Weisse T. (2025) Numerical and functional response of phagotrophic aquatic protists: the ideal experiment—and why we cannot
get it. Front. Microbiol. 16:1559802, doi: 10.3389/fmicb.2025.1559802
In der Publikation im Fachjournal Frontiers in Microbiology beleuchtet der Limnologe Thomas Weisse die Herausforderungen bei der Durchführung von Laborversuchen mit räuberischen Einzellern (phagotrophen Protisten) in aquatischen Ökosystemen.
Diese winzigen Organismen spielen eine Schlüsselrolle im Stoffkreislauf von Seen und Meeren, da sie Algen, Bakterien und andere Kleinstlebewesen fressen und damit Nährstoffe weitergeben. Um ihr Verhalten zu untersuchen, setzen Forschende sogenannte „numerische“ und „funktionelle“ Reaktionsversuche ein. Dabei wird analysiert, wie stark sich diese Protisten bei unterschiedlichen Nahrungsmengen vermehren (numerische Reaktion) und wie viel Nahrung sie aufnehmen (funktionelle Reaktion). Doch solche Experimente sind in der Praxis kaum vollständig zu standardisieren. Schon kleinste Veränderungen bei Temperatur, Nährstoffen oder im Zustand der Beuteorganismen können die Ergebnisse verfälschen. Besonders bei funktionellen Reaktionsversuchen kommt es schnell zu sogenannten Verzerrungen, also systematischen Fehlern, die das Ergebnis beeinflussen.
Statt nach einem „idealen“ Experiment zu suchen, plädiert der Autor dafür, den „Messlärm“ – also zufällige Schwankungen – möglichst zu reduzieren und gibt praktische Empfehlungen für aussagekräftigere Versuchsaufbauten. Seine Ergebnisse sollen nicht nur Spezialist:innen für Einzeller ansprechen, sondern auch anderen Ökolog:innen helfen, die mit Modellorganismen im Labor arbeiten.
Die Studie entstand im von FWF finanzierten Projekt (10.55776/P32714) und ist als Open Access Version frei zugänglich.