Peter Goller
Arnold Zweig. Sozialistische Arbeiterbewegungsgeschichte in Zweigs Romanen über den Imperialistischen Krieg
Arnold Zweigs Romanzyklus über den Imperialistischen Weltkrieg (1914-1918) entstand über einen Zeitraum von 30 Jahren, beginnend unter den Bedingungen der Weimarer Republik nach der Niederlage der deutschen sozialistischen Revolution im Oktober 1923, über die Flucht vor dem Nazismus 1933, bis hin zum Exil in Palästina und der Rückkehr nach Deutschland, in die Deutsche Demokratische Republik 1948.
In zeitgeschichtlicher Chronologie geordnet behandelt
„Die Zeit ist reif“ (Erstausgabe 1957) die Entwicklung der nachdenklichen Intelligenz bis hin zum Krieg 1914, die ersten Kontakte der Hauptfigur Werner Bertin, eines jungen aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Referendars und Schriftstellers, zur Arbeiterbewegung beschreibend.
Daran schließt der 1931 erschienene Roman „Junge Frau von 1914“ an, der die Monate der Kriegseuphorie und der Ernüchterung angesichts des brutalen Kriegsalltags schildert,
gefolgt vom heute wohl bekanntesten Zyklus-Teil, der 1935 bereits im Exil in Amsterdam erschienenen „Erziehung vor Verdun“, der den Schippersoldaten Werner Bertin in Kontakt zu Arbeitersoldaten und deren sozialistischer Kriegsopposition zeigt.
Hieran schließt in der geschichtlichen Chronologie der eigentliche Erfolgsroman an, der in der Antikriegsliteratur im Hinblick auf das Echo an Remarques „Im Westen nichts Neues“ heranreichende „Streit um den Sergeanten Grischa“, vom Erscheinungszeitpunkt 1927 der erste Teil – unter anderem auch die russische Revolution vom Feber/März 1917 aus dem Blick der jungen jüdischen Intelligenz in ostpolnischen und litauischen Städten darstellend.
„Die Feuerpause“ [Berlin 1954] zeigt die Friedenshoffnung seit dem Sommer 1917, die russische Revolution, die sich 1917 abzeichnenden sozialrevolutionären Unruhen, so den Marineaufstand in Kiel und Wilhelmshaven im August 1917 angeführt von den dann hingerichteten Matrosen Albin Köbis oder Max Reichpietsch.
Der 1936/37 beendete Roman „Einsetzung eines Königs“ zeigt den Imperialismus der Deutschen im Osten im Frühjahr 1918 zwischen grotesker Posse um die Beförderung eines lächerlichen deutschen Winkel-Adeligen auf einen litauischen Königsthron und brutaler Ausbeutung, im Hintergrund stets die Hoffnung auf einen sowjetischen Frieden, auf die inhaftierten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Die Folgen des imperialistischen Kriegs, Revolution, NS-Faschismus und Widerstand gestaltete Arnold Zweig gesondert in
„Das Beil von Wandsbek“ (1943/1947), einem Roman, der an den „Blutsonntag von Altona“ 1932 anknüpft, um von dort aus nicht nur die politische Welt des Hamburger Bürgertums, sondern auch den sozialistischen und kommunistischen Kampf gegen den NS-Faschismus darzustellen, und in „Traum ist teuer“ (Berlin 1962), einem Spätwerk, das an den Widerstand der jüdischen Linken gegen den Nazismus im Nahen Osten, sowie an jenen der griechischen Partisanenkommunisten erinnert.
Georg Lukács billigte 1939 Arnold Zweigs Romanen enorme „Bedeutung für die Literatur der Volksfront“ zu. Sie entsprachen auch Lukács‘ Vorstellungen vom sozialistisch realistischen Paradigma. Zweig stellt – so Lukács – „eine wirkliche Totalität vom Hinterland bis zu den Schützengräben, von den Stäben des Oberkommandos bis zur Mannschaft und zur Zivilbevölkerung“ dar: „Arnold Zweigs Romane schaffen ein solches Gesamtbild. Wir erleben mit den Gestalten dieser Romane die ursprüngliche Begeisterung der deutschen Volksmassen für den Krieg, wir erleben aber auch – und zwar mit wachsender Intensität – die Kehrseite, die notwendige Enttäuschung, die auf sie folgte.“
Zweig reicht nach Lukács an Maxim Gorki heran: „Lenin verlangt vom propagandistischen Kampf gegen den imperialistischen Krieg die Schilderung und Analyse dessen, was während des Krieges wirklich geschehen ist, die Entlarvung jener, die behaupten, das zu wissen oder die sich so stellen, als ob sie es wüssten. Das Geheimnis des Kriegsausbruchs, die Hilflosigkeit der Arbeiterorganisationen gegenüber seinem Ausbruch, die Unfähigkeit der Mehrzahl der Einberufenen, die Fragen des Krieges unvoreingenommen, mit klarem Kopf zu beurteilen, verlangt eine klare, konkrete und nüchterne Aufrollung dessen, was die Wirklichkeit der Kriege ausgemacht hat.“ (Georg Lukács: Arnold Zweigs Romanzyklus über den imperialistischen Krieg 1914 bis 1918 [1939], in derselbe: Schicksalswende. Beiträge zu einer neuen deutschen Ideologie, Berlin 1948, 273-313, hier: 278, 281f.)
Zweig zeigt, dass die Kriegsverhältnisse nichts anderes sind als die verschärfte Reproduktion der wilhelminischen Klassenverhältnisse: „Es entsteht dabei oben eine Gesamtheit aus Brutalität, Verbrechen, Leichtsinn, Strebertum, Hochnäsigkeit, Schlauheit, Korruption und Kompromissen, deren Grundlinie dahin zusammengefasst werden kann, dass sie die Potenz aller volksfeindlichen Gebrechen des Wilhelminischen Friedensregimes ist.“ (Lukács 1939, 288)
In seinem Aufsatz „Es geht um den Realismus“ präzisierte Lukács 1938 seine Einschätzung dahin, dass Zweig „den Zusammenhang von Krieg und Hinterland, die soziale und individuelle Fortsetzung und Steigerung der ’normalen’ kapitalistischen Bestialität im Kriege so gestaltet, dass er dadurch eine ganze Reihe der wesentlichen Momente des neuen Krieges vorwegnahm“.
Zweig, der den Krieg also im Clausewitz’schen Sinn als Fortsetzung von Politik und Zivilleben darstellt, zeichnet „die Perspektive des Übergangs in den Frieden, die Auflehnung des deutschen Volkes gegen seine imperialistischen Tyrannen“. Der Krieg ist nur die Fortsetzung der preußischen Repression: „Oben soll eine Schicht von großen und kleinen Tyrannen entstehen: Selbstherrscher nach unten, Speichellecker nach oben …“ Die Kriegsverhältnisse spiegeln die Verhältnisse der kapitalistischen Lohnarbeit, der Fabrikschinderei, wider.
Zweigs Realismus zeigt nach Lukács, dass „innerhalb der strammstehenden Fronten ein ununterbrochener Guerillakrieg zwischen Oben und Unten vor sich“ geht: „Denn solange der Militärapparat trotz seiner klassenmäßig notwendigen Widermenschlichkeit das ausführende Organ der irregeführten und irregegangenen Volksbegeisterung des Kriegsanfangs war, ist der Inhalt dieses Guerillakampfes nur die Erleichterung des alltäglichen Lebens (Kost, Urlaub usw.). Die Enttäuschungen des Volkes im Laufe des Kriegs bringen rings um den Apparat eine immer stärker fühlbare Atmosphäre der Isolierung hervor. Die Verteidigung der menschlichen Existenz und der Menschenwürde gegen die Vorgesetzten erhält immer deutlicher einen Antikriegsakzent.“ (Lukács 1939, 291)
Die Formen des Widerstands sind teils verdeckt, teils widersprüchlich (etwa in Richtung Herstellung einer so genannten „ehrlich reinen“ Kriegsgesinnung), also teils sogar rückschrittlich, und teils ganz offen, so bei den linken Arbeiter-„Nebenfiguren“. Zweig zeigt für Lukács die zahllos nuancierten Übergänge von reaktionären zu skeptischen, zynischen Offizieren, zu sich partiell fortschrittlich, pazifistisch entwickelnden Militärangehörigen, also den Weg der langsamen „Erziehung“: „Hier hat Zweig einen schweren Kampf gegen seine eigenen Wünsche und Träume führen müssen, und dass er in sich die verständliche Sehnsucht, den Widerstand gegen den Krieg beschleunigt zu sehen, so erfolgreich bekämpft hat und nur die Wirklichkeit selbst in ihrer harten und oft desillusionierenden Sprache zu Wort kommen ließ, ist in dieser Art auch ein ‚Sieg des Realismus’.“ Es zeichnet Zweigs Darstellung aus, dass er sich nicht zu einem plakativen Optimismus hinreißen lässt: „Die Langsamkeit der Entwicklung bezieht sich auf den Widerstand. Die Enttäuschung am Krieg, das Verflattern der Kriegsbegeisterung erfolgt mitunter sehr rasch. Aber von hier bis zu einer einigermaßen deutlichen Bewusstheit ist ein langer und schwerer Weg.“ (Lukács 1939, 292f.)
