Die Fußwaschungserzählung: eine johanneische „Neuinszenierung“ des Abendmahls.

Diese Dissertation untersucht die Fußwaschungserzählung und der Benennung des Judas in Joh 13,1–30 als johanneische Relecture/Neuinszenierung des Abendmahls und als vorwegnehmende Neukonfiguration der Passion. Die Studie beleuchtet, wie sich das vierte Evangelium nicht damit begnügt, eine überlieferte Tradition weiterzugeben, sondern eine echte theologische Inszenierung vornimmt. Im kritischen Dialog mit den Berichten über das  Abendmahl (Mt 26,17–30; Mk 14,12–26; Lk 22,7–23; 1 Kor 11,23–26) und mit außerbiblischen Texten hebt diese Studie die von Johannes vorgenommenen Abweichungen, Verschiebungen und Neukonfigurationen hervor. Sie vertritt die These, dass Joh 13,1–30 eine narrative und theologische Neue-Inszenierung des Abendmahls darstellt, in der die Geste des Dienens die Worte über Brot und Kelch symbolisch ersetzt und interpretiert und in der die Passion bereits in Form vorwegnehmender Gesten in die Handlung eingebunden ist. So entfaltet sich die johanneische Christologie in einer paradoxen Spannung zwischen Erniedrigung und Erhöhung, Dienst und Herrschaft. Durch die Wiederentdeckung der theologischen Bedeutung der Fußwaschung und der Figuren Petrus und Judas in dieser Sequenz möchte diese Arbeit ihren entscheidenden Beitrag zum Verständnis der christologischen Offenbarung im vierten Evangelium hervorheben. Letztendlich zielt diese Studie darauf ab, einen integrativen hermeneutischen Rahmen vorzuschlagen, in dem Relecture, Neuinszenierung und narrative Dynamik zusammenlaufen, um die johanneische Christologie zu beleuchten.

Fuswaschung

Forschungsfragen

  1. Warum hat das Johannesevangelim  im Gegensatz zu den synoptischen Überlieferungen eine Fußwaschungserzählung, die eng mit der Szene der Auslieferung durch Judas verbunden ist, in den Mittelpunkt des Ereignisses des Abendmahls gestellt?
  2. Inwiefern stellt die Fußwaschung eine symbolische und theologische Neuinszenierung der jüdischen, griechisch-römischen, synoptischen und paulinischen Traditionen dar?
  3. Welche Rolle spielen Petrus und Judas in der narrativen und christologischen Dynamik dieser Perikope?
  4. Wie trägt diese johanneische Inszenierung zu einem erneuerten Verständnis der Christologie bei?

Methode

Diese Studie führt eine eingehende Textanalyse von Joh 13,1–30 in seiner endgültigen kanonischen Form durch. Sie verfolgt einen synchronen Ansatz und betrachtet die Perikope als eine kohärente und theologisch konstruierte literarische Einheit. Die Analyse konzentriert sich auf die narrative Struktur und die inneren Dynamiken der Erzählung.

Besonderes Augenmerk wird auf die grammatikalischen, syntaktischen und semantischen Gegebenheiten des griechischen Textes gelegt, um die theologische Dichte der beschriebenen Äußerungen und Gesten hervorzuheben. Die Studie stützt sich zudem auf einen intertextuellen Ansatz, der Joh 13,1–30 mit den synoptischen und paulinischen Überlieferungen des Abendmahls sowie mit den alttestamentarischen, außerbiblischen jüdischen und griechisch-römischen Motiven der Fußwaschung in Verbindung bringt.

Schließlich steht die Forschung in einer hermeneutischen Perspektive, die die Konzepte der Relecture, der Neuinszenierung und der Hypertextualität miteinander verknüpft, um der theologischen Arbeit des Evangelisten Johannes Rechnung zu tragen. Sie will damit zu einem neuen Verständnis der johanneischen Christologie beitragen, indem sie aufzeigt, wie die Erzählung von der Fußwaschung und dem Verrat einen Schlüssel zur Interpretation der eucharistischen Tradition und der Passion als Ereignis christologischer Offenbarung darstellt.

Literatur (Auswahl)

  • Egasse, Corine, Le lavement des pieds, Recherche sur une pratique négligée, Genève, Labor et Fides, 2015.
  • Henrschel, Anni, Die Fußwaschungserzählung im Johannesevangelium, Ein Beitrag zur johanneischen Ekklesiologie, Tübigen, Mohr Siebeck, 2022.
  • Metzger, Bruce M., A textual commentary on the Greek New Testament : a companion volume to the United Bible Societies' Greek New Testament, fourth revised edition, Stuttgart, Dt. Bibelgesellschaft, 1994.
  • Thomas, John Christopher, Footwashing in John 13 and the Johannine Community. 2e éd., Cleveland, CPT Press, 2014.
  • Zumstein, Jean, L’évangile selon saint Jean (13-21), Genève, Labor et Fides, 2007.

Betreuer

Univ.-Prof. Dr. Boris Repschinski SJ

Institut für Bibelwissenschaften und Historische Theologie

Doktorand

Profil

Mag.theol. Jean-Marc Damin

Jean-Marc.Damin@student.uibk.ac.at

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