Universität Innsbruck

Überblick

Jerome Mertens
Einer, der hoch hinaus will


Wie viele Buben hatte auch Jerome Mertens den Kindheitstraum, Pilot zu werden. Statt im Cockpit eines Fliegers arbeitet der 36-Jährige heute jedoch am Institut für Molekularbiologie der Uni Innsbruck. Dieses liegt zwar ganz in der Nähe des Innsbrucker Flughafens, hat aber mit Fliegen gar nichts zu tun: Hier ergründet eine Gruppe junger Wissenschaftler das biologische Altern, um neue Wege in der Alzheimerforschung zu beschreiten.

Frühes Interesse fürs Altern

Jerome Mertens stammt aus einer Kleinstadt in der Nähe von Hannover. Die Schule weckte das Interesse für Molekularbiologie in ihm. „In dieser Zeit war gerade die Fernsehserie CSI angesagt. UV-Licht und Menschen mit Handschuhen beeindruckten mich“, erzählt Mertens und lacht. Im Unterricht faszinierte es ihn besonders, wenn Theorien am Papier in Experimenten funktionierten. Das ist nach wie vor der Fall. „Die Idee, die vielleicht am Bierdeckel entsteht, und beim Versuch tatsächlich erfolgreich umgesetzt wird – das ist das Faszinierende an meiner Arbeit“, sagt der Wissenschaftler. Mertens studierte nach dem Abitur für kurze Zeit Biochemie in Bielefeld, merkte aber schnell, dass er sich lieber mit Menschen als mit Pflanzen auseinandersetzen wollte. Es zog ihn in den medizinischen Bereich. Er inskribierte sich für Molekulare Biomedizin in Bonn. Dort nahm seine Karriere als Molekularbiologe Fahrt auf: Mertens absolvierte ein Praktikum in einem Labor, das damals als eines der ersten in Europa Versuche mit menschlichen embryonalen Stammzellen durchführte. Er blieb für seine Diplom- und Doktorarbeit, die er zum Thema Alzheimer schrieb.

Von Kalifornien nach Tirol

Schließlich erhielt er eine Postdoc-Stelle am renommierten Salk Institute for Biological Studies in San Diego in Kalifornien. Dort forschte er sechs Jahre lang. 2017 bot sich für ihn die Möglichkeit, an der Uni Innsbruck ein eigenes Labor aufzubauen. Sein Wunsch, etwas Eigenes zu machen, bewegte ihn dazu, mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter nach Tirol zu ziehen. Der gute Ruf, die spannende Forschungsausrichtung des Instituts für Molekularbiologie sowie die hohe Lebensqualität in Innsbruck erleichterten ihm außerdem die Entscheidung, das sonnige Kalifornien zu verlassen. Ende 2017 begann Jerome Mertens mit dem Aufbau des Neural Aging Labor, um mit einer Arbeitsgruppe den Zusammenhang zwischen Altern und Alzheimer zu erforschen. „Wir versuchen zu verstehen, wie die Schnittstelle von Altern und Demenz – im Besonderen Alzheimer – auf molekularer und zellulärer Ebene funktioniert“, erklärt Mertens. Denn Demenzerkrankungen, die immer mehr zunehmen, betreffen bis auf wenige genetisch bedingte Ausnahmen nur ältere Menschen. Wie menschliche Gehirnzellen altern, und ob sich dies verlangsamen lässt, darüber ist bisher aber wenig bekannt. Ein besseres Verständnis dafür könnte eine zentrale Rolle in der Alzheimerforschung und in der Entwicklung von Therapien spielen.

Nervenzellen züchten

„Das Spannende an der Fragestellung ist, dass man das Altern jahrelang als Blackbox in der Forschung gesehen hat“, erklärt Mertens. „Erst in den letzten Jahren hat sich das – auch aufgrund der Forschungen, die wir gemacht haben – geändert.“ Inzwischen würden sich Wissenschaftler rund um den Globus damit auseinandersetzen, was mit unseren Zellen mit fortschreitendem Alter geschieht, und wie man altersbedingtes Leiden positiv beeinflussen kann. Gemeinsam mit seinem Team gelang es Jerome Mertens, eine Methode zu entwickeln, um in der Petrischale „alte“ menschliche Nervenzellen zu züchten. Dafür werden Hautzellen von Patienten direkt in Nervenzellen umgewandelt. „Wir haben eine Technik, mit der wir menschliche Gehirnzellen herstellen können, die das Alter des Spenders widerspiegeln“, erklärt der Molekularbiologe. Dieses Verfahren ermöglicht es, zahlreiche Experimente durchzuführen und wertvolle Daten zu sammeln. Mertens' großes Ziel als Forscher ist, Mechanismen zu finden, die das zelluläre Altern und die damit verbundenen Krankheiten stoppen. In seiner Freizeit zieht es Jerome Mertens wie viele andere in Tirol ins Freie. Allerdings nicht in die Berge, sondern in die Luft: Vor zehn Jahren begann er mit dem Gleitschirmfliegen. Im Sommer, wenn es das Wetter erlaubt, geht er dieser Leidenschaft fast täglich nach. So kann er seinen Kindheitstraum vom Fliegen doch noch verwirklichen.

(Autorin: Eva Schwienbacher)

Steckbrief

Jerome MertensFotos: Axel Springer

Name

Jerome Mertens, PhD

Funktion

Assistenzprofessor und Leiter des Neural Aging Labor am Institut für Molekularbiologie

An der Uni seit

2017

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Bückeburg bei Hannover

 


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