LeTs-Care: Zweiter nationaler Expert:innen-Workshop

Ergebnisse aus der Forschung und innovative europäische Pflegepraktiken im Gespräch

Am 8. Mai 2026 fand der zweite nationale Expert:innen-Workshop im Rahmen des Forschungsprojekts LeTs-Care statt. Im Mittelpunkt des ersten Teils standen die Ergebnisse des zweiten Arbeitspakets zu länderübergreifenden Bedeutungen und Herausforderungen in der Langzeitpflege. Deutlich wurde dabei, dass zentrale Begriffe wie Pflegebedarf, Pflegequalität und formeller bzw. informeller Pflege in den beteiligten Ländern (Italien, Spanien, Portugal, die Niederlande, Dänemark, Litauen und Österreich) sehr unterschiedlich verstanden und organisiert werden. So besitzt die Pflege und Betreuung zu Hause in Österreich im Vergleich einen sehr hohen Stellenwert als die wünschenswerteste und beste Option für die pflegebedürftige Person. Dies zeigen auch die ausgewerteten Expert:inneninterviews. Ergänzend dazu gab es Einblicke in die Ergebnisse des dritten Arbeitspakets, das innovative Praktiken in der Langzeitpflege ethnographisch untersucht hat. Insgesamt wurden 20 innovative Praktiken in allen LeTs-Care-Ländern untersucht, um deren Funktionsweise zu verstehen und eine kontextsensible Analyse zu ermöglichen.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich, wie stark territoriale Unterschiede die Realität der Langzeitpflege prägen – selbst auf kleinstem Raum, etwa zwischen Tirol und Vorarlberg, können Herausforderungen und Rahmenbedingungen erheblich voneinander abweichen. Lebhaft diskutiert wurde auch der gesellschaftliche Wunsch, im Alter zuhause zu bleiben: Die Expert:innen hinterfragten kritisch, welche Vorstellungen von Selbstbestimmung und Abhängigkeit dahinterstecken und wie nah dieses Ideal an der gelebten Realität ist.

Den zweiten Teil des Workshops gestaltete ein World-Café-Format mit vier Stationen. Jeweils in Kleingruppen diskutierten die Expert:innen mit dem LeTsCare Projektteam (Bernhard Weicht, Lisa Waldenburger, Charline Bohm und Emma Teubert) vier innovative Praktiken aus den europäischen Partnerländern:

  • Silver Line aus Litauen, ein Telefonangebot das älteren Menschen Freund:innenschaften und soziale Kontakte ermöglicht und so Vereinsamung entgegenwirkt;
  • TEAMS aus Dänemark, ein Modell interprofessioneller Pflegeteams, das sich selbst organisiert und auf eine hohe Kontinuität in der Betreuung setzt;
  • ISIDORA aus Italien, eine digitale Plattform, die ältere Menschen durch gezielte Inhalte und Videoformate kognitiv und sozial aktiviert und gleichzeitig für Pflegepersonen Tele-Care Optionen anbietet;
  • Cicerón Asociación aus Spanien, eine alternative Wohnform, bei der zwölf Menschen gemeinsam in einer familiären Gemeinschaft mit professioneller Betreuung leben.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Frage, inwiefern diese Ansätze auch im österreichischen Kontext Anwendung finden könnten, welche Herausforderungen damit verbunden wären und ob ähnliche Initiativen in Österreich bereits existieren. Der Austausch brachte wertvolle Perspektiven aus der Praxis und leistete damit einen wichtigen Beitrag zur ländervergleichenden Analyse im Projekt. Im Anschluss bot ein gemeinsames Mittagessen Raum für Vernetzung und informellen Austausch.

Wir danken den Vertreter:innen der Diakonie, der IG24, des Landes Tirol, der AK Tirol, des ÖGKV, der WK Vorarlberg, des SHV Perg, der Stadt Dornbirn, der Gemeinde Hall, der Gemeinde Kirchham, der Connexia, der Innsbrucker Sozialen Dienste sowie der younion für ihren wertvollen Beitrag und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit!

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