Bertolt Brecht, im „Realismus“-Streit Ende der 1930er Jahre Gegner von Georg Lukács, hatte Ende der 1920er Jahre Arnold Zweigs Darstellung des „rührenden Schicksals des in den Apparat geratenen russischen Sergeanten Grischa“ abgelehnt: „Ich halte es nicht für der Mühe wert, die Gefühle und Stimmungen eines zum Tod Verurteilten kennenzulernen.“ Zweig gerät nach Brecht hierdurch in die Falle bürgerlichen „Mitgefühls“ und auf das Niveau bürgerlicher „Gerechtigkeit“: „Dieses Buch beweist, dass beinahe nichts der Zertrümmerung des bourgeoisen Staatsapparats mehr im Wege steht als die bourgeoise Gerechtigkeit. Siehe Fall Sacco-Vanzetti. Gerade diese bourgeoise ‚Menschlichkeit’ ermöglicht jene Zustände, in denen wir leben.“ So ist es nach Brecht kein Zufall, dass bei Zweig nur die Figuren der offenen militaristischen Reaktion, wie jene des Generals Schieffenzahn (=Ludendorff) stark gezeichnet sind.
In „Erziehung von Verdun“ hingegen sah Brecht, der Zweig trotz unterschiedlicher Poetik-Auffassungen verbunden war, aber gleich Lukács den gelungenen Versuch, den Krieg als Klassenkrieg, als inneren Klassenkampf darzustellen. So merkt Brecht 1952 mit Blick auf „Erziehung vor Verdun“ an, dass Zweig „den Klassenkampf im Schützengraben des ersten Weltkriegs schildert“.
Ein Ensemble reaktionär korrupter Militärfiguren
Auf allen Ebenen des Offizierkorps tauchen unzählige brutale Kriegshetzer auf, die „Schieffenzahns“, die „Janschs“, die „Niggls“. Viele von ihnen sind als räuberische Kriegsgewinnler zugleich „Drückeberger“. Die zivile Klassenspaltung durchzieht auch das Heer in allen Bereichen von der Versorgung über Urlaubsgenehmigungen bis hin zur Lazarettversorgung. Die Arbeitersoldaten schuften und hungern so wie ihre Frauen und Kinder im Hinterland.
Da gibt es auf der obersten Ebene die Ludendorff-Figur des Generalquartiermeister Albert Schieffenzahn, der die Macht des deutschen Imperialismus (im Osten) nachhaltig sichern will. Er verfolgt nicht nur die Interessen der feudalen Junker, der adeligen Großgrundbesitzer, der preußischen Aristokratie. Er ist auch mit dem rheinischen Großkapital verbunden. So empfängt er den Ruhr-Industriekapitän Albin Schilles, eine Figur nach Krupp. Schilles will die französischen Rohstoffzentren an sich reißen: „Danach, zwölf Uhr, empfing Schieffenzahn zu langer Unterredung den Abgeordneten Schilles, Ruhrrevier. Dieser Politiker (…) war freilich zu gleicher Zeit der größte Industrielle des Kontinents, Kohlenherr, Erzherr, Schiffsherr, Führer im Kampfe um die Annexion lothringischer Erze und nordfranzösischer Hütten.“
Der reaktionäre Magnat der Schwerindustrie Albin Schilles, der auf eine vom Kapital gestützte militärdiktatorische Monarchie orientiert, sieht den Krieg nur vom Profitstandpunkt, vom „Währungsfall“ der deutschen Mark, wo jede Friedenshoffnung auf den Börsen neutraler Länder – etwa in Zürich – die Kurse nach oben schießen ließ, deutsche Siege, „Siege wohlgemerkt“, die Kurse und den Währungswert sinken ließen. Mit jüdischen, polnischen litauischen Zwangsarbeitern „sparte er außerdem noch gut ein Drittel der Löhne“ ein, während „Kanonen, Granaten, Schienen, Ausrüstungsgegenstände, Waggons, in Gold oder Schweizer Franken veranschlagt, hundertachtzig Prozent über den normalen und zugegebenen Gewinn abwarfen“. (Grischa 209f.)
Der Offizierskaste, die den deutschen Imperialismus nach außen, den Militarismus nach innen verkörpert, gehören zumeist korrupt „alldeutsche“ Annexionisten, Schwätzer vom „Siegfrieden“ an, so die Figur des Major Jansch oder jene des Hauptmanns Niggl. Das ganze Offizierskorps, welcher Ranghöhe immer, profitiert unmittelbar vom Krieg: „An Einkünften bezogen sie im Frieden ein Monatsgehalt von etwa dreihundert Mark. Jetzt aber legte ihnen, solange der Krieg auch dauerte, der Zahlmeister jeden Ersten das Dreifache auf den Tisch, abgesehen davon, dass sie Essen, Trinken und Rauchen herzlich wenig, das Wohnen und Briefschreiben gar nichts kostete. Dabei kann man bestehen, nicht wahr? Und genau so geht es Hunderten von Herren in Crépion, Vavrille, Romagne, Chaumont, in Jamez und Vitarville, überall, wo die Welt besetzt ist. Infolgedessen kann ihnen der Krieg nicht lange genug dauern, trotz häufigen Gähnens, Leerlaufs, ermüdender Kleinarbeit.“
Die gemeinen Soldaten, zuvor im Zivil die Lohnsklaven der Fabriken, müssen hingegen als knapp gehaltene „Heloten“, als „Fabrikarbeiter der Zerstörung“ für „53 Pfennig täglich“ die Erzlager von Briey und Longwy erobern. (EV 51f., 129, 162)
„Liberale“, „ehrliche“, in Irrationalismus gefangene Offiziere
Neben den vielen „widerwärtigen, zugleich sklavischen und unfehlbaren kleinen Despoten“ treten in Arnold Zweigs Romanen die „klügeren ‚liberaleren’ Kommandeure“ auf: Offiziere also, die sich zu „fortschrittlicher Bürgerlichkeit“ hin entwickeln, dabei aber oft in irrationalen Mythologien, in „kosmischem Pessimismus“ und in dumpfen Klassenvorurteilen gefangen bleiben.
Da will der im Osten eingesetzte Kriegsgerichtsrat Posnanski den russischen Gefangenen Grischa vor der Hinrichtung retten. Der jüdisch orthodoxe Posnanski, vor 1914 Rechtsanwalt reicher Berliner Wirtschaftsklienten, tut aber zugleich alles für das Funktionieren der repressiven Militärjustiz. Dabei ist er im brüchig bürgerlichen Sinn kultiviert, bibliophil, und im Einzelfall – wie eben jenem von Grischa – human. Die so genannten Auswüchse der deutschen Kriegsbarbarei will er mildern. Posnanski lässt Teile seiner Bibliothek nachkommen. Er liest in „Ober-Ost“ Swifts „Gullivers Reisen“ in englischer Sprache. Er hat stets ein Hebbel-Zitat auf den Lippen. (Grischa 112, 241)
Posnanski ähnlich ist der im Westen eingesetzte Militärjustitiar Carl Georg Mertens. Er flüchtet in die „isolierte selige Insel“ von klassischer Musik und Malerei. Er erkennt die Bestialität des deutschen Kriegsregimes gegenüber der französischen Zivilbevölkerung. Für Mertens verallgemeinert sich aber „die militaristische Bestialität zu einem Menschenhass“ an sich. Er flüchtet sich konsequent aus der Gedanken-Welt seines „kosmischen Nihilismus“ in den Freitod durch Gift, so Georg Lukács: „Dass Mertens gedanklich und gefühlsmäßig zu diesen Folgerungen getrieben wurde, zeigt die Klassenschranken auf, vor denen seine Ehrlichkeit machtlos bleibt.“ (Lukács 1939, 296)
Um seine kulturellen Vorlieben zu befriedigen, tritt Mertens aber auch als dubioser Militärbesatzer und Profiteur der deutschen Kriegsmaschinerie auf: „Er liebte Bücher, er litt sehr unter dem Mangel an guter Musik. Um mit ihm vierhändig zu spielen, machte er einen klavierbegabten jüdischen Rechtsanwalt zu seinem Hilfsarbeiter; als er das Museum der kleinen Stadt Montmédy mit seine Pastellen und Gemälden des lothringischen Malers Bastien-Lepage entdeckt hatte, fühlte er sich für vieles entschädigt.“ In seiner Besatzungsvilla las Mertens viel, „vervollkommnete sein Französisch an Stendhals Romanen“. (EV 56f.)
Auch Paul Winfried, Stabsoffizier im besetzten Baltikum, ehemaliger Tübinger Kunstgeschichtestudent, zählt zu jenen in „vergeistigten“ „Weltgrund“-Begriffen moralisierenden Offizieren, die sich für die Aufrechterhaltung eines bürgerlichen Rechts, das meist nur Rechtsschein ist, einsetzen. Schwankend zwischen preußischem Militarismus und bürgerlichem Pazifismus, zwischen „Siegfrieden“ und „Verständigungsfrieden“ gerät Winfried in die von ihm lange ignorierte Unterdrückungsmaschine – die Arbeits- und Todeslager – des deutschen Militarismus.
