Unser Profil

Wir reflektieren die großen Fragen des Lebens: Gott und Welt, Leben und Tod, Schöpfung und Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, Frieden und Freiheit, Dialog und Wahrheit. Wir gestalten aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Diskurse. Wir lernen aus der Geschichte und denken für die Zukunft. Wir betreiben lebensrelevante Theologie und Philosophie.

Die Fakultät ist universitäre Bildungs- und Ausbildungsstätte in den Bereichen Philosophie und Theologie, die Studierende aus Westösterreich, Südtirol und dem süddeutschen Raum anzieht, aber auch große internationale Strahlkraft hat. Wissenschaftlich fundiert, spirituell verwurzelt und im Dialog mit der Welt bietet sie Orientierungswissen in Begegnung und Auseinandersetzung mit anderen Konfessionen, Religionen und Weltanschauungen. Geprägt durch ihre enge Bindung an den Jesuitenorden, versucht die Fakultät in Lehre und Forschung einen Beitrag zur integrativen Rolle von Religion in der Gesellschaft zu leisten. In Interdisziplinärer Orientierung trägt sie die apostolischen Präferenzen der Gesellschaft Jesu für Spiritualität, für junge Menschen und die künftigen Generationen, für die Armen und Benachteiligten sowie für die Umwelt mit.

Teil ihrer Verantwortung ist, dass die Fakultät Studentinnen und Studenten, die für die Entwicklung kirchlicher, akademischer und sozialer Strukturen in den ärmeren Ländern, insbesondere im globalen Süden von größter Bedeutung sind, aktiv anspricht und unterstützt.

Die Forschung der Fakultät ist traditionell durch einen philosophisch-religionsphilosophischen und einen systematisch-theologischen Schwerpunkt geprägt (Emerich Coreth SJ, Karl Rahner SJ, Raymund Schwager SJ u. a.), hat dabei aber auch das historisch- und praktisch-theologische Feld nicht aus dem Blick verloren (Hugo Rahner SJ, Josef A. Jungmann SJ, Herlinde Pissarek-Hudelist). Die Arbeit in der Gegenwart ist geprägt vom Bewusstsein, dass konfessionelle Theologie im Gespräch mit den anderen Wissenschaften einen Auftrag für die Gesamtgesellschaft und deren nachhaltige Entwicklung zu erfüllen hat. Dies versuchen wir insbesondere in den Forschungszentren der Fakultät zu realisieren.

Die Katholisch-Theologische Fakultät war neben der philosophischen, der juridischen und der medizinischen eine der vier Gründungsfakultäten der Universität Innsbruck, deren Errichtung 1669 von Kaiser Leopold I. genehmigt wurde.

Die Professoren der Philosophie und der Theologie waren nicht ausschließlich, aber größtenteils Angehörige des Jesuitenordens, der seit 1562 in Innsbruck präsent war. Petrus Canisius hatte hier ein Kolleg und ein Gymnasium gegründet.

Kurz nach der Aufhebung des Ordens durch den Papst (1773) übersiedelte die gesamte Universität von der Herrengasse in das nun leerstehende Jesuitenkolleg in der heutigen Universitätsstraße.  Kaiser Josef II. stufte sie jedoch zum Lyzeum herab. Die Theologenausbildung wurde einem sogenannten Generalseminar übertragen und auch in der napoleonischen Zeit gab es in Innsbruck zugunsten des Standortes in München keine Universität.

1826 wurde die Universität Innsbruck durch Kaiser Franz I. neu errichtet. Die volle Wiederherstellung der medizinischen und der theologischen Fakultät zog sich aber noch geraume Zeit hin. Letztere wurde 1857 vollständig der Verantwortung des Jesuitenordens übertragen, der 1814 vom Papst wieder zugelassen worden war.

In jener Zeit beginnt sich die internationale Ausrichtung der Fakultät zu entwickeln. Da die Ausbildung des Diözesanklerus in Brixen und Trient erfolgte, sollte sich die Innsbrucker Fakultät insbesondere der akademischen Forschung widmen, und Studierende aus dem Ausland anziehen. Bis heute geschieht letzteres insbesondere auch durch das Collegium Canisianum.

