Forschung in Bewegung

Eine Kunstausstellung der Forschungsplattform Organizations & Society in Kooperation mit der Forschungsplattform Empirische und Experimentelle Wirtschaftsforschung.

Forschung in Bewegung: Eine Ausstellung

Warum forschen wir?

Forscher und Forscher und Forscherinnen sind beseelt von Neugier und Interesse an der Welt. Forschung findet nicht im Elfenbeinturm statt. Wir knüpfen mit unserer Arbeit direkt an das tägliche Leben an. Wir bewegen uns aus dem universitären Raum und sind neugierig auf die Lebenswelten von Menschen, Organisationen, Politik, Unternehmen und ihre Zukunftsthemen. Dazu gehen wir in berufsbildende Einrichtungen, in die Finanzindustrie, in Krankenhäuser und Kliniken, an den Arbeitsplatz, in Unternehmen, in Konsumwelten, in die Alpen oder begeben uns in den Wahlkampf.

Wir stellen uns viele Fragen, unter anderem, ob man Heilkunst wirklich bewerten oder messen kann, was Eltern ihren Kindern auf den Lebensweg mitgeben, was unsere Entscheidungen beeinflusst, ob es Demokratie am Arbeitsplatz wirklich gibt, wie die Alpen schmecken oder warum Wahlkampf nicht ohne Angriff geht.

Forschung bewegt alle. Wir sind Universität und nehmen unsere Herkunft ernst. „Universitas“ umfasst das Ganze, die Welt und die gesellschaftliche Gesamtheit. Wir bewegen daher unserer Erkenntnisse wieder in diese erforschten Lebenswelten zurück. Damit wir alle von Vergangenem lernen, die Gegenwart erkennen und Zukunft besser gestalten können.

Die Ausstellung Forschung in Bewegung zeigt, wie wir das tun. Wir laden sie herzlich ein, ein Stück des Forschungsweges mit uns zu gehen und sich auf eine bewegte Reise durch die bunte Themenwelt unserer Forschung zu machen.

Menschen sind Forscher, Forscher bewahren sich ihr Kinder-Warum.
Manfred Hinrich, 1926–2015

Plattformsprecherinnen:
Andrea Hemetsberger (Forschungsplattform Organizations & Society)
Janette Walde (Forschungsplattform Empirische und Experimentelle Wirtschaftsforschung)

Projektverantwortliche:
Andrea Hemetsberger
Manuel Mayrl

Idee und Mitgestaltung:
Martin Senn

Fotos:
Bernhard Mayr,
www.bernhardmayr.at

Zerbricht die Gesellschaft an Wertefragen?

Es gibt Fragen, die eine Gesellschaft polarisieren, weil ihre Antworten Werturteile erfordern.

Soll Abtreibung legal sein? Soll es ein Recht auf Sterbehilfe geben? Soll die Ehe für alle gelten? Die Antworten darauf fallen von Mensch zu Mensch verschieden aus. Der Gesetzgeber muss trotzdem eine allgemein gültige Regel finden, um den Sachverhalt zu regeln. Im besten Fall wird ein Kompromiss erzielt, im anderen fühlt sich eine Seite unterlegen.

Das Projekt Postsecular Conflicts untersucht, wie sich solche Konflikte verändern, wenn die Konfliktparteien über Ländergrenzen hinweg Allianzen mit Gleichgesinnten schmieden, um Argumente und Strategien auszutauschen. Christliche konservative Gruppen aus den USA arbeiten eng mit Orthodoxen aus Russland und konservativen religiösen Vereinen in Europa zusammen, vereint in ihrer Ablehnung von Frauenrechten, gleichgeschlechtlicher Liebe und Abtreibung.

Diese Dynamik gilt es zu verstehen und Auswege aus der Polarisierung aufzuzeigen, wenn in Zukunft verhindert werden soll, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft an Wertefragen zerbricht.

