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"… kein sanftes Lüfterl"
(Predigt zu Pfingsten 2008 in der Innsbrucker Jesuitenkirche)

Autor:Siebenrock Roman
Veröffentlichung:
Kategoriepredigt
Abstrakt:
Publiziert in:# Originalbeitrag für den Leseraum
Datum:2008-05-15

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

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Gewiss, ein sanftes Lüfterl ist dieser Pfingstgeist nicht. Wie könnte er es denn sein? Wie könnte das Pneuma Gottes unsere Widerspenstigkeit, unsere Angst, Bedenklichkeiten und so gut begründete Abergeister sonst vertreiben? Nein: Sturm, Feuer und Brausen! So muss er sein. Pfingsten ist kein liebliches Fest. An Pfingsten wird deutlich, worin die innere Dramatik der gesamten Heilsgeschichte besteht. Der lebendige Gott muss sich gegen unsere Gottesbilder und -vorstellungen durchsetzen. Er hat sich selbst in der Geschichte zu offenbaren und sich selbst in unseres Herzensmitte mitzuteilen; und das gegen alle Entstellungen, die wir Menschen von ihm gegen ihn erbaut haben. Und: Die hartnäckigsten Bollwerke sind immer aus frommer Gesinnung und mit religiösem Beton errichtet worden. Gott hat es wahrlich nicht leicht mit uns, seinem Volk. Nicht allein mit dem störrischen Volk Gottes zu Zeiten des Mose und der Propheten, und nicht allein mit der Fundamentalopposition zurzeit Jesu. Nein, Gott hat es nicht leicht auch mit uns, der Christenheit, seinem sogenannten neuen Volk Gottes. Er hat es vielleicht ganz besonders schwer mit uns, weil wir ja glauben, wir hätten den Heiligen Geist, seinen Beistand, unfehlbar und siegessicher gepachtet. Wir würden ihn ganz genau kennen und gerade deshalb könnte uns nichts mehr überraschen. Und es ist für uns kein wirklicher Trost, wenn ich sage: das war immer schon so; von den Zeiten Adams und Evas an haben die Menschen geglaubt, Gottes Ehre mit Verschärfung seiner Vorschriften und Gebote retten zu müssen. Pfingsten lehrt uns: Gott hat es nicht leicht mit seiner Kirche; - auch heute nicht. Die Mütter, denen unser Dank an diesem Tag besonders gilt, und denen wir vor allem den Geist der Geduld und der Weisheit; - und das ist allemal der Geist der Leichtigkeit des Seins - wünschen, werden das am besten verstehen. Denn leicht hat frau gerade mit jenen nicht immer, die ihnen besonders am Herzen liegen.

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Aber weil wir uns heute hier in dieser Stunde eingefunden habe, um offenen Herzens sein Wort zu hören und uns von seinem Sakrament erneuern zu lassen, dürfen wir sagen: Wir wollen uns erneuern lassen, wir sind bereit, wir wollen Deinem Ruf den Vorrang einräumen. Wir wollen unser Herz wirklich erneuern lassen. Hier sind wir, sende uns!

