Weiterführende Auseinandersetzungen mit Resonanz und Entfremdung auf Facebook (Waldenburger)

Die Diskussion um das Buch “Resonanz und Entfremdung auf Facebook – Möglichkeiten und Voraussetzungen digitaler Weltbeziehungen“ von Lisa Waldenburger setzt sich über die Buchpräsentation an der Universität Innsbruck hinaus fort. Mit zwei aktuellen Rezensionen wird die Studie nun aus kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive aufgegriffen und weitergeführt.

In der Zeitschrift Publizistik bespricht Dr. Kathrin Friederike Müller die Studie und hebt insbesondere die Verbindung von Resonanztheorie und qualitativer empirischer Forschung hervor. Sie betont den analytischen Mehrwert der Perspektive auf digitale Weltbeziehungen:

„Lisa Waldenburger gelingt es, in der Analyse das Spannungsfeld zwischen Resonanz und Entfremdung aus Sicht der Befragten aufzuspannen. … Dies eröffnet ein erweitertes Verständnis von Social Media und ist deswegen wertvoll.“

Die Rezension unterstreicht, dass die Arbeit weder kulturpessimistische Verkürzungen noch unkritische Digitalbegeisterung reproduziert, sondern die Bedingungen rekonstruiert, unter denen Social-Media-Nutzung als resonant oder entfremdet erlebt wird.

Auch auf Mediendiskurs.online setzt sich Prof. Dr. Lothar Mikos ausführlich mit dem Buch auseinander. Er verweist auf die strukturellen Rahmungen digitaler Plattformen und greift eine zentrale Beobachtung der Untersuchung auf:

„So zeigt sich deutlich, dass Entfremdungserfahrungen im Medium am ehesten durch die Fremdbestimmung und die Funktionsweise des Mediums an sich ausgelöst werden … Dennoch sei Facebook keine ‚Entfremdungswüste‘.“

Beide Besprechungen machen deutlich, dass Facebook weder als reiner Möglichkeitsraum noch als bloße Entfremdungsmaschine verstanden werden kann. Vielmehr erscheint die Plattform als sozial strukturierter Erfahrungsraum, in dem Resonanz- und Entfremdungserfahrungen eng miteinander verwoben sind.

Gerade diese Perspektive ist auch für den Forschungsbereich Dynamics of Work, Care and Gender anschlussfähig: Digitale Plattformen strukturieren nicht nur Kommunikation, sondern beeinflussen soziale Beziehungen, Anerkennungsordnungen und Formen von Sichtbarkeit – und damit auch jene Dynamiken von Arbeit, Care und Geschlecht, die im Zentrum der Forschung stehen. Die aktuellen Rezensionen tragen dazu bei, diese Diskussion über den ursprünglichen Publikationskontext hinaus weiterzuführen.

Das Buch ist 2025 im Transcript Verlag erschienen.

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