Die besondere Beziehung zwischen der Gesellschaft Jesu und der Theologischen Fakultät, die Teil der staatlichen Universität war und blieb, wurde 1934 durch das Konkordat zwischen der Republik Österreich und dem Heiligen Stuhl rechtsverbindlich festgelegt.

Unmittelbar nach dem sogenannten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde die Theologische Fakultät in Innsbruck als einzige im gesamten Reichsgebiet aufgehoben. Das Jesuitenkolleg wurde aufgelöst und enteignet. Einige Professoren konnten mit internationalen Studierenden im Rahmen des Collegium Canisianum ihre Arbeit in der Schweiz fortführen.

So war es möglich, die Fakultät nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges rasch neu zu errichtet.

Im Studienjahr 1945/46 waren 163 der etwas mehr als 4000 Studierenden der Universität Innsbruck an der Katholisch-Theologischen Fakultät inskribiert. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Fakultät durch die Arbeit bedeutender Theologen, wie Josef Andreas Jungmann oder Karl und Hugo Rahner geprägt, deren Theologie auch Niederschlag in den Dokumenten des Zweiten Vatikanischen Konzils fand.

1989 wurde mit Herlinde Pissarek-Hudelist weltweit erstmals eine Frau zur Dekanin einer Katholisch-Theologischen Fakultät gewählt. Dennoch bestand die Professorenschaft bis zum Ende des 20. Jahrhunderts größtenteils aus Jesuiten. Die strukturellen Veränderungen in der Gesamtkirche und der wachsende Anteil an Laientheolog:innen hat diese Situation grundlegend verändert. So stellen Laien heute nicht nur das Gros der Studierenden und des Lehrkörpers, die Fakultätsleitung wurde mittlerweile bereits zum fünften Mal einer Person, die nicht dem Orden angehört, zum vierten Mal einem Laien überantwortet.

Im Zuge des UG 2002 wurde die Fakultät neu strukturiert und besteht nunmehr aus vier Instituten. Im Zuge einer 1999 abgeschlossenen Generalsanierung wurden die historischen Gebäude in der Universitätsstraße bzw. am Karl Rahner-Platz im alten Glanz wiederhergestellt und die neue Fakultätsbibliothek errichtet.

Die Studierendenzahlen haben sich nach einem Höhenflug rund um die Jahrtausendwende bei etwa 400 eingependelt.

Einige Persönlichkeiten aus der Geschichte der Fakultät

Karl Rahner (1904–1984) – ein theologisches Leben

Roman Siebenrock

Karl Rahner

Als P. Karl Rahner SJ am Ende seines Lebens in seiner Heimatstadt Freiburg von den Erfahrungen eines katholischen Theologen berichten sollte, beschrieb er seine Erfahrungen als die „eines Menschen, der beauftragt war, ein Theologe zu sein, aber nicht so recht weiß, ob er diesem Auftrag gerecht geworden ist”. Diese ihn charakterisierende Selbstzurücknahme rühre nicht allein von der persönlichen Unzulänglichkeit her, sondern wisse vor allem um eine grundsätzliche Überforderung der Theologie, weil sie von der Unbegreiflichkeit Gottes und seinem liebend nahegekommenen Geheimnis sprechen müsse.

Kein geplantes, kein einfach selbstbestimmtes oder durch akademische Privatmotive angezieltes Leben für die katholische Theologie tritt uns in seiner theologischen Existenz entgegen. Eine biographische Grundorientierung ist rasch gegeben und fällt im wesentlichen mit den Stationen seiner Ordensexistenz und der daraus resultierenden theologisch-akademischen und kirchlichen Arbeit zusammen. Befähigt war er zu vielem, und seine Ausbildung hätte auch verschiedene Bestimmungen und Einsatzfelder ermöglicht.

