Chris Rinke

Vom Meer in die Berge

Chris Rinke

Mitarbeiter:innenporträt Chris Rinke

(23.06.2026)

Betritt man das Büro von Chris Rinke, fällt schnell auf, dass hier jemand arbeitet, der Umwelt nicht nur erforscht, sondern auch lebt: Zwischen Bananenpflanzen liegen selbstgestaltete Anzuchtsets, an der Wand hängt ein Foto eines Walhais, auf dem Regal darunter lehnen Bücher wie „Biology for Dummies“ oder „A Super Worm“. „Ich habe mich schon als Kind für Biologie interessiert, damals auch für die Meeresbiologie“, sagt Rinke und schmunzelt. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der gebürtige Steirer als Umweltmikrobiologe an der Universität Innsbruck. Angefangen hat alles mit Büchern über Jacques Cousteau, die er einst im Regal seiner Mutter entdeckte.

Mikroben im Blick

Zur Meeresbiologie gesellte sich später die Bioinformatik – heute gehört sie zum Alltag. „Die Hälfte der Arbeit passiert im Labor, die andere Hälfte verbringen wir mit Sequenzdaten“, sagt Rinke. „Dafür brauchen wir die Bioinformatik.“ Das Wir betont er dabei bewusst. Denn hinter seiner Forschung steht ein internationales Team. „Gemeinsam beschäftigen wir uns mit Mikroben – von Bakterien über Pilze und Algen bis hin zu Viren.“ Im Zentrum steht die Frage, welche Rolle diese Organismen in natürlichen und künstlichen Systemen spielen – und wie sich dieses Wissen nutzen lässt, um Umweltprobleme zu lösen.

Wie vielfältig die Arbeit aussieht, zeigen die Projekte. In einem davon wird untersucht, wie Bakterien beim Abbau von Plastikmüll helfen könnten. „Da gibt es eine alte landfill“, sagt Rinke und verwendet dabei das englische Wort für Deponie. „Unsere ganze Forschung ist auf Englisch.“ Im Labor treffen dabei viele Perspektiven aufeinander: Kolleg:innen aus Polen, Neuseeland, Deutschland, dem Iran und Tirol arbeiten gemeinsam an Fragen, die oft weit über die Grenzen hinausreichen. Ein weiteres Projekt widmet sich etwa mikrobiellen Gemeinschaften in Böden und der Frage, wie sich das Wachstum von Nutzpflanzen anhand Transplantationen fördern lässt.

Abenteuer im Kopf

Nach dem Doktorat in Wien und einem Jahr in einem Pathologieinstitut zog es Rinke hinaus in die Welt. In den USA und im australischen Brisbane arbeitete er an Tiefseeprojekten mit. „Es gibt so viele unerforschte Flecken – wir wissen mehr über die Oberfläche des Mondes als über die Tiefsee“, sagt er. Die Lust auf Abenteuer zieht sich dabei wie ein roter Faden durch sein Leben. Besonders das Segeln habe ihn immer fasziniert. Nach der Heirat brachte der Forscher gemeinsam mit seiner Frau ein altes Segelboot – eine Columbia 34 aus dem Jahr 1973 – wieder in Schuss.

Mit dem Boot, das sie „Green Panther“ tauften, ging es zunächst von San Francisco nach Mexiko. „Das hat uns sehr gefallen, also sind wir weiter über den Pazifik nach Französisch-Polynesien gesegelt“, sagt er, als wäre es etwas Alltägliches. Insel für Insel führte die Route schließlich bis nach Australien. Von dort ist vor allem eines geblieben: der Regenwald. Heute steht er sinnbildlich auch in seinem Büro – in Form all jener Pflanzen, die sich Rinke als Erinnerung an diese Zeit zurückgeholt hat.

Neugier als Antrieb

„Die Idee war aber stets, wieder nach Österreich zurückzukommen“, betont Rinke. Aus dem Meer wurde so die Bergwelt – und Innsbruck wurde zum neuen Lebensmittelpunkt. „Bisher bin ich begeistert von der Stadt und von den Kolleg:innen.“ Den Ausgleich findet er heute nicht mehr unter Wasser, sondern in der Luft: beim Paragleiten oder am Klettersteig. Und manchmal auch ganz im Kleinen: im eigenen Hobbygarten in Birgitz, wo er Pflanzen zieht und pflegt. Dort zeigt sich auch nach vielen beruflichen Erfolgen und erlebten Abenteuern, dass ihm die Neugier geblieben ist.

Autorin: Michaela Ehammer

StartseiteAlle Porträts

Steckbrief

Mitarbeiter:innenporträt Chris Rinke

Name

Christian Rinke

Funktion

Umweltmikrobiologe

An der Uni seit

Jänner 2024

Wohnort

Innsbruck

Herkunft

Graz

Nach oben scrollen