Der westsyrische Ritus der Bischofsordination gemäß dem Pontifikale Patriarch Michaels des Großen († 1199) und dem „Ritus von Tagrit“: Kritische Edition und kommentierte Übersetzung

West Syrian Episcopal Consecration

Noch heute werden, wenngleich in vielfach modifizierter Form, in der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien wie auch im syrisch-katholischen Patriarchat von Antiochien die altehrwürdigen Ordinationsriten liturgisch verwendet, die Patriarch Michael der Große im späten 12. Jahrhundert kodifiziert hat. Umso mehr muss das Fehlen einer kritischen Edition dieses eminent bedeutsamen Textes erstaunen, der in fünf sehr alten und einer Reihe jüngerer Handschriften überliefert ist. Diesen Missstand möchte mein PhD-Projekt mittels einer Edition und deutschen Übersetzung des Ritus der Bischofsordination zumindest partiell beheben. Dabei wird auch ein bisher unerforschter westsyrischer Bischofsordinationsritus aus einer Jerusalemer Handschrift mit einbezogen.

Forschungsfragen

1. Ist MS Paris, Bibliothèque Nationale de France, syr. 113 tatsächlich das aus der Feder Patriarch Michaels des Großen selbst geflossene Original des bischöflichen Ordinationsritus?

2. Ist der in MS Jerusalem, Saint Mark’s Monastery Library, 109 enthaltene Ritus der Bischofsordination dem sogenannten „Ritus von Tagrit“ zuzuordnen?

3. Welche Theologie des bischöflichen Amtes ist in den westsyrischen Ordinationsriten enthalten?

Forschungsziele und -methoden

Das Kernstück meines Dissertationsprojektes bildet die Erstellung einer kritischen Edition zweier westsyrischer Riten der Bischofsordination: Des in Form von (lateinischen) Übersetzungen wohlbekannten, aber im syrischen Original von der Forschung bisher weitestgehend vernachlässigten Ritus, wie er sich im sogenannten „Pontificale“ des berühmten Patriarchen Michael dem Großen findet, sowie des in MS 109 der Bibliothek des Jerusalemer syrisch-orthodoxen Markusklosters enthaltenen Ritus. In Bezug auf ersteren wird im Zuge der Handschriftenkollationierung und anschließenden Edition des Textes gesondert noch einmal die Frage aufzurollen versucht, ob es sich bei MS Paris, Bibliothèque Nationale de France, syr. 113 tatsächlich – was von eminenter Bedeutung wäre – um das Autograph Patriarch Michaels des Großen handelt. Der bis dato noch gänzlich unerforschte Ritus der Bischofsordination in der Jerusalemer Handschrift soll dagegen als einziger bisher bekannter (selbständiger) Textzeuge des bischöflichen Ordinationsritus für das Maphrianat, d. h. den östlichen Teil des syrisch-orthodoxen Patriarchats von Antiochien, erwiesen werden. In der die deutsche Übersetzung begleitenden Kommentierung wird der Verwendung von Texten aus pseudo-apostolischen Kirchenordnungen (Testamentum Domini, Constitutiones Apostolorum etc.) in den beiden Ordinationsriten besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Edition des Ritus aus dem Pontificale Michael des Großen wird auch für den Fall, dass MS Paris, Bibliothèque Nationale de France, syr. 113 als Autograph bestätigt werden können sollte, einen eklektischen Text bieten, da auch Autographe keine unbedingte Gewähr für die bestmögliche Textqualität bieten. Der zweite, in MS Jerusalem, Saint Mark’s Monastery Library, 109 enthaltene Ritus wird semi-diplomatisch ediert, d. h. lediglich von eventuellen offenkundigen Schreibfehlern des Kopisten der Handschrift gereinigt. Die Übersetzungen und Kommentierungen versuchen, auch einem nicht des Syrischen kundigen Leser ein Werkzeug an die Hand zu geben, die komplexen liturgischen Texte bestmöglich verstehen zu können.

Quellen

MS Paris, Bibliothèque Nationale de France, syr. 113 (Autograph?)

MS Paris, Bibliothèque Nationale de France, syr. 112

MS Città del Vaticano, Bibliotheca Apostolica Vaticana, Vat. sir. 51

MS Damaskus, Syrisch-Orthodoxes Patriarchat, Orth. 5/52

MS Jerusalem, Saint Mark’s Monastery Library, 109


Betreuer

o. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Meßner

Institut für Bibelwissenschaften und historische Theologie

Doktorand

Mag. phil. fac. theol. Lic. phil. Hubert Alisade

Institut für Amerikastudien

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