Zu sehen ist Andree Burke bei seiner Antrittsvorlesung, er befindet sich in einem Hörsaal.

Antritts­vor­le­sung Andree Burke

„Auf der Suche nach Spiel­raum. Pasto­ral­theo­logie in den ereig­nis­be­zo­genen Logiken der Gegenwart.“

Am 15. Juni 2026 hielt Andree Burke im Madonnensaal seine Antrittsvorlesung unter dem Titel „Auf der Suche nach Spielraum“. Seit Oktober 2025 ist er Professor für Pastoraltheologie und Homiletik an der Universität Innsbruck.

In seinem Vortrag skizzierte Burke sein Fachverständnis. Ihm geht es darum, Spielräume des Lebens aufzuspüren – eine Perspektive, die bereits im Johannesevangelium angelegt ist, wo zwei unterschiedliche Begriffe von „Leben“ in der Hirtenrede Jesu (Joh 10) miteinander in Beziehung stehen. Anliegen der Pastoral sei es, das unverfügbare Leben wahrzunehmen, das sich ereignishaft im Alltag zeigt und Spielräume öffnet.

In Zeiten zunehmender Pluralität und Situativität von Religiosität müsse Glaube stärker an Erfahrungen gebunden werden. Pastoral dürfe nicht einfach als kirchliches Programm verstanden werden, das Biografien möglichst lückenlos umrahmt. Entscheidender seien Erfahrungen, von denen her Kirche ihre Gestalt je neu justieren könne.

Demnach wachse der Bedarf nach einer neuen Balance zwischen Ordnung und Kreativität. Hier setzt Burke mit dem Spielbegriff an: Er steht für ein bewegliches Denken, das interdisziplinär anschlussfähig ist und die Gegenwartskultur erreicht. Spiel zeigt sich dabei in mehreren Dimensionen: als game (Ordnungen, Regeln), als play (kreatives, regelsetzendes Tun), als act (Rollenhandeln) und als perform (leiblich-investiertes Hervorbringen). Sie strukturieren Erfahrungen, zwischen denen das Leben „spielt“.

Pastoral sei als forschende, kreative Investition der Tradition in gegenwärtige Situationen zu verstehen. Damit müsse sie immer wieder neu anfangen, die Vielfalt verschiedener Erfahrungen ernst nehmen, kritisch gegen Machtasymmetrien einsprechen und sensibel für das machen, was Menschen heute trägt. Entsprechend formuliert Burke die Leitfragen dieser Pastoral einfach und zugleich anspruchsvoll: „Wo ist Spielraum? Wo spielt das Leben? Wie finden Menschen Zugang zum Leben?“

(JP)

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