Obwohl er mit niederen militärischen Chargen freundschaftlich verkehrt, obwohl er Arbeitersoldaten kennen lernt, kann er deren sozialistische Friedenssehnsucht nicht verstehen. Wie von fern studiert Winfried in einer Bibliothek die russische revolutionäre Tradition, wie von fern sieht er sich mit der russischen Revolution konfrontiert. Er ist verwundert, dass all die Herzen, Bakunin, Narodniki, Sozialrevolutionäre, Menschewiki, Bolschewiki mit dem Erbe des deutschen Idealismus, mit Hegel, verbunden sind. Er studiert deren Geschichte auch aus militärpolitischen Gründen: „Wie dem auch war: Ein politischer Offizier von Ober-Ost durfte auf diesem schwierigen Gebiete keine groben Fehler machen, nicht behaupten, Herr Martow sei ein führender Bolschewik; er musste Troduwiki von Narodniki, die polnische Sozialdemokratie (PPS) vom litauisch-jüdischen ‚Bund’ wohl unterscheiden lernen.“
Auf die revolutionären Adeligen des Dekabristen-Aufstands von 1825, viele hingerichtet, die meisten nach Sibirien deportiert, folgen dreißig Jahre Unterdrückung, während im Geheimen „die französischen Ideen Saint-Simons und Fouriers weiterwirken; und der nächtliche Leser, verwundernd den Kopf schüttelnd, merkt sie sich an, um im Wörterbuch der Staatswissenschaften nach ihnen zu suchen. Dann tritt ein Herr mit Vollbart auf, Alexander Herzen, und seine Zeitung heißt ‚Die Glocke’. Mit ihr verlagert sich der Hebelpunkt der Anstrengungen von Petersburg nach London, und es beginnt der Kreislauf der Unterströme, die nicht aufhören, die Selbstherrschaft des Zaren zu unterspülen, (…). Auf Alexander Herzen folgt der Name Bakunin, den Winfried schon einmal gehört hat eines europäischen Unruhestifters und Aufwieglers Namen. Das sind die Früchte jenes Professors Hegel, den der Schwiegervater in Tübingen so stolz mit seinem Stift verband, und auf den sich seltsamerweise auch das preußische konservative Staatsrecht gründet. Tschernyschewski und Dobroljubow, leere schwierige Schälle; geheime Gesellschaften unter den Studenten, Literarkritik und Romanschriftstellerei als Grund zu Zuchthausurteilen.“
Alle sibirische Zwangsarbeit kann die revolutionären Kräfte nicht mehr liquidieren, sieht Winfried verwundert: „Aber die Antwort bleibt nicht aus, die Sozialrevolutionäre geben sie, die Narodniki. Alexander II. fliegt in die Luft, Attentate rechts und links. Winfried findet Attentate scheußlich (der arme Graf Mirbach!), aber er kann nicht umhin, die Männer und Frauen achtenswert und mutig zu nennen und ihre Verzweiflung echt und gerecht. Drang und Qual, Blut und Zuchthaus haben den Terrorismus heraufbeschworen, er ist physikalisch gerechtfertigt – ja, denkt Winfried, es gibt eine politische Physik, und hier beuge ich mich über ihren Experimentiertisch, der ‚Russland im 19. Jahrhundert’ heißt. (…) Die neueste Zeit, die mit Herrn Dr. Karl Marx aus Trier beginnt, lässt er für die nächsten Abende, all diese schwierigen Unterscheidungen von Mehrheitsblock und Minderheitengruppe innerhalb der russischen Sozialdemokratie.“ (EKön 285-286)
„Die Erziehung“ Werner Bertins: Vom Kriegsfreiwilligen zum Sympathisanten des Sozialismus
Der universitär gebildete, nichtsdestotrotz prekär abhängige Intellektuelle, der kleinbürgerliche Schriftsteller und Journalist Werner Bertin war 1914 sechsundzwanzig Jahre alt. „Er hatte eine ärmliche Jugend hinter sich, langsam Zutrauen zu seinen Gaben gefasst, sie in leidenschaftlichen Kämpfen treu ausgebildet: die Rechte studiert, menschliches Denken, neuere Sprachen, nach dem Referendarexamen weitergesucht, zu schreiben begonnen, Novellen, einen Roman, Dramen.“ (Junge Frau 7)
Bertin wird als Kriegsfreiwilliger nur Schipper, Armierungssoldat, „ein Soldat ohne Ausbildung mit der Waffe, ohne Hoffnung auf Beförderung“. So wie im Heer stand er auch im bürgerlichen Leben „unten“, in bürgerlichen Kreisen unwillkommen, der Arbeiterklasse fremd, sich vor ihr fürchtend. Als Abkömmling des verarmten jüdischen Kleinbürgertums ist er nicht „gesellschaftsfähig“.
Bertin, als „Assimilierter“ dem Judentum fernstehend, völlig der so genannten „deutschen Kulturwelt“ verpflichtet, in einem Quartett klassische Musik spielend, verehrt seit Gymnasiastentagen Voltaire, Nietzsche. Er liest Nietzsche, soweit er als Kritiker des dumpfen wilhelminischen Bismarck-Deutschland von 1871 gesehen werden kann: Nietzsche, „der angebetete Denker seiner Jugendjahre“, der „die Helligkeit des Westens feiert, seine Heiterkeit, Freiheit des Geistes und die Vormacht seiner Kultur der dumpfen Gläubigkeit des Ostens gegenüber“. Dieses Bild von der westlichen Aufklärung führt 1914 immer noch dazu, dass Bertin und seine im Heer weiterhin diskriminierten jüdischen Mitsoldaten sich als Kenner der französischen Sprache und Kultur lieber an die gefährliche Westfront als etwa in sichere Etappen-Stellen nach Warschau, diese „Lausegegend“ versetzen lassen.
Einberufen in ein Ausbildungslager bei Küstrin packt Bertin 1914 folgende Bücher ein: „Lexika, englisch, französisch und lateinisch, in grauen Schutzhülsen, und die wichtigsten Briefwechsel Goethes, Handbücher der Rechtswissenschaft, zwei Bände Geschichte der Philosophie, moderne Gedichte und die hebräisch-deutsche Bibel. In die Lücken rücksichtslos gepresst die gelbroten Bändchen der Reclambibliothek, berühmte russische und skandinavische Novellen und Theaterstücke enthaltend, jede Nummer zwanzig Pfennig. Noten für Geige und Klavier, Romane zeitgenössischer Erzähler, drei abgegriffene Bändchen Friedrich Nietzsche, zwei Meisterromane Stendhals und drei Novellenbände Gottfried Keller.“ (Junge Frau 10, 87)
In Küstrin sehr lange in einer Kompaniereihe stehend und auf die Front-Zuteilung wartend fällt Bertin – in einer grotesken Szene – nicht die miese Kasernen-Welt auf, nein, er denkt an Max Schelers „reine“ Werte-Phänomenologie, die Rangordnung der Werte.
Bertin will Henri Bergson oder Edmund Husserls „Logische Untersuchungen“ lesen.
Sozialistische Klassiker – Marx, Engels, Bebel, usw. – fehlten auf Bertins Vorkriegs-Leseliste. Sein Bildungshorizont reichte allenfalls bis zu der einen oder anderen Gelegenheitsschrift eines der vielen nationalliberalen, später oft pro kolonialistisch agitierenden Kathedersozialisten, so Werner Sombart. Einer seiner sozialistischen Kameraden ist deshalb 1916 vor Verdun verwundert: „Was der alles glaubt! Und was der gelesen hat und nicht gelesen – du kriegst die Motten! Den Marxismus lehnt er ab, der gute Mann. Und als ich ihn fragte, was er denn schon von Marx zur Kenntnis genommen – gar nichts. Auch von Engels nicht, keine Zeile. Seine Professoren hätten ihm … na und so weiter. Lauter Kathedersozialisten, besonders der Sombart. Das Büchlein ‚Händler und Helden’ habe ihm freilich gezeigt, was solch ein Herr wert sei. Gott strafe England, selbstverständlich.“ (Feuerpause 204)
Bertin trifft als junger bürgerlicher Intellektueller erstmals ein Jahr vor Beginn des imperialistischen Kriegs in Breslau, seiner schlesischen Heimat, persönlich auf die Arbeiterbewegung. Er begegnet in den Sommertagen 1913 nach dem Tod von August Bebel, jener zuletzt traditionalistisch erstarrten Parteiikone, einer bereits reformistisch dominierten Sozialdemokratie.
