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Christi Himmelfahrt und Pfingsten

Autor:Büchele Herwig
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:Hinweis: Zum Thema 'Apostelgeschichte und Hl.Geist' bietet P. Büchele SJ zusammen mit A.Univ.Prof. Dr. R.Oberforcher im kommenden Semester eine besondere Einführung an.
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2002-05-13

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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„Ihr werdet die Kraft des Hl. Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde" (Apg 1,8).

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Das Weggehen Jesu aus der Welt zum Vater ist Ausdruck seiner Liebe zur Welt. Im Sichentziehen entlässt er die Welt in ihr Eigenes, gründet sie ein in ihre unableitbare Freiheit und Verantwortung.

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Von seiten der Jünger her bedeutet Christi Himmelfahrt das Ja, Jesus in sein Eigenes, in seine Vollendung ziehen zu lassen, damit er gerade so der Bruder aller werden kann. Das Ja der Jünger zur Jesu-Verlassenheit, der Verzicht, Jesus festhalten zu wollen, öffnet sie der Liebe-Umsonst. Die Treue in der Jesus-Verlassenheit, die Annahme dieser Leere, macht Raum für die Ankunft des Hl. Geistes.

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Das Weggehen Jesu im Sinne eines positiven Freigebens ist die Gewähr seiner frei- und frohmachenden Gegenwart. Die Jesus-Verlassenheit wird deshalb von den Jüngern auch nicht im Sinne eines Mangels oder in Trauer erfahren (nach der Auffahrt kehrten die Jünger „in großer Freude" nach Jerusalem zurück (Lk 24,52), sondern als eine - durch die Sendung des Hl. Geistes - von Grund auf gewandelte Weise seiner Gegenwart.

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Mit der Gabe des Geistes wird Wirklichkeit, was Jesus im Gespräch mit Nikodemus als die „Geburt von oben" (Joh 3,3) bezeichnet. In der Um-Geburt durch den Hl. Geist wird den Jüngern die Gabe des Lebens geschenkt, die in der Wirklichkeit einer neuen = heilen Beziehung des Menschen zu Gott besteht. Dieses neue Leben schenkt ihnen die Freude und die Kraft zur neuen, endgültigen Sendung: in alle Welt hinein bis an die Grenzen der Erde.

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Der Hl. Geist ist die personale Wir-Gestalt Gottes, das Wir-Gottes in Person. Jesus haucht im Kreuzestod seinen Geist aus, den er als Auferstehungsgeschenk des Vaters seinen Jüngern und seiner Kirche einhaucht: „Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist" (Joh 20,22). „Gott für uns" in Jesus Christus ist im Hl. Geist „Gott in uns" und „Gott zwischen uns".

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Das Werk des Hl. Geistes als diese Wir-Gestalt Gottes ist es, zu vereinen, was in Gegensätze auseinandergebrochen ist. Kraft des Geistes wird nun die Sammlung möglich, die vorher gescheitert war: Die Kirche aus Juden und Heiden. Durch das Pfingstereignis organisiert sich Kirche als eine freie Gemeinschaft derer, die Jesus den Christus als den Gekreuzigten und auferstandenen Herrn durch ihr Leben bezeugen und verkünden. Die Gemeinde soll weiterschenken, was sie empfangen hat: Mittler zu sein zwischen Gott und einer unheilen Welt, dort Versöhnung zu leisten, wo Entzweiung herrscht: zwischen Mensch und Gott, Mensch und Natur (ökologisch-ökonomische Dimension), Mann und Frau (sozio-kulturelle Dimension), Mensch und Mensch (politisch-öffentliche Dimension) und Volk und Volk (transnationale Dimension).

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Im Hl. Geist gibt uns Gott das, was uns als freien Wesen jenseits aller Zwecke und Brauchbarkeiten am notwendigsten ist: die Liebe-Umsonst. Sie ist in jeder Hinsicht absichtslos und zweckfrei und doch das, was wir am tiefsten brauchen, denn in ihr sind wir um unserer selbst willen wir selbst und in ihr ist alles Geschaffene es selbst. Im Hl. Geist gibt uns Gott nicht nur die Kraft, die Liebe als Umsonst-Sein zu tun, sondern er gibt uns in ihm sein Leben: du bist mein Kind, du bist mein Leben.

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Pfingsten ist so auch die Antwort auf Babel. Die Menschen „geraten außer sich" - ein Umbruch geschieht, eine innere Umkehr vollzieht sich, und eine tiefe Ehrfurcht des einen vor dem anderen wird enthüllt. Pfingsten ist die Um-Geburt der Anmaßung des babylonischen Turmbaus, aus menschlicher Machtbehauptung die einzige internationale Einheit zu sein. Der Weltstaat Babylon eint scheinbar alle Menschen und Völker und reißt sie gleichzeitig im Gegenüber von Herr und Knecht, in der Dialektik von Macht und Gegenmacht hoffnungslos auseinander. Der Hl. Geist dagegen schenkt uns ein Stück der „neuen Stadt", er bringt sie anfanghaft auf die Erde.

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Der Hl. Geist ist weithin der „ unbekannte Gott" geblieben, weil er als Wir Gottes für uns nicht „fassbar" ist (wir können ihn bildlich nicht darstellen!), aber auch weil uns die Demut fehlt, Gott um ihn und seine Geistes-Gaben („Charismen") zu bitten. Denn Gott achtet die Freiheit des Menschen so sehr, dass er auf unsere Bitte um den Hl. Geist wartet. Wie viel werden wir noch töten, foltern, ausgrenzen müssen, um zu erfahren, dass nur der Hl. Geist uns die gewaltfreie Liebe schenken, uns lebendig, frei und froh machen kann?

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