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Wenn Unvergebbares vergeben wird.

Eschatologische Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit?

Bei der Suche nach Antworten auf die Frage: " Wie können Opfer des Holocaust den Tätern bzw. Peinigern vergebenn!" bin ich auf zwei verschiedene extreme Konzepte gestoßen. Die Bandbreite  reicht von der kompletten Ablehnung von Vergebung, insbesondere bei so monströsen Verbrechen, wie sie in der Shoah begangen wurden, bei Vladimir Jankèlèvitch bis zu den Allversöhnungshoffnungs-Konzepten der Theologen Jan-Heiner Tück, Magnus Striet und Dirk Ansorge.

Im Einzelnen konnte ich folgende Positionen feststellen

Vladimir Jankèlèvitch

„NS-Verbrechen sind unverjährbar, weil sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind. Er stellt die geradezu ontologische Dimension der Dehumanisierung heraus".

Jan-Heiner Tück

Gerechtigkeit heißt bei Jan-Heiner Tück mehr als nur Ausgleich, denn die Komponente Wahrheit über Schuld hat dazu zu kommen. Sie strebt nicht nach Vergeltung, sondern verlangt Versöhnung und Wiedergutmachung. Vergebung hebt die Gerechtigkeit nicht auf, sondern komplettiert sie.

Magnus Striet

Bei Magnus Striet erreicht die „eschatologische Versöhnung" die Stufe einer Hoffnung auf die endgültige Vollendung der Schöpfung im Sinne einer Heilung. Die Logik des Kreuzes wird nicht als Strafe gesehen, sondern als  Ausdruck und Beweis göttlicher Zuwendung.

Dirk Ansorge

Er ist als Vertreter einer „eschatologische Versöhnungshoffnung“ zu sehen. Freiheit, Opfer und Gerechtigkeit müssen gleichermaßen ernst genommen werden. Ansorge kommt daher zu keiner garantierten Allversöhnung, sondern baut die Hoffnung darauf, dass Gottes barmherzige Liebe am Ende stärker ist als die menschliche Verweigerung.

Vertreter der dramatischen Theologie

Der Begriff wurde von Raymund Schwager eingeführt und bedeutet für ihn, dass unser Glaube in ein heilsgeschichtliches Drama eingebettet ist. In diesem Drama sind Gottes Handeln und menschliche Freiheit stets aufeinander bezogen. Sie bedingen einander und interagieren wie in einer Dramaturgie des Heils. Der Mensch kann in Freiheit und Dankbarkeit Gottes Heilshandeln, das in der Vergebung der menschlichen Schuld besteht, erkennen und annehmen. Jozef Niewiadomski ergänzt eine wichtige Voraussetzung und „conditio sine qua non“, nämlich, dass der Mensch seinerseits seinen Schuldigern, wie es im Vater unser heißt, vergeben muss.
Im Ausgleich zwischen Täter und Opfer, sieht Niewiadomski eine kleine im zeitlich - geschichtlichen Raum sich ereignende Vorform dessen, was im Letzten Gericht – also im Bereich der Ewigkeit auf dem Spiel steht: die zwingend erforderliche Unterbrechung des Kreislaufes von Schuld, Anklage und Vergeltung, die nur durch Vergebung möglich wird.

Forschungsfragen

Was Heißt Hoffnung für Täter und Opfer im Lichte der obengenannten Sichtweisen?

Was heißt in diesem Sinne Vergebung?

Welche Rolle spielt die Wahlfreiheit des Menschen?

Zweifellos werden weitere Fragen im Zuge der Arbeit an dieser Dissertation auftreten, denen nachzugehen sein wird.

Forschungsmethoden

Literaturstudie: Erforschung von Primär- und Sekundärquellen insbesondere zur dramatischen Theologie

Literatur

Girard Renè, Wenn all das beginnt...,Thaur-Wien-München 1997

Kleeberg Florian, Bleibend unversöhnt - universal erlöst? eine Relecture von römisch-katholischen Konzepten zur Frage der Allversöhnungshoffnung im Gespräch mit psychotraumatologischen Ansätzen, Münster 2016

Palaver Wolfgang,  René Girards mimetische Theorie, Wien, Berlin, Münster 2008

Schwager Raymund, Gesammelte Schriften Band 4, Heilsdrama, Systematische und narrative Zugänge, Hrsg. Józef Niewiadomski, Herder, Freiburg, Basel, Wien 2015

Doktorandin

Gertraud Hirschberger

Magra. Drin. iur Gertraud Hirschberger BEd
gertraud.hirschberger@student.uibk.ac.at

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Betreuer

Ao. Univ.Prof. Dr. Willibald Sandler

Institut für Systematische Theologie
willibald.sandler@uibk.ac.at

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When The Unforgivable Is Forgiven: Eschatological Hope Amidst Hopelessness ?