Bertin begegnet dem sozialdemokratischen Gewerkschaftsfunktionär Bobrek, der die selbstgefällige Illusion von einer auf parlamentarisch legalem Weg sich unwiderruflich stabilisierenden und organisatorisch stets unaufhaltsam wachsenden Sozialdemokratie verkörpert, einer Partei, die nur ein knappes Jahr später im „Burgfrieden“, also im militärischen Ausnahmezustand, und im Zusammenbruch der Sozialistischen Internationale kapitulieren muss. In blindem Glauben vertraut Bobrek darauf, dass die Anti-Kriegs-Beschlüsse der Internationale in Basel 1912 ohne proletarischen Kampfwillen wirksam werden: „Aber Sie wissen ja, meine Herren, was die Sozialistenkonferenz von Basel Ende vorigen Jahres beschlossen hat und wozu wir alle stehen. Keinen Krieg mehr in Europa! Die ihn loslassen wollen, sollen sich vorsehen. Delegierte aus allen Ländern und ein Generalstreik wäre auch nicht von Pappe, nicht wahr?“ (Zeit ist reif, 194)
Bertin hat also schon vor 1914 erste Kontakte zur Arbeiterklasse, von der er aber so gut wie nichts versteht, die ihm fremd bleibt, da er politisch noch so gut wie nichts gelernt hat. An seinem Sitzplatz im Arbeiterheim ist er mit einer anderen kulturellen Welt konfrontiert. Die Rede von den Klassenwidersprüchen, vom proletarischen Internationalismus hält er für überholt. Bertin sieht das schwarz umflorte Bild Bebels und die Spruchbänder an den Wänden „Die Proletarier haben kein Vaterland, man kann ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben!“ – „Das Proletariat kann nichts verlieren als seine Ketten – Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“ Bertin hält diese Zitate aus dem Kommunistischen Manifest für heillos „altmodischen Unfug“. Als wären die Leute, „die da unten sitzen, noch Arbeitssklaven, wohnten nicht alle in richtigen Wohnungen, mit Krankenkasse und Altersversorgung!“ (Zeit ist reif 195-198)
Trotz seiner Opposition zum preußischen Militarismus ist Bertin auf dem Weg zum euphorisch „vaterländischen“ Kriegsfreiwilligen von 1914. Es bleibt einem Arbeiter wie Wilhelm Pahl vorbehalten, die Kriegsgefahr vorab zu sehen und schon im Sommer 1913 vor dem opportunistischen Weg der SPD in Richtung Heeresbudget-Bewilligung zu warnen: „’Ja, dass uns August Bebel jetzt entrissen wurde, wo doch wieder mal unsere Partei im Reichstag verdammt auf der Hut sein muss … (…) Auch indirekte Belastungen spüren wir am meisten’, antwortete Pahl, ‚alle Hausfrauen und die Arbeiterviertel in den Großstädten singen davon ein Lied. Und kommt’s gar zum Waffenrock…’“ Bertin trifft dann vor Verdun auf jenen „gemeinen“ Schippersoldaten Wilhelm Pahl, der rechtzeitig gesehen hatte, dass die Kosten und Lasten des Militarismus unter passiver Zustimmung der Sozialdemokratie auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt werden. Der Kurs der parteirechten Funktionäre um Friedrich Ebert oder Gustav Noske führte direkt in den sozialdemokratischen „deutschen Kriegsjubel“, in die Zustimmung zu den Kriegskrediten, zur propagandistischen Überflutung der Parteimitglieder mit chauvinistischen Losungen, wonach ein Krieg gegen den barbarischen Zaren im Interesse der „deutschen Kultur“ liegt. (Zeit ist reif 121)
Bertin ist im Sommer 1914 auf dem Weg zum Apologeten des Krieges. Die wenigen Antikriegsdemonstrationen der Arbeiter nimmt Bertin genau so wenig ernst, wie die nahe Barbarei, die sich in der Kriegshysterie, in der Spionen-Furcht, in der Ermordung von Jean Jaurés oder in den baldigen deutschen Kriegsverbrechen in Belgien andeutet. Erst 1916 vor Verdun kommt Bertin wieder zu einer human pazifistischen Vernunftgesinnung zurück. Nach Monaten des Schipperdaseins erkennt Bertin die soziale Kriegsrealität, die brutale Frontwelt.
Bertin, der aus der kulturbürgerlichen Welt mit ihrem schönen Schein der Schubert-Sonaten, aus der Bildungsklassik herkommt, muss nun eingestehen, dass 1914 kein Verteidigungs-Krieg für die „deutsche Kulturwelt“ war, sondern ein imperialistischer Annexions-Krieg. Bertin muss sich eingestehen, dass schon vor einem halben Jahrhundert von ihm bisher verachtete Leute wie Wilhelm Liebknecht oder August Bebel auf dem Höhepunkt des deutschnationalen Chauvinismus den Raubcharakter kapitalistischer Kriege erkannt haben: „Damals, 1871, hatten nur zwei Abgeordnete im deutschen Reichstag den Mut gehabt, dieses menschliche Gesetz zu fordern, Arbeitervertreter, Sozialisten, deren Namen noch dem Studenten Bertin, dem zweiten Geiger, Widerwille und Achselzucken weckten, diese Wilhelm Liebknecht und August Bebel, die sich so ganz und gar dem Mitleben der Nation entzogen, eigensinnig, feindselig, inmitten des von Bismarck neu geeinten und zum Siege geführten deutschen Volkes.“ (Feuerpause 144-146)
Vorerst flüchtet Bertin in eine bloß „geistige“ Anti-Kriegshaltung, in eine „tragische Weltanschauung“. Bertin überspringt noch „alle wirklichen wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Probleme des imperialistischen Krieges“, so Georg Lukács. Die individuelle Kriegskorruption, die Repression im Einzelfall, die Bestialität im Alltag, die Bertin „menschlich-moralisch immer feinfühlig und oft richtig beurteilt“, verknüpft er nur mit „sehr luftigen metaphysischen Prinzipien“. Bei aller subjektiven Redlichkeit kann sich Bertin nur schwer aus den Widersprüchen einer idealistischen Gesellschaftsbetrachtung lösen. Die angebliche „Tiefe der Weltanschauung“, seine „Überbedenklichkeit“ sind es, die ihn hindern, das imperialistische Kriegstreiben zu verstehen: Bertin „tappt mit naiver Begeisterung in den Krieg hinein; seine Theorie des Tragischen haben wir bereits vernommen; Natürlich ist er bald enttäuscht und ernüchtert.“ Er zeigt sich solidarisch mit Kriegsgefangenen, erlebt die Sinnlosigkeit der Verdunoffensive, setzt aber noch 1916 auf einen verschärften U-Boot Krieg zur „Beschleunigung des Friedensschlusses“. (Lukács 1939, 284, 296-299)
Bertin, im Sommer 1916 an der vordersten Verdun-Front, hat in der Tat immer noch einen metaphysischen Blick auf die Kriegsursachen. Dass Bertin durstende französische Gefangene Befehls widrig Wasser trinken lässt, macht aber doch Eindruck bei internationalistisch gesinnten Soldaten, die ihn zuvor für einen Spitzel der Militärpolizei gehalten hatten. Die sozialistischen Soldaten sehen nun in ihm einen ehrlichen Pazifisten, auch wenn dem „Idealisten“ Zweifel entgegenschlagen: Denn „der Idealismus wiederum, weiß Wilhelm Pahl [ein Anhänger Karl Liebknechts] gehört zu den feinsten Ködern, mit denen die Gesellschaft begabte Leute daran hindert, dem eigenen Interesse zu folgen, und sie vielmehr verführt, ohne Lohn, nur um der Ehre willen den herrschenden Klassen zu dienen.“ (EV 22)
Eine begrenzt widersprüchliche Annäherung Bertins an die Welt klassenbewusster Sozialisten beginnt. Die Skepsis gegen Bertin sinkt, als er einen Arbeiter, der wegen Dienstverweigerung nach elendslanger Schufterei angeklagt war, vor dem Kriegsgericht verteidigt. Ein proletarischer Soldat sagt zu Bertin: „Sieh nur zu, dass du mildernde Umstände für ihn herauskriegst, an der Klassenjustiz kannst du nicht rütteln. Und da es auch der Liebknecht und der Haase nicht vermögen, ist das für dich keine Schande.“ Aus Bertin könnte gar ein brauchbarer, „wirklicher“ Genosse werden. (Feuerpause 106f., 110)
Bertin berichtet – mittlerweile 1917 nach „Ober-Ost“ versetzt – über die Kriegsrepression vor Verdun: „Man hatte ein paar Soldaten, schwächliche Menschen, die einfach vor Nässe und körperlichem Unbehagen nicht mehr konnten, wegen Arbeitsverweigerung an Bäume gebunden. Unsagbar dieser Anblick von Menschen, die, wie Hunde an einen Baum gebunden in diesem Wetter dort standen und sich nicht bewegen konnten.“ (Feuerpause 266)
Bertin erkennt an manchem Punkt den Krieg als Profitmaschinerie auf Kosten der Kriegstoten, der verelendeten Massen: „Welch ein Schmaus für Aktionäre von Schneider-Creuzot, Armstrong, Krupp!“ (Feuerpause 359)
Mit Recht schreibt Georg Lukács, die im Jahr 1919 angesiedelte Schluss-Szene von Arnold Zweigs „Erziehung vor Verdun“ zeigt, dass Bertin vorläufig noch nicht zum Sozialismus gelangt ist: „Zweig gestaltet das Erwachen des demokratischen Geistes in den besten Vertretern der deutschen Intelligenz: das brutale Zerschlagen ihrer isolierten, vom Graben des geistigen Hochmuts umgebenen ‚Elfenbeintürme’ der Friedenszeit; das Erwachen des Bedürfnisses nach Verbundenheit mit dem Leben des Volkes, das Erwachen der Bereitschaft, von dem Volke zu lernen. Um einen solchen demokratischen Geist zu besitzen, muss der Intellektuelle nicht unbedingt Sozialist werden. Wohl aber muss er die bourgeoisen Vorurteile gegen den Sozialismus, gegen die Arbeiterklasse ablegen, in sich überwinden. Denn wer das Proletariat als ‚kulturfeindliche Masse’ fürchtet und mit Misstrauen betrachtet – mag sein sonstiges Streben subjektiv noch so ehrlich auf Demokratie gerichtet sein -, kann unmöglich ein wirklicher Demokrat unserer Zeit werden.“ (Lukács 1939, 303)
Bertin trägt auch hier autobiographische Züge von Arnold Zweig. So wie Zweig selbst gelangt auch die Figur des Bertin zumindest 1918 noch nicht zum Sozialismus. Zweig, der unter dem Einfluss der pazifistisch idealistischen Revolutionsauffassung Gustav Landauers stand, will Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vorläufig nur als vergeistigte Märtyrer gelten lassen.
