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"Und er wurde vor ihren Augen verwandelt" – Die Innenseite der Außenseite
(Predigt zum Zweiten Fastensonntag)

Autor:Locher Robert
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2006-04-05

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Predigt zum 2. Fastensonntag: Mk 9,2-10

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0.Einer meiner Cousins hat als Hobby, Mineralien zu sammeln. An einem zentralen Platz seiner Wohnung hat er eine Vitrine mit wunderschönen Amethysten aus Brasilien. Ein Amethyst – für uns Normalsterbliche gibt es ihn manchmal in kleinen Stücken – hat oft eine ziemliche Größe. Wenn er rundum geschlossen ist, ist er äußerlich wie ein Stein, grau und ganz unscheinbar. Wer sich nicht auskennt, übersieht ihn vielleicht sogar. Erst wenn er aufgebrochen ist, ist er ein Wunder an Farbe und Glanz. – Eben, die Innenseite und die Außenseite… - In unserem Evangelium ist von so etwas Ähnlichem die Rede. Es ist, wie wenn da heute die graue Außenhaut aufbricht, der Grauschleier zerreißt, und plötzlich die ganze Herrlichkeit der göttlichen Welt vor Augen liegt. Die Innenseite dieser österlichen Welt ist eröffnet.

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1.Diese Geschichte heute ist eine Rückblickgeschichte: Sie setzt schon alles voraus, einschließlich Ostern. Hätten die Jünger das alles gewusst, so hätten sie sich bei der Passion Jesu mindestens anders benommen. Nur, damals war der Amethyst noch verschlossen, unscheinbar in seiner grauen Außenseite. Diese Rückblick-Geschichte gab es da noch nicht und die Jünger haben nichts begriffen…

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Diese Geschichte ist so etwas wie die Schmuckfassung einer langen Kette von Erfahrungen mit diesem Jesus, die letztlich in der Erkenntnis mündeten: Mußte nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? (Lk 24,26)

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Das Material, aus dem diese kostbare Geschichte gemacht ist, ist eine Begebenheit des AT: Da steigt Mose auf einen hohen Berg. Der Sinai ist gemeint, von der Außenseite her auch nur ein Berg wie die andern. Aber auf der Innenseite ist er der Berg der Herrlichkeit, der Gottesnähe, der Berg der Gemeinschaft mit Gott, der Berg des Essens und Trinkens mit Gott: Dann stieg Mose auf den Berg... Die Herrlichkeit des Herrn ließ sich auf den Sinai herab, und die Wolke bedeckte den Berg - sechs Tage lang... Mose ging mitten in die Wolke hinein und stieg auf den Berg hinauf. Vierzig Tage und vierzig Nächte blieb Mose auf dem Berg. (Ex 24) - Noch ursprünglicher ist wohl der folgende Text: Danach stiegen Mose, Aaron, Nadab, Abihu und die siebzig von den Ältesten Israels hinauf, und sie sahen den Gott Israels. Die Fläche unter seinen Füßen war wie mit Saphir ausgelegt und glänzte hell wie der Himmel selbst. Gott streckte nicht seine Hand gegen die Edlen der Israeliten aus; sie durften Gott sehen, und sie aßen und tranken.

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3.Aus diesem edlen Erzählstoff wird unsere Geschichte geformt: Der Berg, die Gemeinschaft der Jünger, die Wolke und der Schatten, die Herrlichkeit des göttlichen Glanzes - natürlich Mose, ohne Mose keine Heilsgeschichte - und überdies Elija, der, der das glückliche Ende ankündigt. Und all das signalisiert: Das ist die Innenseite der Weltgeschichte! So wird sie hinausgehen, die Jüngergeschichte, die Weltgeschichte: So wird es sein im Heiligen Land, in Palästina, im Irak, bei mir… Gott wird nicht steckengebleiben mit seiner Erlösung. Die Welt hat nicht nur die graue - oder blutige - Außenseite. Die Welt ist ein Amethyst. Ihre eigentliche innere Bestimmung ist Glanz und österliches Leben.

