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Jesus und die Frauen

Autor:Stare Mira
Veröffentlichung:
Kategorieartikel
Abstrakt:
Publiziert in:Moment, Sonderbeilage der Tiroler Tageszeitung, Nr. 27 - am 9. August 2006, Seite 3
Datum:2006-10-22

Inhalt

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Alle Evangelien berichten über Begebenheiten zwischen Jesus und den Frauen. Zugunsten der Frauen setzt sich Jesus über konventionelle gesellschaftliche Verhaltensmuster seiner männlich orientierten Zeit hinweg. Demzufolge wird er der Kritik sogar im Kreis seiner Jünger ausgesetzt. Seine Aufmerksamkeit gilt Frauen in Galiläa und Judäa wie auch in Samaria und in den naheliegenden heidnischen Gebieten. Die Frauen, die ihm begegnen, erfahren tiefgreifende Veränderungen.

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Heilungs-, Aufwertungs- und Integrationsprozesse

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Vor allem aus Notsituationen ergeben sich Begegnungen zwischen Jesus und den Frauen. Es handelt sich sowohl um somatische als auch psychische Krankheiten und Leiden, bis hin zum Tod (z.B. bei Lazarus in Joh 11,1-41). Die Initiative für die Begegnung kommt entweder von Jesus (z.B. bei der Schwiegermutter des Petrus in Mk 1,29-31 oder bei der gekrümmten Frau in Lk 13,10-17) oder von der Betroffenen selbst. Eine mehr als zwölf Jahre an den Blutungen leidende Frau drückt ihren starken Glauben an Jesus und seine heilende Nähe so aus: "Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich gerettet" (Mk 5,28). Vor der Öffentlichkeit hebt Jesus ihren Glauben hervor: "Meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet" (Mk 5,34). Die früher von der Gesellschaft ausgegrenzte Frau spricht er in der Öffentlichkeit als "Tochter" an. Dadurch heilt er nicht nur ihr körperliches, sondern auch ihr jahrelanges psychisches Leid. Dieses Beispiel zeigt, daß der Heilungsprozeß zugleich ein Aufwertungs- und Integrationsprozeß ist. Der Glaube der Frau wie auch Jesu Interesse an ihrer Heilung erweisen sich dabei als entscheidend bzw. rettend.

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Offenbarungs- und Erkenntnisprozesse

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Die Frauen erfahren Jesus als denjenigen, der sie zutiefst kennt (z.B. die Samariterin am Jakobsbrunnen). Ebenso läßt sich auch Jesus von Frauen erkennen. So offenbart er sich Martha: "Ich bin die Auferstehung und das Leben" (Joh 11,25). Sie kommt zu einer tiefen Erkenntnis seiner Person und bekennt: "Ja, Herr, ich glaube, daß du der Messias bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll" (Joh 11,27). Weiter bekennen sich Frauen zu ihm auch mit wortlosen Handlungen. Eine Frau in Bethanien salbt Jesus mit einer verschwenderisch großen Menge des Nardenöls. Ihre Tat interpretiert Jesus nicht nur als gutes Werk, sondern auch als prophetisches Zeichen mit einer bleibenden Bedeutung: "Wo immer das Evangelium in der ganzen Welt verkündet wird, wird auch das, was diese tat, gesagt werden zur Erinnerung an sie" (Mk 14,9). Derartige Begegnungen in den Evangelien bilden einen der Grundsteine unseres Wissens über die Person Jesu überhaupt.

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Weggemeinschaft, Kommunikations- und Vernetzungsprozesse

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Den Beginn des irdischen wie auch des auferstandenen Jesus prägen die Frauen (seine Mutter Maria, Maria von Magdala u.a.) mit. Noch mehr, er ist auf seinem gesamten Weg von Frauen begleitet. Sie folgen ihm bereits in Galiläa nach, dienen ihm und steigen mit ihm nach Jerusalem hinauf (Mk 15,41). Im Unterschied zu den männlichen Nachfolgern, die ihn in den Leidensstunden verlassen, bleiben ihm die Frauen auch in seiner Todesstunde treu. Einzig sie sind die Zeuginnen des gesamten Geschehens am Todestag Jesu wie auch am Ostermorgen. Als erste empfangen sie die Osterbotschaft, begegnen dem Auferstandenen und erkennen ihn. Sie sind zu den Jüngern Jesu gesandt mit einer Vernetzungs- und Erinnerungsfunktion: "Geht hin, sagt seinen Jüngern und dem Petrus: Er geht euch voran nach Ga-liläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch sagte" (Mk 16,7).

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Der Umgang Jesu mit den Frauen und das Beispiel seiner ersten Nachfolgerinnen sind auch im 21. Jh. nicht überholt. Sie motivieren zu einem Miteinander von Frauen und Männern, wo die vom Glauben an Jesus getragenen Prozesse und die Weggemeinschaft mit ihm zur erfahrbaren Quelle des Lebens und der Freude werden können.

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