Am 5. März 1904 wurde Karl Rahner in Freiburg im Breisgau geboren. Wie zuvor schon sein Bruder Hugo trat er in die Gesellschaft Jesu ein (1922). Nach der ordensüblichen Ausbildung (Noviziat 1922–1924; Philosophie 1924–1927; praktische Erfahrung als Erzieher 1927–1929; Theologiestudium 1929–1933; Priesterweihe 1932 und Tertiat 1933–1934) absolvierte er, weil er einmal Professor für Philosophiegeschichte werden sollte, ein philosophisches Spezialstudium in seiner Heimatstadt. Dort konnte er auch Martin Heidegger als Lehrer erleben (1934–1936). Vor Abschluß dieses Studiums wurde er von seinen Ordensoberen auf Theologie 'umbestimmt'. Aus diesem Grunde promovierte (1936) und habilitierte (1937) er sich in Innsbruck. Hier begann er auch seine Dozententätigkeit (1937/1938), die aber bald durch die Aufhebung der Theologischen Fakultät (1938) und das Gauverbot für Jesuiten (1939) durch die Nationalsozialisten abgebrochen wurde. 1939–1944 war er am Seelsorgeinstitut in Wien und in einer inoffiziellen theologischen Ausbildung im Orden tätig. Als Pfarrer in Niederbayern (1944/1945) erlebte er das Kriegsende. Als Professor (1945–1948 in Pullach bei München; 1948–1964 in Innsbruck; 1964–1967 in München als Nachfolger Romano Guardinis an der Philosophischen Fakultät; 1967–1971 in Münster wieder als Dogmatiker) trug er wesentlich zum Aufbruch der katholischen Theologie in diesem Jahrhundert bei. Als Konzilsberater von Kardinal König und dann als offizieller Konzilstheologe stellte er sich dem großen Ereignis der katholischen Kirche in diesem Jahrhundert, dem Zweiten Vatikanischen Konzil, zur Verfügung, für das er – ohne im geringsten an ein solches gedacht zu haben – wesentliche Perspektiven und Weichenstellungen zuvor miterarbeitet hat: in seinen „Schriften zur Theologie”, in der Herausgabe der „Quaestiones disputatae” und vor allem in der zweiten Auflage des „Lexikons für Theologie und Kirche”.

Die letzten Jahre seiner akademischen Tätigkeit und die Zeit seiner Emeritierung in München (1971–1981) waren erfüllt vom Ringen um eine zeitgemäße Rezeption des Konzils in Theologie und Kirche. 1981 kehrte er nach Innsbruck zurück, wo er kurz nach seinem 80. Geburtstag, am 30. März 1984, starb. Beigesetzt ist P. Karl Rahner SJ in der Krypta der Jesuitenkirche zu Innsbruck.

Die Dynamik, ja Dramatik seines Lebens resultiert aus den gesellschaftlichen und kirchlichen Umbrüchen seiner Lebenszeit, denen er sich vor allem als Dogmatikprofessor in Innsbruck mutig stellte und bis zu seinem Lebensende nie entzog: der Glaubensnot in der Diasporasituation der Christen, den Herausforderungen der Moderne in Technik, Naturwissenschaft, Pluralismus und ihrer Grundfrage nach der Bedeutung des menschlichen Subjekts, aber auch den innerchristlichen Fragen nach einer Ökumene der christlichen Konfessionen und dem Verhältnis des Christentums zu anderen Religionen und Weltanschauungen. Vor allem aber fragte er: Wie kann die Kirche überzeugend in Übereinstimmung mit ihrem Ursprung und in Kontinuität mit ihrer verpflichtenden Überlieferung ihre Botschaft von der Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus und im Heiligen Geist, der über alles Fleisch ausgegossen ist, einer säkular gewordenen, zunehmend agnostisch-pluralistisch sich verstehenden Welt als ihr Heil zusagen? Anstrengungen bis hinein in einen Strukturwandel der Kirche sind seiner Ansicht nach hierfür erforderlich. Fragen – fast zu viel für ein Leben; Perspektiven – (noch) zu kühn für seine und unsere Kirche? Er hat eine Wende zum Besseren in der katholischen Theologie bewirkt, die in seinem Geiste menschengemäßer und gottwürdiger sein kann. Die Zukunft wird zeigen, daß er dem christlichen Glauben und der sich heute schon abzeichnenden Weltkirche Türen ins nächste Jahrtausend geöffnet hat. Es liegt an uns, den Schritt zu wagen.

Hugo Rahner (3. 5. 1900 bis 21. 12. 1968; SJ 1919) dozierte als Dogmengeschichtler, Patrologe und Kirchenhistoriker in Innsbruck seit 1935. Die Aufhebung der Fakultät durch das NS-Regime und der Krieg erzwangen ihre Verlegung in die Schweiz (Sitten). Nach Wiedererrichtung der Fakultät in Innsbruck (1945) war er Rektor Magnificus der Gesamtuniversität (1949/50). Beiträge zur Patrologie, zur Ignatiusforschung und zur geistigen Situation der Gegenwart prägen sein Werk. Eine schwere Krankheit erzwang seine vorzeitige Pensionierung (1962).

