Peter Goller
Ingeborg Bachmann. Ein philosophisch-germanistisches Wintersemester an der Universität Innsbruck (1945/46)

Der Sommer der Befreiung 1945 – ist für Ingeborg Bachmann „der schönste Sommer meines Lebens“: „Vom Frieden merkt man nicht viel, sagen alle, aber für mich ist Frieden, Frieden!“

Gleichzeitig fühlt sie sich durch die nazistische Vergangenheit in ihrer familiären Umgebung, ihres Vaters, bedrückt, auch von der eigenen BDM-Zeit. Gegenüber der britischen Militärbehörde in Hermagor bestreitet sie eine Führungsfunktion „Ich brachte noch heraus: ‚Nein!‘ Aber ich bin ganz rot geworden und vor Verzweiflung noch röter.“

Da entwickelt sich eine Beziehung zu Jack Hamesh. Er besucht sie, mit seinem Jeep vorgefahren im (groß-) elterlichen Haus in Obervellach, großes Aufsehen in der dörflichen Nachbarschaft über den Besuch des 1938 mit einem Jugendtransport aus Wien nach England geflüchteten Hamesh, der nach Jahren in Palästina in der britischen Armee im Büro der Field Security Section in Hermagor eingesetzt ist, als Dolmetscher fungiert: „Ich weiß auch nicht mehr, was wir im Anfang geredet haben, aber dann auf einmal von Büchern, von Thomas Mann und Stefan Zweig und Schnitzler und Hoffmannsthal. Ich war so glücklich, er kennt alles und er hat mir gesagt, er hätte nie gedacht, dass er ein junges Mädel finden würde in Österreich, das trotz der Nazierziehung das gelesen hat. (...) Jack kommt jetzt jeden Tag, und ich habe noch nie im Leben soviel geredet. Er bringt mir jetzt immer Bücher. Gedichte hat er nicht besonders gern. Am meisten reden wir über Weltanschauung und Geschichte. Er erklärt sehr gut, und ich geniere mich überhaupt nicht mehr vor ihm, ich frage ihn auch immer, wenn ich von etwas noch nichts gehört habe. Jetzt sind wir mitten in Sozialismus und Kommunismus (und wenn Mutti natürlich Kommunismus hören würde, tät sie ohnmächtig werden!), aber man muss natürlich alles genau kennen und studieren. Ich lese das ‚Kapital‘ von Marx und ein Buch von [Victor, Max, Alfred?] Adler.“ Die „Kapital“-Lektüre mag wohl etwas stilisiert sein. Ingeborg Bachmann teilt Jack Hamesh mit, dass sie Philosophie studieren will.[1]

Aus dem Kärntner Gailtal ist Ingeborg Bachmann im September 1945 für das eine Innsbrucker Wintersemester 1945/46 „in einem Viehwagen der großen Hoffnung dem Tempel der Weisheit entgegengefahren“.[2]

Beim Germanisten Moriz Enzinger inskribiert sie „Deutsche Literatur von der Romantik zum Naturalismus (1820-1880)“, „Grundbegriffe der Literaturwissenschaft“, sowie ein germanistisches Proseminar und ein Seminar. Der Literaturhistoriker Moriz Enzinger (1891-1975) galt in der Zunft als ein am geschichtlichen Detail orientierter Fachvertreter. Gertrud Fussenegger, die 1930 eine Goethe-Vorlesung bei Enzinger gehört hat, äußert sich enttäuscht. Enzinger löste die Literatur in eine schlichte, Fakten überhäufte Realienkunde auf: „Mit unerschütterlicher Miene und mittels eines dicken Manuskripts machte er sich nun über Goethes Meisterwerk her. (…) Da war nicht Goethe mehr, sondern nur noch ein Kompendium von uralten verstaubten vergilbten Scharteken, aus denen sich Goethe seinen Faust zusammengelesen, aus denen er sich sowohl Margarete als den Pudel, sowohl Helena als auch homunculus zusammengeklittert und collagiert hatte, (…).“[3]

Der „großdeutschem“ Milieu verpflichtete Heinrich Hammer (1873-1953), nach 1945 als Supplent der Kunstgeschichte noch einmal reaktiviert – bietet einstündig „Die modernen Richtungen der Malerei“ an. Im „Malina“-Textentwurf ist dies jener Kunsthistoriker, der Dias der Impressionisten gezeigt hat, kaum Studenten, „es war fast immer leer, dort habe ich dann ganz fest geschlafen, aber ich erinnre mich trotzdem an alle Bilder, die ich dann in Paris -wiedergesehn habe. Komisch nicht. Hie und da muss ich geblinzelt haben.“[4]

Beim vor der Emeritierung stehenden Klassischen Archäologen Heinrich Sitte (1879-1951) belegt Ingeborg Bachmann „Vom Geist der altgriechischen Kunst“ und das Seminar „Einführung in die Denkmälerwelt der Antike“, abgehalten im Gipsmuseum im dritten Stock des Universitätshauptgebäudes am Innrain.

In der Philosophie inskribiert Ingeborg Bachmann: Theodor Erismann: Denken, Wollen, Sein; Theodor Erismann: Seminar Problem der Mystik; Richard Strohal: Grundlagen der Logik; Simon Moser: Metaphysik des Aristoteles und Hans Windischer: Philosophie der Gegenwart.

Der „muntere herumspringende weißhaarige drahtige Mann“ des „Malina“-Textentwurfs, dessen „Denkenwollensein“ Ingeborg Bachmann unverständlich bleibt und in dessen Vorlesung sie „immer eingeschlafen“ ist – „ich war so todmüde, vor Hunger, (siehe Textauszug unten) war Theodor Erismann (1883-1961), Sohn eines Hygieneprofessors und führenden Schweizer Sozialdemokraten. Erismann hatte nach einem Physikstudium in Zürich experimentalpsychologische Untersuchungen zu den Bewegungsempfindungen aufgenommen. Nach Jahren an den Universitäten Straßburg und Bonn wurde Erismann 1926/27 in der Nachfolge von Franz Hillebrand Professor der Philosophie (mit Berücksichtigung der Psychologie) in Innsbruck.