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Welche Geschichte wird uns in der Pfingsterzählung aber nun mitgeteilt? Für mich war Pfingsten früher eine reichlich unverständliche Überraschung. Ganz verstanden habe ich die Geschichte des Lukas vielleicht bis heute nicht. Stellen Sie sich nur einmal vor: Da sind die Jüngerinnen mit Jesus ein geraume Zeit unterwegs. Gewiss sind sie unter dem Kreuz zum allergrößten Teil ausgebüchst. Aber dann waren sie doch ZeugInnen der Auferstehung und die Apostelgeschichte berichtete, dass sie Augenzeugen seiner Entrückung, seiner Himmelfahrt waren. Warum verrammelten sie sich aber dann hinter den Türen, schlossen sich ein? Sie waren doch völlig gleichzeitig mit dem Herrn; - und sie sollten so daneben stehen? Gewiss konnten die Jüngerinnen selbst an Himmelfahrt ihre politischen Messiasphantasien nicht lassen, sie hofften immer noch auf die Erneuerung des politischen Reiches Davids (Apg 1,6). Doch der Herr sandte sie schon an diesem Tag in die Welt. Aber sie verkrochen sich. Gewiss sie beteten, aber war das bereits ihre Sendung? Es ist offensichtlich zu wenig hinter verschlossenen Türen fromm zu sein. Und es ist ein Unterschied, etwas zu wissen (allein für sich oder im vertrauten Geist), oder für diese Erfahrung in einer skeptisch bis gegnerischen Öffentlichkeit einzutreten: vom Wissen zum Zeugnis ist ein großer Schritt: Dieser entscheidende Schritt erst macht Kirche aus. Der Pfingstgeist musste die Urkirche in die Öffentlichkeit treiben: Pfingsten ist das Anti-Depressions- und Angstprogramm Gottes. Mit Pfingsten tritt die Kirche in die Öffentlichkeit der Geschichte; und eben dieser unruhige Geist wird es verhindern, dass sich seine Gemeinschaft, die Kirche, wieder daraus zurückziehen wird dürfen. Bis zum Ende der Geschichte wird und muss die Kirche in der Zugluft der Zeit stehen, den Auseinandersetzung und Erprobungen; - mögen wir heute auch von einer kleinen Herde, dem Ende der Volkskirche und der Diasporakirche sprechen; - was ich bei einer Kirche mit weit mehr als 1 Milliarde MitgliederInnen nicht ganz nachvollziehen kann. Eines bleibt: Es wäre eine fürchterliche Absage an diesen Pfingstgeist, wenn wir das Licht der Öffentlichkeit scheuen würden. Auch heute werden wir aufgefordert, ermutigt und gestärkt, unseren Glauben öffentlich werden zu lassen: Die Wahrheit des Evangeliums ist robust und weise genug in allen Gegenwinden zu kreuzen; und gegen den Wind bravourös vorwärts zu kommen. Das Reich Gottes ist keineswegs in unseren Herzen: es will mitten unter uns sein; und damit ist es inmitten unserer seltsamen und von vielerlei Geistern gepeinigten Gesellschaft. Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche als Kraft und Gemeinschaft der Geschichte. Weil aber die Kirche öffentlich geworden ist, wird sie anfragbar, kritisierbar und rechenschaftspflichtig. Seit dem Pfingsttag sind wir aufgerufen, von unserem Glauben Zeugnis zu geben. Und ich halte es nicht für einen Zufall, dass eben jener Petrus, der als erster am Pfingsttag öffentlich das Wort ergreift um für den Gekreuzigten und Auferstandenen Zeugnis abzulegen, in seinem Brief auch uns heute aufruft: Seid stets bereit, Rechenschaft gegenüber jedermann zu geben, der Euch nach dem Grund Euerer Hoffnung fragt (1 Petr 3,15). Durch den Geist werden wir dazu befähigt. Es ist also ein Unterschied etwas zu wissen und zu verstehen; - und dieses Verstehen und Wissen mit anderen zu teilen und ihren Fragen, Anschuldigungen und Zweifeln zu antworten. Der Geist führt uns in eine gefährliche Öffentlichkeit; scheuen wir sie nicht! Wenn wir mit unserem Leben eintreten, wird er uns die passenden Worte schon schenken. Probieren wir es aus!

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Wer oder was aber ist dieser Geist? Die meisten Bilder, mit der die Heilige Schrift seine Wirklichkeit umschreibt, - alle der heutigen Lesung - sind nicht personal. Eher naturhaft und Bilder einer verändernden dynamischen Lebensmacht. Der Geist ist die Energie und Kraft Gottes, die vom Anfang bis zum Ende der Welt die Dynamik der Veränderung und Wandlung, der Unterscheidung und Einheit, der Anerkennung und Liebe alle Wirklichkeit durchzieht. Eine tiefe Einheit aller Wirklichkeit durchdringt All und unser Bewusstsein. Großes Erstaunen erfasst mich, wenn ich höre, dass unser Denken sich vorstellt, die tiefsten Abgründe des Allerkleinsten und die Weitesten Weiten aller Weltenräume seit dem Urbeginn der Zeiten durchdringen zu wollen. Welche Hybris, welche Großartigkeit!

