"Liminal Influence and Post-Liminal Neglect" – neuer Beitrag von Andrea Ploder in The American Sociologist.
Umbruchphasen in der Fachgeschichte können unerwartete Spielräume für ansonsten marginale Akteur:innen eröffnen. Der Beitrag zeigt am Fall von Max Ralis und der Nachkriegssoziologie in Deutschland, wie liminaler Einfluss entstehen und im Zuge disziplinärer Stabilisierung wieder in Vergessenheit geraten kann.
Die soziologiegeschichtliche Forschung hat in den vergangenen Jahrezehnten viele „vergessene Figuren" der Fachentwicklung wiederentdeckt. Die Bedingungen, unter denen diese Figuren historisch bedeutsam geworden und anschließend wieder in Vergessenheit geraten sind, sind bislang aber unzureichend erforscht. In diesem Beitrag wird eine Antwort für disziplinäre Umbruchphasen entwickelt: In solchen Konstellationen können sonst marginale Figuren – hier als liminal intermediaries bezeichnet – erheblichen Einfluss ausüben. Dieselben Bedingungen machen sie jedoch anfällig für spätere Vernachlässigung, sobald sich disziplinäre Strukturen stabilisieren und retrospektive Narrative konsolidieren. Entfaltet wird dieses Argument am Fall von Max Ralis (1916–1999), der in der Nachkriegssoziologie Deutschlands eine bedeutende, aber heute kaum mehr erinnerte Rolle spielt.
Der Artikel ist in The American Sociologist erschienen und ist open access verfügbar: https://doi.org/10.1007/s12108-026-09698-2