Josef Jungmann

Josef Andreas Jungmann (16.11.1889–26.1.1975), 1930 ao. Univ.-Prof., 1934–1956 o. Univ.-Prof. für Pastoraltheologie, 1956 Honorarprof., wurde vor allem als Liturgiehistoriker international bekannt, besonders durch das Werk „Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe” (2 Bände. Wien 1. Aufl. 1948; 5. Aufl. 1962). Seine Kompetenz trug ihm die Berufung in Gremien ein, in denen er für die Liturgiereform wirken konnte, zuletzt in die Kommissionen des II. Vatikanischen Konzils (1960: Vorbereitende Kommission, 1962 Konzilskommission) und in den Rat zur Durchführung der Liturgiekonstitution (1964). Jungmanns zentrales Anliegen – schon 1915 in einer unveröffentlichten Abhandlung, 1936 in dem Buch „Die Frohbotschaft und unsere Glaubensverkündigung” dargestellt – umfaßt allerdings mehr als den Gottesdienst: Das Christentum sollte von seiner Mitte – Jesus Christus – her neu verkündet und gelebt werden. Um dieses Zieles willen betrieb Jungmann geschichtliche Forschung. Sie ermöglichte es, Bleibendes von Zeitgebundenem zu unterscheiden und so die Grundsätze freizulegen, auf denen eine Erneuerung des gesamten religiösen Lebens aufbauen konnte.

Ellacuría

Mitte November 1991 wurde in einer kleinen Feier der von Univ.Prof. Dr. Gerhard Oberkofler angeregte Senatsbeschluß, am Ehrenmal der Leopold-Franzens-Universität eine Gedenktafel für Ignacio Ellacuria (1930–1989) und Segundo Montes (1933–1989) anzubringen, in die Tat umgesetzt.

Die beiden spanischen Jesuiten hatten (von 1958 bis 1962 bzw. von 1961 bis 1964) in Innsbruck Theologie studiert und waren hier von Bischof Paulus Rusch (1903–1986) zu Priestern geweiht worden.

Durch die Gedenktafel wird an jenes Massaker vom 16. November 1989 erinnert, bei dem an der Zentralamerikanischen Universität (UCA) in der salvadorianischen Hauptstadt San Salvador sechs Jesuitenpatres und zwei Frauen von einer Eliteeinheit der Armee – wie langwierige, nur auf internationalen Druck hin vorangetriebene Untersuchungen ergaben – bestialisch ermordet worden waren.

Montes

P. Ellacuría (59), Philosoph und Rektor der UCA, war einer der führenden Befreiungstheologen Mittel- und Lateinamerikas. Der Obere der Jesuitenkommunität, P. Montes (56), Soziologe und Direktor des Menschenrechtsinstituts, hatte kurz zuvor im US-Kongreß einen Menschenrechtspreis erhalten. Ihr Blut, das ihrer Mitbrüder und der beiden Hausangestellten ist zum Samen geworden für Menschen, die ihren christlichen Glauben noch entschiedener leben - und gesellschaftlich wirksam umsetzen, für mehr Frieden und Gerechtigkeit.

Die Feier fand unter der damaligen Dekanin Univ.-Prof. Dr. Herlinde Pissarek-Hudelist (1932–1994) statt. Das Ehrenmal befindet sich auf dem nach einem Mitglied der Widerstandsgruppe – einem damaligen Medizinstudenten – benannten Christoph-Propst-Platz am Innrain.

Kurz nach ihrem 62. Geburtstag ist Frau Univ.-Prof. Dr. Herlinde Pissarek-Hudelist am 19.6.1994 einem Krebsleiden erlegen. Bei ihrem Begräbnis, beim Gottesdienst der Theologischen Fakultät, in zahlreichen Beileidsschreiben und in vielen persönlichen Gesprächen wurden ihr unermüdlicher Einsatz für die Religionspädagogik und ihr Engagement für die Fakultät in ihrer Tätigkeit als Dekanin gewürdigt. Insbesondere ist deutlich geworden, für wie viele Frauen sie innerhalb und außerhalb der Kirche zu einer Hoffnungsträgerin geworden ist.

