Blick auf das Forschungsinstitut Brenner-ArchivÜber das Institut


Geschichte

Das Brenner-Archiv ist ein Forschungsinstitut der Universität Innsbruck. Es wird gefördert vom Land Tirol - Abt. Kultur, der Stadt Innsbruck und dem Land Südtirol - Abt. Kultur und bildet das regionale Tiroler / Südtiroler, aber auch ein überregionales, österreichweit ausgerichtetes Literaturarchiv. Der Name geht zurück auf die Kulturzeitschrift "Der Brenner".

Gegründet wurde das Brenner-Archiv 1964 durch einen Vertrag zwischen der Republik Österreich und dem Herausgeber des "Brenner", Ludwig von Ficker (1889-1967). Seinem Redaktionsarchiv gehörte ein beträchtlicher Teil des Nachlasses von Georg Trakl als eigene Sammlung an. Es umfasste nicht nur Manuskripte von "Brenner"-Mitarbeitern und publizistische Materialien aus der Redaktion des "Brenner", sondern auch die umfangreiche Korrespondenz Ludwig von Fickers mit Persönlichkeiten aus Literatur, Philosophie und Kunst (Paul Celan, Martin Heidegger, Karl Kraus, Else Lasker-Schüler, Christine Lavant, Rainer Maria Rilke, u.v.a.).

1979 wurde das Brenner-Archiv durch einen Vertrag zwischen Bund, Land Tirol und Leopold-Franzens-Universität Innsbruck als Forschungsinstitut der Universität etabliert, was besonders den Bemühungen des Leiters, Tit. Ao. Univ.-Prof. Dr. Walter Methlagl, zu verdanken war, der das Institut bis zu seiner Pensionierung 2001 führte.

Das Archiv war eines der ersten im deutschen Sprachraum, Methlagls "3-Säulen-Modell" (Sammeln, Forschen, Vermitteln) war Vorbild für entsprechende Gründungen in anderen österreichischen Bundesländern.

1997 wurde das "Literaturhaus am Inn" eröffnet, einerseits die öffentliche Seite des Brenner-Archivs, andererseits eine besondere Bühne für die Gegenwartsliteratur und kulturaktuelle Diskussionen (Aufbau, Leitung und Geschäftsführung 1997 bis 2000: Dr. Ursula Schneider, Dr. Erika Wimmer; 1998 bis 2004: Dr. Erika Wimmer; Leitung seit 2003: Dr. Anna Rottensteiner / Geschäftsführung seit 2004: Kristin Jenny).

Von 2001 bis zu seiner Pensionierung 2013 hatte Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Johann Holzner die Institutsleitung inne.

Interimistische Leitung bis 30. September 2014 durch Univ.-Prof. Dr. Sebastian Donat, MA.

Am 1. Oktober 2014 hat Univ.-Prof. Dr. Ulrike Tanzer die Leitung des Forschungsinstituts Brenner-Archiv übernommen.

 
Profil

Entsprechend der Ausrichtung des "Brenner", seiner überregionalen und interdisziplinären Orientierung, wurden im Lauf der Jahre Nachlässe aus dem Umkreis der österreichischen Moderne erworben (Karl Kraus, Sidonie Nádherný von Borutin, Leopold Liegler). Neben literarischen Beständen (u.a. Christine Busta, Otto Grünmandl, Fritz von Herzmanovsky-Orlando) sammelt das Brenner-Archiv auch solche aus Philosophie und Theologie (Ferdinand Ebner, Ernst von Glasersfeld, Wolfgang Stegmüller, Ludwig Wittgenstein), Bildender Kunst (Albin Egger-Lienz, Max von Esterle, Erich Lechleitner), Musik (Josef Matthias Hauer, Günther Andergassen, Robert Nessler, Peter Suitner, Haimo Wisser) und Architektur (Paul Engelmann, Adolf Loos).
In außerordentlicher Dichte sind Tiroler Autorinnen und Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts dokumentiert (Norbert C. Kaser, Franz Kranewitter, Karl Schönherr), ferner einzelne aus Vorarlberg (Max Riccabona).
Auch werden einzelne "Vorlässe" lebender Autorinnen und Autoren betreut (Felix Mitterer, Joseph Zoderer).
Berücksichtigt werden ferner das Theater (Exl-Bühne) und der Literaturbetrieb (Österreichische Jugendkulturwochen, Innsbrucker Wochenendgespräche, Angelika von Hörmann, Ingeborg Teuffenbach).