Erismann, als bildungsbürgerliche Humanist 1944 von den Innsbrucker Universitätsbehörden gemaßregelter NS-Gegner, wurde auf Initiative von Alfred Kastil nach Innsbruck berufen. Der Brentano-Anhänger Kastil – jener Kastil, der 1920 wegen seiner Solidarität mit Karl Kraus an der Universität Innsbruck von Rektor und Senat geächtet worden war[5] - sah Erismann dann in Distanz zur deskriptiven Psychologie von Franz Brentano. Erismann nahm in seiner Monographie „Die Eigenart des Geistigen“ – in Nachwirkung zum Ebbinghaus/Dilthey Streit der 1890er Jahre – vermittelnd zum Verhältnis von induktiv-naturwissenschaftlicher und verstehend „einsichtiger“ Psychologie Stellung. Wiederholt kritisierte Erismann – im Lichte der von Karl Bühler angesprochenen „Krise der Psychologie“ (1927) – Ansätze einer Elementen- bzw. Assoziationspsychologie, also einer „Psychologie ohne einheitliches Ich/Bewusstsein“, „ohne Seele“ im Sinn von Ernst Machs „Analyse der Empfindungen“.

Erismann orientierte sich auch an der „angewandten Phänomenologie“ von Max Scheler, an der sinnverstehenden, geisteswissenschaftlich deutenden Lebensphilosophie von Wilhelm Dilthey, Eduard Spranger oder Karl Jaspers. Gustav Störring, bei dem sich Erismann zuvor habilitiert hatte, warf diesem als Vertreter einer rein experimentell naturwissenschaftlichen Psychologie in einer Streitschrift Abweichung in Richtung eines „mystischen Platonismus“ vor.[6]

In der seit den frühen 1920er Jahren in der „Sammlung Göschen“ (zuletzt in vier Bändchen) erscheinenden „Allgemeinen Psychologie“ nahm Erismann zu den Strömungen „Assoziationspsychologie“, „Gestaltpsychologie“, „verstehende und erklärende Psychologie“ und auch zur „Tiefenpsychologie“ (von Sigmund Freud) Stellung.

Erismann knüpfte auch an Johann Wolfgang Goethe oder Fjodor Dostojewskij. Die von Ingeborg Bachmann besuchte Erismann-Vorlesung über „Denken, Wollen und Sein“ sollte 1950 und 1953 zweibändig in Buchform erscheinen. Erismann vermittelt den Studierenden unter Rückgriff auf Platon, Descartes, Spinoza und Leibniz Überlegungen zum Leib-Seele Problem (Dualismus, Okkasionalismus, psychophysischer Parallelismus, Materialismus, Identität), Überlegungen zum Status von angeborenen/erworbenen Ideen (nach Locke, Berkeley, Hume), zum (Kant’schen) Antinomien-Problem: „Überblicke ich das hier vorliegende Werk und frage mich nach den Beziehungen, die es zur allgemeinen Geschichte des philosophischen Denkens besitzt, so leuchten mir die Namen Plato, Spinoza, Leibniz, Berkeley und Schopenhauer in erster Linie entgegen. Manche Beziehung wird man darin auch zu den Lehren der Scholastik finden.“[7]

Zum Wahrheitsproblem referierte Erismann auch im Umweg über die Geschichte der philosophischen Skepsis, ausgehend von den skeptischen Argumenten: Skepsis aus Leugnung des Wahrheitsbegriffs, aus Definitionswillkür (Euklid, nichteuklidische Geometrie, etc.), - Skepsis aus Verifikations-Unmöglichkeit, aus dem Kausalbegriff.

Die eigentliche wissenschaftliche Leistung von Theodor Erismann liegt auf dem Gebiet der experimentellen Psychologie, also der Psychotechnik, der Entwicklungspsychologie (Entwicklung des logischen Schließens bei Kindern) und der Wahrnehmungspsychologie. Er nimmt wegweisend zum Stroboskopie-, Scheinbewegungs-Streit – ausgelöst von einer Kontroverse zwischen Franz Hillebrand und Max Wertheimer – Stellung. Mit dem Namen Erismann sind aber vor allem die „Innsbrucker Umkehrbrillenversuche“ verbunden, Versuche über die Lokalisation des Sehens, des „Sehens mit dem Hinterkopf“, über das Aufrechtsehen und die Lokalisation von oben und unten, ein Forschungsprogramm, das nach 1945 gemeinsam mit seinem Assistenten und Nachfolger Ivo Kohler (1915-1985) systematisch aufgegriffen wird.[8]

Neben Erismann lehrte als Professor Richard Strohal. Der in der Welt der katholischen Studentenverbindungen verankerte und als Kulturfunktionär des „Ständestaats“ aktive, nach dem „Anschluss“ 1938 entlassene Richard Strohal (1888-1976) hat in den Jahren vor 1914 Mathematik, Physik und Philosophie studiert, so bei dem 1909 aus Prag berufenen „Brentanoten“ Alfred Kastil und bei dem in der Tradition nicht nur von Brentano, sondern vor allem von Ernst Mach und Ewald Hering profilierten Experimentalpsychologen Franz Hillebrand. Hillebrand vermittelte dem 1913 mit einer Dissertation über „die Definitionen der Pangeometrie mit besonderer Berücksichtigung von Lobatschefsky, Bolyai und Gauß“ promovierten Richard Strohal ein Forschungsstipendium im Göttinger Psychologielabor von Georg Elias Müller. In Göttingen hörte Strohal auch bei David Hilbert und Edmund Husserl. Der 1930 auf ein Extraordinariat der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Pädagogik ernannte Strohal hat sich 1924 mit einer Arbeit über die „Grundbegriffe der reinen Geometrie in ihrem Verhältnis zur Anschauung“ habilitiert.[9]