Projekt:
Postsecular Conflicts
Projektleiterin:
Kristina Stoeckl
Fördergeber:
European Research Council, Starting Grant POSEC 676804 (2016-2021)

Wettbewerb und Statusstreben in der Finanzindustrie

Welche Auswirkungen haben Wettbewerb (im weiteren Sinn sozialer Vergleich) und das entsprechende Streben nach Status auf unser Verhalten in wirtschaftlichen Situationen? Mit dieser allgemeinen Frage beschäftigen wir uns am Institut für Banken und Finanzen, um die positiven, aber auch negativen Aspekte von Wettbewerb und Statusstreben zu erforschen.

In einer Reihe von ökonomischen Experimenten zu Wettbewerb und Statusstreben in der Finanzindustrie analysierten wir das Verhalten von über 1.000 Bankern aus diversen europäischen Ländern. Die wichtigsten Erkenntnisse aus den Studien lassen sich wie folgt darlegen: In Investmententscheidungen gehen diejenigen Banker höhere Risiken ein, die im sozialen Vergleich (Ranking) hinterherhinken. Das gilt sogar, wenn ein hoher sozialer Status keine höhere monetäre Entlohnung bringt als ein niedrigerer Rang und die Informationen über das Ranking anonym sind. Wir konnten auch zeigen, dass sogar börsenferne Laien plötzlich ein ähnliches statusgetriebenes Risikoverhalten an den Tag legten, sobald zusätzlich zum anonymen Ranking die Sieger oder Verlierer öffentlich gemacht wurden.

Dieses Verhalten geht auf anthropologische Mechanismen zurück, wonach es für unsere Vorfahren vor vielen Tausenden von Jahren schon wichtig war, einen hohen sozialen Status zu genießen. In neurowissenschaftlichen Studien konnte zudem gezeigt werden, dass in derartigen Situationen Hirnareale wie etwa das Belohnungszentrum, das auch bei einfachen Stimuli wie Hunger oder sexuelle Erregung „feuert“, aktiviert wird. Dieses menschliche Streben nach hohem Status erklärt in der heutigen Zeit den Erfolg vieler Konsum- und Luxusgüterindustrien und das Streben nach Macht und Erfolg in Wirtschaft, Sport und Politik.

Forschungsbereich:
Banking & Finance
Projektteam:
Michael Kirchler (Universität Innsbruck), Florian Lindner (Max Planck Institute for Research on Collective Goods), Utz Weitzel (Utrecht University)
Fördergeber:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (SFB F63 und START-Grant Y617-G11)

Wie schmecken die Alpen?

Der erste Schluck erschlägt, eine Flut an fremden Gerüchen und deftigen Aromen; ein ungestümer Geschmack, der einen taumeln lässt. Erst der Atemzug danach, der über die Zunge streifende Lufthauch, offenbart den herben Ton, der die kargen Berghänge seiner alpinen Herkunft in sich trägt. Wärmend aber doch unzugänglich; präsent und dennoch bescheiden.

Ein Erbe ist kein Geschenk. Das Erbe muss erhoben und verstanden, muss angenommen und gepflegt werden. Erbe fordert.

Der Wildschönauer Krautinger ist eine jener geschichtsträchtigen Kulturformen, die im Projekt AlpFoodway als Ausdruck des kulinarischen Erbes der Alpen untersucht werden. Was zeichnet diese Traditionen im Kern aus? Wie können diese Praktiken bewahrt werden? Welche Bedeutung haben sie für die Identität und Lebensweise der lokalen Bevölkerung? Welche Möglichkeiten gibt es, dieses Wissen und diese Fertigkeiten für eine nachhaltige Zukunft fruchtbar zu machen? Und wie kann man alpine Essenstraditionen neu interpretieren und spannend inszenieren? 13 Projektpartner aus sechs Ländern des Alpenbogens gehen diesen Fragen nach, um die reichhaltigen Facetten des kulinarischen Erbes der Alpen sichtbar zu machen.

Projekt:
Alpfoodway
Projektteam:
Andrea Hemetsberger, Markus Schermer, Michael Klingler, Clemens Maaß
Fördergeber:
European Regional Development Fund – Interreg Alpine Space

Was Eltern ihren Kindern auf den Lebensweg mitgeben

Wie wichtig sind frühe familiäre Beziehungserfahrungen und elterliche Bildungsinvestitionen für den späteren Lebensweg von Kindern? Was können Eltern ihren Kindern langfristig mitgeben?

