Gastvorträge im Sommersemester 2026

Di, 12.05.2026 | 15:00–16:30 | Seminarraum 7 (ÁHH, Innrain 52a, 1. Stock)

Shafi Gashi (Priština) im Rahmen des DK Entangled Antiquities
Das reiche kulturelle Erbe Albaniens

Di, 19.05.2026 | 17:15-18:45 | Seminarraum 7 (ÁHH, Innrain 52a, 1. Stock)

Ingo Kottsieper (Münster)
Qohelet – ein philosophischer Denker zur Zeit des frühen Hellenismus

Vortragsankündigung [220 KB] 

Die jüngere Auslegung des biblischen Qohelet-Buches, das auch unter dem Titel „Prediger (Salomo)“ bzw. Ecclesiastes bekannt ist, geht weitgehend einhellig davon aus, dass das Buch etwa in der 2. Hälfte des 3. Jh. v. Chr. in Judäa in einem hellenistisch geprägten Milieu entstanden sei. Umstritten ist dabei die Frage, wie weit der Einfluss der hellenistischen Geisteswelt auf dieses Literaturwerk geht und wo genau er sich dann manifestiert. Jedoch weisen neuere Datierungen der Qumranhandschriften darauf hin, dass schon die älteste erhaltene Abschrift des Buches eher in die Mitte des 3. Jh. v. Chr. zu datieren ist, was seine Abfassung nach 250 v. Chr. unwahrscheinlich macht und eher an die erste Hälfte des 3. Jh. v. Chr. denken lässt. Dass das Buch in Judäa entstanden sei, erweist sich auch als fragwürdig. So kommen auch die frühen Poleis an der palästinischen Küste und insbesondere im Norden wie Dor oder Akko oder ihr Hinterland in Frage, was auch sprachgeschichtlich vertretbar ist.  Ebenfalls weisen einige Aspekte der gesellschaftlichen und ökonomischen Struktur, die das Buch voraussetzt, auf eine Polis oder von ihr beeinflusste Gesellschaft hin. Eine Analyse der Art und Weise, wie Qohelet seine Lehre argumentativ entfaltet, zeigt neben der Tatsache, dass er sie überhaupt argumentativ entfaltet und nicht einfach als Lehre präsentiert, dass Qohelet ein eigenständiger philosophischer Denker war, der seine Lehren auf eine immanente Weltanalyse stützte. Obwohl er dabei von griechischen Traditionen und Denkansätzen beeinflusst ist, fehlen direkte Bezüge zu den hellenistischen Philosophenschulen. Dies ist aber angesichts der neueren Ergebnisse, dass Qohelet eher ein jüngerer Zeitgenosse z. B. von Zenon und Epikur und somit wohl nicht von den durch diese begründeten philosophischen Richtungen direkt beeinflusst war, wenig überraschend. Somit zeigt sich im Denken Qohelets die Strahlkraft des griechisch-philosophischen Denkens, die sich schon früh auch in der Levante im Umfeld der traditionellen Handelsstädte und frühen Poleis bemerkbar macht.

Mo, 15.06.2026 | 15:30–17:00 | Hörsaal 2 (Geiwi, Innrain 52e, EG)

Bernhard Palme (Wien) im Rahmen des Gemeinsamen FoKo
Antike Imperien und die Bürokratie 

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