Geschlechts­s­pe­zi­fi­sche Gewalt und Femi­zid im Rechts­ver­gleich I Vio­lenza di genere e fem­mi­ni­ci­dio in pro­spet­tiva com­pa­rata

Report on the conference held as part of the Euregio Mobility Fund 2025/26 “Gender-Based Violence: Punitive and Non-Punitive Responses”

Tagung zum Thema Femizid


Im Rahmen des Euregio Mobility Fund-Projekts 2025/26 „Gender-based violence: punitive and non-punitive responses“ fand am 20. April 2026 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Innsbruck die Abschlusskonferenz zum Thema „Geschlechtsspezifische Gewalt und Femizid in rechtsvergleichender Perspektive - Violenza di genere e femminicidio in prospettiva comparata“ statt.

Nach den Grußworten von Prof. Dr. Francesco A. Schurr (Universität Innsbruck, Leiter des Instituts für Italienisches Recht) und Prof. Dr. Bernhard A. Koch (Universität Innsbruck, Studiendekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät) eröffnete Frau Prof. Dr. Margareth Helfer (Universität Innsbruck) die Tagung. In ihrer Einführung skizzierte sie die zentralen Problemstellungen des Themenkomplexes und hob insbesondere die Bedeutung eines interdisziplinären und rechtsvergleichenden Zugangs zur Analyse geschlechtsspezifischer Gewalt hervor.

Der erste Vortrag von Prof. Dr. Valeria Torre (Università degli Studi di Foggia) befasste sich mit der Einführung des Straftatbestands des Femizids in die italienische Rechtsordnung, wobei sie insbesondere auf Art. 577-bis it. StGB einging und dessen kritische Aspekte beleuchtete. Sie wies auf die Gefahr einer symbolischen und populistisch geprägten Strafgesetzgebung hin und betonte, dass das Strafrecht weder als alleiniges Mittel zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt dienen noch mit der Aufgabe gesellschaftlicher Transformation betraut werden könne. Vor diesem Hintergrund betonte sie die Notwendigkeit, präventiven Strategien gegenüber einer bloßen Verschärfung strafrechtlicher Sanktionen den Vorrang einzuräumen, auch im Hinblick auf die begrenzte Berücksichtigung empirischer Daten im Gesetzgebungsprozess.

Im Anschluss beleuchtete Prof. Dr. Margarethe Flora (Universität Innsbruck) die strafrechtliche Einordnung geschlechtsspezifischer Gewalt im österreichischen Recht. Sie zeigte auf, dass die österreichische Rechtsordnung zwar keine spezifisch genderbezogenen Straftatbestände kennt und überwiegend geschlechtsneutral formulierte Normen vorsieht, empirische Daten jedoch eine deutlich geschlechtsspezifische Dimension des Phänomens erkennen lassen, insbesondere im Bereich häuslicher Gewalt. Thematisiert wurden unter anderem der Tatbestand der fortgesetzten Gewaltausübung, strafschärfende Umstände sowie aktuelle Herausforderungen im Zusammenhang mit digitaler Gewalt und präventiven Schutzmaßnahmen.

Der Vortrag von Dr. Konstanze Jarvers (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht, Freiburg i.Br.) widmete sich dem deutschen Recht und verdeutlichte, dass es mangels einer allgemeinen Definition des Femizids bislang keine eigenständige statistische Erfassung dieses Phänomens in Deutschland gibt. Hervorgehoben wurde zudem das Fehlen eines autonomen Straftatbestands des Femizids sowie die Einordnung entsprechender Fälle unter die allgemeinen Tötungsdelikte. Die Referentin thematisierte darüber hinaus strukturelle Herausforderungen des deutschen Systems, insbesondere den erheblichen Auslegungsspielraum beim Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe, beweisrechtliche Schwierigkeiten sowie die Konsequenzen der obligatorischen lebenslangen Freiheitsstrafe. Zugleich arbeitete sie Unterschiede und Gemeinsamkeiten verschiedener Rechtsordnungen im internationalen rechtsvergleichenden Kontext heraus. In diesem Zusammenhang gewährte Dr. Jarvers einen Einblick in die internationale Max-Planck-Studie „Die Bestrafung des Femizids in rechtsvergleichender Perspektive“ (Die Bestrafung des Femizid in rechtsverglei­chen­der Perspektive | Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht), deren Abschluss unmittelbar bevorsteht und von der insbesondere im Hinblick auf die laufenden Auswertungen wichtige Erkenntnisse erwartet werden.