Dies sind Fragen, die in der LifE-Studie vor dem Hintergrund eines umfangreichen Datensatzes untersucht werden. Die Studie gehört zu den größten Längsschnitt- und Generationenstudien im deutschsprachigen Raum. Mehr als 2000 Kinder, Eltern und Großeltern wurden über einen Zeitraum von 33 Jahren zu ihren Beziehungen und Lebensverläufen befragt.

Die Studienergebnisse verdeutlichen, dass frühe familiäre Erfahrungen und familiäre Bildungsinvestitionen bis in spätere Lebensphasen Auswirkungen haben. So zeigt sich z. B., dass die Qualität der elterlichen Ehe durch ihre Vorbildfunktion und durch ihre Auswirkungen auf die Eltern-Kind-Beziehung die spätere Partnerbeziehung der Kinder bedeutsam beeinflussen kann. Je zufriedener die Eltern in ihrer Beziehung sind, desto wertschätzender und konfliktloser gestaltet sich auch die Partnerschaft ihrer erwachsenen Kinder. Wenn Kinder in ihren Familien eine feinfühlige Erziehung durch ihre Eltern erfahren, wirkt sich dies zudem positiv auf ihr späteres Erziehungsverhalten gegenüber den eigenen Kindern aus. Die kulturellen Förderbemühungen der Eltern spielen schließlich eine wichtige Rolle bei den Übergängen im Bildungswesen und im Hinblick auf den späteren Bildungsstatus der Kinder.

Beziehung, Erziehung und Bildung werden damit laut den Befunden der Studie in einem nicht unerheblichen Maße von Generation zu Generation weitergegeben. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand zur Kindheit und Jugend verliert die Herkunftsfamilie jedoch an Bedeutung. Außerfamiliäre Beziehungen und neue Lebenserfahrungen sowie die wachsende Fähigkeit junger Menschen, ihre Entwicklung selbst und losgelöst von der Herkunftsfamilie zu gestalten, gewinnen an Einfluss.

Projekt:
LifE-Studie: Lebensverläufe und Generationenbeziehungen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter
Projektteam:
Universität Innsbruck: Alfred Berger, Andrea Umhauer
Universität Potsdam: Wolfgang Lauterbach
Universität Zürich: Helmut Fend, Urs Grob
Universität Konstanz: Werner Georg
Fördergeber:
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Berufliche Lernräume öffnen und verbinden

An berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Österreich sind erfahrungsergänzende Betriebspraktika von besonderer Bedeutung. Sie sind in den Lehrplänen verankert und unterliegen dem Bildungsauftrag des jeweiligen Schultyps.

Wirtschaftspädagog/inn/en der Universität Innsbruck erforschen, wie und unter welchen Bedingungen Lernende in kaufmännischen, technischen und gastronomischen Praktika berufliche Handlungskompetenzen entwickeln. Wir möchten mehr darüber erfahren, welche fachlichen, sozialen und persönlichen Lernräume ein Praktikum bietet und wie diese für die Lernenden „geöffnet“ werden können.

Im Rahmen des Forschungsprojektes PEARL wurde hierzu der Ansatz einer konnektivitätsorientierten Praktikumsdidaktik entwickelt, der Schulen, Lernende und Betriebe in den Blick nimmt. Kernelemente sind das ‚Aufeinanderbezugnehmen‘ aller Beteiligter in der Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung von Betriebspraktika und ein darauf abgestimmtes betriebliches und schulisches Bildungsmanagement.

Projekt:
Berufliche Kompetenzentwicklung
Projektleiterin:
Annette Ostendorf
Fördergeber:
OeAD-GmbH (Österreichische Austauschdienst) – Austrian Agency for International Cooperation in Education and Research

Gibt es Demokratie am Arbeitsplatz?