Herlinde Pissarek-Hudelist war mit Leib und Seele Theologin und Religionspädagogin. 1950 hat sie mit dem Theologiestudium in Innsbruck begonnen. Nach ihrer Promotion im Jahre 1960 arbeitete sie als Hochschulassistentin an verschiedenen Instituten sowie als freie Mitarbeiterin der „Zeitschrift für Katholische Theologie”. Im Laufe ihres Lebens erteilte sie an insgesamt neun verschiedenen Schultypen Religionsunterricht. Seit 1978 übernahm sie an der Theologischen Fakultät schulpraktische Übungen und wurde 1981 Vertragslehrerin im Hochschuldienst. 1984 wurde sie erste Ordinaria und Institutsvorstand am neu errichteten Institut für Katechetik und Religionspädagogik, das sie mit Umsicht leitete. Eine große Herausforderung bedeutete für sie – als weltweit erste Frau – die Wahl zur Dekanin einer Katholisch-Theologischen Fakultät für die Studienjahre 1989/90 und 1990/91 sowie ihre Wiederwahl für eine erfolgreiche zweite Amtsperiode für die Studienjahre 1991/92 und 1992/93. Dabei ist sie auch Konflikten und Schwierigkeiten nicht aus dem Weg gegangen und war bei allen Auseinandersetzungen stets um Zusammenarbeit und Konsens auf breiter Basis bemüht. Besonders hat es sie gefreut, als ihr die Studentenvertretung bei einem Fest am 6. Juni 1993 unerwartet eine Dankesurkunde als Ausdruck der Anerkennung überreichte.

In einem autobiographischen Beitrag mit dem Titel „Leben in Fülle” hat sie selbst ihren beruflichen Weg in einer Zwischenüberschrift kurz und treffend charakterisiert: „Theologie als Leidenschaft oder: das Abenteuer, Kopf, Herz und Spiritualität beisammen zu halten und danach zu handeln.” Bei ihr ist spürbar geworden, wie sehr sie sich als Wegbereiterin feministischer Theologie und als mutige Käpferin für eine geschwisterliche Kirche zeitlebens auf dieses Abenteuer eingelassen hat. Ihre Vitalität und Energie, der ihr eigene Humor und ihre Aufgeschlossenheit werden uns in dankbarer Erinnerung bleiben.

R. Schwager verstand sich nie als theologischen Einzelkämpfer. Er arbeitete früh daran, innertheologische und interdisziplinäre Gesprächskreise und Forschungsprogramme einzurichten, die sich in einem „dramatischen” Ringen um die Wahrheit mit den drängenden Problemen der Zeit auseinandersetzen sollten. Besondere Bedeutung kam dabei der Auseinandersetzung mit der Gewalt- bzw. Friedensproblematik zu, die auch für Schwagers eigenen (bibel-)theologischen Ansatz von fundamentaler Bedeutung war. Er war einer der Mitbegründer des internationalen und interdisziplinär ausgerichteten „Colloquium on Violence and Religion” (COV&R) im Jahr 1990; 1991 wurde er zu dessen ersten Präsidenten gewählt. Bereits seit Mitte der 1980er Jahre begann er mit anderen den Aufbau des theologischen Forschungszentrums „Religion-Gewalt-Kommunikation-Weltordnung” (RGKW); die interfakultäre Forschungsplattform „Weltordnung-Religion-Gewalt” (WRG), nunmehr „Politik, Religion, Kunst” (PRK), geht ebenfalls auf die Initiative von R. Schwager zurück. Von 1984 bis 1990 fungierte er als erster Vorsitzender des universitären Senatsarbeitskreises „Wissenschaft und Verantwortlichkeit”; von 1992 bis 1996 war er Vorsitzender des Arbeitskreises der Dogmatiker und Fundamentaltheologen des deutschen Sprachraums. Schwagers theologischer Ansatz wurde von seinen zahlreichen SchülerInnen und KollegInnen in unterschiedlichen theologischen Disziplinen (Christliche Gesellschaftslehre, Fundamentaltheologie, Exegese, Bibeltheologie etc.) übernommen und – in z. T. revidierter Form – weitergeführt. Er starb nur wenige Wochen nach seiner Emeritierung völlig überraschend am 27. Februar 2004. Sein wissenschaftlicher Nachlass wurde daraufhin gesichtet und im „Raymund-Schwager-Archiv” an der Theologischen Fakultät Innsbruck systematisch geordnet und so der Forschung zugänglich gemacht. Das Forschungsprojekt basiert in wesentlichen Teilen auf dem dort erschlossenen Material.