Klassenbewusste Minderheit: Revolutionäre Arbeiter als „Nebenfiguren“
Nur im Kontakt mit revolutionär gesinnten Arbeitern können die „ehrlichen Intellektuellen“ eine „Erziehung“ zu einer demokratischen Gesinnung durchlaufen, ohne dabei vollständig zum Sozialismus zu gelangen: „Die Gestalten der revolutionären Arbeiterklasse sind demgemäß Nebenfiguren. Ihre Funktion in der Komposition des Ganzen gibt aber, wie wir gesehen haben, den Ausschlag. Auch hier ist der schriftstellerische Takt hervorzuheben, mit dem Arnold Zweig der realen historischen Rolle der klassenbewussten Arbeiter im imperialistischen Weltkrieg gerecht wird. Die Tatsachen des Kriegsablaufs und des Zusammenbruchs zeigen, dass diese eine kleine, wenngleich ständig wachsende Minorität auch in der Arbeiterklasse gebildet haben. Zweig geht als Realist von den Tatsachen aus. Er schildert die wachsende – spontane – Unzufriedenheit und Empörung unter den uniformierten Proleten. Eine bewusste, revolutionäre Gestalt erhält diese rebellische Ablehnung des Krieges nur in wenigen Figuren, wie in Lebehde oder in Pahl.
Diese treten wegen ihrer Isoliertheit sehr vorsichtig auf. Ihr Einfluss auf die Masse kommt nur vereinzelt, zumeist vorsichtig-indirekt, zum Ausdruck. Oft verschwinden sie in der noch nicht genügend aufgewühlten Masse. Sie bereiten klug – im Rahmen ihrer beschränkten Möglichkeiten – die Zukunft vor.“
Zweigs Gestaltung der Volksmassen erinnert nach Lukács an Georg Büchner. Sie ist „eine Wiederaufnahme, eine epische Variation der Stellung und Funktion der Volksszenen in ‚Dantons Tod’ von Georg Büchner. Die Volksmassen bilden (…) einen Chor zu den Handlungen der Protagonisten, der, oft ohne auf die Geschehnisse im Vordergrund direkt Bezug zu nehmen, die wirkliche soziale Grundlage, den wirklichen gesellschaftlichen Ausgang aufzeigt.“ (Lukács 1939, 303f.)
Der Setzer Wilhelm Pahl, literarische Figur in „Erziehung vor Verdun“, der den Ehrentitel „Liebknecht“ trägt, warnte schon 1913 vor den Folgen der kompromisslerischen Wehrbudget-Politik der SPD. Pahl, von Kindheit an gesundheitlich behindert und wegen des elterlichen Geldmangels kaum ärztlich behandelt, „empfindet sich ganz als das Erzeugnis von Klassenschichtung, ihrem Druck und Gegendruck“: „Als eines unter sechs Kindern des Drehers Otto Pahl macht er die Volksschule durch, eine königlich preußische Volksschule in Schöneberg. Frühzeitig fällt der vorzügliche Kopf auf, den der kleine Kerl besitzt. Er könnte es weit bringen, wenn wohlhabende Eltern oder die umsichtigere Fürsorge der Gesellschaft sich dieses Vermögens, zu denken und zu lernen, angenommen hätten. Als Sohn des Drehers Pahl aber beendete er seine Schulbildung mit dem vierzehnten Jahr, und eine Lehrstelle in einer Druckerei ist das einzige, was die Fürsprache der Lehrer ihm vermittelt.“
In der Lohnarbeit durchläuft Pahl die tägliche Kampfschule der Arbeiterklasse. Er liest Marx und Engels. Er ist steter Benützer von Arbeiterbibliotheken: „Die Vermögenslage seiner Eltern kann er nicht mehr ändern: also muss er sich denen anschließen, die den Umbau der Gesellschaft planen. Er geht in die Schule der Arbeiterpartei, er wird bewusster Bestandteil einer Masse, der durch stets wachsenden Massenzudrang die Zukunft gehört. Um diese Masse im Zaum zu halten, bedient sich die Gesellschaft dieser Masse selbst: jedes Jahr steckt sie in Deutschland und überall hunderttausend Besitzlose in den Waffenrock und drillt sie, das Werk der Schulen fortsetzend, damit sie gegen ihre eigenen Interessen verwendbar werden und bereit, in Gestalt anderer Arbeiter sich selbst zu erschießen.“
Pahl hasst den Militarismus. Marxistisch geschult versteht er ihn aber innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft „im Streit um die Weltmärkte“ als „unentbehrlich“. Der imperialistische Krieg „schaltet die Spannungen im Inneren der Staaten nach außen um und führt die Proletarierheere, die sich morgen gegen die herrschende Klasse erheben könnten, heute zum gegenseitigen Abschlachten ins Feld der Ehre.“ (EV 20f.)
Wilhelm Pahl urteilt über die sozialdemokratischen Kriegskreditbewilliger und über den nach dem 1. Mai 1916 endgültig internierten Karl Liebknecht, „jenen einsamen Mann, der sein mutiges Auftreten im Reichstag und auf dem Potsdamer Platz am ersten Mai mit einem Zuchthausurteil zu büßen hatte. In einigen Buden hatten die Genossen daraufhin zu streiken gewagt – kein schlechtes Zeichen. Vorläufig aber spielte man hier Schlacht vor Verdun und ließ sich den Kampf um die Herrschaft in Europa, ja auf der Erde, etwas kosten. Pahls Zigarre ging zu Ende, er war auch angenehm müde jetzt, Schlaf würde ihm guttun und schnell kommen. Das waren so ‚Gedanken im Kriege’, andere freilich, als ehrwürdige Professoren sie aus Vaterlandsliebe in Zeitungsblättern hinlegten, wie Wilhelm Pahl eines vor rein paar Stunden der Unterwelt übergeben hatte, den raschelnden Maden in der großen Latrine.“ (EV 23)
Stets bespricht sich Pahl mit seinem Schipperkameraden Karl Lebehde, vormals Berliner Gastwirt, der 1919 beim Spartakusaufstand getötet werden soll: „Der Gastwirt Lebehde ist wohlbekannt. Bis zu seinem Tode unter den Spitzkugeln der Reichwehr beim verzweifelten Arbeiteraufstand des Jahres 1919, im Viertel Holzmarktstraße-Jannowitzbrücke (Berlin) wird er auf verschwiegene Art durch Energie und Überredung durchsetzen, was er für richtig hält, immer ein wohlwollendes Lächeln in den Augenwinkeln.“ Ihm folgen in der stillen sozialistischen Militäragitation der asthmatische Landarbeiter Przygulla, stets nach Luft ringend, nur weil Taglöhnerkinder eben nicht die elementarste gesundheitliche Fürsorge erhalten haben, - und der Moabiter Klempnermeister Otto Reinhold. (EV 152f.)
Lebehde schult seine Kameraden politisch. So verbietet er ihnen Bestechungsalmosen (Zigaretten), die aus vorbeirasendem, sie mit Dreck bespritzenden „Kronprinzen-Wagen“ geworfen werden, an sich zu nehmen: „Und Lebehde tritt mit breitem Stiefel das nächste Zigarettenpäckchen zu Brei.“ (EV 154)
Lebehde leidet unter dem kapitulierenden Versagen der sozialistischen Internationale 1914. Er klagt vor Verdun: „Als der französische Klassenfeind den Jean Jaurès abschießen ließ, hätten alle Genossen mit Generalstreik antworten müssen.“ (Feuerpause 200)
Über urlaubende Soldaten halten Pahl und Lebehde Verbindung zu den Genossen in den Fabriken, in den Parteisektionen. Sie erhalten getarnte Schreiben und antiimperialistische Flugblätter, so werden sie über die Konferenzen in Zimmerwald im September 1915 und in Kienthal Ende April 1916 zur Wiederherstellung des proletarischen Internationalismus und des revolutionären Klassenkampfs informiert. In der Frontbarbierstube des Genossen Bruno Naumann studieren sie ein als Einwickelpapier getarntes illegales Agitationsblatt, das Naumanns Frau gesandt hat. Naumann liest – „zu frech von der Alten“ – den Brief vor: „Ich sitze mehrstens auf mein Zimmer. Wald und Feld sind ja jetzt kahl, doch was die Lebensmittel sind, bin ich immer auf dem Kien. Tal und Berg komme ja nicht zusammen, aber die Leute.“ Pahl verstand im ersten Moment nicht, aber Naumann „zog mit dem Ende des Rasiermessers verbindende Bögen zwischen zwei Wortpaaren. Es entstanden, Pahl formte sie mit den Lippen, die Worte ‚Zimmerwald’ und ‚Kiental!’ Mit einem Ruck sah er auf. ‚Donnerwetter!’ sagte er.“
Bruno Naumann holte aus einem Schubladenversteck ein zerknittertes, wieder geglättetes Blatt. Pahl las: „Wo ist der Wohlstand, den man euch bei Kriegsbeginn versprach? Schon jetzt lassen sich die wirklichen Kriegsfolgen klar erkennen: Elend und Entbehrung, Arbeitslosigkeit und Tod, Unterernährung und Seuchen. Für Jahre und Jahrzehnte werden die Kriegskosten die Kräfte der Völker verschlingen, alle Errungenschaften vernichten, die ihr so schwer erkämpft, um euer Leben menschenwürdiger zu gestalten! Geistige und moralische Verwüstung, Wirtschaftskatastrophen und politische Reaktion – das sind die Segnungen dieses entsetzlichen Völkerringens wie aller vorhergehenden …“
Über die Flügelkämpfe in Zimmerwald, vor allem über die Forderung der „Zimmerwalder Linken“ um Lenin, den Weltkrieg in den Klassenkrieg, den „Burgfrieden“ in den „Burgkrieg“ umzuwandeln, von der Differenz zwischen der spartakistischen Gruppe „Internationale“ und den zentristischen Linkssozialisten um die spätere „USPD“ wusste man an der Kriegsfront noch nicht genau Bescheid. So hatte vor allem der bei den deutschen Arbeitersoldaten hochverehrte Georg Ledebour in Zimmerwald der „Burgkrieg“-Losung und der Forderung nach einer neuen Internationale widersprochen. Ledebour hoffte auf ein Wiederaufleben der „alten“ Internationale von 1889: „Die unterrichteten Arbeiter wussten: im vorigen Jahre und in diesem hatten sich Führer sozialistischer Minderheiten aus vielen Ländern in den schweizerischen Orten Zimmerwald und Kiental getroffen, einzelne Vertreter kleiner Gruppen, die die kriegsunterstützende Politik ihrer Mehrheitsparteien verwarfen. Zu ihnen hatte aus Deutschland der Abgeordnete Georg Ledebour gehört, ein älterer Mann, geachtet selbst bei seinen politischen Feinden. Die beiden gefährlichsten Köpfe der Unzufriedenen, der Abgeordnete Liebknecht und die Schriftstellerin Rosa Luxemburg, erhielten damals schon keine Visa mehr in die neu eingeführten Reisepässe oder saßen im Gefängnis. Schon 1915 hatte sich die Tagung mit einem Aufruf an die Arbeiterschaften aller Länder gewandt; für sie war der Weltkrieg nur die unbarmherzige Folge jener wirtschaftlichen Spannungen und der Eroberungsgier, die das Wesen der kapitalistischen Weltordnung ausmachten.“ (EV 191f.)
