Die Fischgruppe der Coregonen, in Österreich als Reinanken, Renken, Riedling oder Kröpfling bezeichnet, hat einen hohen wirtschaftlichen Wert und wird intensiv befischt. Der Befischungsdruck, steigende Wassertemperaturen und die wiederholte Besetzung verschiedener Seen mit nicht heimischen Coregonen haben die genetische und phänotypische Integrität von heimischen Arten stark beeinträchtigt. Einige dieser Arten sind laut Rote Liste Fische Österreichs sogar als ausgestorben eingestuft, andere sind stark bedroht und stehen kurz vor dem Aussterben… Eine Revision des Wissens über die historische vs. moderne Vielfalt von Coregonus in Österreich (im Kontext aller voralpinen Seen) ist deswegen dringend erforderlich!
Das Team der Fischsammlung des Naturhistorischen Museums Wien (NHM), das Forschungsinstitut für Limnologie, Mondsee der Universität Innsbruck und das Institut für Gewässerökologie und Fischereiwirtschaft des Bundesamtes für Wasserwirtschaft Scharfling besitzt Expertise in kryptischen Biodiversitätserhebungen, taxonomischen Arbeiten auf Basis morphologischer und molekulargenetischer Methoden sowie im Bereich der Gewässerökologie. Es setzt sich aus Expert:innen zusammen, die an der Roten Liste der Fische Österreichs mitgearbeitet haben, sowie zu den angesehensten österreichischen Expert:innen für Coregonen zählen. Das meiste Material, sowohl historisch als auch aktuell, ist bereits in den Sammlungen der drei Institutionen vorhanden, das war der Ausgangspunkt für ein gemeinsames Coregonenprojekt.
Nun fand dazu unter dem Titel "Aus den Archiven zum angewandten Artenschutz: Biodiversitätsmonitoring der Coregonen in Österreich" am 12.03.2025 am Naturhistorischen Museum in Wien eine Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion statt. Expert:innen aus dem Forschungs- und angewandten Bereich präsentierten Einblicke in Biodiversität und Ökologie der Reinanken/Renken/Felchen (Coregonen), einer beliebten Speisefischart, die in vielen österreichischen Seen zu finden ist. In den Vorträgen und der anschließenden Diskussion wurden folgende Fragen behandelt: Warum sind Reinanken gefährdet? Sind sie im Rahmen der bestehenden Fischereigesetze ausreichend geschützt oder sind weitere Maßnahmen zu ihrem Schutz notwendig? Welche internationalen Erfahrungen gibt es zu diesen Themen? Der Mondsee war in dieser Veranstaltung stark vertreten: FG Leiter Josef Wanzenböckwurde ebenso wie die Leiterin des Bundesamts für Wasserwirtschaft Daniela Achleitner und Martin Luger, Leiter der Seenkunde des BAW Scharfling, zu einem Fachvortrag eingeladen. Vom benachbarten Wolfgangsee vertrat Fischereimeister und Vorstand der oberösterreichischen Seefischer:innen Nikolaus Höplinger die angewandte Seite. Auch die bayerische Fischerei war mit dem Sektionsleiter für Ichthyologie der Zoologischen Staatssammlung München Ulrich Schliewen dabei. Den genetischen Fachinput zum NHM-Museumsmaterial steuerte Susanne Reier bei. Moderiert wurde die Veranstaltung von Projektleiterin Anja Palandačić. Das Projekt wird im Rahmen von NextGenerationEU und dem Biodiversitätsfond des Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Innovation und Technologie gefördert.
Bilder der Veranstaltung sind unter https://coregonus.at/ abrufbar, Details zum Projekt unter https://coregonus.at/projekt/