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Und auch unsere Menschengeschichte wird von dieser Kraft gewoben. Sie erfasst alle und dennoch ist sie nicht nur Besitz von mir, oder der Mächtigen. Sicherlich stimmen wir alle dem Wort zu, dass der Geist wehe, wo er will (Joh 3,8); denken uns aber insgeheim doch: aber doch meistens zu meinen Gunsten. Ich darf die Taube nicht mit meinem eigenen Vogel verwechseln. Nein so ist der Geist nicht: als Feuer, Sturm, Wind, Kraft, Energie, Dynamik wird er beschrieben. Auch weiblich scheint er zu sein; sachlich allemal. Nicht zu greifen, festzumachen, aber kein Durcheinanderbringer, kein Diabolos: Er ist schlicht das Synonym für das Leben und seine stets sich wandelnde und erneuernde Kraft, die alles wandelt, Neues hervorbringt und auch mich verändert. Deshalb können auch unser Glaube, unsere Kirche und unsere Gemeinde nicht verharren, wenn wir treu bleiben wollen. Nichts können wir festhalten. Und auch der Weg zurück ins Paradies, in die fraglose Einheit mit aller Schöpfung ist uns versperrt durch den Engel mit dem Feuerschwert. Die Heilige Schrift kennt nur einen Weg: den Weg in die Zukunft. Alles Leben weist stets in die Zukunft. John Henry Newman hat dieses schöne Bild gebracht: „In einer Höheren Welt ist es anders, aber hienieden heißt leben sich wandeln, und vollkommen sein heißt sich oft gewandelt haben" (E 41).Deshalb heißt uns der Geist ausziehen, der Zukunft mehr trauen als den vergehenden Sicherheiten der Vergangenheit. Deshalb hofft unser Glaube auf jenen Geist, der den Gekreuzigten aus dem Reich des Todes rief; deshalb hoffen auch wir auf ihn, dass Gott uns einen Weg eröffne, wenn einmal alle unsere Wege zu Ende sein werden.

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Der Geist erscheint nicht nur als Kraft des Seins und die Dynamik des Lebens. Der Geist durchfährt auch unser Leben und unsere Gemeinschaft. Gewiss kennt auch unsere katholische Kirch eine charismatische Bewegung; zumal in den letzten Jahrzehnten. Und dies ist grundsätzlich gut und wichtig. Doch manche Enthusiasten zerreißen vielfach, was zusammengehört: Begeisterung und denkende Nüchternheit, der Geist in uns und die Anerkennung des Geistes in den anderen, heilige Herzen ja, aber auch klare Köpfe! Weisheit nicht Gedankenlosigkeit! Die Gaben des Heiligen Geistes sind vielfältig und sein Leben besteht immer in der Integration unterschiedlichster Gaben und Fähigkeit; und die Anerkennung dieser bei den anderen. Wenn der Geist das Band der Liebe ist, wie Augustinus es meinte, dann erweist er sich vor allem darin, dass wir uns in allen Unterschieden und Gegensätzlichkeiten annehmen und mittragen. Der Geist des Herrn spricht niemals nur aus einem Munde: Immer ereignet er sich im Hören auf alle. Der Heilige Geist ist niemals eine Waffe gegen die Anderen.

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Von wessen Geist aber ist dann die Rede? Immer ist das Christentum inkarnierter Glaube, immer konkrete Gestalt. Deshalb kann die Antwort nur lauten: Es ist der Geist Jesu Christi. Es ist stets der Geist der Bergpredigt, der Geist seines Evangeliums. Als solcher aber es ist auch jener Geist, der den Herrn in die Wüste getrieben, ihn ausgesetzt hat.

