hat mich warm eingepackt, mir Orion gezeigt und die Sterne erklärt. Das war sicher eine wichtige Erfahrung, die mir bis heute sehr klar in Erinnerung geblieben ist.“ Die Berufswahl für die Astrophysik fiel mit etwa 15 Jahren: Ein wenig Mathematiknachhilfe von einem Onkel, seines Zeichens Physiker, machte aus der Durchschnitts- eine Einser-Schülerin, und eine Zufallsbegegnung mit einem Experten auf einer Berufsmesse besiegelte den Weg: „In meiner – nachträglich betrachtet – jugendlichen Überheblichkeit war für mich klar, dass reine Physik oder reine Chemie zu ‚langweilig‘ waren“, berichtet Zwintz. Sie wollte etwas, „wo viel zusammenkommt“. Also griff sie nach den Sternen – mit viel elterlicher Unterstützung. „Das Motto war immer: ‚Was du willst, das kannst du auch‘“, sagt sie. „Und das hat mir viel ermöglicht.“

Weit gereist

Ein nicht unbedeutender Teil ihrer Arbeit ist es, zu reisen. Die Astrophysik-Community ist rund um den Globus verteilt – und Zwintz gilt weltweit als Expertin auf ihrem Gebiet. Im Schnitt stehen damit rund fünf internationale Meetings und Konferenzen pro Jahr auf dem Plan, die natürlich auch vorbereitet werden wollen. „Das Reisen ist ein wenig zum Automatismus für mich geworden“, meint sie. „Es ist ebenso schön und spannend wie anstrengend – und irgendwann hat man dann auch wieder genug.“ Dementsprechend schätzt sie es auch jedes Mal wieder heimzukommen.

Zweimal zuhause

Auch das ist allerdings nicht ganz so einfach: „Ich sehe mich definitiv als Innsbruckerin“, bekräftigt die Astrophysikerin. „Aber eben natürlich auch als Wienerin.“ Aus den beiden komplementären Lebensmittelpunkten ergibt sich ein großes Ganzes: Wien als große, geschäftige Stadt und Kulturknotenpunkt, und Tirol als Arbeits-, aber auch Rückzugsort. „An Innsbruck schätze ich die Ruhe, die Entspanntheit und die ‚Menschlichkeit‘. Von einem Busfahrer mit einem ‚Kimm eina!‘ begrüßt zu werden – das gäbe es in Wien eher nicht.“ Dafür lockt Wien mit einem breiteren Angebot an Kultur – und nicht zuletzt Musik. Denn diese begleitet Zwintz auch heute noch: In ihrer Tiroler Wohnung steht ein Pianino – in der in Wien ein Flügel, dem sie öfters einen Besuch abstattet. „Ich spiele noch, soweit es mein Job zulässt“, berichtet sie – wenn auch heute nicht mehr so oft wie früher. „Künstlerisches und naturwissenschaftliches Denken sind zwei verschiedene Welten – und die eine kann die andere entspannen.“ Klavier zu spielen, bedeutet für sie Entspannung und die Gedanken wandern zu lassen. Das bringe nicht nur Kraft, sondern auch Inspiration für das Faktischere, Wissenschaftlichere. „Musik ist Emotion, was Wissenschaft nicht sein sollte. So ergänzt sich das.“

Klingende Sterne

Und auf gewisse Weise zieht sich das musikalische Thema auch durch die Forschung der Astrophysikerin. An der Universität Innsbruck befasst sie sich mit der Entwicklung von jungen Sternen und Astroseismologie – gewissermaßen „Sternenbeben“. „Sterne schwingen“, sagt Zwintz. „Und daraus können wir viel über ihre Zusammensetzung und ihre Eigenschaften lernen. Und Klang ist nichts anderes als Schwingungen – auch wenn wir sie durch das Vakuum des Alls nicht hören können. Aber schlussendlich ist es der ‚Klang‘ der Sterne, den wir erforschen.“

(Autor: Daniel Feichtner)

Steckbrief

Konstanze Zwintz
Fotos: Axel Springer

Name

Univ.-Prof. Mag. Dr. Konstanze Zwintz

Funktion

Professorin und Leiterin der Forschungsgruppe Sternentwicklung und Asteroseismologie

An der Uni seit

2015

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Wien

 


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