Wilhelm Pahl will zur politischen Arbeit im Hinterland zurück. Er plant deshalb die eigene Verstümmelung, ein Vorhaben, das die „Zuchtrute des Klassenstaats“ zur Abschreckung besonders hart bestraft. Pahl und Lebehde debattieren in einem zerstörten Frontgraben, in einem Erdloch, in dem sie wie Obdachlose mit Zeitungs-Papier gegen die Kälte ausgestopft neben einem toten, bereits seiner Stiefel beraubten Soldaten kauern. Sie sprechen über möglichen Arbeiterwiderstand in Berlin oder Hamburg. Pahl ist optimistisch, er möchte nach Deutschland zurück, Lebehde pessimistisch: es fehlt an Klassenbewusstsein, an Klassenkampfkraft. Repression (Abschieben von Streikaktivisten an die Front) und vor allem ein wenig Bestechung mittels Nahrungsmittelzulage reichten aus, um den sozialen Widerstand zu brechen: „’Geh mal, Wilhelm, (…). Ich zweifle mächtig an deiner Hoffnung, was du dir so ausmalst und versprichst, wenn der Abend lang wird. Die deutschen Arbeiter sind zu dusslig für dich – wie dusslig die sind, merkt bloß, wer hinter der Theke aufgewachsen ist und gehört hat, wie sie jahraus, jahrein denselben Zimt verzapfen, dieselben Rosinen im Kopfe.’ – ‚Nischt gegen die Berliner Arbeiter, Karl.’ – ‚Doch, Wilhelm, doch, doch. Unsere Genossen sind gut, und die Hamburger sind gut – nischt gegen ihren tüchtigen Kern. Und jetzt sind sie vielleicht hoch, weil sie den Bauch voll Hunger haben, und sie hören auf dich und auf die paar Leute, die daheim arbeiten, und gehen aus den Buden raus und schmeißen die Arbeit hin und verlangen Frieden. Und was passiert dann? Nicht einmal an die Wand gestellt werdet ihr. Tausend werden eingezogen, achtzig oder neunzig wandern ins Kittchen, und dem Rest werden die Rationen erhöht und ein bisschen mit Speck gewunken, Schwerarbeiterzulage – und aus ist’s.’“
Lebehde ist eher pessimistisch. Die deutschen Arbeiter haben die Sozialistenverfolgung längst vergessen. Reformistische Erfolge, oft nur von kurzer Dauer und oft gar nur zum Schein erkämpft, haben ihren Kampfwillen erlahmen, sie in Illusionen von Legalität und „Vaterland“ verfallen lassen: „Zum Beispiel, dass in Russland der Druck immer größer war als bei uns und der Hunger immer größer, und Sibirien immer in der Nähe und die Bourgeoisie unzufrieden mit dem Zarismus und die Weltmeinung gegen ihn. Und die schönen Niederlagen gegen die Japaner 1905. Und ein scharfes Training für den Klassenkampf und klares Auseinanderreden; hier sind wir, und da seid ihr, und zwischen uns gibt es keine Brücke. Wohingegen bei uns immer alles in Butter war und das bisschen Sozialistenverfolgung unter Bismarck längst vergessen, und die Arbeiterbewegung vor lauter Siegen und Zukunftsstaat schon gar nicht mehr wusste, dass ein Prolet am Sonntag immer noch ’n bißken was weniger ist als ein Bürger in der Woche. Und wenn die Stehkragen schwarz-weiß-rote Töne redeten, dann ließ das dem Proletarierherz keine Ruhe, und kein Geringerer als August Bebel ging aus allen Nähten und ließ sich seine Vaterlandsliebe was kosten und nahm gleich die Flinte auf die Schulter und marschierte gegen Russland, und die Stehkragen lachten. Aber warum lachten die? Er sprach ja die Wahrheit. Und das war im Frieden und das Militär klein und bescheiden und die Parteikasse das dickste Portemonnaie im Lande. Das ist der Unterschied, siehst du. Aus nischt wird nischt.“ - schließt Karl Lebehde. (EV 245-247)
Unter einem Porträt des schon im September 1914 an der Front umgekommenen rechtsopportunistisch sozialdemokratischen, den „Burgfrieden“ forcierenden Reichstagsabgeordneten und fanatischen Kriegsfreiwilligen Ludwig Frank wird in der Militär-Barbierstube Bruno Naumanns der Streit der gespaltenen Sozialisten ausgetragen, über die sozialpatriotische Herabgekommenheit der Mehrheitssozialdemokratie gestritten, rechts der parteiloyale Greetsch, links Pahl: „Während von unseren sozialdemokratischen Kameraden der Drucker Greetsch – Reichsdruckerei Berlin – sich allen Kundmachungen seiner Partei vollinhaltlich anschloss, die als Kriegsziel wünschten, das selbstherrliche Regieren eines kleinen Militärklüngels zu beseitigen, in Russland nämlich, wälzte der Setzer Pahl Gedanken in seinem Kopfe, erst einmal die Abschaffung des gleichen, wenn auch verhüllten Systems bei uns zu verlangen, diesen kaisertreuen Sozialpatrioten aber jederzeit auf die Finger zu schauen, ob sie nicht etwa mogelten.“ (Feuerpause 44f.)
Pahl ist empört über die Korrumpierung der „Reichstagsozialisten“, die immer noch an der Welt des „Burgfriedens“ ohne gewerkschaftlichen und politischen Kampf festhalten, die sogar 1917 noch glauben, dass nicht der politische und betriebliche Streik, also der soziale Kampf zum Frieden führt, sondern dass nur der verschärfte deutsche U-Boot-Krieg den Frieden herbeiführen könne.
Arbeitersoldaten wie Wilhelm Pahl hoffen auf internationale Streikkämpfe in den Rüstungsbetrieben, auf eine Internationale der Munitionsarbeiter: „An die Granatendreher und Rohrschmiede der Betriebe heranzukommen aber, traute der Setzer Pahl seinen Gesinnungsgenossen zu, auch den englischen, französischen – wie wir heute sehen, zu Unrecht. (…) Am Ende dieser Visionen blühte der Riesenstreik der Waffenschmiede, der Hüttenleute, der Bergwerkskumpel, flammten Generalstreik, Überwältigung der Kriegsgewinnler. Revolution und Friede.“ (Feuerpause 172f.)
Der Friede kann nur gerettet werden, wenn die Produktionsmittel sozialisiert werden. Dies muss mit der Aufhebung der sozialen Diskriminierung im Heer beginnen. Pahl und Naumann erkannten in der unterschiedlichen Verpflegung der Soldaten den „Fingerabdruck des Klassenstaats im Krieg“. Sie lobten ironisch „beißend die feine Abstufung unserer Verpflegung: dem Herrn Feldwebelleutnant Roastbeef oder Beefsteak mit Zwiebeln, und Bratkartoffeln, den Unteroffizieren frisches Fleisch und Weißkraut, uns Mannschaften aber Kälberzähne und fasrige Rindskonserven“. Sie kannten auch die noch mehr traktierten polnischen Soldaten aus Oberschlesien, die in ihrem Elend den marokkanischen Sklavensoldaten bei den Franzosen nahekamen. (Feuerpause 45)
Ein Genosse brachte die Forderung auf den Punkt: „Wenn in solchem Weltkrieg die janze Nation mit Mann und Maus den Staat verteidigt und alles, was drin ist, verlangt ja wohl kein Vollsinniger, dass hernach wieder die janze unjerechte Besitzordnung wiederherjestellt wird. Nee, Herr Feldwebel, wenn nu Frieden wird und wir glücklich wieder nach Hause kommen, dann muss Deutschland besser eingerichtet werden. Großgrundbesitz in kleine Parzellen aufgeteilt und an den verpachtet, der darauf siedeln will und sich den eigenen Kohl nebst Kartoffeln bauen. Und was die Gruben und Hütten und all unsere schönen Betriebe anlangt, wo unsere Frauen jetzt Granaten drehen – ja, warum sollen die nicht verstaatlicht werden wie Kanäle, Eisenbahn und Post?“ (Feuerpause 143, 415f.)
