Die Metaontologie nach Quine und Carnap
Dieses Dissertationsprojekt untersucht den sich wandelnden Status ontologischer Fragestellungen innerhalb der zeitgenössischen analytischen Philosophie, mit besonderem Fokus auf den nachhaltigen Einfluss von Willard Van Orman Quine und Rudolf Carnap. Ihre Kritiken haben die Herangehensweise an Fragen darüber, was existiert, grundlegend verändert. Quine stellte die traditionelle Metaphysik infrage, indem er behauptete, dass ontologische Verpflichtungen aus der quantifikatorischen Struktur unserer besten wissenschaftlichen Theorien hervorgehen. Carnap hingegen deutete ontologische Debatten neu, indem er zwischen internen Fragen innerhalb sprachlicher Rahmenwerke und externen, pragmatischen Entscheidungen über die Annahme solcher Rahmenwerke unterschied.

Aufbauend auf diesen einflussreichen Positionen untersucht die Dissertation, wie gegenwärtige meta-ontologische Debatten auf diese Herausforderungen reagieren. Es wird der Frage nachgegangen, ob Ontologie weiterhin als sinnvolle und substanzielle philosophische Disziplin verstanden werden kann oder ob sie besser als Ausdruck sprachlicher, begrifflicher oder praktischer Entscheidungen zu betrachten ist. Besonderes Augenmerk gilt der Entwicklung der Meta-Ontologie als Forschungsfeld, das die Natur, Methoden und Legitimität ontologischer Aussagen selbst kritisch analysiert.
Ein zentraler Schwerpunkt des Projekts ist der ontologische Pluralismus – die Auffassung, dass es mehrere, gleichermaßen gültige Möglichkeiten geben kann, Wirklichkeit zu beschreiben, abhängig vom jeweiligen begrifflichen oder sprachlichen Rahmenwerk. Die Dissertation prüft, ob der Pluralismus eine kohärente und überzeugende Alternative zur traditionellen monistischen Metaphysik darstellt. Dabei wird untersucht, ob der Pluralismus die von Quine und Carnap aufgezeigten Probleme vermeiden kann, ohne die philosophische Bedeutung ontologischer Fragestellungen aufzugeben.
Ziel dieser Forschung ist es letztlich, die Rolle der Ontologie innerhalb der zeitgenössischen Philosophie zu klären und zu bewerten, ob ein pluralistischer Ansatz konkurrierende Perspektiven miteinander versöhnen kann. Durch die Einbettung aktueller Debatten in ihren historischen Kontext trägt die Arbeit zu einem tieferen Verständnis der Frage bei, wie wir sinnvoll danach fragen und darauf antworten können, was existiert.
Forschungsschwerpunkte
- Der Status und die Legitimität ontologischer Untersuchungen in der analytischen Philosophie im Lichte der metaphysikkritischen Ansätze von Quine und Carnap.
- Die Konsequenzen von Quines Kriterium ontologischer Verpflichtung sowie Carnaps Unterscheidung zwischen internen und externen Fragen für das Verständnis von Ontologie.
- Die Möglichkeit einer systematischen Metaphysik nach dem linguistic turn und der Naturalisierung philosophischer Methoden.
- Die Frage, inwieweit ontologischer Pluralismus ein kohärentes und überzeugendes Rahmenmodell für gegenwärtige meta-ontologische Diskurse bietet.
Forschungsfragen
- Welches Verständnis ontologischer Verpflichtung ergibt sich aus Quines naturalisiertem Ansatz zur Ontologie?
- Wie verändert Carnaps Unterscheidung zwischen internen und externen Fragen das Verständnis ontologischer Fragestellungen?
- In welchem Sinne kann systematische Metaphysik nach dem linguistic turn weiterhin tragfähig bleiben?
- Bietet ontologischer Pluralismus eine zufriedenstellende Erklärung ontologischer Diskurse in der zeitgenössischen Philosophie?
Methodologie
Die Studie verfolgt einen philosophisch-analytischen Ansatz, der begriffliche Klärung, kritische Untersuchung zentraler Argumente der Meta-Ontologie sowie vergleichende Analysen quineanischer, carnapscher und zeitgenössischer Positionen umfasst. Im Mittelpunkt stehen die Bewertung der Kohärenz und Plausibilität konkurrierender Ansätze sowie Fragen ontologischer Verpflichtung, sprachlicher Rahmenwerke und ontologischen Pluralismus.
Literatur
- Carnap, Rudolf. “Empiricism, Semantics, and Ontology.” Revue Internationale de Philosophie 4 (1950): 20–40.
- Quine, Willard Van Orman. Word and Object. Cambridge, MA: MIT Press, 1960.
- Armstrong, D. M. Universals: An Opinionated Introduction. Boulder: Westview Press, 1989.
- Thomasson, Amie L. Ontology Made Easy. Oxford: Oxford University Press, 2015.
- Blatti, Stephan, and Sandra Lapointe (eds.). Ontology after Carnap. Oxford: Oxford University Press, 2016.
Betreuer
Ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Kanzian
Institut für Christliche Philosophie
Doktorand

Mag. Sifil Joseph
Sifil.Joseph@student.uibk.ac.at