Der als katholischer Weltanschauungsphilosoph geltende Hans Windischer (1909-1975) – auch bei den Jesuitenphilosophen Lorenz Fuetscher und Josef Santeler ausgebildet - hatte sich 1936 mit einer Arbeit über die Psychologie Augustins und ihre Nachwirkung in die Gegenwart, sowie mit einer Kritik an Franz Brentano, an dessen rationalem Theismus aus neuscholastischer Sicht habilitiert. Windischer zufolge stand Brentanos Philosophie zu sehr unter dem Eindruck seiner Habilitationsthese: „Die wahre Methode der Philosophie ist keine andere als die der Naturwissenschaft.“ Nach Windischers Auffassung sollte im Fall eines Konflikts zwischen wissenschaftlichem Fortschritt und christlichem Glauben letzterer den Vorrang erhalten. 1938 entzog die NS-Bürokratie Windischer unter dem Titel „politisch nicht tragbar“ die Lehrbefugnis. In seinen Nachkriegsschriften vertrat Windischer Varianten eines katholischen Existentialismus. Er war eine Innsbrucker Ausgabe von Leo Gabriel.[10]

Simon Moser (1901-1988), nach einem Innsbrucker Doktorat aus scholastischer Philosophie 1930 in Freiburg mit einer von Martin Heidegger angeregten Arbeit über Wilhelm Ockhams Naturphilosophie im Vergleich mit Aristoteles promoviert, habilitierte sich 1935 „zur Lehre von den Definitionen bei Aristoteles“. Moser übernahm auch die von der austrofaschistischen Unterrichtsverwaltung eingeführte, für alle Studierenden obligatorische „ständestaatliche“ Weltanschauungsvorlesung. Auch mit Blick auf den 1938 (in Wien) entlassenen Simon Moser erklärte der nazistische Philosophendekan im Juni 1938: Im philosophisch pädagogischen und psychologischen Fachbereich „liegen die Dinge in personeller Hinsicht besonders traurig, indem der Inhaber der einen philos. Lehrkanzel einschl. Pädagogik (Strohal) wegen seiner politischen Einstellung beurlaubt wurde, und der Vertreter der anderen, der philos.psychol. Kanzel (Erismann), wie sämtliche vier Privatdozenten des Faches ([Hubert] Rohracher, [Franziska] Mayer [-Hillebrand], Moser und Windischer) zum mindesten nicht der NS-Weltanschauung angehören. Hier ist ein energisches Eingreifen nötig, (…).“

Simon Moser zählt 1945 zu den Mitbegründern der Alpbacher Hochschulwochen, die an das Denken aus „abendländisch“ katholischer „Ständestaatszeit“ anknüpften. Moser sprach im Herbst 1945 vom Ungeist des „schrankenlosen Liberalismus“.[11]

Simon Moser hat sich 1948/49 vergeblich um die Nachfolge des von Wien nach München berufenen katholischen Weltanschauungsphilosophen Alois Dempf bemüht, jedenfalls schreibt Alfred Kastil aus Wien am 20. November 1949 süffisant an Richard Strohal: „Ich glaube, er [Moser] verfolgt hier vergeblich die von Dempf hinterlassene Spur, denn darauf ist ihm der Erzengel Gabriel [Leo Gabriel] zuvorgekommen.“ Als Brentano-Anhänger äußerte sich Kastil gegenüber Strohal sowohl zum Existentialismus als auch zum logischen Positivismus polemisch: „Es existenzialistelt auch hier. Köstlich, wie die Gegner von einander leben: die Positivisten von dem Unfug der andern, die andern von ihrem.“[12]

Ingeborg Bachmann plante ursprünglich bei Alois Dempf – 1936 nach dem Mord an Moriz Schlick als Gegenentwurf zum Wiener Kreis des logischen Positivismus berufen, 1938 vom NS-Regime entlassen, 1945 für drei Jahre zurück in Wien, intellektuell einflussreich wegen der Geistesgeschichte „Sacrum Imperium“ – eine Dissertation über „Der Heilige bei C.F. Meyer, Nietzsche und J. Burckhardt“ zu schreiben.[13]

Zeitgleich sitzt im Wintersemester 1945/46 mit vielen anderen HörerInnen ein Wolfgang Stegmüller in den Erismann-, Strohal-Kollegien. Auch er arbeitet sich an einem Martin Heidegger ab, den er dann als analytischer Philosoph nach und nach zur Seite legen wird.

Im Februar 1945 reichte Stegmüller seine wirtschaftswissenschaftliche Dissertation „Subjektiver Wert oder wirtschaftliche Lebensordnung (zur Frage nach den subjektiven Bestimmungsgründen wirtschaftlicher Erscheinungen)“ ein. Die Dissertation setzt sich mit der subjektiven Grenznutzentheorie auseinander. Stegmüller stellt deren Hauptvertreter wie Hermann Heinrich Gossen, William Stanley Jevons, Carl Menger oder Eugen Böhm-Bawerk vor.