Arnold Zweig beschreibt das Hungerelend im „Hinterland“. Viele Szenen zeigen die Welt des Kohlrübenfraßes, der mittels Militärstrafrecht unterdrückten Granatendreher und der „Weiber in den Füllräumen mit Gelbkreuz und Grünkreuz“. Die wenigen sozialen Verbesserungen waren vom Krieg verschüttet worden: „Im Krieg aber ward all das wieder zunichte gemacht – unbeschränkte Arbeitszeit (…), Zusammenpferchung in Massenquartieren – den Baracken, wo drei übereinander schliefen, (…).“ Der Krieg zerstört alle Errungenschaften der Arbeiterbewegung. Aus Lohnarbeitern werden Heloten. Die elende Frauenarbeit in den Rüstungsfabriken nimmt zu.
Szenenwechsel an die „Ostfront“: Jeder Bericht über eine soziale Revolte stärkt den Widerstandsgeist an der Front. An der Jahreswende 1917/18 nach Brest-Litowsk befohlen besucht Werner Bertin den eingezogenen Uhrmacher Robert Mau, einen alten Genossen, der von den Marineaufständen in Kiel und Wilhelmshaven im Sommer 1917 berichtet. Der auf eine sozialistische Revolution als Alternative zu Krieg, Imperialismus und Lohnausbeutung hoffende Mau erinnert an die beiden am 5. September 1917 wegen „vollendeten Aufstands“ als „Rädelsführer“ hingerichteten Marinesoldaten Max Reichpietsch (Jg. 1894) und Albin Köbis (Jg. 1982): „Und Köbis und Reichpietsch liegen eingescharrt irgendwo bei Köln. Und als die Aktiven von der Marine-Infanterie sich weigerten, die Exekution vorzunehmen, brachten sie sie nach Wahner Heide, und ein Landsturmkommando legte sie um. (…) Mit einem Fluch auf unseren Militarismus gingen sie ins Grab …“
Mau schildert Bertin die Motive der Matrosenrevolte: „Natürlich fing es mit einer Menagekommission an, mit zu viel Dörrgemüse, schimmligem Brot, sollten auch Mehlwürmer eingebacken sein. Auf zwölf Schiffe sprang es schließlich über, lauter Majestäten: ‚König Albert’, ‚Prinzregent Luitpold’, das Feinste vom Feinen. Und dann marschierten sie von Bord und sammelten sich in ihren Kneipen, an viertausend Mann, und vierhundert von ihnen unterschrieben dabei eine Resolution, dass sie für den russischen Frieden seien: ohne Annexionen, Kontributionen und mit Selbstbestimmungsrecht der Völker.“
Die revolutionär gesinnten Soldaten haben mittlerweile 1918 nach dem roten Oktober und den großen Jännerstreiks keine Achtung mehr vor dem zögerlichen Kriegswiderstand des sozialdemokratischen Zentrums, das mittlerweile in der USPD, den „Unabhängigen Sozialisten“, organisiert ist. Auch für Mau sind einst verehrte Figuren wie Hugo Haase oder Wilhelm Dittmann nur mehr Symbole eines schwankenden „Sumpfs“. Robert Mau sieht keinen wesentlichen Unterschied zu den rechten „Mehrheitssozialdemokraten“ um Ebert, Noske oder Scheidemann. Alle Hoffnung liegt auf der Gruppe um Karl Liebknecht.
Die SPD-Reaktion auf die Wilhelmshavener Revolte gilt Mau als Schande: „’Beeilt haben sie sich, mein Lieber, die Herren Reformer: dass sie nichts zu tun gehabt hätten mit den Vorgängen [in der Marine – Anm.] daselbst, den widerwärtigen. Unsere Kameraden ihrerseits erwarteten sich ja auch nichts von ihnen, ob die ‚Genossen’ nun Scheidemann heißen oder Dittmann, Noske oder Haase.‘ (Bertin erinnerte sich nicht, die Bezeichnung ‚Genossen’ je so hohnerfüllt vernommen zu haben.).“ (Feuerpause 378-382)
Die Gerüchte über soziale Unruhen im Hinterland werden ab 1917 mehr und mehr. In Berliner Rüstungsfabriken sollen Frauen gegen die Kürzung der Brotration streiken. Es gäbe schon einzelne Ausmarschverweigerungen. Vage Gerüchte über Generalstreikpläne kursieren.
Selbst der eine oder andere preußische General ist im Sommer 1918 trotz aller „Gegenoffensiven“ im Westen pessimistisch: „Außerdem werden jetzt anderthalb Millionen kriegsgefangene Österreicher nach Hause geschafft: lauter Bolschewiki.“ (EKön 191)
Das Wetterleuchten der Oktoberrevolution ergreift die deutschen Soldatenmassen. Im Hintergrund des Zweig’schen Roman-Geschehens treten vermehrt die revolutionären Massen des Ostens auf. In der Friedensutopie blitzt auch eine sozialistische Zukunft auf. Alle wollen nach Hause, nicht nur die erschöpften russischen Soldaten. Deutsche Sanitäterinnen lesen im litauischen Städtchen Merwinsk das sowjetische „Dekret über den Frieden“, den Aufruf an die Werktätigen aller Völker zu „Verhandlungen über einen gerechten demokratischen Frieden“. (Feuerpause 343, 356, 362, 402)
Im Schatten der deutsch sowjetischen Waffenstillstandsverhandlungen von Brest-Litowsk bewundern im Frühjahr 1918 mehrere Soldaten – unter ihnen der in den Osten versetzte Karl Lebehde – die in einem hetzerischen deutschen Kriegsblatt denunzierend in abschreckender Verbrecherpose abgebildeten sowjetischen Volkskommissare: „Lebehde sah eine jener illustrierten Zeitschriften an, die von siegeswilligen Verlegern der deutschen Familie dargebracht wurden – Bilder der regierenden Volkskommissare, von Vorsitzenden und Mitgliedern des Rates der Arbeiter, Bauern und Soldaten. Nicht aber als Regenten und Machthaber marschierten sie auf, sondern als Insassen von Gefängnissen oder als Verbannte; ihre tapfere Vergangenheit unter dem Zaren wurde benutzt, sie in den Augen der deutschen Leser herabzusetzen, eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Auf Karl Lebehde wirkten sie offenbar anders. ‚Guck mal her’, sagte er, ‚so werden Brennesseln gezüchtet.‘ ‚Drei Jahre Zuchthaus’. ‚Dreimal nach Sibirien verbannt’. ‚Dreimal geflüchtet’. ‚Von 1905 bis 1912 im Ausland’. ‚Ging unter falschem Namen über die Grenze’. ‚Lebte sieben Monate verborgen in St. Petersburg’.“ Immerhin – so die Soldaten – hat das deutsche Proletariat auch eine „im Frauengefängnis Barnimstraße“ Einsitzende, also Rosa Luxemburg, und den „Armierer Liebknecht in seiner Zuchthauszelle“. (EKön 294-297)
Arbeiterwiderstand gegen das NS-Regime
Im 1943 in hebräischer Sprache in einem linken Arbeiterverlag in Palästina erschienenen, dann 1947 in englischer und deutscher Sprache veröffentlichten Roman „Das Beil von Wandsbek“ steht die Bourgeoisie in all ihren Formen wohl situiert „kultivierter“ Hamburger Bürger im Mittelpunkt des Erzählgeschehens: elitär denkendes hanseatisches Patriziertum, das mit Nietzsche die nazistische „Pöbelkultur“ verachtet und gleichzeitig mit Nietzsche eine versklavte Gesellschaft für die Voraussetzung „höherer Kultur“ schlechthin hält. Gebildete, „innerlich humane“, aber auch offen rohe Bürger in allen möglichen Funktionen von Justiz und Polizei, die den NS-Faschismus zugleich als Retter ihrer Privilegien begrüßen und ihn unter der Klage vom „Bildungs- und Kulturverfall“ als plebejisch verachten. Sie können den Faschismus nur psychopathologisch als „Daniel Paul Schreber-Phänomen“ oder als „Schurkerei“ fassen. Vor allem aber fürchten sie, dass die Nazis mit ihrer Aggression schlussendlich „Deutschlands Größe“ aus Bismarck’schen Tagen beschädigen könnten.
Zweig gestaltet die Erzählung frei nach dem „Blutsonntag von Altona“ vom 17. Juli 1932: 7000 SA-Angehörige marschierten provozierend durch die rote Hochburg. Bei Zusammenstößen und Schießereien waren 18 Tote zu beklagen. Vier sozialistische und kommunistische Arbeiter (August Lütgens, Bruno Tesch, Walter Möller, Karl Wolff) wurden im Frühjahr 1933 nach der „Machtergreifung“ wegen angeblicher Gewalttaten mit Todesfolge vom NS-Regime in einem manipulierten Sondergerichtsprozess zu Tode verurteilt und am 1. August 1933 hingerichtet.
