Augustinus Ursündenlehre nach Simplician

Sündenfall im Paradies
Glasfenster

Augustinus gilt als einer der größten Theologen, die die christliche Kirche hervorgebracht hat. Er gilt als „Vater der Erbsündenlehre“. Diese Lehre ist ein Thema, das polarisiert und befremdet, auch wenn sie heute ein Dogma der katholischen Kirche ist. Kritik an Augustinus wird zur Kritik am Dogma. Wie also umgehen damit? Wie kommt es wirklich dazu, dass jeder Mensch[1] ein von einer ererbten Sünde Betroffener sein soll? Augustinus wurde von seinem väterlichen Freund Bischof Simplician widerlegt, was zur Folge hatte, dass er seine gesamte Lehre völlig neu aufgestellt hat. Nach der Argumentation von Simplician, hat Augustinus seine ursprüngliche Idee von Verwerfung/Erwählung (Esau/Jakob Röm 9,13) revidiert und eine völlig neue Theorie entwickelt. So sind extreme Auffassungen zur Gnade, Freiheit, Erbsünde, sowie Prädestination entstanden.

Diese „simplicianische“ Wende scheidet die Geister bis heute. So sieht Kurt Flasch, eine Logik des Schreckens, die Augustinus hier vertrete. Er begründet das mit der Verwerfung des Esau (bereits) im Mutterleib und der Erwählung des Jakob. Die Lösung des Augustinus lautet, dass Adam eine Ursünde begangen habe und alle seine Nachkommen „in ihm“ ebenfalls mitgesündigt haben. Durch die Taufe wird zwar diese Ursprungssünde vergeben, die Konkupiszenz allerdings verbleibt.

Aufgabe dieser Dissertation wird es sein, diesen Themenkreis tiefer aufzuarbeiten und insbesondere mit den Meinungen der Innsbrucker dramatischen Theologie zu vergleichen.

 

 

Meinungen der Lehre zu Augustinus, mit denen ich mich näher auseinander setzen werde:

Flasch, Kurt

Der Philosoph Kurt Flasch kritisiert Augustinus’ Erbsündenlehre scharf als Teil einer „Logik des Schreckens“. Er schreibt, dass Augustinus einerseits Entdecker des Individuums genannt werden könne, andrerseits aber auch eine Erbsündenlehre vertritt, die zwar in sich logisch sei, aber eine ihm menschlich unannehmbar scheinende Konsequenz haben.

Pröpper, Thomas

Auch Thomas Pröpper, der große Freiheitstheologe, steht Augustins Erbsündenlehre deutlich kritisch gegenüber. Augustins Lehre sei in Teilen, die das „liberum arbitrium“ zu Gunsten einer doppelten Prädestination relativieren, so nicht zu rezipieren. Er betont die Gnade, die Gottes Geschenk darstellt und die Manifestation seiner Liebe ist. Gnade setzt Freiheit nicht außer Kraft, sondern ermöglicht ihr erst die Erfüllung. Gnade ist dabei kein „Danaer- Geschenk“ das die Freiheit dominiert. Die Annahme der Gnade ist selbst frei — aber diese Freiheit ist selbst erst durch die Gnade möglich, die die menschliche Freiheit unbedingt achtet.

Niewadomski, Jozef

Er versteht Augustins Lehre von der Erbsünde nicht als isolierte Neuschöpfung, sondern als dogmatische Festlegung bereits vorhandener biblischer und patristischer Traditionslinien. Zugleich warnt Niewiadomski vor verkürzten Deutungen, die Augustins Erbsündenlehre entweder auf ein biologisches Vererbungsmodell oder auf Konkupiszenz reduzieren. Er bleibt sohin Augustinus näher als Pröpper.

Schwager, Raymund

Setzt bei Augustinus’ Erbsündenlehre explizit an, um sie im Kontext der modernen Evolutionstheorie neu zu entfalten. Schwagers zentraler Beitrag ist eine dramatisch-mimetische Erbsündentheologie: Er integriert René Girards mimetische Theorie, um die „Weitergabe“ der Sünde anthropologisch zu erklären: Sünde wird primär durch Nachahmung sozial übertragen, nicht durch biologische Vererbung.

Sandler, Willibald

Willibald Sandler sieht Augustins Erbsündenlehre grundsätzlich in der Tradition, die auf Augustinus zurückgeht, aber er kritisiert die Verbindung der Erbsünde mit bestimmten Verstärkungen, die spätere Traditionen übernommen haben. Zentral ist bei Sandler jedoch, dass er die Erbsündenlehre nicht verwerfen will. Bei ihm kommt die Lehre vom Gnadenkairòs dazu.

Forschungsfragen:

  • Wie kann man die Lehre von der Ursünde des Adam und deren Konsequenz bis zu uns heute sehen?  Was kann man insbesondere auf Flasch antworten?
  • Wie ist die Lehre vom Gnadenkairòs hier zu integrieren?
  • Worin liegt das Potential der dramatischen Theologie beim Thema Erbsünde?
  • Zweifellos werden weitere Fragen im Zuge der Arbeit an dieser Dissertation auftreten, denen nachgegangen wird.

Forschungsmethoden:

Studium der Literatur und Sekundarliteratur und deren Vergleich. Positionierung im System der dramatischen Theologie und der Lehre vom Gnadenkairós.

Literatur von Augustinus:

Augustinus, Aurelius: Schriften über die Gnade, Prolegomena Band III

Literatur über Augustinus:

  • Essen,Georg: Analyse und Kritik gegenwärtiger Erbsündenlehre in Pröpper: Anthropologie Bd 2. S 1092 – 1157
  • Flasch, Kurt: Logik des Schreckens: Augustinus von Hippo, De diversis quaestionibus ad Simplicianum I 2
  • Niewiadomski Jozef: Gesammelte Schriften IV
  • Pesch, Otto Hermann: Frei sein aus Gnade (1983). Zweiter Fragenkreis: Mensch im Widerstand gegen Gott (S. 102 – 189)
  • Pröpper, Thomas: Die Erblast der Erbsündenlehre in Theologische Anthropologie II, Freiburg i. Br. 2009
  • Sandler, Willibald: „Augustine without a Theodicy of a Condemning God“ His Misunderstanding of Romans and Resulting Transformations of Predestination, Original Sin, Freedom and Grace, Ders.: Augustinus – Lehrer der Gnade und Logiker des Schreckens
  • Schwager, Raymund :  Erbsünde und Heilsdrama in Gesammelte Schriften 7  S 179-347
Hirschberger

Doktorand: Mag. Dr. iur. Raimund A. Hirschberger LLM (iur.can.)

Email: raimund.hirschberger@gmail.com

Sandler

Ao, Univ, Prof. Dr. Willibald Sandler, Institut für Systematische Theologie

Email: willibald.sandler@uibk.ac.at

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