Simon Haller-Seeber
Neugier als Kompass
Simon Haller-Seeber
Mitarbeiter:innenporträt Simon Haller-Seeber
(14.07.2026)
Schon als Jugendlicher zog es Simon Haller-Seeber in Universitätsvorlesungen. Heute arbeitet er an der Schnittstelle von Forschung, Infrastruktur und Robotik – und versucht, seine Begeisterung für Technik an die nächste Generation weiterzugeben.
Manche Karrieren verlaufen schnurgerade. Die von Simon Haller-Seeber gehört nicht dazu – und genau das ist ihr Reiz. Mathematik, Informatik, Robotik, Politikwissenschaft, Rechnerräume, EU-Projekte und Workshops für Kinder: Wer den Scientific System Engineer nach seinem Werdegang fragt, bekommt keine chronologische Liste, sondern eine Geschichte voller Abzweigungen, die sich fast alle an einem Ort abspielen: der Universität Innsbruck.
Ein Computer als Initialzündung
Schon früh wollte Haller-Seeber wissen, was unter der Oberfläche steckt. Sein erstes Forschungsobjekt: der Heimcomputer der Familie. „Ich habe unseren PC auseinandergebaut. Es interessierte mich einfach, wie er aufgebaut ist“, erinnert sich der heute 45-Jährige. Die Faszination für Technik war damit geweckt und sollte ihn nicht mehr loslassen. Zunächst führte sie ihn an die Innsbrucker HTL für Nachrichtentechnik. Doch der Unterricht allein reichte ihm bald nicht mehr. Mit gerade einmal 16 Jahren inskribierte er sich noch vor der Matura als außerordentlicher Studierender und schwänzte dafür sogar gelegentlich den Unterricht. „Damals gab es noch die gedruckten Vorlesungsverzeichnisse, die habe ich Seite für Seite durchgeschaut und nach allem gesucht, was interessant wirkte“, erzählt er.
Sein Studienweg begann dabei in der Mathematik. Die theoretischen Fragestellungen reizten ihn, doch auf Dauer fehlte ihm der Bezug zur Anwendung. So wechselte er schließlich in die Informatik und schloss dort sein Masterstudium ab. Parallel dazu arbeitete er bereits an der Universität: zunächst als Tutor, später im Benutzerservice des Zentralen Informatikdienstes, wo er am Aufbau der Rechnerräume beteiligt war. „Wenn man an der Uni interessiert ist und Sachen machen mag, dann bekommt man auch die Möglichkeit“, sagt der langjährige Uni-Mitarbeiter aus eigener Erfahrung.
Roboter zum Laufen bringen
Eine entscheidende Weichenstellung folgte mit der Gründung der Forschungsgruppe Intelligente und Interaktive Systeme am Institut für Informatik. Haller-Seeber übernahm die technische Betreuung – und fand im Bereich Robotik ein Themenfeld, das ihn schon lange faszinierte.
In den folgenden Jahren wirkte er am Aufbau der Roboterplattform des Instituts mit und war in mehrere internationale EU-Projekte eingebunden. Diese führten ihn unter anderem nach Dänemark, Deutschland und Slowenien. Gleichzeitig wurde seine Tätigkeit immer vielseitiger und lässt sich heute kaum in einer klassischen Stellenbeschreibung zusammenfassen. „Mal helfe ich Studierenden dabei, ihre Ideen auf die Roboter zu bringen, mal begleite ich Forschungsgruppen bei der Umsetzung, mal sorge ich dafür, dass die technische Infrastruktur im Hintergrund reibungslos funktioniert“, fasst der IT-Experte seinen Tätigkeitsbereich zusammen.
Technik zum Anfassen
Diese Vielseitigkeit zeigt sich auch außerhalb der Universität. Immer wieder wurde Haller-Seeber eingeladen, bei Familientagen, Lehrerfortbildungen oder der Langen Nacht der Forschung mitzuwirken. Aus einzelnen Beiträgen entstanden mit der Zeit eigene Formate.
2016 richtete sein Team erstmals den RoboCup Junior in Innsbruck aus. Rund 300 Kinder nahmen an der zweitägigen Veranstaltung teil. Aus Tirol selbst war damals allerdings nur ein einziges Team vertreten. „Das war für mich ein Ansporn, die Robotik-Nachwuchsförderung weiter auszubauen und junge Menschen für das Thema zu begeistern“, erinnert sich der Informatiker.
Es folgten selbst entwickelte Roboter-Bausätze, Design-Thinking-Workshops in Kooperation mit dem StairLab und der Jungen Uni sowie Programme im Rahmen von „Uni im Dorf“ in Osttirol. Besonders nachhaltig war die Zusammenarbeit mit dem Lehramtsstudium Informatik: Studierende entwickelten im Praktikum eigene Unterrichtskonzepte, setzten diese an Schulen um und begleiteten den Informatikunterricht über ein Semester hinweg. Bereits 2019 die Teilnahme der Tiroler Teams mehr als verzehnfacht.
Dass diese Arbeit Spuren hinterlässt, zeigt sich für den Scientific System Engineer oft erst Jahre später. Mehrfach ist es vorgekommen, dass er ehemaligen Workshop-Teilnehmer:innen später als Studierenden der Informatik wiederbegegnet ist. „Das sind wirklich schöne Momente, die zeigen, dass die Arbeit tatsächlich Wirkung hat.“
Faszination mit einem Beigeschmack
Wer die Robotik so lange begleitet wie Simon Haller-Seeber, erlebt den technologischen Wandel hautnah mit. „Gemeinsam mit den Fortschritten beim Deep Learning hat sich die Robotik in den letzten 15 Jahren rasant entwickelt“, sagt er. „Allein die humanoiden Roboter sind mit den früheren nicht mehr zu vergleichen. Sie können richtig gut laufen, und wenn man sie anschubst, stabilisieren sie sich wieder von selbst.“ Als er anfing, sei dagegen praktisch alles umgefallen, sobald es dynamisch wurde.
Angst vor dieser Entwicklung habe er aber keine. Bedenklich findet der Technikbegeisterte allerdings, wie schnell sich zuletzt auch die militärische Nutzung verändert hat – Stichwort Drohnen. Genau hier sieht er eine seiner künftigen Aufgaben: Kindern und Jugendlichen die Angst vor künstlicher Intelligenz zu nehmen, indem er ihnen verständlich erklärt, wie die Technik dahinter funktioniert und wo ihre Grenzen liegen.
Wenn der Computer mal ausbleibt
So groß seine Begeisterung für Technik auch ist – zu Hause gönnt sich der Robotik-Spezialist bewusst Abstand von Bildschirmen. Die Zeit zu Hause gehört vor allem seiner Familie und seinem fünfjährigen Sohn – mit viel Spiel, Spaß und gemeinsamen Erlebnissen. Den Ausgleich findet er – wie könnte es für einen Tiroler anders sein – in den Bergen: beim Wandern, Klettern oder auch bei Abenteuer-Camps für Kinder und Jugendliche. Dort wird vormittags getüftelt und experimentiert, nachmittags geht es hinaus in die Natur – zum Bogenschießen, Wandern oder Klettern. „Mit dem breiten Programm können Kinder aus allen Richtungen abgeholt werden – sowohl jene, die mit Technik gar nichts am Hut haben, als auch diejenigen, die sonst nur vor dem Computer sitzen“, unterstreicht Haller-Seeber.
Autorin: Anna Füreder
Steckbrief

Name
Simon Haller-Seeber
Funktion
Scientific System Engineer am Institut für Informatik
An der Uni seit
2002
Wohnort
Hall in Tirol
Herkunft
Wildermieming