Ursula Scholl-Grissemann
Immer in Bewegung
Stefanie Mössler
Mitarbeiter:innenporträt Stefanie Mössler
(07.04.2026)
Am Fürstenweg 176 baut Ursula Scholl-Grissemann gerade einen komplett neuen Arbeitsbereich der Universität Innsbruck auf: Gemeinsam mit ihrem Team beschäftigt sie sich im Rahmen ihrer Stiftungsprofessur für Aktive Mobilität mit Bewegung in Freizeit und Alltag. Mobilitätsexpertise gebe es bereits viel, aber meist mit stark technischem Fokus – der am Institut für Sportwissenschaft angesiedelte Arbeitsbereich folge deshalb bewusst einem anderen Ansatz: „Wir betrachten aktive Mobilität sehr stark aus der Sicht des Konsument:innenenverhaltens und verbinden sie mit Fragen der Gesundheit und des Wohlbefindens.“ Die Vielfalt des Teams, das aus Verhaltensökonom:innen, Sportwissenschaftler:innen und Forscher:innen aus den Bereichen Management, Sport und Tourismus besteht, ermögliche es, das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und etwas Neues zu schaffen. „Ich empfinde es als großes Privileg, einen Forschungsbereich praktisch von Grund auf aufbauen zu dürfen und täglich mit so motivierten Menschen zusammenzuarbeiten“, so die Wissenschaftlerin.
Frische Perspektive
Scholl-Grissemanns Weg in die Wissenschaft war nicht vorgezeichnet: „Ich bin nicht als Kind aufgewacht und habe mir gedacht: Ich werde einmal Universitätsprofessorin. Aber der Weg hat sich so ergeben – und ich bin sehr glücklich damit.“ Schon während des BWL-Studiums an der Universität Innsbruck habe sie festgestellt, dass ihr wissenschaftliches Arbeiten großen Spaß macht, und auch die Vielseitigkeit einer Tätigkeit an der Universität gefiel ihr von Anfang an. „In der Forschung hat man ständig das Gefühl, Neues zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Kein Jahr ist wie das andere. Ich könnte mir kaum vorstellen, über Jahrzehnte immer genau dieselbe Tätigkeit auszuüben“, betont sie.
Ihr Interesse für Konsument:innenenverhalten führte Scholl-Grissemann nach dem Studium an die Privatuniversität Schloss Seeburg in Salzburg, wo sie im Bereich Sport- und Eventmanagement forschte, und später an die UMIT, wo ihr Forschungsschwerpunkt im Gesundheits-, Tourismus- und Destinationsmanagement lag. Auf die BMIMI Stiftungsprofessur Aktive Mobilität: Bewegung in Freizeit und Alltag an der Universität Innsbruck bewarb sie sich, obwohl ihr bewusst war, dass sie nicht dem klassischen Anforderungsprofil entsprach. „Ich bin weder klassische Sportwissenschaftlerin noch komme ich aus einem technischen Bereich, obwohl aktive Mobilität häufig aus genau diesen Perspektiven betrachtet wird.“ Letztlich überzeugte gerade ihre interdisziplinäre Perspektive.
Etwas bewegen
Bewegung spielt auch in Scholl-Grissemanns Freizeit eine entscheidende Rolle: Zum Abschalten und Entspannen ist sie am liebsten in der Natur unterwegs, ihre Lieblingsaktivitäten sind Trailrunning, Berggehen oder einfach Zeit im Wald verbringen. Das Trailrunning gehöre in gewisser Weise sogar zu ihrem Arbeitsalltag, berichtet sie: „Das Laufen ist vor allem ein persönlicher Ausgleich, aber ich nutze diese Zeit auch oft zum Nachdenken über meine Arbeit, bereite Vorträge im Kopf vor oder strukturiere Lehrveranstaltungen.“
Ein persönliches Anliegen ist ihr außerdem die Förderung von Frauen in der Wissenschaft. „Mit zwei kleinen Kindern eine wissenschaftliche Karriere bis zur Habilitation durchzuziehen, war nicht immer einfach. Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf liegen mir daher sehr am Herzen“, erklärt sie. Es habe sich in den letzten Jahren viel verbessert, aber in Entscheidungsgremien seien Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Wenn sie an Sitzungen teilnimmt, in denen nur wenige habilitierte Frauen vertreten sind, werde für sie besonders deutlich, wie wichtig eine stärkere Präsenz von Frauen auf wissenschaftlicher Entscheidungsebene ist – Einladungen in solche Funktionen nehme sie deshalb umso bewusster wahr. „Ich bin überzeugt, dass Frauen in Führungspositionen auch andere Frauen ermutigen und anziehen können. Je vielfältiger Entscheidungsgremien sind, desto mehr verändert sich langfristig auch die Struktur der Institutionen“, betont Scholl-Grissemann. Aus diesem Grund ist sie auch Gründungsmitglied des Vereins „Ladies in Science“, der sich zukünftig verstärkt um die Sichtbarkeit von Frauen in der Forschung kümmern wird.
(Autorin: Lisa Schwarzenauer)