In seeking answers to the question, “How can victims of the Holocaust forgive the perpetrators or tormentors?”, I encountered two contrasting and mutually opposed approaches. The spectrum ranges from the complete rejection of forgiveness —particularly in the case of monstrous crimes such as those committed during the Shoah, as argued by Vladimir Jankélévitch — to the theological conceptions of universal reconciliation and hope advanced by Jan-Heiner Tück, Magnus Striet and Dirk Ansorge.

Vladimir Jankélévitch

Nazi crimes are imprescriptible because they constitute crimes against humanity. He emphasizes the almost ontological dimension of dehumanization.

Jan-Heiner Tück

For Jan-Heiner Tück, justice signifies more than mere restitution; it must include the dimension of truth concerning guilt. Justice does not strive for retribution and retaliation but also calls for reconciliation and reparation. Forgiveness does not abolish justice but rather brings it to completion.

Magnus Striet

In Magnus Striet’s mind, “eschatological reconciliation” attains the level of hope for the ultimate fulfilment of creation -  understood as healing. The scandal of the Cross is not interpreted as punishment but as an expression and manifestation of Divine benevolence

Dirk Ansorge

He may be regarded as a representative of an “eschatological hope for reconciliation”. Freedom, victimhood and justice must all be taken equally serious. Consequently, Ansorge does not postulate a guaranteed universal reconciliation but grounds his position in the hope that God’s merciful love will ultimately prove stronger than human resistance.

Representatives of dramatic theology

The term “Dramatic Theology” was introduced by Raymund Schwager. For him it signifies that our faith is embedded in a drama of salvation history. Within this drama divine action and human freedom are always related to one another. They are mutually constitutive and interact as elements within a dramaturgy of salvation.
In freedom and gratitude, human beings can recognize and accept God’s Saving Action, which consists in the forgiveness of human guilt. Józef Niewiadomski adds an important prerequisite — indeed, a  “conditio sine qua non”: human beings must forgive those, who have wronged them (“as we forgive them, who trespass against us …”), as required in the Lord’s Prayer. In the reconciliation between perpetrator and victim, Niewiadomski sees a small, historically and temporally situated anticipation of what is ultimately at stake in the Last Judgement — that is, in the realm of eternity: the imperative interruption of the cycle of guilt, accusation and retaliation, which can be brought to an end only through forgiveness.

Research questions

What does hope mean for perpetrators and victims in light of the perspectives outlined above?

What, in this context, is meant by forgiveness?

What  decisive role does human freedom of choice play?

Undoubtedly, further questions will arise in the course of this dissertation and will need to be pursued.

Research methods

Literature review, Examination of primary and secondary sources, with particular emphasis on dramatic theology

Bibliography

Girard, René, Wenn all das beginnt …, Thaur–Vienna–Munich, 1997.

Kleeberg, Florian, Bleibend unversöhnt – universal erlöst? Eine Relecture von römisch-katholischen Konzepten zur Frage der Allversöhnungshoffnung im Gespräch mit psychotraumatologischen Ansätzen, Münster, 2016.

Palaver, Wolfgang, René Girards mimetische Theorie, Wien–Berlin–Münster, 2008.

Schwager, Raymund, Gesammelte Schriften, vol. 4: Heilsdrama: Systematische und narrative Zugänge, edited by Józef Niewiadomski, Herder, Freiburg–Basel–Wien, 2015.

Doctoral student PhD:

Gertraud Hirschberger

Magra. Drin. iur Gertraud Hirschberger BEd
gertraud.hirschberger@student.uibk.ac.at

Supervisor:

Ao. Univ. Prof. Dr. Willibald Sandler

Institut für Systematische Theologie
willibald.sandler@uibk.ac.at

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