Etwas mit Sanskrit-Wörtern tun

Mantras

Mantras aus der Perspektive der Sprechakttheorie

Für einen gewöhnlichen Inder beschränken sich die Bereiche Philosophie, Theologie und Spiritualität nicht auf einzelne, voneinander abgegrenzte Gebiete, sondern haben im Gegenteil einen gesunden Einfluss auf das Leben jedes einzelnen Menschen. Die Sprache spielt dabei eine zentrale Rolle. Sprechakte bedeuten, vereinfacht gesagt, dass „Sprechen eine Art von Handeln ist“. Mantras hingegen sind „eine Abfolge rhythmischer Äußerungen, die eine besondere Wirkung haben“. Hauptziel meiner Forschung ist es, eine vergleichende Analyse der östlichen und westlichen Traditionen durchzuführen, um sie gegenseitig zu bereichern. Da sich die Sprechakttheorie mit der Philosophie der Alltagssprache befasst und Mantras dem Bereich der religiösen Sprache angehören, entsteht hier eine intellektuelle Spannung, die zu weiterer Forschung einlädt. Das Projekt strebt einen differenzierten Dialog an, der die beiden Traditionen gegenüberstellt, sie beleuchtet und ihre jeweiligen Annahmen hinterfragt. Gleichzeitig wird nach kreativen Wegen gesucht, um mit Sanskritwörtern etwas anzufangen.

Forschungshypothese

Durch eine vergleichende Studie über Mantras und Sprechakttheorie kann man neue kreative Wege entdecken, was man mit Sanskritwörtern etwas unternehmen kann.

Forschungsfragen

1. Sind Mantras bloß Rituale ohne Bedeutung oder sind sie etwas anderes? 
2. Sind alle Mantras nichtkommunikative Äußerungen? 
3. Wer ist der „Sprecher“ bei der Rezitation von Mantras? Wer ist der „Hörer“? Wie erweitern diese Fragen den Rahmen der Sprechakttheorie hinsichtlich ihrer illokutionären Kraft und ihrer perlokutionären Wirkung? 
4. Was gilt als Bedingung für das Gelingen oder das Misslingen (Fehlschlag oder falscher Gebrauch), wenn wir Mantras aus der Perspektive der Sprechakttheorie betrachten?

Forschungsmethodik

Dieses Forschungsprojekt ist rein theoretisch. Es beginnt mit einer Untersuchung der Geschichte der Sprachphilosophie. Danach folgt ein Erklärungsansatz, um die Nuancen der beiden Themen, Sprechakte und Mantras, aufzulisten und zu vertiefen.
Im weiteren Teil der Arbeit werde ich eine vergleichende Methode anwenden, um in einen Dialog mit beiden Traditionen einzutreten. Dabei werde ich die Annahmen beider Traditionen beleuchten und hinterfragen.
Außerdem versuche ich, kreative Wege zu entdecken, wie man mit Sanskritwörtern umgehen kann. Ein wichtiger Teil dieser Untersuchung besteht darin, relevante Fragen der religiösen Sprache (Mantras) erneut aufzugreifen und zu zeigen, wie die Philosophie der Alltagssprache (durch die Sprechakttheorie) dabei helfen kann, neue Erkenntnisse bei der Behandlung dieser Fragen zu gewinnen.

Literatur

Alper, Harvey P., ed. Understanding Mantras. SUNY Series in Religious Studies. Albany: State University of New York Press, 2010.
Austin, J. L. How to Do Things with Words: The William James Lectures Delivered at Harvard University in 1955. Edited by James O. Urmson. Eastford: Martino Fine Books, 2018.
Gonda, J. ‘The Indian Mantra’. Oriens 16 (December 1963): 244-297.
Staal, F. Ritual and Mantras: Rules Without meaning. New Delhi: Motilal Banarsidass Publishers, 1993.
Searle, John R. Speech acts: An essay in the Philosophy of Language. Cambridge: Cambridge University Press, 1970.

Doktorand: Ryan Savio Rodrigues
<Ryan.Rodrigues@student.uibk.ac.at>
Betreuer: ao. Prof. Dr Christian Kanzian
<Christian.Kanzian@uibk.ac.at>
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