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Credit: Brenner-Archiv. Sign. 283/3.2

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Anton Unterkircher: Verwirrspiel um das Pseudonym „M. Perlunger“

 

Zeichnung. Sign. 283/3.2

Im Herbst 2019 konnte das Brenner-Archiv einen Teilnachlass von Franz Junger erwerben. Konrad Rabensteiner (https://literaturtirol.at/lexikon/648) hat diese Materialien aus einem Holzschuppen neben der in Räumung befindlichen Villa Glückauf in Brixen, dem ehemaligen Wohnort von Junger, für die Nachwelt gerettet und mit Teilen seines Vorlasses dem Brenner-Archiv geschenkt. (https://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/archiv/rabensteiner.html#junger). Dafür sei Rabensteiner an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt. Dieser Bestand enthält Briefe und Dokumente aus der Gründungszeit der Zeitschrift Der Schlern, die mit ihrem Jänner-Heft 2020 ihren 100. Geburtstag gefeiert hat. Auf der Basis der Materialien dieses Junger-Bestandes wird demnächst ein fundierter Beitrag zur Entstehungsgeschichte dieses traditionsreichen kulturgeschichtlichen Unternehmens erscheinen. Franz Junger (1882–1934) (siehe LiteraturTirol: https://literaturtirol.at/lexikon/315), Mitbegründer des Schlern und bis zu seinem Tod im Jahre 1934 der allein verantwortliche Schriftleiter, hat als solcher immer namentlich gezeichnet, aber seine Texte, Besprechungen und Zeichnungen im Schlern immer unter dem Pseudonym M. Perlunger abgedruckt. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich neben Junger der zweite (geheime) Mitbegründer des Schlern : Ludwig March (1880–1940), unter dem beide eine „künstlerische Einheit“ bildeten. March entstammt der Brixner Fotografenfamilie March, sein Bruder war der mit Erwin Schrödinger eng befreundete Physiker Arthur March, von dem sich ebenfalls ein Krypotnachlass im Teilnachlass von Erwin Schrödinger im Brenner-Archiv befindet (https://www.uibk.ac.at/brenner-archiv/archiv/schroedinger.html#march).
Die im Junger-Bestand überlieferten hunderte von Texten und Zeichnungen sind vorerst – da es dazu einer langwierigeren Durchsicht und Erforschung bedarf – dem Pseudonym M. Perlunger zugeordnet worden. Wie diese „künstlerische Einheit“ Junger-March zu verstehen ist, ist derzeit noch ein ungeklärtes Faszinosum. Die hier abgebildete Zeichnung auf einem Mathematik-Schulübungsblatt stammt aber mit ziemlicher Sicherheit von Ludwig March. Denn manche dieser zerschnittenen Blätter waren ursprünglich, wie die teilweise noch sichtbare Aufschrift zeigt, im Gymnasium in Kempten in Verwendung, wo March eine Zeitlang als Lehrer gewirkt hat. Nach derzeitigem Wissensstand scheint es so gewesen zu sein, dass sowohl Junger als auch March geschrieben und gezeichnet haben. March scheint der kreativere gewesen zu sein, der seine Einfälle in Wort und Bild auf jedem nur irgendwie geeigneten Blatt unentwegt festgehalten hat. Junger hat – abgesehen vom ungeklärten künstlerischen Anteil am Pseudonym – auf jeden Fall auch für M. Perlunger die ‚Schriftleitung‘ übernommen. Das pseudonyme Versteckspielen hat er übrigen schon mit jenen legendären Gymnasialerinnerungen, dem Gullibuch (in 2 Bänden 1914 und 1924) vorexerziert, wo er als Autor nirgends aufscheint, vielmehr noch einen fingierten Herausgeber vorschiebt.

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