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Auch wenn uns immer wieder versichert wird, dass es kein anderer Geist sei als der Geist Jesu Christi, müssen wir aus der Erfahrung der Geschichte der Kirche feststellen, dass eben dieser Geist für uns oftmals eine Zumutung darstellt. Die institutionelle Kraft unserer römisch-katholischen Kirche ist bisweilen eher ein Bollwerk gegen diesen Geist, als ein bereites Gefäß. Und ich meine, dass das Wort des Ignatius eher eine Hoffnung als eine Feststellung ist, dass der Geist in uns und der Geist in unserer realen Kirche derselbe sei. Deshalb aber dürfen wir in dieser festlichen Stunde der erschreckenden Mahnung des heiligen Paulus nicht ausweichen. Er schreibt, schon ganz zu Beginn der Geschichte der Christenheit, im ältesten Dokument des Neuen Testamentes: Löscht den Geist nicht aus (1 Thess 5,19). Karl Rahner hat in einer großen Rede zu Beginn des Konzils in Salzburg 1962 daran erinnert. Wie aber können wir heute den Geist auslöschen? Paulus gibt uns eine erste Orientierung. Er sagt nämlich unmittelbar an diese Mahnung: „Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles, und behaltet das Gute! (1 Thess 5,20f). Und tatsächlich gibt es die prophetische Rede auch heute, auch in dieser Zeit. Der Herr hat viele Propheten unserer Kirche in den letzten 200 Jahren geschenkt; - und es ist ihnen nicht immer gut gegangen.

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Mir ist es mir ein großes Anliegen uns alle heute daran zu erinnern, dass sich vor knapp 50 Jahren in unserer Kirche ein neues Pfingsten ereignete: das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Und wir sind - so scheint es mir - dabei dieses Geschenk zu verspielen, und damit jenen Geist auszulöschen, den wir für den Weg in diesem Jahrhundert benötigen. Ich weiß: Gott gibt uns nur anspruchvolle Geschenke: Sie verlangen immer eine tiefwandelnde Erneuerung. Was meine ich damit? Lassen Sie mich einige Beispiele nennen. Johannes XXIII. meinte in seiner Eröffnungsansprache am 11. 10. 1962, dass die Kirche keine Museumswärterin wäre und Altertümer hüte. Und heute wird der Ritus von 1962 eingeführt, für den selbst Atheisten eingetreten sind, weil sie ihn für einen wertvollen kulturellen Symbolschatz halten. Es ist gut, wenn es auf diese Weise zu einer wirklichen Pluralität in unserer Kirche kommt: Aber Liturgie ist nicht die Konservierung kultureller Symbolsysteme, die niemand versteht und berührt. Und gerade die Diskussion der letzten Monate über die Karfreitagsbitte führt uns plastisch vor Augen, dass die Liturgie wie die Kirche stets der Erneuerung bedarf.

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Ich frage: Das Konzil bekannte sich zur Freiheit des Glaubens und zum ökumenischen Dialog: und in diesem Wahlkampf faselt ein Politiker, dass ein guter Tirol katholisch sein müsse. Das ist gewiss extrem und im Grunde absurd: Aber es ist noch nicht in unser Herz eingedrungen, dass die Anerkennung von Freiheit notwendigerweise Pluralismus und die Abkehr vom gesellschaftlichen Monopol für die Kirche bedeutet. Vor allem aber bedeutet dies das große Experiment der Freiheit. Wir aber halten uns für die letzten Mohikaner, und fragen defaitistisch, wann der letzte von uns das Licht in der Kirche auslöscht. Die Kirche wird erneuert, nicht beendet! Tirol hatte eine lange Geschichte des katholischen Monopols. Das bedeutete aber immer die Ausgrenzung und Unterdrückung von Minderheiten. Das Konzil erinnerte uns an die Grundwahrheit der Lehre, dass der Glaube nur frei angenommen und gelebt werden könne. Heute aber erleben wir die soziologische und gesellschaftliche Konsequenz und Voraussetzung dafür. Wir fangen erst allmählich an, Glauben und Freiheit miteinander zu verbinden. Bisweilen, so scheint es mir, stecken wir noch sehr in der ersten Pubertätsphase, weil nicht wenige Freiheit mit Kirchenaustritt verwechseln. Doch glauben wir, was der Geist von Pfingsten uns lehrt: Nichts ist stärker als das aufrichtige Ja der Freiheit. Das ganze Leben ratifiziert ein solches Wort!