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3.Allerdings hat die Welt auch diese Außenseite. Hat sie damals schon gehabt! Mose geht mit den Steintafeln unterm Arm auf den Berg. Und da kommen die Gebote drauf. Zehn. Und das ist nur die Kurzfassung. Der Weg. Der mühsame. - Diesen mühsamen Weg gibt es hier auch: Der Klartext sagt doch: Ihr sollt hier wirklich keine Hütten bauen. Hört auf damit - hört auf ihn, und geht mit ihm nach Jerusalem. Die Außenseite von Gottes Herrlichkeit ist der Weg, ist die Nachfolge, ist das in der Nähe bleiben, ist ein bißchen Tapferkeit, und so gut es uns gelingt Treue. Es geht nicht nur um Ästhetik und Stimmigkeit in unserem Leben und gepflegtes Wohnen. Im Endeffekt wird das Kreuz nie bloß ein Schmuckstück sein, an einer Kette um den Hals, Motiv für Modedesigner. - Diese Außenseite wird nicht ganz reichen... Der Weg des Christen wird irgendwo immer kantig sein, nie einfach glatt, irgendwo herb, irgendwo ein Verzicht. Und oft genug geht der Zusammenhang verloren, dass das die Außenseite der Innenseite ist. Dann sind wir versucht, die Außenseite bunt anzumalen, oder halt uns mit Gold – Silber – Bronze zu behelfen... Die Jünger haben es erst nach Ostern begriffen. Und vorher ist es auch nicht zu begreifen.

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4.Und wohin gehört so ein Amethyst? Besser nicht in den Safe, sondern, eben, an einen zentralen Platz, wo man ihn sieht. Mitten in die Wohnung sozusagen, mitten ins Leben; denn: Die Innenseite gehört zur Außenseite. Das Ziel gehört mitten in den Weg hinein: Wer mein Jünger sein will, der nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. und: Wer sein Leben retten will, der wird es verlieren. Vergesst beides nicht: Das ist der Weg - aber vergesst auch nicht, dass der Weg ein Ziel hat!

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Darum kommt die Geschichte ziemlich genau in die Mitte des Markus-Evangeliums zu stehen. Denn sie gehört in die Mitte des Lebens. Wenn uns die Lustlosigkeit überkommt, die Müdigkeit, der Zweifel, die Resignation, das "Es-hat-doch-sowieso-keinen Sinn". - Mitten in den Alltagsnebel, mitten in den Zweifel, mitten in die Einsamkeit, mitten in die Resignation, mitten in das trostlose Leben einer grauen Maus, mitten in das Jüngerleben im Alltag. Genau dorthin gehört die Botschaft von der Innenseite: Vielleicht bleibt nicht viel von der Botschaft, wenn man sie hört. Aber wenn es nur die Jüngerfrage ist, die bleibt und die heißt: "wie war das doch gleich: " „ ...von den Toten auferstehen..." – irgendwie so etwas hat er gesagt. Wenn nur wieder die Erinnerung bleibt: Es gibt das, Erlösung, Gottes Nähe, Gemeinschaft mit ihm. Die Botschaft: Amethysten gibt es tatsächlich.

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5.Und noch etwas: Es gibt auf dem Weg des Glaubens Spuren der Innenseite auch auf der Außenseite! Es gibt da sozusagen keine ganz geschlossenen Amethysten. – Immer wieder blitzt etwas von der Innenseite durch: Solche Spuren könnten sein: Freude über ein gutes Wort, Freude über ein gutes Gespräch miteinander, Freude über ein schönes Lied, Freude über eine Gemeinde, die mitsingt, Freude über einen guten Schritt - ein Fastenvorsatz, der den Anschein macht, daß er gelingen könnte, Freude, über das Dranbleiben, über die Zeit, die Sie finden für die Meditation bei den Exerzitien im Alltag, Vorfreude auf Ostern – und schließlich Osterfest-Freude... Es gibt immer wieder diese österlichen Spuren auf dem Weg! Beachten wir sie, sie dienen der Ermutigung. Trost würde Ignatius sagen. Amen.

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Wenn Sie zu Hause noch einmal dieses Evangelium betrachten wollen, sind Sie eingeladen, das violette Blatt mitzunehmen. Darauf finden Sie in aller Kürze Anregungen, worauf Sie dabei achten könnten. (Sie finden diese Anregungen auch auf der Homepage der Jesuitenkirche: jesuitenkirche-innbruck.at, und zwar HIER.

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„Gott will durch die, zu denen Er auf dem Gipfel des Berges spricht, zu denen sprechen, die sie unten zurückgelassen haben…“ (E. Stein) - „Durch Leiden und Kreuz zur Auferstehung zu gelangen ist der Weg des Gottessohnes. Mit dem Menschensohn durch Leiden und Tod zur Herrlichkeit der Auferstehung zu gelangen ist der Weg für jeden von uns, für die ganze Menschheit.“ (Edith Stein)

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