JA! In demokratischen Betrieben dürfen MitarbeiterInnen mitreden! Durch schriftliche Regeln und Gremien werden die Arbeitenden verbindlich dazu ermächtigt, direkt oder durch gewählte VertreterInnen, an Unternehmensentscheidungen teilzunehmen. Beispiele für demokratische Betriebe sind selbstverwaltete Unternehmen in Belegschaftsbesitz (Café Ruffini/München), demokratische Produktiv- und Sozialgenossenschaften (MalDek/Wien), demokratische Reformunternehmen (Stasto KG/Innsbruck) oder soziale Partnerschaftsunternehmen (GEA Waldviertler Schuhwerkstätten). Demokratische Betriebe stellen zwar eine Minderheit im Vergleich zu konventionellen Unternehmen dar, aber europaweit zählte man im Jahr 2017 ca. 50.000 Produktiv- und Sozialgenossenschaften, die 1,3 Millionen MitarbeiterInnen beschäftigten. Ziel einer demokratischen Gesellschaft ist ein gutes Leben für alle zu sichern, basierend auf den Grundwerten „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit/Schwesterlichkeit“. Demokratische Betriebe fühlen sich diesen Grundwerten verpflichtet und nach Patemans (1970) Spillover-Hypothese können MitarbeiterInnen, die im Arbeitskontext prosoziales Verhalten erlernen (z.B. durch eine demokratische Arbeitsumgebung), dieses auch außerhalb des Arbeitsbereichs, in ihrem sozialen und gesellschaftlichen Leben zeigen. Die ODEM-Forschung konnte dies anhand von 22 demokratischen Betrieben bestätigen. Je mehr taktische und strategische Entscheidungen in einem Wirtschaftsbetrieb gemeinsam getroffen werden, umso eher werden sich MitarbeiterInnen (weiter-)entwickeln in ihrem Hilfeverhalten, ihrer Solidarität, ihrem bürgerschaftlichen Verhalten (soziales, kulturelles oder politisches Engagement) und in ihren moralischen Kompetenzen, die am Arbeitsplatz, im sozialen Umfeld und in der Gesellschaft Anwendung finden.

Forschungsbereich:
Organizational Participation and Meaning in Life
Projektteam:
Wolfgang G. Weber, Christine Unterrainer, Thomas Höge, Hannah Louis
Sprecher (Audiodatei):
Michael Lindenthal
Musik (Audiodatei):
Arnoud Silvester Kuipers
Fördergeber:
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Research-Programm ›node‹ – New Orientations for Democracy in Europe), Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF), Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (Impactförderung ›node‹)

Was macht ein Statistiker im Zufallswald?

Unsere Bäume stehen nur im übertragenen Sinn im Wald: Es geht um Entscheidungsbäume, deren Äste sich da gabeln, wo Daten sich unterscheiden – die Bäume „erlernen“ eine Einteilung von Daten und leiten daraus Vorhersagen ab. Wenn wir das vielfach wiederholen, entsteht ein ganzer Wald von Entscheidungsbäumen, ein „Random Forest“.

Um das zu illustrieren: In einer klinischen Studie kann ein Entscheidungsbaum herausfinden, in welchen Patientengruppen ein Medikament gut anschlägt oder eben nicht, beispielsweise aufgrund von Alter, Geschlecht oder der Krankengeschichte. Ein Ast des Baumes sagt uns dann etwa, hier, bei 47 Jahren, gibt es einen klaren Unterschied – jüngere Patienten profitieren mehr, ältere weniger. Und unter den jüngeren sind es vor allem die mit einem milderen Krankheitsverlauf und von denen besonders die Frauen, die profitieren.

Oft sind aber die Entscheidungsregeln eines solchen Baumes zu einfach, um komplexe Effekte einzufangen. Dann lassen wir mit wechselnden Teilen der Gesamtdaten einen ganzen Wald von Bäumen wachsen: Für manche Bäume lassen wir dann zum Beispiel das Geschlecht ganz weg, andere werden ohne Alter gerechnet. Am Ende zeigen uns die „Blätter“ jedes Baumes homogene Gruppen und wir berechnen den Durchschnitt. Das heißt, unsere Bäume entscheiden mehrheitlich, was Sache ist. Das führt zu robusteren und verlässlicheren Ergebnissen.