Stegmüller lässt in seinen Ausführungen zu einer „wirtschaftlichen Lebensordnung“ 1945 deutlich sowohl das ontologische Denken von Nicolai Hartmann, das „Problem des geistigen Seins“, also Hartmanns „kritischen Realismus“, als auch Martin Heideggers „Fundamentalontologie“ einfließen. Im Zug einer Kritik an den Gossen’schen Gesetzen (vom abnehmenden Grenzertrag, vom Grenznutzenausgleich, 1854) bezieht sich Stegmüller in wenig nachvollziehbarer Weise auf Heideggers „Sein und Zeit“: Heidegger hat den Gedanken expliziert, „dass den die ontischen Wissenschaften begründenden Ontologien nochmals eine fundamentalontologische Analyse vorzuspringen habe, um die Frage nach dem Sinn von ‚Sein‘ überhaupt zu klären: ‚Ontologisches Fragen ist zwar gegenüber dem ontischen Fragen der positiven Wissenschaften ursprünglicher. Es bleibt aber selbst naiv und undurchsichtig, wenn seine Nachforschungen nach dem Sein des Seienden den Sinn von Sein überhaupt unerörtert lassen.‘“[14]

Im Herbst 1945 setzt Stegmüller – neben seiner Tätigkeit als Privatlehrer in der Nachfolge seines verstorbenen Vaters (Maturaschule, juristisches „Paukerstudium“) und als wissenschaftliche Hilfskraft bei Erismann und Strohal – für vier Semester bis 1947 das Studium der Philosophie fort.

In der seit dem Herbst 1945 entstehenden Dissertation „Erkenntnis und Sein in der modernen Ontologie mit besonderer Berücksichtigung der Erkenntnismetaphysik Nicolai Hartmanns“ stellt Stegmüller die Frage, ob und wie Metaphysik und Ontologie nach Kants „Kritik der Vernunft“, nach dem Scheitern von Hegels spekulativ dialektischem „Vernunfttraum“, weiter nach den Versuchen Brentanos oder Husserls im Rahmen eines Rückgriffs auf die rationalistische Tradition von Aristoteles, vor allem aber auf Descartes, Leibniz, und auch auf Bolzano noch möglich sein kann. Ist Kants „versöhnende Synthese“ von „Rationalismus und Empirismus“ haltbar?

Der Carnap-Experte Thomas Mormann merkt 2010 an, dass weite Textpassagen von Stegmüllers philosophischer Dissertation geradezu „nach einer ‚logischen Analyse‘, wie sie Carnap in ‚Überwindung der Metaphysik‘ (Carnap 1931) einer Passage von Heideggers ‚Sein und Zeit‘ angedeihen ließ“, rufen: „Man würde kaum vermuten, dass der Verfasser in seinen späteren Jahren jemals in näheren Kontakt mit der analytischen Philosophie und Wissenschaftstheorie treten würde.“ Stegmüller versucht eine Synthese von Nicolai Hartmanns anti-neukantianischer „Erkenntnismetaphysik“ („kritischer Realismus“) mit Martin Heideggers „Existentialontologie“.[15]

Weite Passagen der Dissertation sind dem gewidmet, was Wolfgang Stegmüller in der Erstauflage der „Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie“ 1952 als das Problem der „kategorialen Parallelität“, der (möglichen) „Parallelität von Denk- und Seinsprinzipien“ bezeichnet: „Wo wir auf uns unfassbare Vorgänge oder Tatsachen oder sogar auf unlösbare logische Widersprüche (z.B. die Kantischen Antinomien) stoßen, da hat dies seinen Grund darin, dass entweder überhaupt die Denkkategorien zur Erfassung dieses Seinsgebietes fehlen – wie es nach Hartmanns Meinung z.B. gegenüber dem Bereich des Organischen in sehr starkem Ausmaß der Fall ist, weshalb uns hier viel Irrationales entgegentritt -, oder dass sie von den Seinsprinzipien abweichen.“[16]

Polemisch gegen Edmund Husserl gerichtet und sich auf eine Heideggersche Kritik der „Lehre von der adaequatio intellectus et rei“ stützend greift Stegmüller 1947 in der Dissertation neben Leibniz‘ Theodizeeproblem das „Problem des irrationalen Restes“ und der Kant’schen Antinomien auf, also einen Bereich von Seiendem, für den „z.B. nicht einmal der Satz vom Widerspruch Geltung hätte“.[17]

Die Dissertation war im Juni 1947 abgeschlossen. Im Oktober 1948 – knapp ein Jahr nach der Promotion – reichte Wolfgang Stegmüller die Habilitationsschrift „Sein, Wahrheit und Wert in der Gegenwartsphilosophie“ ein. Sie stand noch im Zeichen der „kontinentaleuropäischen“ Philosophietradition. Der Habilitationsausschuss, dem als Fachvertreter Theodor Erismann, Richard Strohal und Franziska Mayer-Hillebrand angehörten, legte im Jänner 1949 das Gutachten vor: Die von Stegmüller erfassten Hauptvertreter „sind Brentano, Husserl, Scheler, Heidegger, Jaspers, Nic. Hartmann, Reininger und Häberlin, die Stegmüller in die Kategorien einordnet: Kritischer Empirismus, Phänomenologie, Existentialphilosophie, Kritischer Realismus, Transzendentaler Idealismus und Universaler Seinsmonismus“.

Stegmüllers im Manuskript überlieferte Habilitationsschrift findet sich fast unverändert veröffentlicht in der Erstauflage der „Hauptströmungen“ von 1952. Neu hinzu kommt 1952 im Einklang mit Stegmüllers „philosophischer Wende“ stehend der Abschnitt „Logischer Positivismus: Rudolf Carnap und andere Vertreter des Wiener Kreises“ (S. 327-476).

In der ersten Auflage der „Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie“ behielt Stegmüller seine Heidegger-Würdigung 1952 (S. 213) noch aufrecht und lehnte es ab, Heideggers „Existentialontologie“ als „unverständliche Wortmalerei, bestenfalls als den vergeblichen Versuch eines rationalisierten Irrationalismus“ abzutun. Auch wenn in einem eigenen Kapitel der „Hauptströmungen“ neu Rudolf Carnap in den Mittelpunkt rückt, folgt Stegmüller (noch) nicht Carnaps „Überwindung der Metaphysik durch logische Analyse der Sprache“ (1931) und dessen an Heidegger-Zitaten – wie „Die Angst offenbart das Nichts.“; „Das Nichts selbst nichtet.“ - erprobter Demonstration „metaphysischer Scheinsätze“, die die „logische Syntax“ verletzen.