Christian Marte SJ
Ernennung zum Ehrensenator: 18.10.2024
Christian Marte, geb. 1964, studierte Philosophie in München und Theologie in London und Innsbruck. Er ist Rektor des Jesuitenkollegs und der Jesuitenkirche in Innsbruck sowie Gefängniskaplan. Marte erhielt die Ehrensenator-Würde auch als Vertreter des Jesuitenordens, der im Rahmen des Collegiums Canisianum laufend 40 Doktoratsstipendien an unserer Fakultät bereitstellt.

Luis Gutheinz SJ
Verleihung des Ehrendoktorats: 27.06.2014
Luis Gutheinz, geb. 1933, Professor von 1974-2005 an der Theologischen Fakultät der Fujen Catholic University in Taipei/Taiwan, Einsatz für die Leprakranken in Taiwan und China, Herausgabe, Bearbeitung und Übersetzung theologischer Lexika ins Chinesische

José Casanova
Verleihung des Ehrendoktorats: 12.06.2010
José Casanova, geb. 1951, einer der weltweit führenden Religionssoziologen, Professor am Department of Sociology der Georgetown University, Washington D.C., und Leiter des Berkeley Center’s Program on Globalization, Religion and the Secular

Georg Sporschill SJ
Verleihung des Ehrendoktorats: 11.06.2005
P. Georg Sporschill, geb. 1946, Gründer von Concordia, soziales Engagement für Arme und von der Gesellschaft vernachlässigte Menschen, Aufbau eines Betreuungsnetzes für Straßenkinder und verwahrloste Jugendliche in Osteuropa (Rumänien, Bulgarien, Moldawien)

Ludger Honnefelder
Verleihung des Ehrendoktorats: 05.06.1999
Ludger Honnefelder, geb. 1936, Professor für Philosophie an der Theologischen Fakultät der Universität Trier, an der Freien Universität Berlin, an der Universität Bonn; nach seiner Emeritierung (2005-2007 die neu geschaffene Guardini-Professur für Religionsphilosophie und Katholische Weltanschauung an der Humboldt-Universität zu Berlin

Verstorbene Ehrendoktoren

Josef Neuner SJ
Verleihung des Ehrendoktorats am 23.06.2001, verstorben am 03.12.2009

Karl Kardinal Lehmann
Verleihung des Ehrendoktorats am 08.06.1991, verstorben am 11.03.2018
Kard. Karl Lehmann, geb. 1936, Bischof von Mainz, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (1987-2008) war Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie an der Universität Freiburg i. Br., langjähriger Mitarbeiter von Karl Rahner

René Girard
Verleihung des Ehrendoktorats am 11.06.1988, verstorben am 04.11.2015
René Girard, geb. 1923, Literaturwissenschaftler, Kulturanthropologe und Religionsphilosoph, Professor emeritus der Stanford University; Mitglied der Académie française, Begründer der Mimetischen Theorie

Johannes Wagner
Verleihung des Ehrendoktorats am 16.12.1983, verstorben am 25.11.1999

Walter Brugger
Verleihung des Ehrendoktorats am 28.06.1980, verstorben am 13.05.1990

Rudolf Schnackenburg
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 28.08.2002

Heinrich Schlier
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 26.12.1978

Vincenzo Monachino
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 11.09.2000

Henri Kardinal de Lubac
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 04.09.1991

Joseph Lortz
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 21.02.1975

Franz Kardinal König
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 13.03.2004

Piet Fransen
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 02.12.1982

Karl Rahner SJ
Verleihung des Ehrendoktorats am 05.06.1970, verstorben am 30.03.1984

Oswald von Nell-Breuning SJ
Verleihung des Ehrendoktorats am 25.06.1960, verstorben am 21.08.1991

Franz Schreibmeyer
Verleihung des Ehrendoktorats 1958, verstorben am 17.11.1985

Klemens Tilmann
Verleihung des Ehrendoktorats 1958, verstorben am 21.12.1984

Kunst im Gang
Kunst im Gang

Neben den zahlreichen tiefgreifenden Reformen in Organisation und Studienplänen war dem viel zu früh verstorbenen Dekan Raymund Schwager auch die Öffnung der Theologischen Fakultät nach außen, die Kommunikation mit der Gesellschaft, ein großes Anliegen.