In unserer Forschung züchten wir für unterschiedliche Fragen möglichst passgenaue Wälder, das reicht von psychologischen Experimenten bis zur Wettervorhersage. Und ganz wichtig dabei: Neben der Methode entwickeln wir immer auch flexible und quelloffene Software zur praktischen Anwendung von Random Forests.

Projekt:
Random Forests
Projektleiter:
Achim Zeileis

Vermessung der Heilkunst?

Wie wird in österreichischen Krankenhäusern Qualität gemessen? Und welche Wirkungen und Grenzen hat diese Form der Vermessung der Heilkunst?

In diesem vom österreichischen Forschungsfonds (FWF) finanzierten Projekt untersuchen wir die Entwicklung und Anwendung der so genannten Austrian Inpatient Quality Indicators (A-IQIs). Sie stellen eine bundesweit einheitliche Ergebnisqualitätsmessung dar.

Aus Routinedaten werden statistische Auffälligkeiten bei bestimmten Behandlungen in einzelnen Krankenanstalten identifiziert, z.B. Sterbehäufigkeiten, Komplikationen, Operationstechniken sowie Versorgungs- und Prozessindikatoren. A-IQIs sollen die Qualität stationärer Leistungen österreichischer Krankenhäuser transparent, vergleichbar und steuerbar machen.

In unserem Forschungsprojekt untersuchen wir einerseits anhand einer Diskursanalyse, welche Perspektiven auf medizinische Leistungen, Qualität und Qualitätsmanagement diese spezifische Form der Qualitätsmessung eröffnet und welche Perspektiven dadurch in den Hintergrund rücken.

In Fallstudien in einzelnen Krankenhäusern untersuchen wir zudem die tatsächliche Anwendung der A-IQIs, um die damit verbundenen Möglichkeiten und Schwierigkeiten zu erforschen.

Projekt:
Qualitätsmessung im Gesundheitswesen: Diskurse und Praktiken
Projektteam:
Silvia Jordan, Albrecht Becker, Patrick Neff, Michael Wörndle
Fördergeber:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)
Sprecherin (Audiodatei):
Waltraud Totschnig

Was beeinflusst meine Entscheidung?

Im Rahmen des UMIC-Projekts erforschen wir, wie die Präsentation von Ideen die menschliche Entscheidungsfindung und Güte der Auswahl beeinflusst. In unseren Laborexperimenten eliminieren oder selektieren TeilnehmerInnen die besten oder schlechtesten Ideen anhand definierter Qualitätskriterien.

Wir fanden heraus, dass die Auswahl mit der Aufgabenaufforderung „Finden Sie die besten Ideen“ kognitiv anstrengender empfunden wird und weniger Ideen ausgewählt werden als mit der Aufforderung „Finden Sie die schlechtesten Ideen“. Weiters testeten wir, welchen Unterschied es macht, wenn alle Ideen auf einmal oder in kleineren Teilmengen dargestellt werden. Unsere Forschung fand heraus, dass weniger Ideen pro Bildschirm Menschen dazu anregt, mehr Informationen aufzunehmen sowie mehr Ideen zu selektieren oder zu eliminieren, um eine höhere Auswahlgenauigkeit zu erreichen. Hierbei bedeutet Auswahlgenauigkeit, dass sich die eigene Einschätzung mit derer von Experten deckt.

Außerdem führt die Darstellung von weniger Ideen pro Seite dazu, dass mehr Ideen-Feedback wie Likes angeschaut wird. Dennoch wird nahezu die Hälfte des Feedbacks ignoriert. Wir untersuchten auch, inwieweit die Themenähnlichkeit der Ideen in den Teilmengen eine Rolle spielt. Dabei fanden wir heraus, dass, wenn Menschen Ideen aus sehr ähnlichen Themenfeldern selektieren, die Auswahl kognitiv weniger anstrengend und die Auswahlgenauigkeit höher ist, als wenn Ideen aus sehr unterschiedlichen Themenfeldern selektiert werden.