Wolfgang Stegmüller schreibt 1979 in einer Autobiographie, dass ihm in den ersten drei Jahren seiner Innsbrucker Assistententätigkeit bis 1948 Strömungen der analytischen Philosophie, der Wiener Kreis, unbekannt gewesen sind: „Seit dem Jahre 1948 verlief mein Philosophieren auf zwei Geleisen. Während ich noch immer an den traditionellen Denkweisen interessiert war, stieß ich durch einen Zufall auf die Schriften des Wiener Kreises sowie auf Arbeiten von Popper und Reichenbach.“

Der sich „antimetaphysisch“ wendende Stegmüller, der 1950 gemeinsam mit dem als Gastprofessor anwesenden Erwin Schrödinger und den Innsbrucker Physikern Arthur March und Ferdinand Cap ein Seminar zur allgemeinen Relativitätstheorie abhielt, fügt im Rückblick an: „Mein Bedürfnis nach Klarheit und Exaktheit wurde zunächst vor allem durch die Beschäftigung mit ‚Der logische Aufbau der Welt‘ und ‚Logische Syntax der Sprache‘

von Carnap sowie der Semantik von Tarski und logischen Werken von Quine befriedigt.“ [18]

Im zitierten „Malina“-Textentwurf beschreibt Bachmann die sonderbaren Begleitumstände am Tag ihrer Haupt-Rigorosen im März 1950, das verwaiste philosophische Institut, dort ein Ofenbrand, „und ich habe die Glutstücke zertreten“, dann zum Nebenrigorosum im pädagogischen Institut, beim nicht unreaktionären, wissenschaftspolitisch einflussreichen Richard Meister, „und der alte Hofrat, dekoriert, im Schlafrock, hat mich abgefragt“, sich dabei nicht an die Stoffeinigung über Leibniz und Hume haltend, „ich habe immer sagen wollen, aber [es] war doch nicht ausgemacht, und wir waren plötzlich bei den Neukantianern“. Laut dem im Universitätsarchiv Wien liegenden Rigorosenprotokoll hat weiters Hubert Rohracher – neben Kraft Zweitgutachter – geprüft, im Nebenfach Germanistik Mitte Jänner 1950 Dietrich Kralik und Hans Rupprich.[19]

Die Dissertation mit dem „monströsen Titel ‚Die kritische Aufnahme der Existenzialphilosophie Martin Heideggers‘“ war bei Victor Kraft, dem letzten alten Mann „dieses ‚Wiener Kreises‘, der Wiener Neupositivisten“, der 1934/38 nicht ins Exil vertrieben worden war, entstanden. Bei Kraft habe sie „vielleicht wirklich etwas gelernt“. Am Horizont sieht Ingeborg Bachmann für ihre literarische Arbeit, für ihre Gedichte schon Ludwig Wittgensteins „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“, oder am Ende der Dissertation (S. 114f.): „Besteht aber heute, angesichts einer so strengen Fassung des Begriffes wissenschaftlicher Philosophie, wie er vom logischen Positivismus, einigen Neukantianern und etwa Max Weber gefasst wurde, die Berechtigung einer ‚zweiten Wissenschaft‘, die die unaussprechbaren, unfixierbaren Unmittelbarkeiten des emotional- aktualen Bereichs der Menschen rational zu erfassen suchen darf, wie Heidegger das tut? Das Ergebnis wird immer die gefährliche Halbrationalisierung einer Sphäre sein, die mit einem Wort Wittgensteins berührt werden kann. ‚Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.‘“ (siehe auch Textauszug unten)[20]

Auch wenn Bachmanns Dissertation als „gegen Heidegger“ geschrieben gilt, so scheint sie vielen InterpretInnen auch nicht im Sinn des logischen Empirismus geschrieben, auch wenn sie Rudolf Carnaps „Überwindung der Metaphysik“, Julius Krafts „Von Husserl zu Heidegger. Kritik der phänomenologischen Philosophie“ oder Ernst Cassirers erkenntniskritische (neukantische) Perspektive ins Spiel bringt. Sie stützt sich aber auf ein breites widersprüchliches Spektrum an Heidegger-Kritikern reichend von neuthomistischen Positionen bis hin zu alternativen lebensphilosophischen Spielarten, so aus der Dilthey-Schule (Georg Misch).

Nur an einer Stelle bezieht sich Bachmann auf eine Position, die indirekt mit der Innsbrucker Brentano-Schule um Alfred Kastil zusammenhängt, auf den in Prag lehrenden „Brentanisten Oskar Kraus, der in einem Radiovortrag sich nachdrücklich gegen die wiederauflebende Nichts-Philosophie wandte und in Bezug auf Heidegger u.a. sagte, dass sich die Wissenschaft lächerlich machen würde, wenn sie das Nichts, wie Heidegger ihr empfiehlt, ernst nehmen würde.“ (S.77)

Oskar Kraus war Alfred Kastil in Innsbruck eng verbunden. Unterstützt von Thomas G. Masaryk – gaben beide die Werke von Franz Brentano heraus. Beide galten als „orthodoxe Brentanoten“, die Brentanos Kritik an den „entia rationis“, Brentanos „Abkehr vom Nichtrealen“, die dieser in Kritik seiner „abweichenden“ Schüler Edmund Husserl und Alexius Meinong forcierte, getreu nachvollzogen.