Neben der Fakultätszeitung baustelle theologie, der Entwicklung einer Corporate Identity durch die Agentur ARGE Sutterlüty & Rettenbacher, ging es auch darum, die bei der Renovierung in neuem Glanz erstrahlenden Räume einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

So entstand im Jahr 1999 die Idee, den über hundert Meter langen Gang im 1. Stock des Fakultätsgebäudes für Ausstellungen zu nutzen. Neben der Begegnung mit einer an künstlerischen Aussagen interessierten Öffentlichkeit sollte die Kunst auch den Theologietreibenden wieder stärker ins Bewusstsein gerufen werden.

Die Initiative Kunst im Gang wurde zur Marke mit eigenem Logo (büro54, Lilly Moser). Sie erfreut sich in der Zwischenzeit größter Wertschätzung und hat sich einen Rang im Innsbrucker Kulturbetrieb gesichert. In der Regel werden niveauvolle Personalen angesehener Künstler und Künstlerinnen, darunter Günter Lierschof, Peter Blaas, Gabriela Nepo-Stieldorf; Irmengard Schöpf, Annamaria Gelmi, Peter Raneburger, Beatrix Salcher, Reiner Schiestl, Maurizio Bonato, Hans Dragosits, Norbert Pümpel, Gitti Schneider und Lois Salcher durchgeführt. Dazwischen findet die eine oder andere Sonderausstellung statt.

Mit der Pensionierung von Bernhard Braun im Jahr 2020 endete mit der Ausstellung von Susanne Loewit die 20-jährige Fakultätsinitiative Kunst im Gang nach etwa 45 Ausstellungen. Der Dekan der Fakultät, Josef Quitterer, thematisierte diesen Abschied anlässlich der letzten Ausstellung.

Der Obmann des Vereins Premierentage, Charly Walter, bedankt sich für die Initiative "Kunst im Gang" im Rahmen der Premierentage; Foto: Daniel Jarosch

Die Ausstellungen

Susanne Loewit

Anima

Eröffnung: 08. November 2019

Siegfried Antonello Schwendtner

Klangfarben – Farbtöne

Eröffnung: 07. Juni 2019

Günter Lierschof

Domodossola – Stadt der Liebe
Ein Märchen für Erwachsene
Zeichnungen mit Text (2008-18)

Eröffnung: 09. November 2018

Maria Vill

Lichtbild und Stele

Eröffnung: 20. April 2018

Tillman Schneider

Reflexion

Eröffnung: 10. November 2017

Anna Maria Mackowitz Elisabeth Melkonyan

LOOP - raum zwischen erinnern und vergessen

Eröffnung: 23. März 2017

Rein­hard Will­bur­ger

aesthetic.codes

Eröffnung: 04. November 2016

Helmut Hable

weg

Eröffnung: 29. April 2016

Weitere Ausstellungen

  • 8.4-3.5.2003: Paolo Gallerani, Beatrix Salcher, Peter Raneburger, Leiden.schaft (siehe auch Artikel aus Baustelle Theologie Jg. 6 (1))
  • 2.11.-21.21.2001: Sonderausstellung „Der Kreuzweg von Osor“
  • 5.-31.10.2001: Sonderausstellung gem. mit dem Tiroler Volkskunstmuseum: Mit Szepter und Pilgerstab. Österreichische Präsenz im Heiligen Land seit den Tagen Kaiser Franz Josephs
  • 2.10.-30.11.1999: Günter Lierschof, Die Intelligenz des Malers
  • 18.3.-2.4.1999: Christian C. Haider, Das Evangelium nach Lukas (Sonderausstellung im 2. Stock Längstrakt)
  • 4.-30.6.1998: Maurizio Bonato, Giottos Bild Sprache (Projekt: In-Gang-Setzung)

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