Projekt:
Verstehen und Messen moderierter Ideenkonvergenzprozesse (UMIC)
Projektleiterin:
Isabella Seeber
Fördergeber:
Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF)

Bewerben oder doch besser nicht?

Fördern Stellenanzeigen Chancengleichheit?

Vor dem Hintergrund der Forderungen nach mehr Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen (z.B. die Erhöhung des Frauenanteils in den oberen Hierarchieebenen, die Erhöhung des Frauenanteils in meist besser bezahlten männerdominierten Branchen, die Reduktion des Frauenanteils in Teilzeitanstellungen) erforscht dieses Projekt, welche Rolle Stellenanzeigen bei der Verteilung von Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern spielen.

Geschlechterspezifische Sprachcodes und die Wirkung der damit assoziierten Rollenbilder („Bias“) in Stellenanzeigen könnten im Widerspruch zu den Bestrebungen zur Förderung von Chancengleichheit stehen. Dieses Forschungsprojekt verfolgt daher zwei Ziele: erstens, das Ausmaß von geschlechterspezifischen Rollenbildern im gesamten österreichischen Online-Stellenmarkt zu erfassen, und zweitens, zu erklären, ob die Ausprägung dieser Rollenbilder in unterschiedlichen Hierarchieebenen, in mehr bzw. weniger männerdominierten Berufsfeldern, sowie in Jobangeboten mit Teilzeitoption variieren. Die Studie untersuchte insgesamt 196.268 Stellenanzeigen (Online) aus dem Jahr 2016 und kam zu folgenden Ergebnissen:

Der österreichische Stellenmarkt ist stark geprägt von geschlechterspezifischen Rollenbildern. Stellenanzeigen für leitende Funktionen oder Expertenfunktionen sind deutlich stärker männlich konnotiert als Stellenanzeigen für Jobs ohne Leitungsfunktion. Das Berufsfeld Handel ist deutlich stärker weiblich konnotiert als das Berufsfeld IT, ebenso sind Teilzeitstellen deutlich stärker weiblich konnotiert als Vollzeitstellen.

Projekt:
Geschlechterspezifische Rollenbilder in österreichischen Stellenzeigen
Projektleiterinnen:
Anna Schneider, Julia Brandl
Projektteam:
Bianca Schönherr, Isabella Pomarolli
Fördergeberin:
Arbeiterkammer Wien

Wochentags von morgens bis abends: Innsbrucks Bevölkerung wächst um 50 %

Innsbrucks Bevölkerung wächst von 8:00 bis 17:00 Uhr um knapp 50 %. Von Montag bis Freitag sind das täglich über 60.000 Pendlerinnen und Pendler – Auszubildende und Arbeitende.

Welche positiven Entwicklungen erfährt eine Region wie Innsbruck durch das Pendeln? Ein starker Zustrom bedeutet vorhandene Arbeitsplatz- und Ausbildungsplätze. Damit ist die Region im Vergleich zu ihren Nachbarregionen durch größere Steuereinnahmen, weitere Betriebsansiedlungen und vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten wirtschaftlich besser gestellt.

Erfährt die Region auch negative Auswirkungen durch starke Pendlerströme? Ein starker Pendlerstrom verursacht neben Verkehrsproblemen, wie Staus in der Früh und nach den Arbeitszeiten, niedrigere Löhne aufgrund des größeren Wettbewerbs und möglicherweise auch höhere Arbeitslosigkeit durch Verdrängungseffekte mit weitreichenden Folgen, wie zum Beispiel größere Armutsgefährdung oder eine höhere Kriminalitätsrate.

Das Untersuchen der Effekte von Mobilität auf die wirtschaftliche Entwicklung einer Region und ihrer Peripherie ist das Anliegen unseres Projektes. Ziel ist es, die Regionalpolitik so zu gestalten, dass der Wohlstand und das Wohlergehen aller Tirolerinnen und Tiroler gesichert und erhöht werden.

Projekt:
Mobilität, Migration und regionale Auswirkungen
Projektleiter:
Lorenz Fischer
Michael Pfaffermayr

WahlKAMPF – Ohne Angriffe geht es nicht!