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Das Konzil lehrte, dass wir alle am dreifachen Amt Christi Anteil hätten, dass wir also PriesterInnen, KönigInnen und ProphetInnen wären. Und wir streiten darüber, ob sich Laien Seelsorger nennen dürfen. Selbstverständlich sind wir alle in der Taufe zu SeelsorgerInnen geweiht, weil wir füreinander Verantwortung für die Ewigkeit übernehmen und wir - auch in dieser Stunde - einander den Himmel offen halten. Der ganze ordinierte priesterliche Dienst hinge in der Luft, wenn wir nicht miteinander Tag für Tag unser Leben immer neu christlich zu gestalten beginnen.

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Wir trauen uns zu wenig in die Öffentlichkeit als überzeugende ChristInnen, weil wir zur kleinen Herde werden und in unserer statistisch wütigen Quotengesellschaft dafür wenig Sinn ist. Aber erinnern wir uns: Die Kraft Gottes zeigt sich in unserer Schwäche; und gerade weil wir wenige und nach den Maßstäben dieser Gesellschaft schwach sind und schwächer werden (nach deren Vorstellungen), können und sollen wir das Evangelium verkünden; - eine Wahrheit, die für alle Menschen eine Bedeutung hat. Was aber ist stärker als das sanfte Wort der Wahrheit, das ein Herz bewegt und ergreift?

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Und darf ich noch ein letztes aufgreifen? Das Konzil sprach emphatisch von der Berufung zur Heiligkeit aller Getauften. Aber wer von uns hier möchte heute noch heilig werden? Doch das wäre es, das würde unser Leben und unsere Glaubensweise tatsächlich ändern. Was könnten wir doch für neue Menschen werden - so verstehe ich den Heiligen Ignatius, wenn wir jeden Tag uns auf den Willen Gottes einlassen würden. Denn dann würden wir nicht fragen, was mir Glaube und die Kirche bringen, und was ich davon hätte. Das ist eine Konsumhaltung, die für den Supermarkt taugt oder bei einem Dienstleistungsunternehmen gefragt sein mag. Solches Denken, das die große, gefährliche Versuchung unserer Zeit ist, und das jede Familie auflösen würde und in keiner Gemeinschaft Bestand haben könnte, möchte der Geist heute bannen. Der Ruf zur Heiligkeit fordert uns hingegen auf zu fragen, was der Wille Gottes für mich heute und morgen bedeutet? Was will Gott von mir? Was ist meine Sendung? Der wahre Geist von Pfingsten eröffnet uns den Mut, großzügig Gottes Ruf einen Vorrang einzuräumen. Löscht den Geist nicht aus! Kirche ist ein Spiel, in dem es keine Zuschauerränge gibt, weil alle involviert sind. Wir wollen nicht von außen kommentieren: Wir spielen mit!

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Der Geist Jesu Christi bewegt, ermutigt und ruft mich heute auf, auszuziehen aus bloßen Gewohnheiten und Traditionen. Denn die Heilige Schrift sagt am Ende nicht: „Wie es war vor aller Zeit, so bleibt es in Ewigkeit", sondern ruft uns zu: „Siehe ich mache alles neu! (Offb 21,5). Und das letzte Wort der Heiligen Schrift möchte der der Pfingstgeist auch heute in dieser Stunde zu uns sprechen: Komm, Herr Jesus! (Offb 22,20), damit wir befreit und voller Wagemut antworten: „Hier sind wir: Sende uns!"

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