Ausgehend von Franz Brentanos „Vier Phasen der Philosophie“, also dessen Kritik der Mystik, des Neuplatonismus als Krisen- und Niedergangstadien in der Philosophiegeschichte und in der Linie von Brentanos „Psychologie vom empirischen Standpunkt“ (1874) sowie von Franz Hillebrands „neuen Theorien der kategorischen Schlüsse“ (1891) greift Oskar Kraus Heidegger an: „Wenn Professor Heidegger in einer Vorlesung über Metaphysik die Frage aufwirft: ‚Und das nichts, was kann es der Wissenschaft anderes sein als ein Greuel und eine Phantasterei?‘ so antworte ich entschieden: ‚Nichts anderes.‘ Die Wissenschaft würde sich lächerlich machen, wenn sie es ernst nähme, ausgenommen die Sprachwissenschaft, Sprachkritik und Logik, die allen Grund haben sich mit dem Wörtchen ‚Nichts‘ ebenso ernstlich zu befassen, wie mit dem Wörtchen ‚Alles‘. Denn nichts bedroht das Ansehen aller philosophischen Wissenschaft ernstlicher als ein Wiederaufleben jener Nichts- und Allesphilosophie.“[21]

Die von Seite des „Historischen Materialismus“ vorgebrachte Heidegger-Kritik referiert Ingeborg Bachmann nach dem 1948 gerade aktuellen Buch „Der Existentialismus. Eine politisch-reaktionäre Ideologie“ von Theodor Hartwig (1872-1958), jahrelang Mittelschulprofessor in Brünn/Brno, heute fast vergessener Privatgelehrter. Bachmann referiert Hartwig so (S. 11f.): Der Existentialismus ist „als eine gedankliche Flucht aus einer ökonomisch unbefriedigten Gegenwart, als ‚Begleitmusik zu einer anarchisch produzierenden kapitalistischen Wirtschaft‘ zu begreifen. Auch bestehe ein Zusammenhang zwischen ihm und dem Faschismus.“ Der Faschismus ist eine „drapierte Revolte des bedrohten Kleinbürgertums“: „So kultiviere er das Elend, dem der Marxismus ein Ende bereiten will, verbohre sich in den Unstimmigkeiten des Daseins.“

Denselben Gedankengang sieht Bachmann in Günther Anders‘ „Nichts und Existenz“, 1946 in der „Neuen Rundschau“ (Stockholm). Sie bezieht sich auf Anders‘ präzis kompromisslose Heidegger-Abrechnung. Sie zitiert Anders, der unter Anknüpfung an Marx‘ und Engels‘ „Deutsche Ideologie“, an deren Kritik an Max Stirners scheinradikalen Sturm auf theoretische Gespenster des Bewusstseins – bei gleichzeitiger Belassung und Anerkennung der materiellen Klassenwidersprüche – formuliert: „Auch für Günther Anders spricht aus Heidegger der ‚nicht konkurrenzfähige Kleinbürger‘, ‚der stolze Eigentümer seines (Nicht-) Eigentums‘, wie Marx ihn mit Recht genannt hätte, der, wenn er Hungers stürbe, nicht aus einem Mangel an Lebensmitteln zu sterben glaubt, sondern durch sein Eigentum, das Verhungernkönnen.“[22]

Georg Lukács‘ Existentialismus-Kritik („Existentialisme ou Marxisme?“, Paris 1948) – vorerst gegen die aus der Resistance hervorgegangen fortschrittlich antifaschistische Variante (Jean Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Maurice Merleau-Ponty) – war Bachmann nicht zugänglich, auch nicht dessen Ablehnung des durch den „Humanismus-Brief“ 1947 „wiederbelebten“ Heidegger.

Sehr wohl nimmt Ingeborg Bachmann die Arbeiten Herbert Marcuses aus dessen früher „heideggermarxistischen“ Zeit in das Literaturverzeichnis auf, so wenn Marcuse 1928 Heideggers Analyse „der Geschichtlichkeit des Daseins“ für die Interpretation von Karl Marx‘ „Thesen über Feuerbach“ (1845) fruchtbar machen will. Marcuses Bruch mit Heideggers Hitler verehrendem „‚existenziellen‘ Opportunismus“ – in „Der Kampf gegen den Liberalismus in der totalitären Staatsauffassung“, 1934 in der von der aus Deutschland vertriebenen „Frankfurter Schule“ herausgegebenen „Zeitschrift für Sozialforschung“ veröffentlicht – war in den Bibliotheken des Nachkriegsösterreich nicht zugänglich.[23]

Ab wann – schon in der Dissertation? – ist der Weg Bachmanns zu einem vom logischen Positivismus entfernten Wittgenstein angebahnt? Bieten Kunst und Literatur Formen einer „besseren Metaphysik“, die auch Heidegger nicht bieten könne, so wie Ingeborg Bachmann abschließend in ihrer Dissertation auf Goyas „Kronos verschlingt seine Kinder“ und auf Baudelaires „Les Fleurs du Mal“ verweist? Wie hat sie es später mit Theodor Adornos polemischer Abrechnung mit Heideggers „Jargon der Eigentlichkeit“ gehalten? Ein Adorno-Exemplar soll sich in ihrer Bibliothek befinden. Oder fallen ihre frühen Gedichte gar unter Adornos Anti-Heidegger-Diktum?[24]

Ingeborg Bachmann distanziert sich 1953 – in Kenntnis der eben aus dem Nachlass von Ludwig Wittgenstein veröffentlichten „Philosophischen Untersuchungen“ – vom engeren Wiener Kreis des logischen Positivismus, wie sie ihn paradigmatisch bei Rudolf Carnap, dem „puritanischen Logistiker“, dessen Metaphysik-Kritik an Heidegger abgeprallt sei, formuliert sieht: „Dem Namen Wittgenstein begegnet man in der philosophischen Literatur durchwegs im Zusammenhang mit dem ‚Wiener Kreis‘, der einzigen originalen Neuschöpfung der empiristischen Philosophie in der Gegenwart, (…).“ Ja, Wittgenstein zählt mit zu den Anregern des Wiener Kreises, aber so Bachmann fortfahrend: „Doch wäre es falsch, Wittgenstein – was fortwährend geschieht – mit dieser Schule zu identifizieren und neben seinem fundmentalen Beitrag zur symbolischen Logik und zu einer ‚mathesis universalis‘ (…) zu übersehen, was seinem Werk den höchsten Rang sichert. Nicht die klärenden, negativen Sätze, die die Philosophie auf eine logische Analyse der naturwissenschaftlichen Sprache beschränken und die Erforschung der Wirklichkeit an die naturwissenschaftlichen Spezialgebiete preisgeben, sondern seine verzweifelte Bemühung um das Unaussprechliche, die den ‚Tractatus‘ mit einer Spannung auflädt, in der er sich selbst aufhebt – sein Scheitern also an der positiven Bestimmung der Philosophie, die bei den anderen Neupositivisten zur fruchtbaren Ignoranz wird -, ist ein erneutes, stets zu erneuerndes Mitdenken wert.“ Den „Neupositivismus“ sieht Ingeborg Bachmann als erschöpft an, die neueren Arbeiten von Carnap, Reichenbach, Mises, Popper ließen „erkennen, „dass die große Zeit des Neupositivismus vorbei ist, dass man sich in der Behandlung von Details erschöpft“.[25]