Zweig selbst gruppiert die Ereignisse um einen „Reeperbahnprozess“ gegen vier rote Antifaschisten, die bis 1937 im berüchtigten Gefängnis-KZ Hamburg-Fuhlsbüttel auf die Hinrichtung warten. Die „vier kommunistischen Staatsverbrecher Friedrich Timme, Albin Merzenich, Willi Schröder und Walter Benjamin Mengers“ waren als Angehörige des sozialdemokratischen „Reichsbanners“ und des kommunistischen „Rotfrontkämpferbundes“ wegen Vorbereitung zum Hochverrat und wegen staatsgefährlicher Umtriebe angeklagt: „… gaben die Beamten zu Protokoll, den Setzer Friedrich Timme mit der Waffe in der Hand gesehen zu haben, zwei der Nazis behaupteten, er habe ihre Freunde erschossen. Der Buchhandlungsgehilfe Mengers hatte Blut an den Händen; dass er nur einen der Niedergeschossenen beiseite geschleppt habe, ihn zu verbinden, wurde ihm nicht geglaubt. Der Werftarbeiter Merzenich und der Dreher Willi Schröder wurden von den anderen als Hauptschläger und -schießer angegeben. Alle hatten noch im Jahre zweiunddreißig Kampfbünden der Linken angehört, dem Reichbanner Schwarz-Rot-Gold und der kommunistischen Rotfront.“
Zwei der Hauptangeklagten werden näher beschrieben. Der Kommunist Friedrich Timme, von Beruf Setzer, in jungen Tagen vor 1914 in sozialdemokratischen Organisationen aktiv, war schon an den Militärrevolten 1918 beteiligt, im Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat tätig. Als Spartakist fährt er zu Karl Liebknecht nach Berlin, um ihn für eine Hamburger Rede zu gewinnen. Wäre das nur gelungen, Liebknecht wäre dem Mordkommando vom 15. Jänner 1919 entkommen: „Wäre er nur damals gekommen, in Hamburg geblieben! Nie hätten die Mördergarden aus dem Eden-Hotel an ihn und an Rosa Luxemburg ihre Hände legen dürfen.“ Auch Timme war 1919 nur knapp einem Erschießungskommando rechter Freikorps entgangen. (Beil 86)
Timme, der den Krieg heraufziehen sieht („Die Wehrmacht rüstet zur Revanche. Das ist der ganze Sinn der Nazischweinerei.“), hofft auf breiten Volkswiderstand gegen den Nazismus, so wie 1920 gegen den „Kapp-Putsch“. Timme bedauert, dass die mächtigen Hamburger Arbeiterorganisationen 1933 keinen Widerstand geleistet haben: „Bei uns wären die Nazis nicht hochgekommen. Da können Sie Gift darauf nehmen. Aber wir passten auf das Signal von Berlin, und das blieb aus.“
Der mit gefangene Buchhändlergehilfe Walter Benjamin Mengers zählte zu einer linken SPD-Spaltung aus dem Jahr 1931, der Sozialistischen Arbeiterpartei, was vom Kommunisten Timme bitter als „echt SAP, Splittergruppe bis zum Tode“ kommentiert wird. In den Jahren der Weimarer Republik hatte Mengers an einen Film über das Leben von Karl Marx gearbeitet, „nicht ängstlich realistisch, sondern expressionistisch“. In seiner Zelle liest Mengers etwa Ludwig Friedländers „Sittengeschichte Roms“, Johann Jakob Bachofens „Mutterrecht“, Hans Delbrücks „Geschichte der Kriegskunst“. Er arbeitet auch noch an einer Biographie Paul Levis: „Hier in Fuhlsbüttel habe er nur Materialien zu einer Biographie des verstorbenen Paul Levi gesammelt – des Berliner Anwalts und Abgeordneten, durch dessen Schicksal die Angeln der Republik gingen, die Türen, die zufielen, als ihn das Fieber und die Grippe aus dem Fenster schleuderten“. (Beil 96-101)
Linker griechischer und jüdischer Widerstand gegen das NS-Regime
Zentrale Erzählfigur von „Traum ist teuer“ ist der 1933 nach Palästina flüchtende Berliner Nervenarzt und Psychoanalytiker Richard Karthaus, in Czernowitz geboren, in Wien aufgewachsen, dann k.k. Offizier. Im Berlin der 1920er Jahre hat Karthaus Kriegsneurosen behandelt, indem er seine Patienten auf Generals-Puppen einschlagen ließ, was ihm den Hass der völkischen Rechten einbringen sollte. Der zunehmend mit der Linken sympathisierende, an Sigmund Freud orientierte Antifaschist Karthaus trägt viele Züge aus der Biographie Arnold Zweigs, so auch seine späteren Schwierigkeiten mit rechten Zionisten, die ihm allein seine Liebe zur deutschen Sprache verübeln.
Karthaus dient als Arzt in der britischen Armee in Ägypten. Dabei trifft er auf den geflüchteten griechischen Soldaten George Kephalides. Kephalides, dieser griechische KP-Partisan, will gegen die Deutschen kämpfen, aber nicht zu dem Zweck, damit bloß die Rückkehr der faschistischen Metaxa-Milieus zu ermöglichen. Der griechische Bürgerkrieg deutet sich schon an. Kephalides rebelliert gegen die britische Militärdisziplin, die in ihm schon den kommenden kommunistischen Gegner sieht. Kephalides will für ein demokratisch sozialistisches Griechenland kämpfen. Er will „keineswegs für Georg II. sterben“, sondern für ein neues Griechenland der Arbeiter und Kleinbauern leben. Er will auf keinen Fall für die griechische Reaktion kämpfen: „Dazu habe ich mein Gewehr nicht aufgenommen, als uns Mussolinis Schurkenbande überfiel, am 27. Oktober 1940. Am Tage danach meldete ich mich bei meinem Vater und dann auf seinen Wunsch bei meinem alten Truppenteil, den Haubitzen, die inzwischen motorisiert worden waren. Nein, meine Herrn Metaxisten! Dass wir es euch versalzten, als ihr am liebsten mit den Deutschen getechtelmechtelt hättet, damit sie den Italienern zuvorkämen und Griechenland eine Hitler-Satrapie würde wie die andern alle – dass sie uns das nicht verzeihen würden, war klar.“ (Traum ist teuer 97, 312)
Kephalides erinnert an die Tradition der aufständischen „griechischen Pächter- und Sklavenscharen schon unter Spartakus“, an den griechischen Freiheitskampf gegen die türkische Feudalunterdrückung. (Traum ist teuer 104f., 218)
1942 trifft Richard Karthaus in Ägypten auf Hermann Treppner. Dieser war im ersten Weltkrieg fanatischer kaiserlicher Vizefeldwebel und eigentlich ein Kandidat für die rechten Freikorps. Nun in Palästina hat sich Treppner – fast wundersam – vom deutschnationalen Juden zum Volksfrontlinken gewandelt. Richard Karthaus staunt 1942 über Treppner, der keinem rechten Zionismus verfallen war, über den ehemaligen Freikorps-Anhänger, der nun „kommunistische Agitation“ treibt: „Ich ließ meine Augen auf Hermann Treppner ruhen, der als Feldwebel einmal den Waffenrock der Reichswehr getragen hatte und nun dem deutschen Volk half, den Nachtalp abzuschütteln, den man ihm auf den Nacken gesetzt.“
Treppner organisiert über Teheran gehende Hilfszüge für die Rote Armee. Karthaus und Treppner begegnen in Palästina auch dem gestandenen Stettiner Arbeiterkämpfer Kartuschek, der 1934 aus Deutschland nach Palästina geflüchtet und von dort nach Spanien zum Thälmann-Bataillon gegangen war, und der nun als Captain Henry Cartouche oder als Moshe Kartusch aufscheint: „Genau den’, lachte [Treppner], ‚der Stettiner Apotheker Kartuschek verwandelte sich in einen Henry Cartouche, als er 34 den Hitlerbanditen entrann und über Marseille nach Palästina ging, bevor er zum Thälmann-Bataillon stieß, was freilich erst 36 vor sich ging.“ (Traum ist teuer 273)
Treppner hört in Teheran erstmals die Namen „Maidanek“ oder „Treblinka“, vom ganzen Ausmaß der NS-Barbarei. Das ist eine ganz andere Dimension als das Niederbrennen von Synagogen oder das Anordnen des „gelben Judensterns“. Er hört vom „Zyklon“, geliefert von IG Farben. (Traum ist teuer 295f.)
Arnold Zweig (Ausgaben):
Die Zeit ist reif. Roman (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 1 – Aufbau-Verlag), Berlin 1957. (=Zeit ist reif)
Junge Frau von 1914. Roman, Berlin 1963. (=Junge Frau)
Erziehung vor Verdun. Roman, Frankfurt 1979. (=EV)
Der Streit um den Sergeanten Grischa. Roman (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 4 – Aufbau-Verlag), Berlin 1962. (=Grischa)
Die Feuerpause. Roman (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 5 – Aufbau-Verlag), Berlin 1956. (=Feuerpause)
Einsetzung eines Königs (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 6 – Aufbau-Verlag), Berlin 1955. (=EKön)
De Vriendt kehrt heim. Roman (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 8 – Aufbau-Verlag), Berlin 1988.
Das Beil von Wandsbek. Roman (Ausgewählte Werke in Einzelausgaben 9, Aufbau-Verlag), Berlin 1953. (=Beil)
Traum ist teuer. Roman (Fischer Taschenbuchverlag), Frankfurt 1995. (=Traum ist teuer)