Holozäner Klimawandel in den Nordalpen

Dem alpinen Raum kommt in der gegenwärtigen Klimadiskussion ein besonderer Stellenwert zu, da er eindrucksvoll die raschen Änderungen der Gletscher und des Permafrostes zeigt, zum anderen aber da sich dieses Gebiet offenbar deutlich stärker erwärmt als weite Bereiche der Nordhemisphäre. Entscheidend für die Beurteilung der seit ca. 150 Jahren beobachteten Klimaänderung ist die langfristige Perspektive der Nacheiszeit, des Holozäns. Mit dem vorliegenden Projektsantrag sollen zeitlich hochauflösende Paläoklima-Untersuchungen dieses ca. 11.000 Jahre langen Zeitabschnittes am Nordrand der Ostalpen durchgeführt werden, um bisherige bzw. laufende Untersuchungen im Süden bzw. im Zentralabschnitt der Alpen zu einer N-S Traverse zu ergänzen. Unsere Untersuchungen werden an Tropfsteinen alpiner Höhlen durchgeführt, ein relativ neues Klima-Archiv, dem international sehr viel Beachtung geschenkt wird. In zwei Höhlen, der Gassel-Tropfsteinhöhle bei Ebensee und dem Hölloch im Mahdtal des Allgäus sollen Tropfsteine beprobt werden, die es u.a. erlauben, eine verlässliche Rekonstruktion der Lufttemperatur über lange Zeiträume hinweg zu erstellen. Die beiden Höhlen sind so gewählt, dass die Ergebnisse direkt mit denen aus dem Ammersee bzw. dem Mondsee verglichen werden können; an diesen Voralpenseen laufen derzeit im Rahmen eines von der European Science Foundation geförderten Projektes ebenfalls intensive Studien zur holozänen Klimageschichte. Eine solche Datenintegration aus zwei Klima-Archive ist für den Alpenraum einmalig und stellt einen wichtigen Schritt zu einer präzisen und quantitativen Klima-Rekonstruktion in diesem Raum dar.

 

Leitung: Spötl, Christoph

MitarbeiterInnen: Luetscher, Marc

Finanziert durch: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Laufzeit: 2008 - 2011

Kooperationspartner: Heidelberger Akademie der Wissenschaften, University of Bristol, Royal Holloway, Geoforschungszentrum Potsdam, Umweltbundesamt

Weiterführende Informationen: http://www.uibk.ac.at/geologie/staff/speleothems_en.html