In den Schlussbemerkungen griffen Prof. Dr. Elena Mattevi (Università degli Studi di Trento) und Prof. Dr. Antonia Menghini (Università degli Studi di Trento) die wesentlichen im Verlauf der Tagung herausgearbeiteten Erkenntnisse auf. Im Zentrum stand dabei die Frage nach den Grenzen des Strafrechts als Instrument zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt. Diskutiert wurde insbesondere, ob die gegenwärtige Tendenz zur eigenständigen gesetzlichen Typisierung des Femizids nicht die Erwartung einer dem Strafrecht übertragenen „kulturellen Revolution“ impliziere – ein Ansatz, der angesichts der primär repressiven Funktion des Strafrechts kritisch zu hinterfragen sei. Prof. Dr. Mattevi hob zudem den Wert, zugleich aber auch die Problematik des Genderbezugs bei der Ausgestaltung des Tatbestands hervor und wies auf die Risiken einer Anknüpfung an das biologische Geschlecht hin, die eine paternalistische Perspektive sowie eine angenommene ontologische Vulnerabilität der Frau widerspiegeln könne. Prof. Dr. Menghini richtete den Blick auf die Behandlung des emotionalen Zustands der Eifersucht im italienischen Strafrecht, der in der Rechtsprechung häufig nicht als niedriger („abietto“), sondern lediglich als nichtiger („futile“) Beweggrund qualifiziert wird. Sie problematisierte dabei insbesondere die Frage, ob diese dogmatische Einordnung der spezifischen Dynamik geschlechtsspezifischer Gewalt und den ihr zugrundeliegenden Macht- und Besitzvorstellungen ausreichend Rechnung trägt. Zugleich verwies sie auf die Schwierigkeiten, emotionale Motive wie Eifersucht strafrechtlich angemessen zu erfassen, ohne dabei stereotype Deutungsmuster zu reproduzieren.

In ihren abschließenden Bemerkungen betonte Frau Prof. Dr. Margareth Helfer (Universität Innsbruck), dass die im Rahmen der Tagung geführten Diskussionen die Komplexität geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die Schwierigkeiten bei der Entwicklung angemessener rechtlicher Antworten in den unterschiedlichen Rechtsordnungen deutlich gemacht hätten. Unter Bezugnahme auf die Zielsetzung des Euregio Mobility Fund-Projekts 2025/26 hob sie insbesondere die Bedeutung gemeinsamer wissenschaftlicher Dialogräume hervor, die unterschiedliche Perspektiven und Sensibilitäten miteinander in Austausch bringen. Solche Formate förderten nicht nur den grenzüberschreitenden akademischen Austausch, sondern ermöglichten zugleich eine gemeinsame kritische Reflexion über die aktuellen Herausforderungen des modernen Strafrechts. Abschließend dankte Frau Prof. Dr. Helfer den Referentinnen, Discussants und den zahlreich erschienenen Teilnehmer:innen für die engagierte und intensive Diskussion, die die gesamte Veranstaltung geprägt habe.

Die Veranstaltung bot eine wichtige Gelegenheit zum Austausch zwischen Lehrenden und Studierenden zum hochaktuellen Thema der geschlechtsspezifischen Gewalt. Dieser wurde im Anschluss in Form eines „Aperitifs mit Talk“ in der Bibliothek des Instituts fortgesetzt. Die Tagung machte deutlich, dass ein kritischer und differenzierter Ansatz erforderlich ist, der über eine rein strafrechtlich-repressive Perspektive hinausgeht und präventive Maßnahmen stärkt, unter gleichzeitiger Wahrung der Grundprinzipien des Strafrechts.

©Margareth Helfer/Valeria Costa

 

Nell’ambito del progetto Euregio Mobility Fund 2025/26 “Gender-based violence: punitive and non-punitive responses”, il 20 aprile 2026 si è tenuto presso la Facoltà di Giurisprudenza dell’Università di Innsbruck, Istituto di Diritto italiano, il convegno conclusivo dedicato alla violenza di genere e al femminicidio in prospettiva comparata (“Geschlechtsspezifische Gewalt und Femizid im Rechtsvergleich - Violenza di genere e femminicidio in prospettiva comparata”). L’incontro ha rappresentato un significativo momento di confronto tra studiosi di diversi ordinamenti (Italia, Austria e Germania), volto ad analizzare criticamente il ruolo del diritto penale nel contrasto al fenomeno.

Dopo i saluti istituzionali del Prof. Francesco A. Schurr (Universität Innsbruck, Direttore dell’Istituto di Diritto Italiano) e del Prof. Bernhard A. Koch (Universität Innsbruck, Studiendekan), la Prof.ssa Margareth Helfer (Universität Innsbruck) ha introdotto e moderato i lavori, inquadrando la tematica e illustrando i principali nodi problematici.

