Siedlungs- und Staatsorganisation der Bukowina 1774-1918

Am 11.November 1918 besetzten rumänische Truppen die Bukowina und durch die Beschlüsse der Pariser Konferenzen kam dieser Landstrich zum Königreich Rumänien. Bis zu diesem Zeitpunkt gehörte die Bukowina, seit 1775 Teil der Monarchie, zu Österreich-Ungarn. Seither begann von österreichischer Seite das politische und vor allem wissenschaftliche Interesse an der Bukowina langsam zu versiegen. Die Bukowinaforschung blieb auch nach 1945 eine Marginalerscheinung der österreichischen Wissenschaft und wurde weitgehend von Forschern aus der Bundesrepublik Deutschland mit wenig Österreich bezogenen Fragestellungen dominiert. Das österreichische Staatswesen war während der Herrschaft Maria-Theresias und Josephs II. in eine Phase des politischen Umbaus getreten. Ein neuer Staat mit zentraler Verwaltung und klaren Grenzen, sowohl nach innen als auch nach außen wurde in den Kanzleien entworfen und in der Realität versucht umzusetzen. In den älteren Kronländern der Monarchie stießen diese Reformen auf den Widerstand regionaler Interessensverbände, die sich durch die zunehmende Sogwirkung des Zentrums um ihren Einfluß gebracht sahen. In der Bukowina hingegen gab es keine nennenswerten und in ihrer Struktur nachhaltig konsistenten Kräfte, die gegen solche Reformen auftreten hätten können. Der Grenzraum, in dem die Bukowina liegt, war durch jahrelanges Kriegsgeschehen gebietsweise entvölkert und devastiert. Eine rasche Aufsiedlung verbunden mit wirtschaftlicher Konsolidierung lag daher im Interesse des Staates bzw. galt es auch bestehende Siedlungen stärker an die neu zu webende staatliche Struktur zu binden. Innerhalb von wenig mehr als 140 Jahren entstanden Siedlungs- und Landschaftsstrukturen, die trotz aller Veränderungen während des 20. Jahrhunderts für die Bukowina bis heute prägend sind. Eine eingehende, wissenschaftlich fundierte Betrachtung des Zusammenwirkens von Siedlung und dem Entstehen eines modernen Territorialstaates am Idealbeispiel der Bukowina liegt bisher nicht vor. Innerhalb dieses Komplexes sind daher vier Grundfragen zu formulieren:

-Wie organisierte der Staat die Besiedlung der Bukowina und welche Voraussetzungen waren dafür zu schaffen?

-Welchen Einfluss übten dabei die Behörden der mittleren und unteren Ebene aus bzw. welche Wechselwirkungen zu den Planungsvorhaben der Wiener Zentralbehörden können festgestellt werden?

-Ab welchem Zeitpunkt begann sich der Besiedlungsvorgang zu entstaatlichen und wie gestaltet er sich weiter?

-Sind die Strukturen dieser Kulturlandschaft von ausreichender Dauer, um nach dem Zerfall der UdSSR eine Ausgangsbasis für ein neues Regionalbewusstsein zu bilden, die in anderen kollektivierten Gebieten der Ukraine zerstört worden sind?

Leitung: Das Projekt wurde gemeinsam an der Historisch-Philosophischen Fakultät (Projektleitung: O.Univ.-Prof. Dr. Brigitte Mazohl-Wallnig, Institut für Geschichte und Ethnologie) und der Fakultät für Geo- und Atmosphärenwissenschaften (Projektleitung: Tit. Ao. Univ.-Prof. Dr. Hugo Penz, Institut für Geographie) durchgeführt.

MitarbeiterInnen: Scharr, Kurt

Finanziert durch: Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. (FWF)

Laufzeit: 2002 - 2005