Inzwischen (2014) verwahrt das Brenner-Archiv rund 230 Nachlässe, Teilnachlässe und Sammlungen persönlicher und institutioneller Provenienz (darunter mehrere tausend Fotos, u. a. zahlreiche von Karl Kraus und Georg Trakl). Die Bibliothek umfasst etwa 30.000 Buchexemplare (ein großer Teil davon in Nachlassbibliotheken) und über 300 (historische und aktuelle) Zeitschriften (in unterschiedlicher Vollständigkeit).

Das Brenner-Archiv hat seit seinem Bestehen einen besonderen Schwerpunkt auf die Forschung gelegt, wovon zahlreiche Forschungsprojekte zeugen (auch die abgeschlossenen werden unter "Forschungsprojekte" angezeigt). Editionen mit kulturwissenschaftlichen Kommentaren, die literaturhistorische Dokumentation und Biographien sind die Spezialgebiete der Forscherinnen und Forscher am Brenner-Archiv, dazu kommen die theoretische und methodologische Reflexion. Über die für das Institut in verschiedener Weise relevanten externen Forschungen sowie die Forschungen im Institut berichtet seit 1982 jährlich das Institutsorgan, die Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv.
Das Brenner-Archiv pflegt wissenschaftliche Kontakte mit zahlreichen Institutionen im In- und Ausland.

Im Mittelpunkt der archivarischen Tätigkeit steht das Bemühen, den umfangreichen Archivalienbestand benutzbar zu machen, ihn zu ergänzen und zu erweitern. Um die Handschriften auch nachfolgenden Generationen in vollem Umfang zu erhalten, gewinnen konservatorische Maßnahmen verstärkt an Bedeutung. Diese setzen nicht nur beim Erhalt der physischen Originale an, sondern tragen durch Digitalisierung des Bestandes maßgeblich zu einem gesicherten Erhalt bei.
Die "Arbeitsgruppe Archiv" (AGA) tagt regelmäßig, um Standardisierungen und work-flows zu diskutieren und festzuhalten. Sie kümmert sich u.a. um die Pflege des digitalen Archivs, das Originalmanuskripte, -briefe und -fotos sowie AV-Medien und born-digital Materialien samt den jeweiligen Metadaten für die Benutzung bereitstellt.

Als Literaturarchiv sieht das Brenner-Archiv eine zentrale Aufgabe darin, auch die nicht-akademische Öffentlichkeit für literarhistorische Zusammenhänge zu interessieren. Es führt kontinuierlich das online-Lexikon Literatur in Tirol weiter, das sich als zuverlässiges Findmittel etabliert hat, es baut die "Literaturlandkarte Tirol" aus, die zukünftig (gemeinsam mit dem Literaturhaus) auch Führungen anbietet.
 

Kuratorium

Im Kuratorium des Instituts wirken Repräsentantinnen und Repräsentanten des Wissenschaftsministeriums, der Universität Innsbruck, des Landes Tirol und aus dem Verwandtenkreis Ludwig von Fickers (in alphabet. Reihenfolge):

  • Univ.-Prof. Dr. Sebastian Donat, M.A., Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft, Dekan der philologisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
  • C. H. Huber, Autorin, Innsbruck
  • HR Dr. Thomas Juen, Vorstand der Abteilung Kultur im Amt der Tiroler Landesregierung
  • Mag.rer.soc.oec. LL.B. (WU) Alfred Lurf, Referatsleiter Abteilung I/4 des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft
  • HR. Dr. Christoph Mader (Vorsitzender), ehemals Vorstand der Abteilung Kultur im Amt der Tiroler Landesregierung
  • MR Dr. Johann Popelak, Sektionschef i.R.
  • Mag. Dr. Ursula Schneider, Literaturwissenschaftlerin am Forschungsinstitut Brenner-Archiv
  • Univ.-Prof. Mag. Dr. Ulrike Tanzer, Professorin für Österreichische Literatur, Leiterin des Forschungsinstituts Brenner-Archiv
  • Dr. Jutta Wiesmann, Oberärztin i.R., Enkelin von Ludwig von Ficker
  • Dr. Erika Wimmer (Protokoll), Literaturwissenschaftlerin am Forschungsinstitut Brenner-Archiv. Autorin

    (Stand: Oktober 2014)
     

    Fotos

 Fotos aus den frühen Jahren des Brenner-Archivs

Bildergalerien zu Jubiläen des Archivs - 40 bzw. 50 Jahre Forschungsinstitut Brenner-Archiv (2004, 2014)  - finden Sie im "Pressespiegel"

 

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