Nella prima relazione, la Prof.ssa Valeria Torre (Università degli Studi di Foggia) ha affrontato l’introduzione del reato di femminicidio nell’ordinamento italiano, soffermandosi in particolare sull’art. 577-bis c.p. e mettendone in luce i profili critici. La relatrice ha evidenziato il rischio di una risposta normativa di carattere simbolico e populista, sottolineando come il diritto penale non possa costituire l’unico strumento di contrasto alla violenza di genere, né essere investito di una funzione di trasformazione culturale. In tale prospettiva è stata ribadita la necessità di privilegiare strategie preventive rispetto a un mero inasprimento sanzionatorio, anche alla luce della scarsa attenzione del legislatore ai dati empirici.

La Prof.ssa Margarethe Flora (Universität Innsbruck) ha poi illustrato l’inquadramento della violenza di genere nell’ordinamento austriaco, caratterizzato dall’assenza di fattispecie specificamente gender-oriented e dalla prevalenza di norme formulate in termini neutri. Tuttavia, i dati evidenziano una chiara dimensione di genere del fenomeno, in particolare nell’ambito della violenza domestica. La relatrice ha posto l’accento su strumenti quali il reato di esercizio continuato della violenza e sulle circostanze aggravanti, nonché sul crescente rilievo della violenza digitale e delle politiche di prevenzione.

L’intervento della Prof.ssa Konstanze Jarvers (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht, Freiburg i.B.) ha riguardato la disciplina tedesca. Nello specifico, ha evidenziato come, in assenza di una definizione generale di femminicidio, non siano disponibili statistiche specifiche sul fenomeno in Germania. Inoltre, è stata sottolineata l’assenza di una fattispecie autonoma di femminicidio e la riconduzione dei relativi casi alle norme generali sull’omicidio. Sono state messe in luce le criticità del sistema, tra cui l’ampio margine interpretativo dei motivi abietti, le difficoltà probatorie e la rigidità dell’ergastolo obbligatorio, nonché le divergenze tra i diversi ordinamenti in prospettiva comparata. In tale contesto, la Prof.ssa Jarvers ha inoltre illustrato i contenuti della ricerca internazionale del Max-Planck-Institut intitolata “Die Bestrafung des Femizids in rechtsvergleichender Perspektive” (Die Bestrafung des Femizid in rechtsverglei­chen­der Perspektive | Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalität, Sicherheit und Recht), il cui completamento è imminente e dalla quale si attendono rilevanti contributi scientifici, in particolare con riguardo alle analisi comparative attualmente in fase di elaborazione.

In sede di discussione a tavola rotonda, le Professoresse Elena Mattevi (Università degli Studi di Trento) e Antonia Menghini (Università degli Studi di Trento) hanno ripreso i principali spunti emersi, evidenziando la comune consapevolezza dei limiti del diritto penale quale strumento di contrasto al fenomeno. In particolare, è stata sollevata la questione se l’attuale tendenza alla tipizzazione del femminicidio non sottenda l’idea di una “rivoluzione culturale” affidata al diritto penale, prospettiva che appare problematica alla luce della funzione tipicamente repressiva di quest’ultimo. La Prof.ssa Mattevi ha inoltre sottolineato il valore e al contempo la criticità del riferimento al genere nella costruzione della fattispecie, evidenziando i rischi di un ancoraggio al sesso biologico, suscettibile di riflettere una visione paternalistica e di presupporre una vulnerabilità ontologica della donna. La Prof.ssa Menghini ha richiamato l’attenzione sul trattamento dello stato emotivo della gelosia nell’ordinamento italiano, spesso qualificato come motivo futile e non abietto, sollevando interrogativi sulla sua adeguata considerazione nei casi di violenza di genere.

Nelle sue considerazioni conclusive, la Prof.ssa Margareth Helfer (Universität Innsbruck) ha sottolineato come il confronto sviluppatosi nel corso del convegno abbia mostrato la complessità del fenomeno della violenza di genere e le difficoltà insite nella ricerca di risposte giuridiche adeguate nei diversi ordinamenti. Richiamando il valore del progetto Euregio Mobility Fund 2025/26, ha evidenziato l’importanza di creare spazi di dialogo scientifico condiviso, capaci di mettere in relazione prospettive e sensibilità differenti, favorendo in questo modo non solo lo scambio accademico, ma anche una riflessione critica comune sulle sfide attuali del diritto penale contemporaneo. La Prof.ssa Helfer ha infine ringraziato le relatrici, le discussants e il pubblico presente per l’intenso e partecipato dibattito che ha accompagnato l’intera iniziativa.

L’incontro ha rappresentato un’importante occasione di confronto tra docenti e studenti su un tema di grande attualità quale la violenza di genere, confronto che è proseguito nell’aperitivo con talk presso la biblioteca dell’Istituto. Il convegno ha così messo in luce la necessità di adottare un approccio critico e multidimensionale, capace di superare una prospettiva meramente punitiva e di valorizzare strumenti di prevenzione, nel rispetto dei principi fondamentali del diritto penale.

©Margareth Helfer/Valeria Costa

 

 

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