Wolfgang Stegmüller spricht 1952 von Ludwig Wittgenstein, S. 44 als einem Vertreter des Logischen Positivismus. Stegmüller ist in Kenntnis des „Tractatus logico-philosophicus“, aber noch nicht der „Philosophischen Untersuchungen“. Der scharfe Gegensatz der Gegenwartsphilosophie besteht nach Stegmüller in dem „zwischen Existentialismus und logischem Positivismus“: „Sind die existenzphilosophischen Betrachtungen vom Bewusstsein der Rätselhaftigkeit und Fragwürdigkeit der Welt erfüllt, in die wir ungefragt gestellt wurden und in der wir genötigt sind ohne ein Wissen um ein Warum und Wozu doch klaren Standpunkt zu beziehen, so steht auf der anderen Seite die These Wittgensteins, eines der Begründer des Neupositivismus:  Es gibt kein Rätsel, alle Fragen, die man stellen kann, sind auch beantwortbar; denn kann man prinzipiell keine Antwort auf eine Frage finden, so ist diese Frage selbst als sinnlose Scheinfrage auszuscheiden. Darin äußert sich nicht nur ein radikaler Empirismus, sondern auch ein grenzenlos überspitzter Rationalismus: Der Bereich des Sagbaren wird durch logische und empiristische Sinnkriterien für Sätze auf ein Minimum des vermeintlich Mitteilbaren eingeengt, während umgekehrt die Existenzphilosophie gewaltige Anstrengungen macht, durch ein nicht wissenschaftlichen Kriterien unterstehendes Denken, etwa bei Jaspers mittels ‚appellierenden‘ und ‚chiffrelesenden‘ Denkens, Unsagbares zur Sprache zu bringen.“ (Stegmüller 1952, 44)

Im Wittgenstein-Kapitel der späteren Auflagen der „Hauptströmungen“ spricht Stegmüller dann (so 6. Auflage 1978, 564ff.) von „Wittgenstein I“ und „Wittgenstein II“ und von der „Preisgabe der ‚Tractatus‘-Philosophie“.

 

[1] Ingeborg Bachmann: „Senza casa“. Autobiographische Skizzen, Notate und Tagebucheintragungen, München, Berlin, Zürich 2024, 34-39, 236.

[2] Ingeborg Bachmann: „Todesarten“-Projekt. Band 3.1. Malina (Kritische Ausgabe, hrg. von Robert Pichl, Monika Albrecht und Dirk Göttsche), München Zürich 1995, 130f.

[3] Gertrud Fussenegger: Ein Spiegelbild mit Feuersäule. Lebensbericht, Stuttgart 1979, 194f. Vgl. Sigurd Paul Scheichl: 150 Jahre Germanistik in Innsbruck, Innsbruck 2009, 46, hier 27 auch eine Abbildung des Standesblattes von Ingeborg Bachmann.

[4] Vgl. Heinrich Hammer: Selbstdarstellung, in: Österreichische Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen I, hrg. von Nikolaus Grass, Innsbruck 1950, 1-16.

[5] Vgl. Gerhard Oberkofler: Der „Fall Kastil“. Akademischer Antisemitismus und die Innsbrucker Kraus-Vorlesung, in: Kraus-Hefte 21 (Jänner 1982), 2-6.

[6] Vgl. Theodor Erismann: Die Eigenart des Geistigen. Induktive und einsichtige Psychologie, Leipzig 1924. Vgl. Pierre Sachse und Peter Goller: Kurz gefasste Geschichte des Instituts für Psychologie an der Universität Innsbruck, in: Die ersten psychologischen Institute für Psychologie im deutschsprachigen Raum. Ihre Geschichte und ihre Entstehung, hrg. von Armin Stock und Wolfgang Schneider, Zürich 2019, 201-232.

[7] Vgl. Theodor Erismann: Denken – Wollen – Sein I. Denken und Sein. Problem der Wahrheit, Wien-Köln 1950 und Theodor Erismann: Denken – Wollen – Sein II. Sein und Wollen. Drei Gespräche über das Gute und Böse, Wien 1953, 8f. 288.

[8] Vgl. Ivo Kohler: Über Aufbau und Wandlungen der Wahrnehmungswelt. Insbesondere über „bedingte Empfindungen). (Sitzungsberichte der phil.-hist. Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 227/I), Wien 1951. Dazu Pierre Sachse, Ursula Beermann, Markus Martini, Thomas Maran, Markus Domeier, Marco Furtner: „The world is upside down“ – The Innsbruck Goggle Experiments of Theodor Erismann (1883-1961) and Ivo Kohler (1915-1985), in: Cortex 92 (2017), 222-232. Auch Hubert Rohracher stammt aus der Innsbrucker Erismann-Schule.

