Dieser Vortrag untersucht, inwiefern epistemische Überzeugungen – insbesondere Wahrheitsrelativismus und Wahrheitsrealismus – mit der Anfälligkeit für Desinformation zusammenhängen. Auf der Grundlage der Ergebnisse einer aktuellen Studie sowie verwandter Forschungsarbeiten untersuche ich, ob Wahrheitsrelativismus mit einer größeren Anfälligkeit für pseudo-wahrheitsrelevantem Bullshit und Verschwörungstheorien sowie einer höheren Wahrscheinlichkeit einhergeht, wissenschaftlich unbegründete Behauptungen zu teilen. Die beobachteten Samples deuten darauf hin, dass solche Zusammenhänge unabhängig von der politischen Ideologie bestehen und eher auf umfassendere epistemische Orientierungen als allein auf parteipolitische Zugehörigkeit hindeuten. Die Ergebnisse legen nahe, dass bestimmte Ansichten über Wahrheit mit einer geringeren Sensibilität für gemeinsame Standards von Evidenz und Rechtfertigung verbunden sein könnten. Die Bewältigung aktueller Herausforderungen für Wahrheit und Vertrauen in demokratischen Gesellschaften erfordert daher möglicherweise nicht nur die Berücksichtigung institutioneller und technologischer Faktoren, sondern auch der epistemischen Überzeugungen, die die Art und Weise prägen, wie Bürger Informationen bewerten und verbreiten.
Julia Aspernäs ist Psychologin und Forscherin im Bereich der Anfälligkeit für Falschinformationen und der politischen Psychologie an der Universität Linköping in Schweden.
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