Als Negative Campaigning bezeichnet man politische Kommunikation, die nicht eigene Vorzüge und Ideen positiv beleuchtet, sondern den politischen Gegner angreift und kritisiert. Diese Kampagnenpraxis findet man sowohl in der Wahlwerbung als auch in der politischen Medienarbeit – für Medien sind Nachrichten mit hohem Konflikt- oder Skandalpotential jene mit dem höchsten Nachrichtenwert. Ziel des Negative Campaigning ist, diese Berichterstattung nicht dem Zufall zu überlassen, sondern selbst zu steuern.

Die Effizienz negativer Wahlwerbung ist umstritten; Mobilisierungseffekte werden ebenso festgestellt wie die Abkehr der WählerInnen von der Politik, wenn die politische Auseinandersetzung zu konflikthaft geführt wird. Der oft subjektive Eindruck, dass Negativkampagnen an Häufigkeit und Intensität zunehmen, lässt sich empirisch bisher nicht bestätigen – allerdings wird das Negative Campaigning an sich immer öfter zum Meta-Thema gemacht und in den Medien wird daher mehr über Negativkampagnen berichtet.

Ein Blick auf österreichische Wahlplakate aus sieben Jahrzehnten zeigt, dass Negativität und Angriffe auf politische GegnerInnen eine lange Tradition in österreichischen Wahlkämpfen haben – und durchaus mit Kreativität und Augenzwinkern umgesetzt wurden und werden.

Projekt:
Negative Campaigning
Projektteam:
Marcelo Jenny, Lore Hayek

Strafvollzug – Sackgasse oder Weichenstellung für prosoziales Verhalten?

Wie erfolgreich sind Haftstrafen, wenn es um die Rehabilitation und zukünftige Wiedereingliederung der Häftlinge in das soziale und wirtschaftliche Leben geht?

Basierend auf dieser Frage haben wir in einem Projekt eine Reihe von ökonomischen Experimenten mit Gefängnisinsassen in zwei griechischen Gefängnissen durchgeführt und die experimentellen Daten mit administrativen Daten zusammengeführt. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

(i) Eine längere Haftzeit führt in der Regel zu einer Schwächung des prosozialen Verhaltens der Häftlinge. Sie sind weniger sozial, zeigen geringeres Vertrauen und weisen weniger Kooperationsbereitschaft auf, vor allem in der Beziehung mit Menschen außerhalb des Gefängnisses.

(ii) Wir haben eine einfache kognitive Intervention durchgeführt und ihre Wirksamkeit untersucht: Jene Insassen, die einen kurzen Text über ihre Zeit im Gefängnis und den Einfluss der Haftzeit auf ihr Verhalten schreiben mussten, haben im anschließenden Experiment deutlich sozialere Entscheidungen getroffen als jene Insassen, die nicht aufgefordert wurden so einen Text zu verfassen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass prosoziales Verhalten mit geeigneten Instrumenten gefördert werden kann. Solche Erkenntnisse sind wichtig für die Entwicklung und Feinjustierung des Strafsystems, um die Resozialisierung verurteilter Krimineller zu ermöglichen.

Projekt:
Verhaltensanalyse im Strafvollzug
Projektleiter:
Loukas Balafoutas
Tarek Jaber-Lopez
Fördergeber:
British Academy (GB), Ministerio de Economía y Competitividad (ES)

Die Ausstellung kann von Mai bis Dezember 2019 an der SOWI, Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck, besichtigt werden.

Plattformsprecherinnen:
Andrea Hemetsberger (Forschungsplattform Organizations & Society)
Janette Walde (Forschungsplattform Empirische und Experimentelle Wirtschaftsforschung)

Projektverantwortliche:
Andrea Hemetsberger
Manuel Mayrl

Idee und Mitgestaltung:
Martin Senn

Fotos:
Bernhard Mayr, www.bernhardmayr.at

Online-Umsetzung:
Stefan Hohenwarter, Büro für Öffentlichkeitsarbeit