[9] Über Erismann, Strohal, Moser, Windischer vgl. Peter Goller: Die Lehrkanzeln für Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck (1848-1945), Innsbruck 1989, 153-255 und Peter Goller: Franziska Mayer-Hillebrand als Franz Brentano-Forscherin. Zur Wiederentdeckung der wissenschaftlichen Philosophie in Österreich nach 1945, in: Tiroler Heimat 54 (1990), 125-146.

[10] Vgl. Peter Goller: „… natürlich immer auf wissenschaftlicher Ebene!“ Mystifikationen. Die geisteswissenschaftliche Fakultät an der Universität Innsbruck im Übergang von Nazifaschismus zu demokratischer Republik nach 1945, Innsbruck 1999, 40-47, auch die Abschnitte über Hans Windischer und Simon Moser 28-27.

[11] Vgl. Markus Wilhelm: Die austrofaschistischen Wurzeln des Europäischen Forum Alpbach,

www.dietiwag.org (Eintrag 20. August 2015) und Maria Wirth: Ein Fenster zur Welt. Das Europäische Forum Alpbach 1945-2015, Innsbruck 2015, 13-20.

[12] Universitätsarchiv Innsbruck, Nachlass Richard Strohal.

[13] Vgl. Elisabeth Samsonow: Alois Dempf – Foucault auf Bayerisch, in: Verdrängter Humanismus – verzögerte Aufklärung VI. Philosophie in Österreich 1951-2000, hrg. von Michael Benedikt, Reinhold Knoll, u.a., Wien 2010, 613-621.

[14] Wolfgang Stegmüller: Subjektiver Wert oder wirtschaftliche Lebensordnung (zur Frage nach den subjektiven Bestimmungsgründen wirtschaftlicher Erscheinungen), Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde für Wirtschaftswissenschaften, Innsbruck, eingereicht im Februar 1945 (503 Seiten). Vgl. Martin Heidegger: Sein und Zeit, 15. Auflage, Tübingen 1979, 11. Vgl. Peter Goller und Pierre Sachse: Wolfgang Stegmüller im intellektuellen Umfeld der Universität Innsbruck (1941-1958), in: Journal. Psychologie des Alltagshandelns 16/2 (2023), 50-64.

[15] Thomas Mormann: Wien und München. Zwei Stationen der deutschsprachigen Wissenschaftsphilosophie im 20. Jahrhundert, in: Vertreibung, Transformation und Rückkehr der Wissenschaftstheorie. Am Beispiel von Rudolf Carnap und Wolfgang Stegmüller, hrg. von Friedrich Stadler, Wien 2010, 341-370.

[16] Wolfgang Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie. Eine historisch-kritische Einführung, Wien-Stuttgart 1952, 249f.

[17] Wolfgang Stegmüller: Erkenntnis und Sein in der modernen Ontologie mit besonderer Berücksichtigung der Erkenntnismetaphysik Nicolai Hartmanns. Eine kritische Untersuchung, phil. Diss., Innsbruck 1947 (518 Seiten), hier 6, 418f., 427, 440, 445-448.

[18] Wolfgang Stegmüller: Autobiographische Einleitung, in derselbe: Rationale Rekonstruktion von Wissenschaft und ihrem Wandel, Stuttgart 1979, 4-26.

[19] Über diese vgl. Roman Pfefferle, Hans Pfefferle: Glimpflich entnazifiziert. Die Professorenschaft der Universität Wien von 1944 in den Nachkriegsjahren, Wien 2014, 295, 298, 314, 315.

[20] Ingeborg Bachmann: Wir müssen wahre Sätze finden. Gespräche und Interviews, München 1991.

[21] Oskar Kraus: Über Alles und Nichts. Ein sprachphilosophischer Rundfunkvortrag am 1. Mai 1930, in: Philosophische Hefte 2/2 (1930), 140-146.Vgl. Rudolf Haller: Österreichische Philosophie, in derselbe: Studien zur österreichischen Philosophie, Amsterdam 1979, 5-22.

[22] Jetzt nach Günther Anders: Nihilismus und Existenz (1946), jetzt in derselbe: Über Heidegger, hrg. von Gerhard Oberschlick in Verbindung mit Werner Reimann als Übersetzer. Mit einem Nachwort von Dieter Thomä, München 2001, 39-71, hier 53f. Vgl. Marx-Engels-Werke (MEW) 3, 144-146.

[23] Vgl. Herbert Marcuse: Beiträge zu einer Phänomenologie des Historischen Materialismus (1928), jetzt in derselbe: Schriften I, Frankfurt 1978, 347-384.

[24] Ingeborg Bachmann: Die kritische Aufnahme der Existentialphilosophie Martin Heideggers [Dissertation Wien 1949], mit einem Nachwort von Friedrich Wallner, hrg. von Robert Pichl, München Zürich 1985. Nach Marion Schmaus: Philosophische Essays und Dissertation, in:  Bachmann. Handbuch, hrg. von Monika Albrecht und Dirk Göttsche, 2. Auflage, Stuttgart 2020, 229-234; Marion Heinz: Philosophie und die Wahrheit der Kunst. Untersuchungen zu Ingeborg Bachmanns Dissertation über Martin Heidegger, in: Colloquium: New Philologies. Special Issue: Ingeborg Bachmann, Volume 9/1-2 (2024), 15-31; Gerhard Donhauser: Ingeborg Bachmann und der Wiener Kreis, in ebenda, 74-96; Barbara Agnese: Der Engel der Literatur. Zum philosophischen Vermächtnis Ingeborg Bachmanns, Wien 1996 oder Sara Lennox: Bachmann and Wittgenstein, in: Modern Austrian Literature 18/3, 4 (1985), 239-259.

[25] Ingeborg Bachmann: Ludwig Wittgenstein. Zu einem Kapitel der jüngsten Philosophiegeschichte (1953), in dieselbe: Essays. Reden. Verschiedene Schriften, Werke 4, München-Zürich 1982, 12-23.

Bachmann-Ingeborg

 

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