Moderne Vergnügungskultur und Ausgrenzungspolitik in Tirol 1918-1948. Forschen - Vermitteln - Gedenken 

 

Laufzeit
April 2024 bis März 2027

Fördergeber
Land Tirol, Abteilung Kultur, Förderschwerpunkt Erinnerungskultur
Zukunftsfonds der Republik Österreich

 

Projektpartner
- Universität Innsbruck, Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft, Fach Empirische Kulturwissenschaft

 

Projektleitung
assoz. Prof. Dr. Konrad Kuhn

Projektmitarbeiterinnen
Dr. Sandra Hupfauf
Manuela Rathmayer, MA

Ergebnisse/Forschungs-Output

Veranstaltungen:

Zeitreiseführer „Schund und Sünde“: Präsentation und Diskussion, Konrad Kuhn, Sandra Hupfauf, Manuela Rathmayer, Stefan Hartlieb, 5. Mai 2026. Die Bäckerei – Kulturzentrum, Dreiheiligenstraße 21a, 6020 Innsbruck

Schund und Sünde. Ein Zeitreiseführer - Einblicke in ein laufendes Forschungs- und Vermittlungsprojekt, Konrad Kuhn, Sandra Hupfauf, Manuela Rathmayer, 16. Juli 2025, Georg-August-Universität Göttingen, Göttingen.

Projektpräsentation Moderne Vergnügungskultur und Ausgrenzungspolitik in Tirol 1918-1948, Konrad Kuhn, Sandra Hupfauf, Manuela Rathmayer, 10. November 2025. Land Tirol - Tiroler Landesarchiv, Innsbruck 

Medienberichte:

App zeigt Innsbrucks Nachtleben der 1920er, ORF2-Tirol heute, 6. Juni 2026, 19:00 Uhr

Digitale Reise in die 1920er Jahre, ORF-Tirol-Story, 7. Juni 2026

Schund und Sünde in Innsbruck, 918-1938, Radiobeitrag KulturTon, 7. Mai 2026

Digitale Zeitreise ins Innsbrucker Nachleben, Tiroler Tageszeitung, 5. Mai 2026

Projektbeschreibung

Das am Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Innsbruck angesiedelte interdisziplinäre Projekt untersucht die Vergnügungskultur in Varietés, Kabaretts und Shows der Zwischenkriegszeit in Tirol. So traten beispielsweise die bekannten Comedian Harmonists mehrfach aufgetreten. Diese Vergnügungskultur erfuhr jedoch eine zunehmende Ausgrenzung, weil sie nicht mit den herrschenden und sich verschärfenden Vorstellungen von «Volkskultur» und «deutsch» vereinbar war, sondern als «jüdisch» diffamiert wurde. Zugleich wurde sie aber in widersprüchlicher Art vom Publikum und auch in Kontext des Tourismus nachgefragt. In dieser Ausgrenzungspolitik liegt auch der Grund für das bis heute wirksame «Vergessen» der damaligen Menschen, Orte und Lieder.

Darüber hinaus wird das Projekt unter dem Leitgedanken Forschen - Vermitteln - Gedenken umgesetzt: Die Vermittlungsarbeit wird als Teil des wissenschaftlichen Gesamtkonzeptes behandelt und mitentwickelt. In einem ersten Schritt wird auf der Basis von bisher nicht ausgewerteten alltagshistorischen und musikalischen Quellen die Unterhaltungskultur der Jahre 1918-1948 in der Region Tirol breit erforscht. Dabei liegt ein Fokus auf der spannungsreichen Abgrenzung zur in der Zwischenkriegszeit und im Nationalsozialismus ideologisch und politisch präferierten Volkskultur. Aufbauend auf den Forschungsresultaten wird ein breitenwirksames Vermittlungskonzept entwickelt, das durch seine digitale Ausführung als multisensorische Videoinstallation auf eine niederschwellige und inklusiv zugängliche Form der Wissensvermittlung zielt. Damit wird ein Beitrag zum Gedenken an die bisher in weiten Teilen unbekannte jüdische Kulturgeschichte Tirols und Innsbrucks geleistet, mit dem Ziel, erinnerungskulturell ein diverses und inklusives Bild zu verankern, das sowohl volkskulturelle wie auch populärkulturelle Praktiken als identitätsstiftend und prägend für die Tiroler Geschichte und Gesellschaft versteht.

In den bisher identifizierten Zusammenhängen aus den oft auch breit verstreuten und kaum je systematisch überlieferten Quellen werden sowohl Frauengeschichten und Verfolgungsbiografien greifbar, wie auch die Attraktivität und Diversität einer vergessenen populären Kultur erneut zugänglich gemacht werden kann. Mit Förderung durch den gedenk_potenziale-Preis durch die Stadt Innsbruck wird im kommenden Frühjahr ein multimedialer audiovisueller Spaziergang erarbeitet, der die Geschichten und Erinnerungen niederschwellig zugänglich und bekannt machen soll. Das Projektteam hat zudem bereits ein Textmanuskript zu einem Band über «Verbrechen und Vergnügen» ausgearbeitet, der 2026 erscheinen soll. Derzeit laufen zudem Abklärungen zu einem Bild- und Textbuch, das die visuellen Aspekte des Themas für die Öffentlichkeit präsentieren würde.

 

 

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