Wolf

Der Wolf ist da

[04.12.2023] Wie Wölfe die Alpen in Bewegung bringen, darüber diskutierten Elisa Frank und Nikolaus Heinzer von der Universität Zürich am 20. November in Innsbruck mit Kolleg:innen und der Öffentlichkeit. Sie waren auf Einladung des Forschungsschwerpunkts „Kulturelle Begegnungen – Kulturelle Konflikte“ nach Innsbruck gekommen.

Vor bald 30 Jahren sind die ersten Wölfe nach langer Abwesenheit wieder in der Schweiz gesichtet worden. Mit ihrer raumgreifenden Lebensweise überqueren Wölfe immer wieder Grenzen: Politisch-administrative, aber auch emotionale, gefühlte, imaginierte Grenzen. Dadurch unterwandern sie Grenzziehungen des Menschen und lösen intensive gesellschaftliche Debatten aus. Seit ihrer Rückkehr in die Alpen bewegen sich die Tiere in einem nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und ideologisch besonders sensiblen Terrain.

Wölfe gelten als Inbegriff der wilden Natur. Doch der natürliche Lebensraum der Wölfe in der Schweiz ist eingegrenzt und kontrolliert. Wie wild kann ein Wolf überhaupt noch sein? Wie stark ist unser Bild vom Wolf von kulturellen Vorstellungen geprägt? Was verstehen wir heute eigentlich unter Natur? Entlang dieser und weiterer Fragen diskutierten wir mit Elisa Frank und Nikolaus Heinzer von der Universität Zürich einen Nachmittag und Abend lang über die Rückkehr der Wölfe als kulturellen Prozess. 

Am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen im Café Katzung standen Perspektiven unterschiedlicher Akteur*innen ebenso wie Fragen methodologischer Herangehensweisen im Zentrum. Im Rahmen des Abendvortrags verdeutlichten die beiden Vortragenden, wie die Rückkehr der Wölfe unter anderem zur erneuten Betonung von Grenzziehungen und damit verbundenen lokalen Identitäten führt. Insbesondere die Frage nach der Involviertheit bzw. Betroffenheit unterschiedlicher Akteur*innen stand im Zentrum des Forschungsprojekts. So ließen beispielsweise Plakate einer Kampagne für einen 'gelungenen' Umgang mit dem Wolf die Frage nach der Rolle der Politik in der Gestaltung dieses Umgangs weitgehend offen. Es zeigt sich zudem, dass die Debatte um die Rückkehr der Wölfe auch einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Aushandlung komplexer Themenbereiche dient, etwa des kulturellen Verständnisses von Natur, Vorstellungen von Verantwortung und Mensch-Tier-Beziehungen. Welche Rolle hat etwa der*die Wildhüter*in nun gegenüber dem Wild als potenzielles Beutetier des Wolfes, gegenüber der ansässigen Bevölkerung, aber auch gegenüber dem Wolf als Wildtier? Der Forschungsschwerpunkt lud im Anschluss an die Diskussion zu einem kleinen Buffet, um die offenen Fragen noch bei einem Glas Wein weiterzuführen und den Abend ausklingen zu lassen. 

Einen weiteren Bericht zur Veranstaltung finden Sie hier

Biografische Notiz

Teresa Millesi ist Koordinatorin des Forschungsschwerpunkts "Kulturelle Begegnungen - Kulturelle Konflikte.


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